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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

17. Juli 2020

SDGs, COVID-19 und der Globale Süden

Der Bericht über nachhaltige Entwicklung (SDR) evaluiert jedes Jahr die Leistung aller UN-Mitgliedstaaten hinsichtlich der siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die 2015 von führenden Weltpolitikern verabschiedet wurden. In der aktuellen Version werden unter anderem die Fortschritte in Afrika, Lateinamerika, der Karibik und Südasien sowie die wahrscheinlichen kurzfristigen Auswirkungen von COVID-19 in diesen Regionen erörtert. Zudem wurden fünf Schlüsselmaßnahmen für die internationale Zusammenarbeit identifiziert, um die unmittelbaren Folgen der Gesundheits- und Wirtschaftskrisen in gefährdeten Ländern und Bevölkerungsgruppen anzugehen.

Der SDR2020 zieht Bilanz: Covid-19 zieht an den SDGs nicht spurlos vorbei (© Pica Publishing Ltd)
Der SDR2020 zieht Bilanz: Covid-19 zieht an den SDGs nicht spurlos vorbei (© Pica Publishing Ltd)

COVID-19 hat bis jetzt mehr als 550.000 Menschenleben gefordert und die ganze Welt durcheinandergebracht, ohne dabei eine Region zu verschonen. Seit Juli 2020 wächst die Zahl der täglich neu bestätigten Fälle und Todesfälle aufgrund COVID-19 in Lateinamerika und der Karibik rapide, insbesondere in Brasilien und Mexiko, aber auch in vielen afrikanischen Ländern sowie in Indien. Angesichts eingeschränkter Testkapazitäten in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen muss zudem von weitaus höheren Dunkelziffern ausgegangen werden. Die effektive Reproduktionsrate (ERR = die durchschnittliche Anzahl von Infektionen, die eine infizierte Person überträgt, wobei ein ERR von weniger als 1 eine wirksame Unterdrückung, ein ERR von über 1 hingegen anhaltende epidemische Zustände anzeigt) liegt in diesen Regionen über 1. Hingegen haben Länder im asiatisch-pazifischen Raum wie Taiwan oder Vietnam das Virus weitgehend im Griff, müssen allerdings weiterhin vorsichtig bleiben.

Das Coronavirus und die SDGs

COVID-19 hat in vielerlei Hinsicht negative Folgen auf die einzelnen Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Beispielsweise rechnet man damit, dass im Jahr 2020 rund 71 Millionen Menschen in extreme Armut zurückgedrängt werden. Solche schwerwiegenden Auswirkungen der Pandemie verstärken sich in Ländern mit niedrigem Einkommen und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, insbesondere im globalen Süden. Obwohl die Coronakrise kaum einen Menschen weltweit verschont hat, sind hilfsbedürftige Menschen, einschließlich gering qualifizierter Arbeitskräfte und Flüchtlinge, weitaus häufiger von Infektionsanfälligkeit, Todesfällen, sinkendem Einkommen und Arbeitslosigkeit betroffen.

SDG#1 "Keine Armut" weltweit zu erreichen ist in weitere Ferne gerückt (© Jakob Studnar)
SDG#1 "Keine Armut" weltweit zu erreichen ist in weitere Ferne gerückt (© Jakob Studnar)

Rückschritte bei der Zielerreichung

Obwohl die SDGs auch vor COVID-19 in keinem Staat erreicht waren, deutete die Veränderung der entsprechenden Indexwerte zwischen 2010 und 2019 auf eine gewisse Annäherung hin. Dabei verzeichneten Regionen und Einkommensgruppen mit niedrigeren SDG-Ausgangswerten größere "Erfolge". Insbesondere die Gebiete des Globalen Südens, mit dem Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika und der Karibik, machten im Rahmen der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs zwischen 2000–2015) erhebliche Fortschritte und konnten eine ähnliche Tendenz auch bei den SDGs fortsetzen. Die positivesten Veränderungen in Richtung Umsetzung der siebzehn Nachhaltigen Entwicklungsziele zeigten sich jedoch in Ost- und Südasien. Gleichzeitig traten erhebliche Unterschiede zwischen den Zielen und Ländern an Tageslicht. Während sich Côte d'Ivoire, Burkina Faso und Kambodscha im Sinne der SDGs am stärksten verbessert haben, verschlechterten sich Venezuela, Simbabwe und die Republik Kongo am stärksten.

Globalisierung: Chance und Risiko

Einserseits unterstützt die Globalisierung die rasche Verbreitung von Viren auf der ganzen Welt. Andererseits können Lösungen durch internationale, auf einander abgestimmte Maßnahmen aus Politik, Privatsektor, Zivilgesellschaft und Wissenschaft schneller identifizieren.

Die gegenwärtige Krise, und vor allem die mangeldne Kooperation zwischen den Big Players, läßt den Fluch des globalen Konfliktes anstatt des Segens der globalen Zusammenarbeit aufkommen. Damit erinnert sie an Charles Kindlebergers These von 1929, die die Dramatik der Weltwirtschaftskrise auf das Fehlen einer globalen Führung (oder „Hegemons“) und nicht angemessene Zusammenarbeit zwischen den Großmächten zurückführte. Das Ergebnis, so argumentierte er, war ein Zusammenbruch des globalen Währungs- und Handelssystems.

Globale Zusammenarbeit ist unerlässlich

Der SDR2020 nennt fünf wichtige Maßnahmen der globalen Zusammenarbeit, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Krise anzugehen:

Einsatz wirksamer Strategien zur Bekämpfung von COVID-19, wie sie in den Regionen Ostasien und Pazifik verabschiedet wurden. In diesem Zusammenhang ist die Initiative durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur raschen und erleichterten Verbreitung bewährter Verfahren gefragt. Dies ist eines der Ziele der neu geschaffenen Lancet-Kommission für COVID-19 unter dem Vorsitz des SDSN-Präsidenten und führenden Ökonomen Jeffrey Sachs.

Stärkung der Finanzierungsmechanismen für Entwicklungsländer. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde für globale Krisen wie diese geschaffen. Es benötigt umfassende Schlagkraft, einschließlich eines weitaus größeren Spielraums, um Kredite entweder im Rahmen bestehender Verfahren oder durch die Neuausgabe von Sonderziehungsrechten (SZR) zu vergeben. Private Gläubiger müssen fällige Schulden refinanzieren oder aktivieren.

Bekämpfung von sogenannten Hunger-Hotspots. Dabei ist globale Unterstützung für die führenden Organisationen der Vereinten Nationen, wie dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und dem Welternährungsprogramms (WFP), nötig. Nur so können drohende Hungerkrisen und Ernährungsunsicherheiten am besten bekämpft werden.

Sicherung sozialen Schutzes. In ihren Reaktionen auf die Corona-Krise sollten Regierungen neue Instrumente und Maßnahmen zur Gewährleistung sozialen Schutzes fördern. Dies schließt den neuen Globalen Fonds für Sozialschutz ein, der bereits vor der aktuellen Pandemie im Rahmen des SDG #1 (Keine Armut) vorgeschlagen wurde und jetzt noch mehr denn je benötigt wird.

Förderung neuer Medikamente und Impfstoffe. Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung (F&E) für COVID-19-Medikamente und -Impfstoffe ist ein dringendes globales öffentliches Anliegen. Denn ohne globale Zusammenarbeit wird F&E unzureichend und doppelt vorhanden sein. Auch im Falle von Forschungserfolgen ist wiederum globale Zusammenarbeit erforderlich, um die Massenproduktion und -versorgung sicherzustellen.

Schließlich unterstreicht der SDR2020 den Bedarf an unmittelbarerer und detaillierterer Daten in vielen Teilen der Welt, insbesondere im globalen Süden, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 auf verschiedene Bevölkerungsgruppen analysieren und ihnen entgegenwirken zu können.

Ohne internationale Solidarität geht es nicht

In Zukunft muss es für jede Regierung vorrangig sein, die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen und zu verhindern. Solange COVID-19 weiterhin mehr und mehr Menschen in Afrika, Lateinamerika, der Karibik und Südasien infiziert und ein geeigneter Impfstoff bzw. Medikament fehlt, sind die Stärkung der öffentlichen Gesundheitssysteme, die Verfügbarkeit persönlicher Schutzausstattung und groß angelegte Tests essentiell. Darüber hinaus braucht es internationale Solidarität und Partnerschaften, um gesundheitliche, wirtschaftliche und humanitäre Krisen bekämpfen und verhindern zu können und letztlich kurz- als auch langfristige, größere Rückschläge bei den SDGs zu vermeiden.

Internationale Solidarität sind in Zeiten gesundheitlicher, wirtschaftlicher und humanitärer Krisen unerlässlich. (© Kindernothilfepartner)
Internationale Solidarität sind in Zeiten gesundheitlicher, wirtschaftlicher und humanitärer Krisen unerlässlich. (© Kindernothilfepartner)

Das UN-Netzwerk für nachhaltige Entwicklungslösungen (SDSN) hat kürzlich in Zusammenarbeit mit Esri und National Geographic die neue Plattform SDGs Today mit regelmäßig aktualisierten, thematisch aufbereiteten Echtzeitdaten für die SDGs gestartet.