Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

18. Mai 2020

Merima lernt lesen und schreiben

Merimas besucht die erste Klasse in Santa Barbara und ihre Augen strahlen, denn sie kann endlich lesen, schreiben und rechnen! Das war nicht immer so! Denn für viele Mädchen und Buben in Guatemala ist eine gute Schulbildung leider alles andere als selbstverständlich. Wie überall auf der Welt, wo der Alltag von bitterer Armut geprägt ist, hat die Bildung der Kinder für viele Eltern, die oft selbst nie eine Schule besucht haben, keinen großen Stellenwert. Statt zu lernen müssen schon die Kleinen ihren Beitrag im täglichen Kampf ums Überleben leisten.

Merima darf endlich lesen und schreiben lernen! (Foto: James Rodriguez)
"Wenn ich groß bin, will ich frei sein!" (Foto: James Rodriguez)

Guatemala gehört mit mehr als der Häfte seiner Einwohner unter der Armutsgrenze zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Gerade im Hochland, wo ein Großteil der indigenen Bevölkerung lebt, ist die Armut erschreckend allgegenwärtig: In den ländlichen Regionen gibt es kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung und die hygienischen Bedingen sind teilweise äußerst prekär. Fast die Hälfte der Kinder leidet unter Mangelernährung und auch familiäre Gewalt und Missbrauch sind keine Seltenheit.

So auch in Merimas Heimatdorf Santa Barbara, wo viele Kinder am Feld mitarbeiten müssen, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu verbessern. Für die Schule bleibt da wenig Zeit. Und wenn doch, dann fehlt es den Schülern an einfachen Grundlagen: „Es dauert drei bis vier Monate, bis die Kinder eine Weile stillsitzen oder sich auf eine Sache konzentrieren können“, weiß Debora Velasquez, Schulleiterin an Merimas Schule. Da für die meisten Kinder die Schulzeit nach wenigen Jahren schon wieder endet, kommt Bildung zu kurz. Aber Mädchen und Buben, die nie ordentlich Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben, können der Armutsspirale kaum entkommen. Sie enden oft - wenn sie überhaupt Arbeit finden - als schlecht bezahlte Tagelöhner oder wie Merimas Vater als illegale Arbeiter im Ausland, was ihnen auch als Erwachsenen wieder nur ein mehr schlechtes als rechtes Überleben erlaubt.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Zukunft

Kinder wollen das Leben entdecken, Lesen lernen, von Berufen träumen, eine Perspektive haben, in Frieden und Freiheit aufwachsen – und sie haben jedes Recht dazu! Kinder haben Rechte, die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in der UN-Kinderrechtskonvention bereits vor mehr als 30 Jahren festgeschrieben wurden. Dazu zählen unter anderm das Recht auf Bildung, auf Teilhabe, auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung sowie auf Schutz vor Gewalt.

Doch weltweit werden immer noch viel zu vielen Kindern und Jugendlichen ihre Kinderrechte verwehrt: Kindern, die nicht zur Schule gehen können. Kindern, die unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen arbeiten müssen. Kindern, die auf der Straße leben. Kindern, die keine Zukunftsperspektive haben. Ausbeuterische Kinderarbeit, Kinderhandel, Gewalt und Missbrauch bestimmen stattdessen das Leben vieler Mädchen und Buben. Schlimmste Kinderrechtsverletzungen, die nach wie vor in vielen Ländern tagtäglich passieren und gravierende Folgen für das weitere Leben dieser Kinder haben.

Ein Schulbesuch, der Kinderaugen leuchten lässt

Mit der lokalen Partnerorganisation Sadegua setzen wir uns in der Region rund um Santa Barbara für die Verwirklichung der Kinderrechte ein – Schutz vor Gewalt und Missbrauch, medizinische Versorgung und genug zu Essen, Schulbildung – ein. Merima wird in ihrem Recht, zur Schule zu gehen, durch umfassend geschulte Lehrer (inkl. zu Kinderrechten und Fördermöglichkeiten von Kindern mit Behinderungen) und mit qualitativ hochwertigem Unterrichtsmaterial in kinderfreundlicher Lernumgebung unterstützt. Außerdem haben ihre Eltern in Workshops erfahren, wie wichtig Schulbildung für die Zukunft ihrer Tochter ist, was Kinderrechte bedeuten, wie sie Merimas Gesundheit fördern sowie Anzeichen von Gewalt und Missbrauch erkennen können. Das kleine Mädchen selbst kann im Schulparlament das Schulleben aktiv mitgestalten.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung. (Foto: James Rodriguez)
Laut Velasquez verlieren die Kinder wichtige Zeit, "wenn sie nicht schon früh ihre motorischen und geistigen Fähigkeiten entwickeln können." (Foto: James Rodriguez)

Merima wurde im Kindernothilfe-Projekt durch das Sadegua-Team in den letzten zwei Jahren gut auf die Schule vorbereitet. „Kaum ein Kind kann einen Stift halten, wenn es zu uns in die Schule kommt“, sagt Schulleiterin Debora Velasquez. Mit Malen, Kneten und Basteln werden sie nun kindgerecht gefördert. Inzwischen kann sie sich auf den Unterricht konzentrieren und übt fleißig für die Schule. Sie freut sich wie eine Schneekönigin endlich lernen zu dürfen und so später einmal die Möglichkeit zu haben, ihre großen Pläne für die Zukunft verwirklichen zu können. Aber das ist für viele andere Kinder aus ärmsten Verhältnissen nicht selbstverständlich.