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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Sambia: Radio macht Schule

Das Radio läuft, die Kinder lauschen gespannt: in der 41. Mathematikeinheit wird noch einmal das Subtrahieren mit zweistelligen Zahlen wiederholt. Der Mann an der Tafel, ein eigens geschultes Gemeindemitglied, arbeitet die Lektion, die gerade über die Lautsprecher vorgetragen wird, mit den Kindern auf. Unterricht via Radio ist für die meisten Kinder und Jugendlichen in Chikuni, Sambia, ganz normaler Schulalltag und die einzige Chance auf eine Schulbildung.

Chikuni, Sambia: Unterricht via Radio (Foto: Jakob Studnar)

Die Gemeinde Chikuni liegt ungefähr 150 km südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka. Sie besteht aus rund 180 Dörfern mit insgesamt 25.000 Einwohnern, wovon die meisten von der Landwirtschaft leben und mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen. Unterernährung und Kinderarbeit sind die Folge. Zudem hat die Region mit der weiten Verbreitung von HIV und den immer heftigeren Wetterextremen (Trockenperioden versus Überflutungen nach sintflutartigen Regenfällen) zu kämpfen.

Am härtesten trifft es die Kinder armer Familien, denn sie werden in einen Teufelskreis hineingeboren: Da die Regierung nicht genügend Infrastruktur zur Verfügung stellt, gibt es in dieser Region kaum öffentliche Schulen und der Weg zu den wenigen Vorhandenen ist meist sehr weit; bis zu 20 km müssten die Kinder zurücklegen, um am staatlichen Unterricht teilnehmen zu können. Außerdem sind die Kinder vieler Familien aufgrund der extremen Armut von vornherein dazu gezwungen, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Beinahe 80% der dort lebenden Mädchen und Buben besuchen den Schulunterricht gar nicht oder nur sehr unregelmäßig.

Chikuni, Sambia: Das Radio ist die einzige Chance der Kinder auf Schulbildung (Foto: Jakob Studnar)

Chikunis Radioschulen

Unsere sambische Partnerorganisation Chikuni Mission hat im Jahr 2000 angefangen, sogenannte Radioschulen in verschiedenen Dörfern zu gründen, um Unterricht über das Radio in die entlegenen Regionen zu bringen. Das tägliche Sendeprogramm der Chikuni-eigenen Sendestation wurde in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und die Erstellung von Bildungsmaterialien durch Mitfinanzierung der Kindernothilfe möglich gemacht. Zusätzlich wurden Erwachsene trainiert, die Sendungen mit den Kindern anhand der Lehrmaterialien aufzuarbeiten und durch Hausaufgaben zu vertiefen. Diese Schulen ermöglichen es jenen Kindern und Jugendlichen, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten, trotzdem an einem Bildungsprogramm teilzunehmen.

Das Projekt begann modellhaft in nur fünf ausgewählten Dörfern bzw. Radioschulen. Weitere fünf kamen hinzu, in denen das reguläre tägliche Schulprogramm neu eingeführt wurde. Mittlerweile werden insgesamt 69 Klassen der Klassenstufen 1 bis 10 mit etwa 2.300 Kindern in 23 Dörfern erreicht und unterrichtet. Am Schuljahresende nehmen die Kinder an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Schulalltag in Chikuni

Die Kinder versammeln sich mit Unterstützung von Mentoren in Gemeinderäumen, unter Dachkonstruktionen oder den Bäumen. Dort nehmen sie am Radiounterricht teil und erledigen danach ihre Hausaufgaben. Aus Eigenmitteln und mit Unterstützung von Chikuni Mission versucht jede Gemeinde nach und nach ein Schulgebäude zu errichten. Im Unterricht werden auch praxisnahe Themen vermittelt: Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden und Anpassung der Landwirtschaft an die sich verändernden klimatischen Verhältnisse. Darüber hinaus unterstützt Chikuni Mission die Menschen der Region durch die Bereitstellung von Materialien zur ertragreichen Landwirtschaft und Expertenwissen. Mittlerweile nehmen auch die Erwachsenen am Unterricht teil: Sie lernen Lesen und Schreiben und erwerben wichtige landwirtschaftliche Kenntnisse.

Chikuni, Sambia: Mittlerweile besuchen auch Erwachsene die Radioschulklassen, um Lesen und Schreiben zu lernen (Foto: Christian Herrmanny)

Ein erfolgreicher Schulversuch

Auch im letzten Jahr waren die über das Radio übertragenen Unterrichtseinheiten ein zentraler Aspekt der Projektarbeit. Da viele Dörfer weit entfernt von den nächstgrößeren Städten liegen und somit der Schulweg für die Schüler zu lang ist, findet der Unterricht in 18 lokalen Zentren statt. Im letzten Jahr wurden daher 150 Lehreinheiten gesendet, die von über 2182 Kindern wissbegierig mitgehört wurden.

In den Zentren übernehmen geschulte Mentoren die Vorbereitung des Radiounterrichts. Im vergangenen Jahr wurden drei Fortbildungskurse für die Mentoren angeboten. Des Weiteren wurden 140 Besuche unternommen, um die Qualität des Unterrichts und die Unterrichtsmethoden der Mentoren zu überprüfen und falls nötig zu korrigieren. In den 18 Zentren waren 60 Mentoren beschäftigt, die im letzten Jahr auch ein Sportturnier zwischen den Einrichtungen organisiert haben.

Ein wesentliches Anliegen der Kindernothilfe und ihres Partners ist der Kindesschutz, der durch die Kindesschutzbeauftragten in den Zentren realisiert wird. Der Umgang mit möglichen Kindeswohlverletzungen wurde ihnen im letzten Jahr nähergebracht, um sie auf mögliche Ernstfälle vorzubereiten. Zur Prävention von Kinderrechtsverletzungen wurden 3500 Eltern in Workshops sensibilisiert. Vielerorts versuchen die Eltern nun ihre Kinder zu unterstützen, indem sie ihnen den Besuch der Zentren ermöglichen und durch freiwillige Nahrungsmittelspenden zu den Mahlzeiten der Kinder beitragen.