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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

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4. Juni 2020

SDGs sind relevanter als je zuvor

Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, Präsident der Republik Ghana, und die norwegische Premierministerin Erna Solberg zeigen die Bedeutung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) in Zeiten der Corona-Pandemie auf.

SDGs: Die nachthaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen Foto: Welthaus Bielefeld)
SDGs: Die nachthaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Foto: Welthaus Bielefeld)

Unsere heutige Welt hat es mit einer Krise von monumentalem Ausmaß zu tun. Das aggressive, neuartige Coronavirus verursacht weltweit Chaos, zerstört Leben und entzieht Existenzgrundlagen. Der unmittelbaren Preis der Pandemie, der Verlust von Menschenleben, ist erschreckend. Die langfristigen Auswirkungen auf Weltwirtschaft, individuelle Lebensbedingungen und nachhaltige Entwicklung sind jedoch nicht weniger alarmierend. Der Internationale Währungsfonds geht von einer globalen Rezession aus, und obwohl das Gesamtausmaß der ökonomischen Folgen der Krise derzeit noch schwer vorherzusagen ist, gehen vorläufige Schätzungen bereits jetzt von 2 Billionen US-Dollar aus.

Durch die Corona-Pandemie wurden grundlegende Schwächen in unserem globalen System aufgedeckt und schonungslos aufgezeigt, wie die Verbreitung von Armut, schwache Gesundheitssysteme, mangelnde Bildung und vor allem suboptimale globale Zusammenarbeit eine Krise noch weiter verschärfen. Wenn jemals Zweifel bestand, dass es gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen gilt, hat die aktuelle Pandemie diesen mit Sicherheit zerstreut. Im Gegenteil, sie hat die dringende Notwendigkeit globaler Maßnahmen in den Vordergrund gerückt, um die Grundbedürfnisse der Menschen zu befriedigen, unseren Planeten zu schützen und eine gerechtere und sicherere Welt aufzubauen. Schließlich sind wir in einer solchen Krise nur so stark wie das schwächste Glied.

Darum geht es in den SDGs, dem globalen Grundsatzpapier zur Beendigung von Armut, zum Schutz unseres Planeten und zur Sicherung von Wohlstand. Doch der plötzliche Schock durch das neuartige Coronavirus hat das Engagement der einzelnen Staaten, ihre Umsetzung voranzutreiben, in den Hintergrund gedrängt.

Jetzt, wo die Welt mit der Eindämmung des Virus und seiner verheerenden Folgen konfrontiert ist, definieren die Länder ihre Prioritäten neu und verteilen Ressourcen zugunsten der Pandemie-Bekämpfung um. Denn aktuell geht es vorrangig darum, Leben zu retten und in diesem Sinne der Forderung der Vereinten Nationen nach unmittelbarer Stärkung der Gesundheitssysteme nachzukommen. Nur durch ein globales, gemeinsames Engagement können die weitere Ausbreitung des Virus unterdrückt, die Pandemie eingedämmt und die Menschen, insbesondere die gefährdeten Gruppen der Frauen, Kinder und Jugendlichen und Niedriglohnarbeiter, geschützt und die Weltwirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Was wir uns aber auch in diesen entscheidenden Zeiten nicht leisten können, ist der Abzug von Ressourcen von vorrangigen SDG-Maßnahmen und eine Entkoppelung der Reaktion auf die Pandemie von diesen. Denn die Umsetzung der SDGs ist langfristig für eine solide Grundlage und einen gerüsteten Umgang mit globalen Gesundheitsrisiken und neu auftretenden Infektionskrankheiten essentiell. Das Erreichen des Nachhaltigen Entwicklungszieles Nummer 3 zielt auf die Stärkung der Fähigkeit der einzelnen Länder zu Frühwarnung, Risikominderung und Management nationaler und globaler Gesundheitsrisiken ab. Diese Pandemie hat die Krise in den globalen Gesundheitssystemen offensichtlich aufgedeckt. Und obwohl es die Aussichten für eine globale Gesundheit bis 2030 ernsthaft untergräbt, hat es kritisch weitreichende Auswirkungen auf alle anderen SDGs. Die sich abzeichnenden Beweise für die breiteren Auswirkungen der Krise auf unser Streben nach Erreichung der SDGs müssen für alle beunruhigend sein. Die UNESCO schätzt, dass rund 1,25 Milliarden Studenten von dieser Pandemie betroffen sind, was eine ernsthafte Herausforderung für die Erreichung des SDG-Ziels 4 darstellt. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) könnten rund 25 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn sie informell beschäftigt sind und während dieser Pandemie am meisten unter mangelndem Sozialschutz leiden.

Es ist zu befürchten, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. In vielen Teilen der Welt werden die Pandemie und ihre Auswirkungen durch mangelndes sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen (SDG-Ziel 6), schwaches Wirtschaftswachstum und unzureichend menschenwürdige Arbeitsplätze (SDG-Ziel 8), Ungleichheiten (SDGs Ziel 10) und vor allem Armut (SDGs Ziel 1) und Ernährungssicherheit (Ziel 2) verschärft. Die Weltbank schätzt, dass die Krise zusätzlich rund 11 Millionen Menschen in die Armut treiben wird.

Während sich unsere Welt bemüht, den Herausforderungen der Pandemie Stand zu halten, sollten wir die Krise als Chance nutzen und die zur Erreichung der SDGs erforderlichen Maßnahmen vorantreiben. Die Solidarität und die Bereitschaft zu schnellen, effektiven Schritten, die wir in der aktuellen Situation beobachten können, müssen auch bei der Umsetzung der Ziele zum Tragen kommen. Die Konjunktur- und Entschädigungspaketen, die zur Bewältigung der Pandemie zur Verfügung gestellt werden, machen deutlich, dass die Welt, wenn es wirklich darauf ankommt, über die Ressourcen verfügt, um brennende und existenzielle Probleme zu bewältigen. Die SDGs sind eine solche Aufgabe. Was dringend benötigt wird, ist ein verstärkter politischer Wille und Engagement, denn Wissen, Kapazität und Innovation sind vorhanden. Wenn wir ehrgeizig genug sind, können wir alle Ressourcen aufbringen, die für die erfolgreiche Umsetzung der Ziele erforderlich sind.

Dank des Solidaritätsgeistes konnten Regierungen, Unternehmen, multilaterale Organisationen und die Zivilgesellschaft in kürzester Zeit Milliarden und in einigen Fällen Billionen aufbringen, um die Bemühungen zur Bekämpfung dieser Pandemie zu unterstützen. Wenn wir dem Kampf gegen Armut, Hunger, Klimawandel und allen anderen Zielen die gleiche Bedeutung und Dringlichkeit beimessen, sind wir für den Erfolg dieser SDG-Dekade gut gerüstet. In unserem Versuch, auf die Folgen dieser brutalen Pandemie zu meistern und den globalen Wohlstand wiederherzustellen, müssen wir uns darauf konzentrieren, die zugrunde liegenden Faktoren im Kontext der Ziele für nachhaltige Entwicklung anzugehen. Obwohl einige bereits erzielte SDG-Fortschritte durch die aktuelle Situation gelitten haben, darf das weltweite Engagement nicht beeinträchtigt werden. Ganz im Gegenteil sollten sich die Bemühungen der Staatengemeinschaft beschleunigen und vertiefen, um sich besser zu erholen und eine gesündere, sicherere, gerechtere und wohlhabendere Welt aufzubauen, die zur Vermeidung künftiger Pandemien erforderlich ist.

* Nana Addo Dankwa Akufo-Addo ist Präsident der Republik Ghana und Co-Vorsitzender der Eminent Group of Advocates des UN-Generalsekretärs für Nachhaltige Entwicklunsgziele. Erna Solberg ist norwegische Premierministerin und Co-Vorsitzende der Eminent Group des UN-Generalsekretärs von Anwälten für Nachhaltige ENtwicklungsziele.