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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Roses Geschichte: Mut zur Selbsthilfe

Rose hat sich mutig auf den Weg aus der Perspektivenlosigkeit gemacht. In den ärmlichen, ländlichen Regionen Erussi und Ndhew in Ugandas Nebbi District kein leichter Schritt. Aber sie hat es geschafft und durch die Unterstützung im Kindernothilfe-Projekt einen Job als Schneiderin und viel Selbstvertrauen gefunden. 

Rose hat es geschafft! (Foto: Ludwig Grunewald)

Rose ist 24 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Nachdem sie ihr erstes Kind bekommen hatte, trennte sich ihr Mann von ihr und Rose zog wieder in ihr Elternhaus ein. Sie hatte kein eigenes Einkommen und konnte sich und ihr Baby selbstständig nur schwer über Wasser halten. Als sie ein weiteres Mal schwanger wurde und Zwillinge bekam, verschlechterten sich ihre Lebensumstände zunehmend. Sie schaffte es nicht, für Essen, Kleidung und eine grundlegende medizinische Versorgung ihrer Familie aufzukommen.

Roses Geschichte ist kein Einzelschicksal in den abgelegenen, ländlichen Regionen Erussi und Ndhew in Ugandas Nebbi District. Vorwiegend Subsistenzwirtschaft betreibend, sind ca. 50% der knapp 60.000 Einwohner der Region unter- bzw. mangelernährt, wodurch vor allem die gesunde Entwicklung der Kinder stark gefährdet ist. Äußerst niedrige Hygienestandards und unzureichende Trinkwasserversorgung fördern außerdem Infektionskrankheiten. Auch die hohe Anzahl an Menschen mit HIV/Aids schwächt die Gemeinschaften nachhaltig.

Ausweg aus der Perspektivenlosigkeit

Um die Situation der Menschen in Erussi und Ndhew nachhaltig zu verbessern, wurde 2015 das Kindernothilfeprojekt „Uganda – Hilfe zur Selbsthilfe“ ins Leben gerufen. Gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation The Agency For Accelerated Regional Development (AFARD) werden die Ärmsten der Armen in Selbsthilfegruppen befähigt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. So wird auch der großen Herausforderung begegnet, den Kindern und Jugendlichen der Region einen Ausweg aus dieser Perspektivenlosigkeit zu zeigen, damit sie wieder neuen Mut schöpfen.

Auch Rose trat in eine Jugendgruppe der Projektregion ein, wo sich die jungen Erwachsenen grundlegende Fertigkeiten aneignen können, um die Aufnahme ins zukünftige Berufsleben zu erleichtern oder einen Ausbildungsplatz zu . Schreinern, Schneidern, das Frisörhandwerk und mechanische Berufe sind hierbei oft und gern nachgefragte Arbeitsbereiche. Rose nahm mit 39 anderen jungen Erwachsenen an diesen Bildungsangeboten teil und beschäftigte sich mit wirtschaftlichen Grundlagen wie Einkommensmöglichkeiten, Finanzierung und Sparmaßahmen. Zusätzlich beschloss die junge Frau, das Schneiderhandwerk zu erlernen, um sich damit selbstständig zu machen, da sich in ihrer Region keine Schneiderei befand. Roses Stiefmutter schenkte ihr eine Nähmaschine und ihr Vater überließ ihr einen kleinen Anteil der Ernte für eine erste Einkommensgenerierung. Mit der Nähmaschine und dem durch die Ernte erworbenen ersten Grundkapital startete sie ihr Geschäft. Inzwischen erwirtschaftet sie durch ihre Tätigkeit ein monatliches Einkommen. Dadurch ist es ihr nun möglich, für Ernährung, Kleidung und Unterkunft für ihre Familie aufzukommen.

Hilfe zur Selbsthilfe (SHS)

Kindernothilfeprojekt „Uganda – Hilfe zur Selbsthilfe“ (Foto: Kindernothilfe)

Zudem ist Rose eines der mittlerweile über 2.000 Mitglied der 165 Selbsthilfegruppen in der Region, in denen sich in der Regel die Frauen zusammenfinden, um zu lernen, wie sie den Lebensstandard ihrer Familien eigenständig verbessern können. Die AFARD-Mitarbeiter boten im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Schulungen an, die je nach Stand und Fortschritt der SHG ganz unterschiedliche Themen umfassten. So wurde vor allem die Wichtigkeit von gesunder Ernährung, Hygiene und Gesundheitsvorsorge besonders hervorgehoben. Auch wurden die Frauen über ihre Rechte aufgeklärt und lernten, wie sie diese aktiv einfordern können. Zusätzlich nahm Rose am Microkreditprogramm teil, in dem die Frauen der SHG gemeinschaftlich Kleinstbeträge ansparen, aus denen nun langsam ein Kapitalstock entsteht. Daraus vergibt die SHG Kleinkredite, mit denen die Frauen kleine Geschäfte aufbauen können. So wird es ihnen ermöglicht, ein eigenes Einkommen zu generieren und die Lebensumstände in ihrem Familienkreis zu verbessern. Der Aufbau von Einkommensquellen macht sie von ihren Männern finanziell unabhängig und sie werden eher als gleichberechtigte Partnerinnen akzeptiert.

Rose beschreibt, dass sie durch die Mitgliedschaft in der Jugendgruppe und die dadurch angestoßenen persönlichen Erfolge sehr viel Selbstvertrauen gewonnen hat. Sie ist sehr dankbar, dass es ihr nun möglich ist, ihre Familie zu ernähren und sie ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten kann. Durch die SHG-Mitgliedschaft hat Rose erfahren, dass sie gemeinsam mit den anderen Gemeindemitgliedern sehr wohl Einfluss auf ihre Situation und auch auf die Politik lokaler Entscheidungsträger haben können. Roses Wunsch ist es, später einmal ihre eigene Ausbildungsstätte aufzubauen, in der sie anderen jungen Menschen das Schneiderhandwerk unterrichtet.