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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Mit Bildung gegen die Ausbeutung

Die Haut aufgeschürft und wund, der Kopf zu müde zum Lernen: Kinder aus armen Familien schuften schon im Volksschulalter täglich in den Sandgruben Sambias. Aber nicht nur dort: Weltweit arbeiten rund 152 Millionen Kinder. Mit ihren Projekten in 31 Ländern sucht die Kindernothilfe nach Auswegen aus dem Elend.

Obwohl Kinderarbeit in Sambia verboten ist, schuften zig Buben und Mädchen täglich viele Stunden in den Sandsteingruben. (Foto: Christian Herrmanny)

Wenige Steine noch, dann ist der Kübel voll. Stunden um Stunden lockert der 12-jährige Chance bereits mit der Spitzhacke am Rand der Sandgrube das Gestein, barfuß und in gekrümmter Haltung bei sengender Hitze. Für einen vollen Kübel bekommt er ein paar Cent, „wir machen nichts außer zu arbeiten“, seufzt er, mit Blick auf die anderen Kinder in der Grube. Es ist eine von vielen Gruben hier in Choma, unweit der spektakulären Victoriafälle im südlichen Sambia. Eine von vielen Arbeitsstätten, die vorwiegend Kinder beschäftigt, weil sie billiger sind als erwachsene Arbeitskräfte. Und weil sie weniger Forderungen stellen.

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Szenenwechsel: Die neunjährige Margarita und ihre Freundin arbeiten schon seit Jahren in einer Ziegelei, auch hier in Peru ist Kinderarbeit keine Ausnahme. Sie fahren mit Scheibtruhen, schaufeln Sand, mischen und formen die feuchte Lehmmasse zu Steinen, befüllen und leeren die Brennöfen. Rissig und rau sind die Hände der Kinder, Rücken und Beine schmerzen, zu schwer ist die Arbeit für die kleinen Körper. Jedes zweite Kind ab sechs Jahren arbeitet in dieser Region, oft viele Stunden am Tag – obschon Kinderarbeit in Peru offiziell verboten ist.

Teufelskreis: Armut – Kinderarbeit – keine Ausbildung – Armut – …

Rund 152 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen arbeiten. Darunter 73 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen: sie schuften tagtäglich in Minen oder Steinbrüchen, schleppen schwere Lasten Ziegelsteine oder sind bei der Ernte in der Landwirtschaft ungeschützt giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt.

Es ist die Armut, die Kinder wie Margarita und ihre Freundin in Peru oder Chance in Sambia in schwere, ausbeuterische Arbeit zwingt. Das geringe Einkommen der Kinder wird schlicht für das tägliche Überleben der Familien benötigt. Ein Teufelskreis. Denn für arbeitende Kinder ist der Schulbesuch kaum möglich, ohne Ausbildung aber bleibt wieder nur der Weg in ausbeuterische, schlecht bezahlte Tätigkeiten. Ausbeutung kann nicht allein durch Verbote wirksam bekämpft werden, es braucht vor allem Alternativen für die Betroffenen.

Auswege aus dem Elend

Cajamarca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)

Cajamarca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)

Diese bietet die Kindernothilfe mit ihren Projekten: In eigenen Förderzentren erhalten die Kinderarbeiter medizinische und psychologische Betreuung, lernen Lesen, Schreiben und Rechnen und können versäumten Schulstoff nachholen. Auch die Arbeit mit den Eltern ist wichtig: Mit Schulungen, Alphabetisierungskursen und Kleinkrediten für Unternehmensgründungen werden die Familien unterstützt – damit sie nicht mehr auf das Einkommen der Kinder angewiesen sind. „Es dauert oft lange, bis wir den Eltern klarmachen können, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist. Sie selbst haben ja auch schon als Kinder gearbeitet”, erzählt Projektleiterin Marciela Rabanal Pajares aus Peru. Sie und ihr Team aus Sozialarbeitern bleiben aber hartnäckig, wenn sie den Familien ein ums andere Mal erklären, dass ihre Kinder ein Recht auf den Schulbesuch haben. Dass Bildung das Leben ihrer Kinder verändern kann. So wie das von Margarita aus Peru oder das von Chance aus Sambia. Ihre Geschichten haben eine gute Wende genommen. Die beiden ehemaligen Kinderarbeiter gehen mittlerweile in die Schule, haben Ziegel und Spitzhacken gegen Schulbücher eingetauscht. „Ich bin zuversichtlich, dass ich die Schule sehr gut abschließen werde“, erzählt Chance stolz. Für die Zukunft hat der Jugendliche große Pläne: „Ich möchte so wohlhabend sein, dass ich die Schulgebühren von Kindern übernehmen kann, die sonst nicht in die Schule gehen könnten. Und eines Tages möchte ich vielleicht Präsident werden.“ Und Margarita erklärt fröhlich: „Ich bekomme sehr gute Noten, weil ich jetzt nicht mehr arbeiten muss.“

Der Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit ist auch eines der wichtigsten Anliegen der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, die heuer im November ihren 30. Jahrestag feiert. Die Kindernothilfe Österreich wird weiterhin alles dafür tun, um entschieden gegen ausbeuterische Kinderarbeit aufzutreten und uns gemeinsam mit unseren erfahrenen Partnerorganisationen vor Ort für diese Kinder und Jugendlichen einzusetzen, damit weltweit möglichst vielen betroffenen Kindern geholfen wird. Denn rund 152 Millionen arbeitende Kinder, darunter 73 Millionen unter menschenunwürdigen Bedingungen, sind 152 Millionen zu viel und kein einziger zu wenig, um nach Auswegen aus dem Elend zu suchen. Und es sind Erfolgsgeschichten wie die von Chance und Margarita, die zeigen, dass unsere Arbeit Wirkung hat.