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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

13. Februar 2021

Radio macht Schule

Die achtjährige Leyla sitzt mit 45 anderen Mädchen und Buben unter einem riesigen, schattenspenden Marula-Baum. An den Baumstamm ist eine Schultafel gelehnt, daneben steht ein kleines solarbetriebenes Plastikradio. Ein junger Mann hantiert geschickt mit der Antenne bis er die richtige Frequenz gefunden hat und eine Stimme auf Englisch den Unterrichtsbeginn ankündigt. Die Augen der Kinder beginnen zu leuchten und sie lauschen gebannt.

Eine halbe Stunde lang gibt das Radio dem Lehrer detaillierte Instruktionen: "Schreiben Sie die Zahl '10' an die Tafel" oder "Holen Sie einen Schüler nach vorne." Sie sind sehr hilfreich für Leylas Lehrer, der selbst keine entsprechende Ausbildung hat. Wie übrigens so viele andere Lehrer in den ländlichen Gebieten Sambias, wo studierte Fachkräfte eine Seltenheit sind.

Radio sichert das Kinderrecht auf Bildung

Überall und jederzeit verfügbar, ist Radio laut UNESCO das meistgenutzte Medium der Welt und eine Plattform für Meinungsvielfalt, Information und Unterhaltung. Und seit mittlerweile 110 Jahren ein weltweiter Wegbegleiter im Alltag. In den ärmsten Regionen der Welt stellt es zusätzlich eine notwendige Schulunterrichtsvoraussetzung dar und sichert so benachteiligten Mädchen und Buben ihr Recht auf Bildung. Wie eben in der dünn besiedelten Chikuni Region, südöstlich von Sambias Hauptstadt Lusaka. Für die meisten Kinder aus sehr armen Familien ist es kaum möglich, eine reguläre, öffentliche Schule zu besuchen, denn sie leben oft bis zu 50 Kilometer entfernt. Ein viel zu weiter Fußmarsch, auf dem viele Gefahren lauern. Besonders Mädchen riskieren Entführungen und Vergewaltigungen. Zudem müssen viele von ihnen bereits auf dem Feld arbeiten, um die bittere Armut ihrer Familien zu lindern.

Für diese Kinder betreibt der Kindernothilfe-Partner Chikuni Mission sogenannte Radioschulen und strahlt täglich vorproduzierte Schulfunkprogramme bis in die entlegensten Dörfer der Region aus. Die Kinder versammeln sich in Gemeinderäumen oder im Freien und folgen dem Radiounterricht in ihrer Sprache Tonga unter Anleitung freiwilliger Leher*innnen. Diese helfen ihnen auch beim Erarbeiten des jeweiligen Lernstoffes. Dabei werden die Kinder bis zur siebten Klasse unterrichtet und absolvieren die staatlichen Prüfungen am Ende jedes Schuljahres. Durch die enge Zusammenarbeit der Chikuni Mission mit dem Bildungsministerium von Sambia lassen sich die Erfolge sehen. Viele der Chikuni-Radioschüler erreichen bei den staatlichen Tests gute Ergebnisse, manche sogar landesweit herausragende.

Lernen fürs Leben

Über die Beiträge, die sie täglich gemeinsam über das Radio empfangen, lernen die Mädchen und Buben Inhalte aus den wichtigsten Schulfächern. Mathematik, Lesen, Schreiben, Naturwissenschaften und Technik stehen auf dem Programm. Eine Einheit ist etwa 50 Minuten lang und behandelt ein spezielles Thema. In der Radioschule gibt es aber nicht nur die „klassischen Fächer“. Agrarforstwirtschaft und vor allem effektiver und nachhaltiger Anbau sind ein zentraler Bestandteil des Lehrplans. Das ist besonders wichtig, um gegen die Gefahren des Klimawandels und kommende Dürreperioden besser gewappnet zu sein. Spielerisch erfahren die Schüler*innen zum Beispiel, welche Pflanzen besonders geeignet sind für den Boden vor Ort. Oder wie man sich um die Setzlinge kümmert und wie man richtig erntet. Sie lernen auch, welche Trinkwasserquellen sicher sind und welche Methoden helfen, Wasser zu sparen und sinnvoll einzusetzen.

Bevor sich Leyla gegen 14h wieder auf den Weg nach Hause macht, sagt sie noch stolz: "Jetzt kann ich meinen Eltern zeigen, was ich gelernt habe und sie so unterstützen." Die Achtjährige möchte einmal ihren eigenen kleinen Garten haben, wenn sie groß ist.

In meinem Garten wird alles gut wachsen, weil ich hier gelernt habe, wie das geht.

Leyla, 8, Sambia

Ohne Radio geht es nicht

Das Radio wurde schon öfter totgesagt – zuerst durch das Fernsehen, dann durch das Internet. Doch bis heute erreicht es weltweit sechs Milliarden Hörer täglich und bleibt damit das reichweitenstärkste Medium. Ohne Radio wären Millionen von Menschen von Nachrichten ausgeschlossen, denn in vielen Regionen sind lokale Rundfunkstationen die einzige Informationsquelle.

Mit dem Welttag des Radios, der seit 2012 jährlich am 13. Februar stattfindet, möchte die UNESCO auf die Bedeutung dieses Mediums aufmerksam machen.