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Jugendlicher schleppt Gummi zum Abtransport durch den Fluss zum Lastwagen. Foto: Christian Herrmanny

Schuften, um zu überleben

Nach jüngsten Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) arbeiten weltweit rund 152 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, 73 Millionen von ihnen unter unzumutbaren und zum Teil gefährlichen Bedingungen (IAO Bericht 2017). Sie sind häufig in Minen und Steinbrüchen, in der Textilindustrie, auf Kaffee- oder Kakaoplantagen oder als Leibeigene in Haushalten zu finden. Viele Kinder werden auch Opfer von Sklaverei, Kinderhandel oder Prostitution. Mit zahlreichen Projekten, Kampagnen und politischer Arbeit setzt sich die Kindernothilfe dafür ein, dass Kinderrechte verwirklicht werden und Kinderarbeiter insbesondere ihr Recht auf Bildung wahrnehmen können und nicht unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen.

Eine allgemeingültige Definition von Kinderarbeit gibt es nicht. Auf internationaler Ebene hat die IAO jedoch wichtige Normen gesetzt. Mit der Konvention 138 (1973) hat sie ein Mindestalter für verschiedene Formen der Arbeit festgesetzt:

  • Mindestalter 13 für Jahre für leichte Arbeit
  • Mindestalter 15 für gewöhnliche Arbeit
  • Mindestalter 18 für gefährliche Arbeit

Um Kinderarbeit handelt es sich demnach, wenn diese Altersgrenzen unterschritten werden. Gefährliche Arbeit liegt vor, wenn Tätigkeiten oder Beschäftigungen ausgeübt werden, die sich ihrer Natur nach schädlich auf die Sicherheit, die körperliche oder seelische Gesundheit und die sittliche Entwicklung des Kindes auswirken können. Dies wurde 1999 mit dem „Übereinkommen über das Verbot und unverzügliche Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit“ (Konvention 182) präzisiert. Demnach sind die schlimmsten Formen ausbeuterischer Kinderarbeit verboten:

  • Alle Formen von Sklaverei und sklavenähnlichen, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen wie Kinderhandel oder Schuldknechtschaft,
  • Vermittlung und Anbieten zur Prostitution oder Pornografie
  • Heranziehen, Vermitteln und Anbieten von Kindern für illegale Aktivitäten, z.B. Drogenhandel,
  • Andere Arbeiten, die ihrem Wesen nach schädlich für die mentale und physische Gesundheit der Kinder sind.

Darüber hinaus verbietet Art. 32 der UN-Kinderrechtskonvention die wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern.

Die Kindernothilfe orientiert sich an diesen Definitionen, weist aber darauf hin, dass es unpassend ist, Kindersoldaten, Kinderhandel, die Heranziehung, die Vermittlung oder das Anbieten eines Kindes zur Prostitution und Pornografie sowie der Gewinnung von Drogen unter die Begrifflichkeit der Kinderarbeit zu fassen, da es sich um kriminelle und illegale Praktiken handelt.

  • Zahlen und Fakten

    Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) arbeiten in der Altersgruppe fünf bis 17 Jahre weltweit 152 Millionen Kinder, 73 Millionen davon gehen gefährlicher Arbeit nach. Die meisten von ihnen arbeiten in Asien, den höchsten Anstieg an Kinderarbeitern verzeichnet jedoch in den letzten Jahren Sub Sahara Afrika.

    Kinderarbeit findet man nahezu überall. Die meisten Kinder sind in der informellen Wirtschaft beschäftigt, d.h. in Einzel- oder Familienunternehmen ohne Verträge, Sozialleistungen oder abseits jeglicher sozial- und arbeitsrechtlicher Schutzsysteme. Erhebungen der IAO haben ergeben, dass sechs von zehn arbeitenden Kindern in der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei und der Jagd beschäftigt sind. Hier gibt es enge Verflechtungen zur informellen Wirtschaft, wo sich die mit Abstand höchste Zahl der arbeitenden Kinder findet.

     

    Kinder in Beschäftigung: Kinder in Beschäftigung sind diejenigen, die während des Bezugszeitraums mindestens eine Stunde lang irgendeine wirtschaftliche Aktivität ausgeführt haben. Dies umfasst Formen der Arbeit sowohl in der formellen als auch in der informellen Wirtschaft, innerhalb und außerhalb der Familie, Arbeit gegen Entgelt oder zur Gewinnerzielung (in Geld- oder Sachleistungen, Teilzeit- oder Vollzeittätigkeit) oder hauswirtschaftliche Arbeit außerhalb des eigenen Haushalts des Kindes für einen Arbeitgeber (mit oder ohne Bezahlung).

    Kinder in Kinderarbeit: Kinder in Kinderarbeit bilden eine Untergruppe von Kindern in Beschäftigung. Kinderarbeit meint die Beschäftigung von Kindern unterhalb des Mindestalters sowie die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Die schlimmsten Formen von Kinderarbeit umfassen Kindersklaverei und -zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten, Kinderverkauf und Kinderhandel, Vermittlung und Anbieten zur Prostitution, Pornografie sowie Gewinnung von Drogen sowie gefährliche Arbeit.

    Kinder in gefährlicher Arbeit: Kinder in gefährlicher Arbeit bilden eine Untergruppe von Kindern in Kinderarbeit. Gefährliche Arbeit ist jede Tätigkeit oder Beschäftigung, die ihrer Art nach schädliche Auswirkungen auf die Sicherheit, Gesundheit oder sittliche Entwicklung des Kindes hat. Dies umfasst Nachtarbeit, lange Arbeitszeiten, Arbeit, die Kinder einem körperlichen, psychologischen oder sexuellen Missbrauch aussetzt, Arbeit unter Tage, unter Wasser, in gefährlichen Höhen oder in engen Räumen, Arbeit mit gefährlichen Maschinen, Ausrüstungen und Werkzeugen oder Arbeit, die mit der manuellen Handhabung oder dem manuellen Transport von schweren Lasten verbunden ist, sowie Arbeit in einer ungesunden Umgebung, die Kinder beispielsweise gefährlichen Stoffen, Agenzien oder Verfahren oder gesundheitsschädlichen Temperaturen, Lärmpegeln oder Vibrationen aussetzen kann.

  • Warum arbeiten Kinder?

    Kinderarbeit ist nicht auf eine Ursache allein zurückzuführen. Es sind kulturelle, soziale und wirtschaftliche Faktoren eines jeweiligen Landes, einer Region und globale Entwicklungen, die Einfluss darauf nehmen, ob Kinder ausgebeutet werden. Armut ist eine sehr wichtige Ursache, warum Kinder arbeiten müssen. Oftmals bleibt den Familien keine andere Wahl, um überleben zu können. Blickt man auf die Armutssituation eines Landes, bestätigt sich, dass in sehr armen Ländern auch sehr viele Kinder arbeiten müssen. Das sind vor allem die Länder in Afrika südlich der Sahara. Allerdings ergibt sich hier kein einheitliches Bild. So arbeiten in Uganda schätzungsweise 30 Prozent der Fünf- bis 14-Jährigen, in Benin liegt die Rate jedoch bei 65 Prozent, obwohl die Armutssituation in beiden Ländern etwa gleich ist, wenn man das Brutto-Inlandsprodukt pro Kopf als Maßstab nimmt.

    Ein kultureller und sozialer Faktor ist zum Beispiel das Kastenwesen in Indien. Hier ist die Schuldknechtschaft besonders stark verbreitet. Kein ausreichendes oder ein schlechtes Bildungsangebot führt dazu, dass Kinder arbeiten gehen. In Krisengebieten oder nach Beendigung eines Krieges sind Kinder besonders gefährdet, in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse zu gelangen. In der informellen Wirtschaft ist die Nachfrage nach besonders billigen Arbeitskräften groß. Daher fällt die Wahl eher auf Kinder als auf Erwachsene, auch weil sie leichter beeinflussbar sind.

  • Folgen ausbeuterischer Kinderarbeit

    An vielen Kindern geht die schwere körperliche und gefährliche Arbeit nicht spurlos vorüber. Sie leiden unter Knochenbrüchen, Verbrennungen, Hauterkrankungen, Blindheit, Taubheit oder Atem-, Kopf- oder Magenschmerzen. Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) sterben jedes Jahr etwa 22.000 Kinder und Jugendliche bei Arbeitsunfällen.

    Für das Kind sein bleibt keine Zeit. Freizeit und Spielen bleibt Kinderarbeitern häufig verwehrt. Schwer wiegt auch, dass viele Kinder durch ihre schwere Tätigkeit keine Möglichkeit mehr haben, die Schule zu besuchen. Für ihre Zukunft ist das fatal, denn ohne einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung haben sie keine Chance, ein höheres Einkommen und eine soziale Sicherung oder eine Renten- und Krankenversicherung zu erzielen und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Oft beginnt so ein Teufelskreis, der erneut in Kinderarbeit endet.

  • Kinderarbeit auf der internationalen Agenda

    Lang hat es gedauert, bis das Thema Kinderarbeit die internationale Aufmerksamkeit erregt hat.

    1990er

    So startete Anfang der 90er Jahre die sogenannte Teppichkampagne zum Thema Kinderarbeit in der Teppichindustrie und 1997 begannen Vorbereitungen zu einem weltweiten Marsch gegen Kinderarbeit, an dem auch Organisationen wie die Kindernothilfe in Deutschland beteiligt waren. Weltweit schlossen sich rund 1.400 Organisationen in über 100 Ländern dem Global March an. Der Erfolg war groß. Von Manila, Kapstadt und São Paulo führte der Marsch nach Genf, wo im Juni 1998 über die neue IAO-Konvention 182 beraten wurde. Seitdem gibt es ein verstärktes öffentliches Interesse am Thema Kinderarbeit.

    Global March against Child Labour

    2002

    Im Jahr 2002 rief die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) den 12. Juni zum „Tag gegen Kinderarbeit“ aus. Dieser Termin wird seither genutzt, um durch öffentlichkeitswirksame Aktionen die Aufmerksamkeit auf Kinderarbeit weltweit zu lenken. Auf europäischer und internationaler Ebene gab es seither verschiedene Initiativen, um ausbeuterische Kinderarbeit zu beenden. 

    2010

    Im Mai 2010 versuchte die IAO erneut das Thema Kinderarbeit in den Fokus zu rücken. In Den Haag fand eine internationale Konferenz statt: The Hague Global Child Labour Conference 2010. Ihr Ziel: Das Engagement zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit soll erneuert bzw. verstärkt werden. Als Ergebnis wurde die Roadmap for Achieving the Elimination of the Worst Forms of Child Labour by 2016 verabschiedet. Wichtige Prinzipien sind das Recht auf Bildung, das Wohl des Kindes sowie die Beteiligung von Kindern. Sie hat jedoch keinen verbindlichen Charakter.

    2013

    Im Oktober 2013 fand die Dritte Weltkonferenz zum Thema Kinderarbeit statt. Der Ausrichter Brasilien setzte gemeinsam mit der IAO die Aktionssäulen aus Den Haag auf die Agenda: Ausbildung, Gesetzgebung, Sozialschutz und Arbeitsmarktpolitik. Darüber hinaus hat diese Konferenz zum Ziel, eine Zwischenbilanz zu ziehen und zu überlegen, wie die Roadmap aus Den Haag bis 2016 umgesetzt werden kann.Die Kindernothilfe vertrat die Position der deutschen Zivilgesellschaft als Teil der deutschen Regierungsdelegation u.a. mit einem Statement. Als Ergebnis der Konferenz liegt die Brasilia Erklärung vor.

    Brasilia Declaration on Child Labour

  • Ist ein Verbot die Lösung?

    Wie kann man Kinderarbeit beenden? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, handelt es sich doch um ein komplexes Problem, das eine komplexe Lösung fordert. Aus unserer Sicht hilft ein undifferenziertes Verbot von Kinderarbeit nicht weiter. Angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in vielen Ländern kann Kinderarbeit auch nicht einfach und unmittelbar abgeschafft werden. Die Gründe liegen auf der Hand: „Befreit“ man Kinder per se aus ihrer Arbeitssituation, nimmt man ihnen und ihren Familien ein oft für das Überleben notwendiges Einkommen. In der Folge suchen sich diese Kinder andere Beschäftigungsmöglichkeiten oder landen auf der Straße.

    Erforderlich sind vielmehr auf das jeweilige Umfeld und die Situation zugeschnittene Maßnahmen, die sich an den Rechten der Kinder orientieren. Diese Maßnahmen umfassen unter anderem:

    • Die Verbesserung von Bildungschancen: Dazu zählen der Zugang zu qualitativer formaler Bildung, non-formaler Bildung sowie angepasste Bildungsangebote für arbeitende Kinder. Bildung hilft den Kreislauf der Armut zu durchbrechen und ist eine wesentliche Grundlage für ein eigenständiges und selbstverantwortliches Leben.
    • Einkommensschaffende Maßnahmen für die Eltern: Eltern und andere erwachsene Familienmitglieder müssen zu fairen Bedingungen und einem angemessenen Lohn arbeiten können, anstatt für das Überleben der Familie auf die Einkommen ihrer Kinder angewiesen zu sein.
    • Den Staat in die Verantwortung nehmen: Der Staat hat die Pflicht, die Menschenrechte in seinem Einflussbereich zu verwirklichen. Er ist damit eine wichtige Zielgruppe unserer Arbeit. Darüber hinaus gilt es, auch andere gesellschaftlich relevante Akteure in die Verantwortung zu nehmen sowie die Zivilgesellschaft zu stärken, um Rechte einfordern zu können.
    • Kinder beteiligen: Kinder müssen mitreden, wenn es um ihre Belange geht. Das gilt auch für Kinderarbeiter. Deshalb achten wir darauf, dass sie in unseren Projekten beteiligt sind, sich organisieren, vernetzen und dort, wo dies sinnvoll ist, Dachorganisationen bilden können.
    • Eröffnung von Beschwerdewegen: Kinder müssen sich beschweren können, wenn ihre Rechte verletzt werden. Auf nationaler Ebene sollten Beschwerdeinstanzen, Kontakt- und Ombudsstellen geschaffen werden. Auf internationaler Ebene gibt es zukünftig ein Individualbeschwerdeverfahren.
Sambia: Stärkung der Ärmsten

Sambia: Stärkung der Ärmsten

Stärkung und Mobilisierung der Gemeinschaft für eine bessere Zukunft in Choma, Sambia.

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Positionspapier Kinderarbeit

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Hier finden Sie umfassende Hintergrundinformationen zum Thema Kinderabrbeit und unsere Position dazu.

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