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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

26. Juni 2021

Typisch Rundi: Sitten und Bräuche in Burundi

Der jahrelange Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis (1993 - 2002) hat Burundi mehr als nur einmal in den Mittelpunkt internationaler Aufmerksamkeit gestellt. Doch für die ostafrikanische Republik ist weitaus mehr typisch als bloß innenpolitische Spannungen, Korruption, Armut, Hunger und AIDS.

In Burundi beträgt das Durchschnittsalter 17 Jahre. (Quelle: UN World Population Prospects 2019)
In Burundi beträgt das Durchschnittsalter 17 Jahre. (Quelle: UN World Population Prospects 2019)

Burundi ist eines der kleinsten afrikanischen Länder. Der Binnenstaat liegt am sechstgrößten und zweittiefsten See der Welt, dem Tanganjikasee, und wird gerne als das Herz von Afrika bezeichnet.

Burundis Flagge verdeutlicht die unruhige Vergangenheit des Landes. Grün symbolisert für die Hoffnung, Weiß den lange verwehrten Frieden und Rot die Opfer des Unabhängigkeitskrieges. Die drei Sterne stehen für die Volksgruppen der Hutu, Tutsi und Twa. 

Fussball wird praktisch immer und überall in Burundi gespielt. Wenn es sein muss, auch mit einer selbstgebastelten Kugel aus Müll. Wenig verwunderlich also, dass Fussball Nationalsport ist. Die burundische National-Elf trägt den Spitznamen "Die kriegerischen Schwalben". Auch der Präsident spielt Fußball. Ihn sollte man allerdings nicht allzu roh im Spiel anzugehen, ansonsten droht Gefängnis.

Ein Fussball aus Müll ist besser als gar keiner. (Foto: Kindernothilfe)
Ein Fussball aus Müll ist besser als gar keiner. (Foto: Kindernothilfe)

1996 nahm Burundi erstmals an den Olympischen Spielen teil und gewann in Atlanta auch gleich seine erste und bis dato einzige olympische Medaille. Vénuste Niyongabo gewann Gold im 5.000-Meter-Lauf.

Der Besitz von Kühen ein Zeichen von Macht und Reichtum und dürfen nicht geschlachtet werden. Auch Eidechsen darf man in Burundi nicht töten. Neben Kühen werden zudem Bäume verehrt.

Kühe bedeuten Glück und werden verehrt. (Foto: Kindernothilfe)
Kühe bedeuten Glück und werden verehrt. (Foto: Kindernothilfe)

Hochzeiten werden meistens sehr groß und ausgiebig gefeiert. Dabei geht der eigentlichen Eheschließung in der Kirche das sogenannte "Dot" voraus. Bei dieser Art der Brautpreisüberreichung werden Symbole für Glück und Fruchtbarkeit, wie eine Kuh, geschenkt. Eine traditionelle Hochzeit ist für die beiden Familien der Eheleute bzw. die Brautleute selbst oft sehr teuer. Nicht wenige verschulden sich hoch für dieses opulente Fest und bedeutende Ereignis.

Tanz ist den Menschen in Burundi sehr wichtig. Es gibt zahlreiche regionale Varianten, zu den wichtigsten gehören der Agasimbo aus dem Süden, der Agasiga aus dem Norden und der Urwedengwe aus dem Westen sowie die Fest- und Hochzeitstänze Abatimbo und Abanyagasimbo.

Tanzen ist aus dem Alltag der Rundis nicht wegzudenken. (Foto: Kindernothilfepartner)
Tanzen ist aus dem Alltag der Rundis nicht wegzudenken. (Foto: Kindernothilfepartner)

Musik und insbesondere Trommeln spielen im Alltag der Rundis eine große Rolle und die Trommler, die sogenannten Batimbos, genießen hohes Ansehen in der Bevölkerung. Sie haben sogar über die Landesgrenzen hinaus Berühmheit erlangt. Die Trommeln selbst und der dazugehörende Tanz sind UNESCO Weltkulturerbe.

Die burundischen Trommler sind weltberühmt. (Foto: Wikimedia Commons/Paulfreed)
Die burundischen Trommler sind weltberühmt. (Foto: Wikimedia Commons/Paulfreed)

Seit 2011 ist für die Kinder in Burundi der neunjährige Besuch einer Grundschule vorgesehen. Oft starten die Klassen mit mehr als 80 Schüler*innen, aber nicht einmal die Hälfte macht am Ende einen Abschluss. Und das obwohl der Schulbesuch seit 2005 nichts mehr kostet.

Buchhandlungen sind eine Seltenheit. Und auch Rundische Literatur gibt es aufgrund der großen Armut und des weit verbreiteten Analphabetismus kaum. Kulturelle Normen und Werte werden in mündlich überlieferten Geschichten, Fabeln und Gedichten von Generation zu Generation weitergegeben.

Bananen sind ein wesentliches landwirtschaftliches Produkt - sowohl als festes Nahrungsmittel als auch als Grundlage des Bananenbiers. (Foto: Kindernothilfe)
Bananen sind ein wesentliches landwirtschaftliches Produkt - sowohl als festes Nahrungsmittel als auch als Grundlage des Bananenbiers. (Foto: Kindernothilfe)

Das Grundnahrungsmittel Burundis bilden Bohnen, insbesondere rote Kidneybohnen, und Kochbananen. Süßspeisen werden kaum gekocht, auch nicht als Nachspeisen nach dem Essen. Stattdessen dienen Erdnüsse, Zuckerrohr und Früchte als Snacks oder Dessert. Getrunken wird in Burundi häufig Urwarwa (Bananenwein) sowie die lokalen Biersorten “Primus” und “Impeke” aus Sorghum. Vor dem Essen wird traditionell ein Krug mit warmem Wasser und Seife zum Händewaschen herumgereicht. Und das nicht nur am Land, wo typischer Weise mit den Fingern gegessen wird.

Trotz jahrelanger Konflikte, Armut und Hunger werden Solidarität und Gemeinschaft in der burundische Gesellschaft groß geschrieben. So hat das gemeinsame Trinken von Impeke aus einem Gefäß Tradition und gilt als Zeichen der besonderen Einheit. Dazu wird für jeden Anwesenden ein Strohhalm in einen ausgehöhlten Kürbis gesteckt, aus dem er trinkt. Als Zeichen der Freundschaft nehmen sich junge Männer an der Hand. Händchenhalten unter Paaren oder gar Küssen in der Öffentlichkeit ist jedoch unüblich und unangebracht.