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Malawische Frau bearbeitet einen Acker. (Quelle: Jakob Studnar))

Hunger ist der größte Feind der Entwicklung

Jedes vierte Kleinkind weltweit leidet an Mangel- und Unterernährung, rund 66 Millionen Kinder in Ländern des Südens müssen hungrig die Schulbank drücken. Unterernährung ist damit der größte Feind der Entwicklung: Wer Hunger hat, kann in der Schule nicht lernen, hat weder Kraft noch Hoffnung, für die Zukunft zu planen, leidet häufiger an Krankheiten. Mangelernährte Kinder bleiben mit ihrer Entwicklung hinter gut versorgten Altersgenossen zurück. Oft drohen dauerhafte körperliche und seelische Schäden.

Wir setzen uns deshalb gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort für ein Ende des Hungers ein. Das reicht von der Verbesserung landwirtschaftlicher Anbaumethoden über Schulungen zum Thema Ernährung bis hin zum Angebot ausgewogener Mahlzeiten in unseren Projekten.

  • Wann spricht man von Hunger?

    Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) definiert Hunger als eine Kalorienaufnahme von weniger als etwa 1.800 Kilokalorien am Tag, für Kinder entsprechend weniger. Dies entspricht dem Minimum, das die meisten Menschen für ein gesundes und aktives Leben benötigen. „Unterernährung“ geht über Hunger hinaus und bezeichnet eine unzureichende Versorgung mit Energie, Proteinen oder wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Unzureichend kann sich in diesem Fall sowohl auf die Qualität als auch auf die Quantität beziehen und schließt darüber hinaus eine mangelhafte Nährstoffaufnahme aufgrund von Infektionen oder anderen Krankheiten, fehlendem Zugang zu sauberem Wasser oder nicht ausreichenden Gesundheitsdiensten ein.

  • Der „neue Hunger“

    870 Millionen Menschen weltweit haben nach Angaben des World Food Programme nicht genug zu essen. Zwar sank die Zahl der Hungernden seit 1990, jedoch ist seit 2008 wieder ein Anstieg zu verzeichnen. Der „neue Hunger“ hat verschiedene Ursachen.

    Die steigenden Energiepreise haben die Lebensmittel verteuert. Veränderte Essgewohnheiten zum Beispiel in China und Indien sorgen für eine größere Nachfrage nach Fleisch. Für die Fleischproduktion wiederum wird Grünfutter benötigt – pro Kilogramm Fleisch etwa sieben Kilogramm Grünfutter. In der Folge verdrängen Weide und Viehfutter Nahrungsmittel für die Bevölkerung von den Feldern. Auch die wachsende Beliebtheit von Biodiesel sorgt dafür, dass vermehrt Raps, Mais, Zuckerrüben, Zuckerrohr für den Brennstoff angebaut werden. So füllen die landwirtschaftlichen Produkte der Entwicklungsländer nicht mehr hungrige Bäuche im eigenen Land, sondern die leeren Tanks von Autos in New York, London oder Wien.

    Darüber hinaus werden Nahrungsmittel seit vielen Jahren an internationalen Börsen gehandelt - neu ist, dass sie als Spekulationsobjekte dienen. Finanzspekulationen dieser Art dürften mitverantwortlich für Preisschwankungen bei Nahrungsmitteln sein, die Hunger für Millionen Menschen bedeuten. Auch der Klimawandel erschwert die Nahrungsmittelversorgung. Durch jahrelange Dürreperioden und Überschwemmungen werden ganze Ernten und Saatgut vernichtet.

    Auch Kriege und bewaffnete Konflikte tragen dazu bei, dass Menschen weltweit hungern. Lebenswichtige Rohstoffe wie Wasser werden bedingt durch den Klimawandel und das steigende Bevölkerungswachstum immer knapper und rücken ins Zentrum kriegerischer Auseinandersetzungen.

  • Unterernährung trifft vor allem Kinder

    Hunger ist einer der größten Feinde der Entwicklung. Vor allem Kinder benötigen für ihr Wachstum und ihre Entwicklung eine ausgewogene Ernährung und gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Erhalten sie das nicht, drohen lebenslange körperliche und seelische Schäden.

    Hunger und Unterernährung schwächen Kinder oft so stark, dass harmlose Krankheiten zu einer lebensbedrohlichen Gefahr werden. So birgt bereits eine Durchfallerkrankung für untergewichtige und unterentwickelte Kinder ein hohes Todesrisiko.

    Mangel- und unterernährte Kinder bleiben in ihrer Entwicklung hinter Altersgenossen zurück. Das hat Folgen für ihr ganzes Leben. Ökonomen schätzen, dass ein Kind, dessen mentale und körperliche Entwicklung durch Hunger und Unterernährung beeinträchtigt wird, 5-10 Prozent weniger Einkommen haben wird als Menschen, die als Kinder nicht unter Hunger litten. Dies ist der Anfang eines Teufelskreises, denn weniger Einkommen erhöht das Risiko, dass auch die künftigen Kinder mangelernährt aufwachsen.

    • eines von sechs Kindern in Entwicklungsländern ist unterernährt – dies entspricht etwa 100 Millionen weltweit,
    • 2,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren verhungern jährlich infolge von Unterernährung, dies entspricht einem Drittel aller Sterbefälle von Kindern weltweit,
    • Etwa alle drei Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren, an den Folgen eigentlich vermeidbarer Krankheiten,
    • 165 Millionen Kinder sind aufgrund von Mangelernährung bereits im Mutterleib oder während ihrer ersten Lebensjahre in ihrer Entwicklung beeinträchtigt,
    • In Südasien leiden 33%, im südlichen Afrika 21% und in Lateinamerika und der Karibik unter 20 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an Untergewicht,
    • Jedes vierte Kind weist beispielsweise eine zu geringe Körpergröße im Vergleich zu Gleichaltrigen auf.
  • Armut und Hunger bis 2015 halbieren

    Im September 2000 verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs von 189 Ländern bei dem bis dato größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen die Millenniumserklärung, aus der anschließend acht Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs) abgeleitet wurden. Sie umfassen die Bekämpfung von Hunger und Armut, Bildung für Kinder, Gleichstellung der Geschlechter, die Verbesserung der Gesundheit von Müttern und Kindern, die Bekämpfung von HIV/Aids und anderen Krankheiten sowie ökologische Nachhaltigkeit und eine Entwicklungspartnerschaft auf internationaler Ebene.

    Das erste Ziel legt fest, dass die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben und Hunger leiden, bis zum Jahr 2015 um die Hälfte reduziert werden sollen. Die Zielerreichung ist jedoch in weiter Ferne.

    Deshalb ist das Thema auch in der Debatte um die Post 2015 Entwicklungsagenda zentral. Von entscheidender Bedeutung wird es sein, das Recht jedes Einzelnen auf Zugang zu ausreichender, sicherer, bezahlbarer und gehaltvoller Nahrung in Zukunft zu verwirklichen.

  • Kindernothilfe wirkt Unterernährung entgegen

    Ein Mann zeigt Samenkörner aus seinem Anbau.
    Neue Anbaumethoden helfen, den Hunger weltweit zu bekämpfen.

    Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass das Menschenrecht auf Nahrung verwirklicht wird und Hunger ein Ende hat. Wie? Zum Beispiel über die Förderung von Kleinbauern, die durch neue Anbaumethoden ihre Ernten steigern. Oder dadurch, dass eine ausgewogene Ernährung in unseren Projekten eine zentrale Rolle spielt. In vielen Einrichtungen werden die Kinder und Jugendlichen schon frühzeitig mit landwirtschaftlichen Praktiken vertraut gemacht, die dem Klima und den Vegetationsbedingungen vor Ort angepasst sind. In Projekten wird auch versucht, Mütter zu schulen und ihre Kenntnisse über Anbaumethoden und Verwertung von Nahrungsmitteln zu verbessern. Ziel ist es, Menschen nicht dauerhaft von Hilfslieferungen abhängig zu machen, sondern ihnen ein selbständiges Leben zu ermöglichen.

    Darüber hinaus fördern wir auch die Lobby- und Kampagnenarbeit der Partner vor Ort. Denn die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer Welt ohne Hunger sind Kriege und innergesellschaftliche Konflikte. Ohne Stabilität und Wirtschaftswachstum kommt der Kampf gegen den Hunger nicht voran. Wachstum muss vor allem in den ärmsten Ländern mit der Entwicklung ländlicher Räume und einer höheren Produktivität in der Landwirtschaft verknüpft werden. Die Armen müssten gezielt am wirtschaftlichen Fortschritt teilhaben und Zugang zu Arbeitsplätzen, Land, Krediten und Produktionsmitteln erhalten. Über Kampagnen- und Lobbyarbeit nehmen unsere Partner und vor allem auch die Kinder in den Projekten Einfluss auf die politischen Entscheidungsprozesse – damit langfristige Lösungen im Kampf gegen den Hunger gefunden werden.

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