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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Ein Schutzraum für „Engel“

Im Haus „Querubines“ in der Hauptstadt von Honduras finden Mädchen nach Missbrauch und sexualisierter Gewalt endlich Zuflucht und Unterstützung. Eine Reportage über den internationalen Einsatz für Kinderrechte (erschienen in Die Furche).

Haus der Zuflucht: Etwa 100 Mädchen erhalten jährlich im Zentrum „Querubines“ neben sozialer und therapeutischer Unterstützung auch einfache Lebenshilfen. (Foto: Kindernothilfe)

Ricardo Coello hat es ei­lig an diesem Mor­gen. Der Honduraner ist Sozialarbeiter in Tegucigalpa und arbeitet für „Casa Alianza“, eine internationale Kinderschutzor­ganisation mit Schutzprojekten für Straßenkinder in allen mittel­amerikanischen Ländern – auch in Honduras, im historischen Viertel der Hauptstadt. Doch Ri­cardo betreut auch noch ein ganz spezielles Projekt, eine gute Au­tostunde vom Zentrum entfernt. Das Heim „Querubines“, was über­setzt so viel bedeutet wie: die En­gelchen am göttlichen Thron. Ein Schutzraum für Mädchen zwi­schen 12 und 18 Jahren, alle Über­lebende sexualisierter Gewalt.
Für die Fahrt dorthin nimmt sich Coello ein Taxi. Eines der billigen Sorte, ohne verdunkelte Scheiben, wie sie Touristen aus Sicherheitsgründen dringlich empfohlen werden. Gut 40 Minu­ten später öffnet sich dem Taxi ei­ne Schranke, macht den Weg frei in eine dieser vielen Gated Comu­nities. Ricardo klingelt an einer Gartenpforte ohne Namensschil­der. Eine ältere Frau, die Köchin und Seele des Hauses, öffnet und begrüßt ihn im Schutzzentrum „Querubines“. Kaum im Haus eingetreten, wird Ricardo von der 14­jährigen Sara gestoppt. Mit tränenerstickter Stimme er­zählt sie, dass am Tag zuvor das geplante Treffen mit ihren Eltern nicht stattgefunden habe. Die Mutter und der Vater seien nicht gekommen. Aber sie müsse die beiden unbedingt sehen.
Sara ist im Heim, weil sie vom Vater mehrfach sexuell miss­braucht wurde. Doch es dauere, bis sie sich davon emotional loseisen könne, erklärt Ricardo später dieses widersprüchliche Gefühl der erst kürzlich ins Schutzzen­trum gekommenen Sara. Ihr sagt er zu, möglichst schnell ein neues Treffen zu vereinbaren. Die 14­Jä­hige lächelt, wischt sich die Trä­nen ab und schlendert zurück in den Gemeinschaftsraum, in dem noch andere Mädchen sitzen, die sich an diesem Tag nicht in der La­ge fühlten, in die Schule zu gehen. Es ist ein schlichter Raum. Ein paar selbst gestaltete Poster, eine Handvoll bequeme Sitzflächen, ein Fernsehapparat. Im angren­zenden Raum ein paar Computer mit klaren Nutzungsregeln.

Angst und Schweigen

Plötzlich wird es hektisch und laut. Vor dem Gartentor hält ein Kleinbus. Rund 20 Mädchen kom­men aus der Schule zurück und er­halten ihr Mittagessen, auch die Schwestern Gabriela und Marisol, die eigentlich anders heißen. Zum Schutz aller Mädchen bleiben ih­re richtigen Namen der Außenwelt verborgen. Und auch innerhalb des Heimes bleiben die Geschich­ten der Einzelnen vor den ande­ren Mädchen verschlossen. „Dass jede von uns üble Erfahrungen gemacht hat, wissen wir vonei­nander“, erzählt Gabriela. Mehr müsse nicht sein.  Tania, die Er­zieherin, spricht von der großen Angst, die die Mädchen schweigen lässt. Es könnten ja durch unbe­dachtes Erzählen Spuren zu den Tätern gelegt werden, und damit dann auch wieder zu ihnen.
Marisol und Gabriela kom­men aus der bergigen Kaffeean­bauregion im Landesinneren. Wo es „normal“ ist, dass Mädchen nicht zur Schule gehen, sondern von klein auf im Haushalt einge­spannt sind. Die 15­jährige Ga­briela war Analphabetin, als sie im Herbst 2017 zu „Querubines“ kam. Die Mutter verbot ihr die Schule, das Bett teilte sie sich mit den drei Schwestern. Als sie elf ist, wird sie von ihren drei Brüdern missbraucht. „Sie misshandelten und vergewaltigten mich und nie­mand half mir! Auch Mama half mir nicht!“, erzählt Gabriel a. „Sie sagte, ich würde lügen.“
Die ältere, heute 18­jährige Schwester Marisol ist schon sechs Jahre bei „Querubines“. Sie war sie­ben, als ihr Vater und der Onkel sie missbrauchten. Und die Mutter be­schimpfte auch sie als Lügnerin. Der Onkel nahm sie als Elfjährige mit ins Haus von dessen Mutter, ih­rer Oma. Sie hoffte auf Hilfe, doch die Großmutter betrachtete Mari­sol als Frau, ja Eigentum des On­kels. Kurioserweise verdankt sie dem Vater die Rettung von dort. Er raste vor Eifersucht und zeigte den Onkel an. Marisol kam in die Obhut der Kinderschutzbehör­de und von dort zu „Casa Alianza“ und in deren Heim „Querubines“. Bald danach brachte dieses Mäd­chen trotz vieler Ängste den Mut auf und zeigte den Vater an. Damit stellte sie sich innerhalb der Fa­milie ins Abseits. Die Brüder und die Mutter meiden sie. „Sie sagen, ich sei schuld, dass sie alles ver­loren haben. Ich hätte die Familie  kaputt gemacht.“ Geschichten wie die von Mari­sol und Gabriela werden in den ländlichen Regionen des Landes über Generationen hinweg fort­geschrieben. Mädchen, die das Pech hatten, als Zwölfjährige ge­schwängert zu werden, seien dann die Aussätzigen des Dorfes, sagt Gabriela, und würden von den Müttern aus dem Haus ge­worfen, weil sie sich auf Männer eingelassen hätten. Die Zahlen solcher ungewollten Schwanger­schaften nehmen zu. Bei 15 Pro­zent der Geburten sind die Mütter zwischen 14 und 18 Jahre alt.
Neben sexuellem Missbrauch und Misshandlungen haben Ga­briela und Marisol in ihrem Um­feld auch viele andere Gewalter­fahrungen erlebt. Dazu gehören die Versprechungen von Traum­jobs fernab von zu Hause. Statt als Haushaltshilfe oder Serviermäd­chen in einem Café oder Restau­rant, landet ein Großteil der meist minderjährigen Mädchen als Sex­sklavinnen in Bars oder Hotels oder werden auf den ungesicher­ten Straßenstrich geschickt, egal ob in Honduras selbst oder einem der Nachbarländer.

Therapie und Bildung

Die wenigsten der Mädchen haben Glück und werden von der Jugendfürsorge aus diesem Umfeld herausgeholt oder können fliehen. Und wenn doch, dann sind die Schutzräume knapp. Gerade deswegen ist die Einrichtung „Querubines“ so wichtig für die Betroffenen. Dort erhalten rund 100 Mädchen jährlich neben sozialer und therapeutischer Unterstützung auch einfache Lebenshilfen angeboten. Und sie können zur Schule gehen, ein Recht, das laut Verfassung jedem Kind zusteht. Marisol und Gabriela wollen beide Anwältinnen werden – spezialisiert auf Kinder­ und Jugendrecht. Ihr Blick ist dank „Querubines“ nach vorn gerichtet.

Kinderrechtsorganisationen wie „Casa Alianza“ können solche Pro­jekte aber nur mit kontinuierlicher Fremdfinanzierung durchführen. Dafür brauchen sie internationale Partnerorganisationen, wie die Ös­terreichische Kindernothilfe. Von der Wiener Dorotheergasse aus un­terstützt diese NGO seit 2012 den Schutzraum „Querubines“ mit re­gelmäßigen Spenden – und leis­tet damit Überlebenshilfe für die­se Einrichtung. International für die Wahrung der Kinderrechte ein­treten: Darum geht es. Und irgend­wann wollen auch Gabriela und Marisol für diese Rechte kämpfen.

Im Haus „Querubines“ in der Hauptstadt von Honduras finden Mädchen nach Missbrauch und sexualisierter Gewalt endlich Zuflucht und Unterstützung. Eine Reportage über den internationalen Einsatz für Kinderrechte (erschienen in Die Furche). Ricardo Coello hat es ei­lig an diesem Mor­ge[...]

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Sambia: Radio macht Schule

Das Radio läuft, die Kinder lauschen gespannt: in der 41. Mathematikeinheit wird noch einmal das Subtrahieren mit zweistelligen Zahlen wiederholt. Der Mann an der Tafel, ein eigens geschultes Gemeindemitglied, arbeitet die Lektion, die gerade über die Lautsprecher vorgetragen wird, mit den Kindern auf. Unterricht via Radio ist für die meisten Kinder und Jugendlichen in Chikuni, Sambia, ganz normaler Schulalltag und die einzige Chance auf eine Schulbildung.

Chikuni, Sambia: Unterricht via Radio (Foto: Jakob Studnar)

Die Gemeinde Chikuni liegt ungefähr 150 km südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka. Sie besteht aus rund 180 Dörfern mit insgesamt 25.000 Einwohnern, wovon die meisten von der Landwirtschaft leben und mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen. Unterernährung und Kinderarbeit sind die Folge. Zudem hat die Region mit der weiten Verbreitung von HIV und den immer heftigeren Wetterextremen (Trockenperioden versus Überflutungen nach sintflutartigen Regenfällen) zu kämpfen.

Am härtesten trifft es die Kinder armer Familien, denn sie werden in einen Teufelskreis hineingeboren: Da die Regierung nicht genügend Infrastruktur zur Verfügung stellt, gibt es in dieser Region kaum öffentliche Schulen und der Weg zu den wenigen Vorhandenen ist meist sehr weit; bis zu 20 km müssten die Kinder zurücklegen, um am staatlichen Unterricht teilnehmen zu können. Außerdem sind die Kinder vieler Familien aufgrund der extremen Armut von vornherein dazu gezwungen, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Beinahe 80% der dort lebenden Mädchen und Buben besuchen den Schulunterricht gar nicht oder nur sehr unregelmäßig.

Chikuni, Sambia: Das Radio ist die einzige Chance der Kinder auf Schulbildung (Foto: Jakob Studnar)

Chikunis Radioschulen

Unsere sambische Partnerorganisation Chikuni Mission hat im Jahr 2000 angefangen, sogenannte Radioschulen in verschiedenen Dörfern zu gründen, um Unterricht über das Radio in die entlegenen Regionen zu bringen. Das tägliche Sendeprogramm der Chikuni-eigenen Sendestation wurde in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und die Erstellung von Bildungsmaterialien durch Mitfinanzierung der Kindernothilfe möglich gemacht. Zusätzlich wurden Erwachsene trainiert, die Sendungen mit den Kindern anhand der Lehrmaterialien aufzuarbeiten und durch Hausaufgaben zu vertiefen. Diese Schulen ermöglichen es jenen Kindern und Jugendlichen, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten, trotzdem an einem Bildungsprogramm teilzunehmen.

Das Projekt begann modellhaft in nur fünf ausgewählten Dörfern bzw. Radioschulen. Weitere fünf kamen hinzu, in denen das reguläre tägliche Schulprogramm neu eingeführt wurde. Mittlerweile werden insgesamt 69 Klassen der Klassenstufen 1 bis 10 mit etwa 2.300 Kindern in 23 Dörfern erreicht und unterrichtet. Am Schuljahresende nehmen die Kinder an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Schulalltag in Chikuni

Die Kinder versammeln sich mit Unterstützung von Mentoren in Gemeinderäumen, unter Dachkonstruktionen oder den Bäumen. Dort nehmen sie am Radiounterricht teil und erledigen danach ihre Hausaufgaben. Aus Eigenmitteln und mit Unterstützung von Chikuni Mission versucht jede Gemeinde nach und nach ein Schulgebäude zu errichten. Im Unterricht werden auch praxisnahe Themen vermittelt: Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden und Anpassung der Landwirtschaft an die sich verändernden klimatischen Verhältnisse. Darüber hinaus unterstützt Chikuni Mission die Menschen der Region durch die Bereitstellung von Materialien zur ertragreichen Landwirtschaft und Expertenwissen. Mittlerweile nehmen auch die Erwachsenen am Unterricht teil: Sie lernen Lesen und Schreiben und erwerben wichtige landwirtschaftliche Kenntnisse.

Chikuni, Sambia: Mittlerweile besuchen auch Erwachsene die Radioschulklassen, um Lesen und Schreiben zu lernen (Foto: Christian Herrmanny)

Ein erfolgreicher Schulversuch

Auch im letzten Jahr waren die über das Radio übertragenen Unterrichtseinheiten ein zentraler Aspekt der Projektarbeit. Da viele Dörfer weit entfernt von den nächstgrößeren Städten liegen und somit der Schulweg für die Schüler zu lang ist, findet der Unterricht in 18 lokalen Zentren statt. Im letzten Jahr wurden daher 150 Lehreinheiten gesendet, die von über 2182 Kindern wissbegierig mitgehört wurden.

In den Zentren übernehmen geschulte Mentoren die Vorbereitung des Radiounterrichts. Im vergangenen Jahr wurden drei Fortbildungskurse für die Mentoren angeboten. Des Weiteren wurden 140 Besuche unternommen, um die Qualität des Unterrichts und die Unterrichtsmethoden der Mentoren zu überprüfen und falls nötig zu korrigieren. In den 18 Zentren waren 60 Mentoren beschäftigt, die im letzten Jahr auch ein Sportturnier zwischen den Einrichtungen organisiert haben.

Ein wesentliches Anliegen der Kindernothilfe und ihres Partners ist der Kindesschutz, der durch die Kindesschutzbeauftragten in den Zentren realisiert wird. Der Umgang mit möglichen Kindeswohlverletzungen wurde ihnen im letzten Jahr nähergebracht, um sie auf mögliche Ernstfälle vorzubereiten. Zur Prävention von Kinderrechtsverletzungen wurden 3500 Eltern in Workshops sensibilisiert. Vielerorts versuchen die Eltern nun ihre Kinder zu unterstützen, indem sie ihnen den Besuch der Zentren ermöglichen und durch freiwillige Nahrungsmittelspenden zu den Mahlzeiten der Kinder beitragen.

Das Radio läuft, die Kinder lauschen gespannt: in der 41. Mathematikeinheit wird noch einmal das Subtrahieren mit zweistelligen Zahlen wiederholt. Der Mann an der Tafel, ein eigens geschultes Gemeindemitglied, arbeitet die Lektion, die gerade über die Lautsprecher vorgetragen wird, mit den Kindern[...]

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7. Februar 2019

Venezuela: eine humanitäre Katastrophe

„Slow-motion catastrophe“ – Katastrophe in Zeitlupe – hat der Guardian die verhängnisvolle Entwicklung in Venezuela genannt. Längst ist aus der politischen eine umfassende humanitäre Krise geworden. Die Menschen hungern und verlassen in Scharen das Land, die Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen, Gewaltverbrechen nehmen rasant zu. Unter der Notsituation leiden vor allem Kinder. Um sie wirkungsvoll zu unterstützen, lotet die Kindernothilfe derzeit Möglichkeiten für Hilfsmaßnahmen in Kooperation mit dem Medikamentenhilfswerk action medeor und anderen ökumenischen Partnern aus. Pater José María Gimeno, Beauftragter für Humanitäre Hilfe und Sozialprojekte der Erzdiözese Barquisimeto, berichtet bei einem Besuch in der Geschäftsstelle der Kindernothilfe in Duisburg von der verzweifelten Lage in Venezuela.

Venezula Mai 2017: Massenproteste gegen die Maduro-Regierung (Foto: Voice of Amercia)

Derzeit ist Venezuela fast täglich in den Medien. Meist beschränken sich die Nachrichten auf den politischen Machtkampf zwischen Staatspräsident Nicolás Maduro und dem Präsidenten der Nationalversammlung von Venezuela, Juan Guaidó, der sich selbst zum verfassungsmäßigen Interimsstaatsoberhaupt erklärt hat und Staatschef Maduro aus dem Amt drängen will. Die Notlage der Menschen spielt in der Berichterstattung eine untergeordnete Rolle. Mit diesen Menschen und ihrem Überlebenskampf hat Pater José María Gimeno jeden Tag zu tun.

67 % der Kinder sind unterernährt

Die Unterversorgung ist lebensbedrohlich, es fehlt vor allem an Lebensmitteln und Medikamenten. 67 Prozent der Kinder in Venezuela sind unterernährt. Das bedeutet: Selbst wenn sie ab sofort regelmäßig ausreichend zu essen hätten, trügen sie dennoch zum Teil massive bleibende Schäden davon.

Von ausreichender Ernährung kann jedoch nicht die Rede sein: Während der Schwarzmarkt blüht, können sich die meisten Menschen wegen des massiven Währungsverfalls nicht einmal mehr Reis oder Eier leisten. Obendrein sorgt die Korruption bis in die obersten polistischen und militärischen Ränge dafür, dass die Lebensmittel, die es gibt, nicht die Bedürftigen erreichen.

Zugleich greifen Krankheiten um sich, weil sauberes Trinkwasser Mangelware ist. Medikamente gibt es nicht oder sie sind unerschwinglich teuer. So kostet eine Antibiotikum-Tablette umgerechnet einen US-Dollar, der durchschnittliche Monatslohn liegt jedoch nur bei 80 Cent – eine Folge der galoppierenden Inflation, die schon jetzt sagenhafte 1,3 Millionen Prozent beträgt und noch weiter steigen soll.

Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß

ssensausgabe in einem Comedor (Foto: Jürgen Schübelin)

Nirgendwo in Lateinamerika spielen die Kirchen – die katholischen und die protestantischen – eine so zentrale Rolle wie derzeit in Venezuela. Vor den Suppenküchen der Gemeinden bilden sich jeden Tag lange Schlangen. Auch die Pfarreien der Erzdiözese, in der Pater Gimeno tätig ist, kochen täglich für rund 150 Personen. Die Betroffenen bekommen die Mahlzeiten sogar nach Hause gebraucht.

Warum? „Wir wollen sicherstellen, dass das Essen auch wirklich bei denen ankommt, die es am nötigsten haben“, sagt Pater Gimeno. Die entsprechenden Familien hat die Diözese vorher sorgsam ausgesucht. Die Zubereitung der Speisen übernimmt ein Koch, der den täglichen Einsatz gleichzeitig zur Ausbildung seiner Kochschüler nutzt. Ein 60-köpfiges Freiwilligenteam bringt das Essen in die einzelnen Haushalte.

Oft bleiben die Freiwilligen noch eine Weile in den Familien und passen auf, das auch wirklich jeder zu essen bekommt. „Es ist nämlich so, dass die Alten manchmal auf ihren Anteil verzichten – zugunsten der Kinder“, weiß Pater Gimeno. „Die Menge reicht aber für alle aus. Deshalb ist es uns auch so wichtig, die Bedürftigen vorher genau auszuwählen.“

Die Kosten für dieses Ernährungsprojekt belaufen sich auf etwa 1.000 US-Dollar pro Monat. Es gebe immer noch Unternehmen in Venezuela, die dafür spendeten. Den Rest der Gelder erhalte die Diözese von engagierten Bürgerinitiativen in Spanien.

Kinder und Alte leiden am meisten unter der Krise (Foto: Jürgen Schübelin)

Eine Katastrophe für das Land

Über 200.000 Venezolaner sind 2017 allein nach Spanien ausgewandert. Die Hauptlast der Massenmigration tragen jedoch die Nachbarländer und unter diesen besonders Kolumbien, das 2017 rund 600.000 Flüchtlinge aufnahm. Für 2019 rechnet die Weltflüchtlichsorganisation UNHCR mit einer Vervielfachung der Zahlen, wenn sich an der Notsituation in Venezuela nichts ändert.

Die, die gehen, sind meistens die Jungen und Gutausgebildeten. Sie haben genug Energie und Hoffnung für einen Neuanfang. Zurück bleiben die verwundbarsten Mitglieder der Gesellschaft – Kinder und alte Menschen. Für Venezuela ist das eine Katastrophe: Wenn die Krise überwunden ist, fehlen gerade jene, die das Land wieder aufbauen könnten.

Die Menschen fliehen aber nicht nur vor Hunger und Krankheiten, sondern auch vor der zunehmenden Gewalt. Pater Gimeno erzählt von vier Morden in unmittelbarer Umgebung seiner Pfarrei, alle in jüngster Zeit. Die Sicherheitskräfte machten regelrecht Jagd auf Menschen, berichtet er.

Besonders gefürchtet sind die Colectivos: paramilitärische Einheiten auf Motorrädern, die als Gegengewicht zur Armee gegründet wurden, um „die Revolution zu verteidigen“. Darüber hinaus gibt es noch weitere Milizen im Land. Die unübersehbare Menge an Waffen in Privatbesitz ist ein gefährliches Pulverfass, das jederzeit explodieren kann.

Hilfsmaßnahmen sind in Planung

Graffito von Hugo Chávez, Begründer der „Bolivarischen Revolution“ in Venezuela (Foto: Jürgen Schübelin)

Die Kindernothilfe sieht besonders mit Blick auf die Gesundheitssituation und die Gefährdung von Kindern dringenden Handlungsbedarf. Große Bedeutung kommt dabei der Beschaffung und Lieferung von Medikamenten an Kirchengemeinden und andere kirchliche Institutionen zu. Gemeinsam mit ökumenischen Partnern und im Verbund mit action medeor sollen sichere Kanäle für entsprechende Humanitäre Hilfsmaßnahmen ausgebaut werden.

Graffito von Hugo Chávez, Begründer der „Bolivarischen Revolution“ in Venezuela

„Slow-motion catastrophe“ – Katastrophe in Zeitlupe – hat der Guardian die verhängnisvolle Entwicklung in Venezuela genannt. Längst ist aus der politischen eine umfassende humanitäre Krise geworden. Die Menschen hungern und verlassen in Scharen das Land, die Gesundheitsversorgung ist zusa[...]

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Ein Kindheitstraum wurde wahr: Porträt eines ehemaligen Patenkindes

Jogram Tejavath gehört zur Banjara-Volksgruppe, einer diskriminierten Minderheit in Indien. Durch die Kindernothilfe erhielt er eine Schulbildung. Schon als Kind träumte er davon, Rechtsanwalt zu werden. Heute arbeitet er am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Mit einem eigenen Hilfswerk unterstützt er sein Volk.

Jogram Tejavath wuchs in Chinna Banjara Thanda auf, einem abgelegenen Dorf in Andhra Pradesh. Mit Eltern und sieben Geschwistern lebte er in einer Ein-Raum-Hütte, ohne Strom- und Wasseranschluss. Seine Eltern waren Analphabeten, deshalb wurde sein Geburtsdatum nie festgehalten. Als er in die Schule kam, legte sein Lehrer aufgrund von Größe und Gewicht sein Geburtsjahr auf 1961 fest. Der Unterricht fand unter einem Baum statt. Nach sechs Monaten tauchte der Lehrer nicht mehr auf. Die Eltern schickten Jogram zu seiner Großmutter, weil es in ihrem Dorf eine Schule gab. „Ich war das einzige Kind im Dorf, das seine Schulbildung fortsetzte“, sagt er dankbar.

Schuften statt lernen

Nach der 3. Klasse war Schluss mit Schule: Jogram musste arbeiten, um seine Familie zu unterstützen – auf Feldern, in Restaurants oder in einer Ölmühle. Oft bekam er tagelang nichts zu essen. Ein zufälliges Treffen mit seinem Dorfpfarrer führte dazu, dass er in einem von der Kindernothilfe unterstützen Schülerwohnheim in Dornakal aufgenommen und wieder eingeschult wurde. „Als ein Mitarbeiter uns Jungen nach unseren Berufswünschen fragte, sagte ich spontan: Rechtsanwalt!“, erinnert er sich noch heute.

Jogram schloss erfolgreich das Junior College ab, übernahm einen Job bei einer Telefongesellschaft und unterstützte mit seinem Gehalt Eltern und Geschwister. Nebenbei absolvierte er das College in Khamman. 1983 erhielt er seinen Bachelor-Abschluss – er war der erste aus einem Dorf mit einem Universitätsabschluss!

Jogram Tejavath (2.v.r.): ehemaliges Patenkind aus Indien, heute Leiter der Partnerorganisation BSS (Foto: privat)

Das frühere Patenkind hilft heute selbst Menschen aus seiner Volksgruppe

Bei der Bank of India in Warangal fand er eine neue Arbeitsstelle. Nebenher studierte er Jura, bestand 1986 das Master-Examen und wurde Rechtsanwalt am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Trotz seines Aufstiegs vergaß er nie seine Herkunft. 1996 gründete er mit Freunden die Organisation Banjara Seva Samithi (BSS), um seinem Volk zu helfen. BSS bringt Kinder in Schulen unter, erwirkt die Verbesserung von Infrastruktur und medizinischer Versorgung und die Stärkung von Frauen. Die Kindernothilfe unterstützt zwei der Projekte.

„Ich bin der Kindernothilfe sehr dankbar, dass sie mir geholfen hat, aus der Armut herauszukommen. Ohne sie hätte ich diesen sozialen Aufstieg nie geschafft.“ Jogram Tejavath ist verheiratet, seine Töchter sind Zahnärztin bzw. Ingenieurin und sein Sohn Anwalt.

Jogram Tejavath gehört zur Banjara-Volksgruppe, einer diskriminierten Minderheit in Indien. Durch die Kindernothilfe erhielt er eine Schulbildung. Schon als Kind träumte er davon, Rechtsanwalt zu werden. Heute arbeitet er am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Mit einem eigenen Hilfswerk unterst[...]

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So konnten wir mit Ihren Spenden helfen. DANKE!

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle)

Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicheres Land, das auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Regelmäßig auftretende Dürren führen zu Verknappung von Weideland und Wasser sowie zu drastisch erhöhten Preisen für Nahrungsmittel. In diesem Umfeld spielt Bildung eine sehr untergordnete Rolle und insbesondere die Schulbildung von Mädchen wird kaum bis überhaupt nicht unterstützt. Das Bildungsniveau ist per se niedrig, da es kaum weiterführende Schulen gibt und ohne Platz in einem Schülerwohnheim der Unterrichtsbesuch für die meisten Schüler nicht möglich ist, da die Wege zwischen ihrem Zuhause und der Schule zu weit sind. Somit ist der Besuch der Schule mit Kosten verbunden, wodurch viele von ihnen die Schule abbrechen und stattdessen versuchen, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen.

Bildung ist eine elementare Voraussetzung für den Weg aus der Armut (Foto: Karl Pfahler).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Schülerwohnheim Dollo-Negelle konnten wir 128 Kinder (70 Buben, 59 Mädchen) während der Schulzeit ein zeitweises Zuhause ermöglichen, in dem sie jeder ein Bett mit Matratze, Decke und Polster haben. Neben einer ausgewogenen Ernährung (Eier, Fleisch, Gemüse, lokale Nahrungsmittel, etc.), die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist, wurden alle mit ausreichenden Hygieneartikeln versorgt und erhielten regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, um Krankheiten vorzubeugen.

Alle 128 Kinder sind in die nächste Klasse aufgestiegen, 90% haben die nationalen Examen erfolgreich absolviert.

Chikuni, Sambia (Bildung durch Radioschulen)

Die meisten Menschen in den 180 Dörfern der Gemeinde Chikuni, südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka, leben in extremer Armut von der Subsistenzwirtschaft. Aufgrund schlechter Bodenqualität und immer häufiger auftretenden Wetterextremen (Trockenzeit, sintflutartige Regenfälle) kann die Mehrheit der hier lebenden Bäuerinnen und Bauern kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf produzieren. Viele Familienmitglieder sind unterernährt, wobei die Kinder am stärksten davon betroffen sind.

Die extreme Armut führt auch dazu, dass die Kinder vieler Familien von vornherein dazu gezwungen sind, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Außerdem gibt es in der Region kaum öffentliche Schulen bzw. ist der Weg zu den wenig vorhandenen(?) bis zu 20 km lang. Daher besuchen fast 80% der dort lebenden Mädchen und Buben den Schulunterricht gar nicht oder sehr unregelmäßig.

So hat Ihre Spende geholfen:

Mit Hilfe von 23 Radioschulen nehmen Kinder und Jugendliche an einem Bildungsprogramm teil, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten. Dafür wurde ein tägliches Sendeprogramm in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und Bildungsmaterialien erstellt.

2017 wurden 150 Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die 2.221 Kinder der Klassenstufen 2, 4, 6 und 7 sowie 527 Erwachsene erreichten. Die Kinder nahmen am Schuljahresende erfolgreich an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Verbesserung der Ernährungssituation

Um der schwierigen Ernährungssituation und verbreiteten Armut besser begegnen zu können, wurde der Schulunterricht lebensnaher und praxisorientierter gestaltet. Das bedeutet, dass die Kinder und ihre Eltern über landwirtschaftliche Zusammenhänge unterrichtet werden. Somit leistet der Unterricht einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Dafür werden in jedem Dorf eine Baumschule und ein Gemüsegarten angelegt. Hinzu kommen Brunnen und Bewässerungsanlagen. Zusätzlich wurden Gartenwerkzeug, Saatgut und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt. In jedem Dorf vermitteln zwei LehrerInnen und zwei ExpertInnen den Lehrstoff und setzen ihn mit den Kindern praktisch um.

An die ärmsten Familien wurden in Chikuni 2 Ziegen und 11 Hühner verteilt. Zudem wurden 11.700kg Erdnüsse und 160 Bells of Sugar für das Ernährungsprogramm bereitgestellt.

Mirmali, Indien (Gegen Kinderarbeit in Ziegeleien)

In Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens, unterstützen wir fünf fünf Dalit-Dörfer („die Unberührbaren“)Diese liegen am Fluss Koshi und werden in der Monsunzeit immer wieder überschwemmt. Um zu überleben arbeiten die Mitglieder dieser benachteiligten Minderheit unter ausbeuterischen Bedingungen in einer der umliegenden Ziegelbrennereien und beziehen auch ihre Töchter und Söhne in den Arbeitsalltag mit ein. Somit bleibt zahlreichen Dalit-Kindern der Schulbesuch verwehrt.

Vorherrschende Armut und mangelnde Hygiene bringen Krankheiten mit sich: das dreckige Wasser verursacht Durchfall. Infektionen, Malaria und ähnliches treten ebenso oft auf, sodass die Krankheiten den Kindern sehr zusetzen.

Indien: Schulbesuch statt Arbeit in der Ziegelei (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den Projektförderschulen erhielten 413 Kinder einen informellen Unterricht für die Jahrgangsstufen 1-5. Dadurch lernten sie einen routinierten Schulalltag kennen (4 Studen / Tag rechnen, schreiben lesen) und wurden auf den Übertritt in eine staatliche Schule vorbereitet. 35 Kinder schafften es erfolgreich, auf eine staatliche Schule zu wechseln. Unter den 413 Kindern nahmen 181 Mädchen am Unterricht teil – eine sehr erfreuliche Entwicklung, da den meisten Mädchen noch vor ein paar Jahren im sehr traditionellen Bundesstaat Bildung verweigert blieb.

Zusätzlich wurden 98 junge Frauen auf dem Weg in ein eigenständiges Berufsleben unterstützt, 33 von ihnen eröffneten nach den Berufsbildungsstunden erfolgreich ihre eignene Scheiderei und verdienen nun das 15-16fache im Vergleich zum Lohn in der Ziegelbrennerei.

In den Förderzentren befindet sich auch ein Arzt, der die Kinder im Krankheitsfall mit Medikamenten versorgt. Zudem konnten jedes Monat kostenlose, medizinische Untersuchungen angeboten werden, zu denen insgesamt 587 Mädchen und Buben kamen.

Carrefour, Haiti (Schulessen in Ecole St. Francois de Salle nach der Naturkatastrophe)

Haiti ist ein Land mit nur schwachen staatlichen Strukturen, das unter einer großen politischen und wirtschaftlichen Instablilität leidet. Zudem wird das Land immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen (2010 Erdbeben, 2016 Hurrikan “Matthew”) heimgesucht. Hohe Arbeitslosigkeit, eine unsichere Ernährungslage und große Armut kennzeichnen die schwierigen Lebenssituation der meisten Menschen, in der Bildung keinerlei Priorität hat. Es gibt viel zu wenige kostenlose, öffentliche Schulen, und auch die Qualität des Unterrichts ist mehr als dürftig. Außerdem sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Töchter und Söhne zum Familieneinkommen beitragen.

In Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, sind die Folgen der Naturkatastrophen nach wie vor spürbar und die Armut besonders hoch, da Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fehlen. Große Teile der Bevölkerung leiden unter chronischer Unterernährung und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend (ein Arzt ist für 7000 Menschen zuständig). Jedes zweite Kind kommt schon mit Merkmalen der Unterernährung auf die Welt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch: 69 je 1000 Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr. Allein 42,3% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Haiti: In der wieder aufgebauten Ecole Saint Francois de Salle ist Lernen wieder möglich. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

In der Ecole Saint Francois de Salle, die bei dem Erbeben 2010 völlig zerstört, danach mit Unterstützung der Kindernothilfe erdbebensicher wieder errichtet wurde, können Kinder die komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura absolvieren. Durch die staatliche Anerkennung der Schule qualifiziert der Schulabschluss für eine mögliche universitäre oder berufliche Ausbildung.

Letztes Jahr wurden 1.247 Schüler unterrichtet, die vier Leistungskontrollen wurden von allen zufriedenstellend absolviert und alle Schüler des 9. Jahrganges bestanden die offiziellen Prüfungen und damit den Übergang in die weiterführende Schule. Zudem erhielten alle Kindern3 warme Mahlzeiten und 2 Snacks pro Woche. Auch die entsprechende medizinische Versorgung inkl. regelmäßiger Impfkampagnen für alle Kinder konnte gewährleistet warden.

Chaqui, Bolivien (Inklusion, Förderung von Kindern mit Behinderung)

Chaqui ist eine der ärmsten Kommunen Boliviens. Die Menschen leben in kleinen Unterkünften aus Lehmziegeln und mit Bretterdächern, die mit Lehm und Stroh abgedichtet werden. Es gibt keine Elektrizität und nur wenige Menschen haben Zugang zu Trinkwasser. In den Gemeinden ist die Gesundheitsversorgung sehr unzureichend. Neben der weit verbreiteten Mangelernährung und ihren Auswirkungen stellen fehlende bzw. mangelhafte Schul- und Ausbildungsangebote ein großes Problem dar. Die Schulen verfügen meist weder über Sanitäranlagen noch über angemessene Wohnungen für die Lehrer, die wegen der Abgelegenheit der Dörfer die Arbeitswoche über in der Schule leben. Sie reichen nur bis zur 4. oder 5. Klasse; dennoch schließt ein Großteil der Kinder noch nicht einmal diese ab.

Die Lernbedingungen und –angebote sind somit für alle Schüler schlecht; für Kinder mit Behinderungen sind sie jedoch katastrophal bzw. meist von vornherein überhaupt nicht zugänglich.

Bolivien: Kinder mit Beeinträchtigung haben es nach wie vor sehr schwer. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnten 250 Familien unterstützt und 39 Kinder mit Behinderung ein Schulbesuch ermöglicht werden. Zudem wurden im Rahmen einer breiten Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und Behinderung 246 Lehrkräfte und verschiedenen Bildungseinrichtungen befähigt, Kinderrechte zu vermitteln. In der Schule wurden Lehrmaterialien mit bunten Illustrationen und Geschichten erstellt, um Kindesschutz und Kinderrechte verständlich und kindgerecht aufzubereiten. Nicht zuletzt wurden architektonische Barrieren an Schulen beseitigt, um für alle Kinder ungehinderten Zugang zu gewährleisten.

Moro, Peru (Wiederaufbau nach den Überschwemmungen)

Peru wurde im März 2017 wochenlang von Unwettern mit nie dagewesenen Regenmassen heimgesucht. Im ganzen Land wurden Häuser von 72.000 Menschen zerstört, insgesamt leideten etwa 600.000 Peruaner unter den Folgen des Unwetters: Hunger, Durst, zerstörte Infrastruktur und mangelnde Hygiene. Zehntausende Menschen wurden infolge dessen obdachlos und standen vor dem Nichts.

Peru: Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen (Foto: Jürgen Schübelin).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im ländlichen Distrikt Moro im Norden Perus konnten durch Soforthilfemaßnhamen 600 Familien mit dem Notwendigsten wie Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente versorgt warden.

In der Folge konnten 43 der zerstörten Häuser, die aufgrund ihrer traditionellen regionstypischen Lehmziegelbauweise den Überschwemmungen und Schlammlawinen nicht Stand halten konnten, wiederaufgebaut werden.

Sulawesi, Indonesien (Child Friendly Spaces nach dem Tsunami)

Die indonesische Insel Sulawesi wurde heuer von einem verheerenden Tsunami und Folgeerdbeben heimgesucht und hinterließ gravierende Spuren: 300.000 Überlebende ohne Obdach, 67.000 unbewohnbare Häuser, 2.700 beschädigte Schulen und 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung war tagelang außer Funktion.

Zurück blieben Tausende von Menschen schwer traumatisiert, darunter rund 50.000 Kinder, die dringend Hilfe und besondere Unterstrützung benötigten.

Indonesien: In Child Friendly Spaces können Kinder nach der Katastrophe einfach nur Kind sein (Foto: Karl Andersson).

So hat Ihre Spende geholfen:

Durch Soforthilfemaßnahmen konnte ein provisorisches Kinderzentrum, ein sogenannter Child Friendly Space, errichtet werden, in dem 40 Kindern unmittelbare Unterstützung durch fachkundiges Personal ermöglicht wurde. So konnte den Mädchen und Buben ein geschützter Raum geboten werden, den sie brauchen, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie erhielten psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit eines halbwegs geregelten Tagesablaufes, der dabei hilft, ihre Ängste durch gemeinsames Spielen zu überwinden.

Zudem wurde im krisengebeutelten Palu-Distrikt ein 2-Tages-Traumaworkshop zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen für 565 Pädagogen abgehalten.

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle) Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicher[...]

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