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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

5. Dezember 2018

Gewalt in Chile: Polizei ermordete jungen Mapuche

Am 14. November erschoss eine Spezialeinheit der chilenischen Militärpolizei den 24-jährigen Camilo Catrillanca. Er gehörte der ethnischen Minderheit der Mapuche an und engagierte sich schon als Jugendlicher gegen die Unterdrückung der Mapuche-Gemeinden und den Verlust ihres Landes an Großgrundbesitzer. Seine Ermordung löste in ganz Chile eine Welle von Protesten aus. Der Chef der Regionalverwaltung der Region Araukanien, in der Camilo Catrillanca lebte, musste nach Falschaussagen bereits zurücktreten. Demonstranten fordern nun auch den Rücktritt von Innenminister Andrés Chadwick. Bewirkt Catrillancas Tod endlich ein Umdenken in Chile?

Claudia Vera von unserer Partnerorganisation ANIDE und Guillermo López, der einen von uns finanzierten Bericht zur Situation der Mapuche in Chile schreibt, erinnern im folgenden Beitrag an Catrillanca und seine Teilnahme an einem ANIDE-Seminar vor sieben Jahren.

Camilo Catrillanca ist das jüngste Opfer der Polizeigewalt gegen Mapuche in Chile. Das Bild zeigt ihn bei einem Seminar unseres Partners ANIDE im Jahr 2011 (Foto: Anide).

Wer die Geschichte von Camilo Catrillanca verstehen will, muss über eine zutiefst beeinträchtigte Kindheit und Jugend sprechen. Es geht um systematische Gewalt gegen Mädchen, Jungen und Heranwachsende, die gemeinsam mit den Gemeinden, in denen sie leben, Gebietsansprüche auf ihren angestammten Lebensraum erheben. Es geht um Biographien, die auf verschiedene Weise von Gewalt geprägt sind – physische Gewalt durch die Polizei bei Razzien, aber auch symbolische Gewalt, wirtschaftliche Gewalt, institutionelle Gewalt.

Die Region Araucanía ist nach jüngsten sozioökonomischen Studien (Casen Survey 2017) die ärmste des Landes. Auch dies ist zweifellos eine Verletzung der Rechte der Bewohner, weil Armut immer weitere Benachteiligungen mit sich bringt. Die Menschen dort erleben aber auch andere Formen der Gewalt, z.B. wenn Kindern die Eltern weggenommen werden, weil sie entweder auf unabsehbare Zeit in „Untersuchungshaft“ geraten oder in unfairen Gerichtsverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt werden. Internationale Menschenrechtsorganisationen haben mehr als einmal angeprangert, dass die chilenische Justiz gegen Grundrechte verstößt.

Schon als Teenager prangerte Camilo staatliche Gewalt an

Camilo Catrillanca (vorne re.) mit Mitstreitern bei einer Podiumsdiskussion 2011 (Foto: Anide).

Camilo war politisch sehr aktiv. Er war Studentenführer und gehörte als 16-Jähriger zu den Aktivisten, die die Gemeinde Ercilla besetzten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. 2011 nahm er an einem von ANIDE organisierten Seminar über staatliche Gewalt gegen Mapuchekinder teil. In der damaligen Pressemitteilung hieß es:

„Camilo Catrillanca, Sprecher der Besetzer der Gemeinde Ercilla, verurteilte den Rassismus und die Diskriminierung von Jugendlichen in Bildungseinrichtungen, die Polizeikontrolle, die sie daran hindert, sich frei in ihren Gemeinden zu bewegen, und die Unterdrückungsmethoden der staatlichen Institutionen. ‚In der Gemeinde von Temucuicui, zu der ich gehöre, gibt es ständig Razzien, wir sind nicht mehr frei, wir können nicht mehr in die Berge gehen und uns um unsere Tiere kümmern, die Repressionen lassen das nicht zu. Der Staat ist der Hauptverantwortliche. Er schickt Carabineros, um uns zu töten, ohne dass wir etwas dagegen tun können – sie erschießen uns aus nächster Nähe.‘ Er prophezeite auch, dass ’sich nach unserem Bericht hier sicherlich nichts ändern wird‘ und dass sie trotz allem weiterhin ihre angestammten Gebiete fordern werden, ‚weil es der einzige Weg für uns ist, uns als Mapuche, als Kultur zu entwickeln‘.“

Am 14. November 2018 dringt eine polizeiliche Sondereinsatzgruppe in das Dorf Temucuicui ein. Camilo Catrillanca, 24 Jahre alt, Vater eines kleinen Mädchens und in Erwartung eines Sohnes, ist mit einem Traktor auf dem Gemeindeland unterwegs, neben ihm sitzt ein 15-jähriger Teenager. Als die Schießerei beginnt, sagt Camilo dem Jungen, er solle sich ducken. Sie werden von hinten beschossen. Camilo stirbt wenige Stunden später an den Folgen eines Kopfschusses. Sein Tod erzeugt Bestürzung, Wut und Ohnmacht und macht die Willkür überdeutlich. Wieder einmal ist der Staat Chile für den Tod eines jungen Mapuche verantwortlich.

Am 14. November erschoss eine Spezialeinheit der chilenischen Militärpolizei den 24-jährigen Camilo Catrillanca. Er gehörte der ethnischen Minderheit der Mapuche an und engagierte sich schon als Jugendlicher gegen die Unterdrückung der Mapuche-Gemeinden und den Verlust ihres Landes an Großgrund[...]

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Chile: Martina – eine starke Frau

La Victoria, ein Armenviertel in Santiago, ist in ganz Chile und darüber hinaus bekannt – als Schauplatz der ersten organisierten Landnahme in Lateinamerika. Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben.

Martina, eine starke Frau (Quelle: Katrin Weidemann)

Für sie ist La Victoria Chile – ihr ganzes Leben hat sie in der Siedlung verbracht. Auch ihre Großmutter und Mutter waren 1957 unter den ersten Landbesetzern. Sie selbst ist im Kindergarten, später im Hort von La Victoria großgeworden. Jetzt sitzt sie in ihrem winzigen Wohnraum, der ausgefüllt ist mit einer zerschlissenen Couch, einem fadenscheinigen Sessel und zwei Stühlen. Auf einem sitzt Martina und erzählt ihre Geschichte.

Eine Kindheit in Chile: Trotz Armut bin ich „gewachsen als Mensch“

„Alles was ich weiß und was wichtig ist, habe ich im Centro gelernt“, beginnt sie. Mit Centro meint sie die Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“. Sie schildert die Armut, in der sie aufgewachsen ist, den täglichen Kampf um Essen, um Sicherheit. Und immer wieder, welch große Rolle die Gemeinschaft im Zentrum La Victoria für sie spielte.

Es sind kostbare Erinnerungen an das Chile ihrer Kindheit, die sie mit mir teilt. „Nach der Schule haben wir im Centro Aufführungen gemacht. Ich habe getanzt und einmal auch Flöte gespielt. Und meine Mutter kam extra hin und sah mir zu.“ Ihre Augen leuchten.

Jetzt ist sie selbst Mutter. „Ich konnte nicht studieren,“ meint sie und zupft an ihrem Pullover. „Aber ich bin gewachsen als Mensch.“ Was wichtig ist für ein gutes Leben, die Werte, wie man als Menschen miteinander umgehen soll und zusammenlebt, all das habe sie von Valentina, Alicia und den anderen im Zentrum gelernt. „Sie haben auf mich aufgepasst und mir Liebe gegeben.“

Medizinstudium statt Drogenkarriere – eine Zukunft für die Kinder

Die Liebe, die sie als Kind empfangen hat, gibt sie nun genauso ihren eigenen Kindern mit. Zwei Töchter und einen Sohn hat sie, sie sind 8, 11 und 17 Jahre alt. „Von Valentina habe ich gelernt, wie man seine Kinder erziehen soll“. Darum hat sie sie alle auch ins Centro geschickt. „Hier“, sie zeigt auf den 17jährigen Tomas und die 8jährige Daniela. „Das sind gute Kinder.“

Martina zieht sie alleine auf. Der Vater der Kinder sei drogensüchtig erzählt sie. Genau wie all seine Freunde. Die Drogen hätten, wie anderswo in Chile auch, in den letzten Jahren vieles im Viertel verändert. Da brauche man einen starken Willen, um nicht mitzumachen.

Das Capoeira-Training ist eines der Angebote für Kinder und Jugendliche in der Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“ (Quelle: Katrin Weidemann)

Ihr Sohn hat diesen Willen. Tomas will Medizin studieren. Heute geht er deshalb nicht zum Capoeira-Training in Zentrum. Er will sich ganz auf die Schule konzentriert. Denn auch in Chile gilt: Um ein Stipendium für das Studium zu bekommen, braucht es gute Noten.

Das Capoeira-Training ist eines der Angebote für Kinder und Jugendliche in der Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“.
Hobby: Gewichtheben
Martinas Tage sind ausgefüllt. Tagsüber hat sie eine Putzstelle bei einer Familie, dann kümmert sie sich um ihre Kinder, hat ein Unterstützungsnetz mit ihren Nachbarn geknüpft. „Wir helfen uns gegenseitig.“ Für sich selbst bleibt da nicht mehr viel Zeit. Nur eines macht sie, ganz für sich allein: Gewichtheben.

Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben.

La Victoria, ein Armenviertel in Santiago, ist in ganz Chile und darüber hinaus bekannt – als Schauplatz der ersten organisierten Landnahme in Lateinamerika. Martina ist eine der starken Frauen von La Victoria. Sie stemmt ihr Leben. Für sie ist La Victoria Chile – ihr ganzes Leben hat[...]

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Chile: La Victoria – ein Ort zum Leben

Die Menschen in La Victoria gehören zu den Ärmsten der Armen in Chiles Hauptstadt Santiago. Doch sie sind stolz darauf, dass sie sich diesen Ort zum Leben selbst erkämpft haben – gemeinsam, friedlich und sehr solidarisch. Die Erinnerung daran macht sie stolz, auch nach mehr als 60 Jahren…

Wandbild zum 60-jährigen Bestehen der Siedlung (Quelle: Katrin Weidemann)

Sie suchten Arbeit und ein menschenwürdiges Wohnen. Mit Mut, Stärke und Organisationstalent folgten sie ihrem Traum von einem Ort zum Leben: Bergarbeiter und Taglöhner, Familienväter und -mütter, Menschen, die sich in Gewerkschaften engagiert hatten und wussten, wie man eine Gemeinschaft organisiert. Im Morgengrauen des 30. Oktober 1957 machten sich 1.400 wohnungslose Familien aus den Armensiedlungen im Norden von Santiago de Chile auf den Weg. Angetrieben von dem Bewusstsein, dass es ein Recht auf menschenwürdiges Leben gibt, besetzten sie das Brachland im Sektor Chacra de Feria.

La Victoria wird geboren

Den Ort hatten sie sorgfältig ausgewählt: Er liegt in der Nähe der zentralen Großmarkthalle, wo es immer Arbeit für Lastenträger gibt, und nicht weit von einer Textilfabrik, wo Näherinnen gesucht wurden. Hier nahmen sie sich Land, gemeinsam und mit großem Gerechtigkeitsempfinden. Jede Familie sollte an diesem neuen Ort zum Leben den gleichen Anteil an Grund bekommen.

Anfangs schliefen sie im Schlamm unter Planen, errichteten nach und nach improvisierte Häuschen aus Holzbrettern und Wellblech – jede Familie auf 8 mal 16 Metern. Da war bereits klar, dass sich hier ein historisches Ereignis abgespielt hatte. Die Landnahme wurde von der Regierung akzeptiert. Alle Familien zahlten für ihr Stückchen Land. Und verbuchten es als einen Sieg der Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Ihre Siedlung nannten sie La Victoria.

Ein Ort für Kinder

Der Stolz auf das Erreichte ist unverkennbar – und berechtigt. (Quelle: Katrin Weidemann)

Diese erste organisierte Landnahme in Lateinamerika ist auch 61 Jahre nach der toma, der Besetzung, fest im kollektiven Gedächtnis der Bewohner verankert. Valentina, die die Kindernothilfe-Tagesstätte „Nuestra Senora de La Victoria“ leitet, erzählt davon. Die Geschichte von La Victoria ist auch ihre Familiengeschichte.

Valentinas Großmutter und Mutter gehörten zu den Pionieren, die 1957 das Land besetzten. Schon bald nach der Ankunft begannen die Frauen, einen Ort zum Spielen und Lernen für Kinder einzurichten. Aus der winzigen Holzhütte von damals wurde im Lauf der Jahre ein mehrfach erweiterter Komplex – ein Ort zum Leben für Kinder und Jugendliche. Auch der platzt mittlerweile aus allen Nähten, ein brand- und erdbebensicherer Neubau soll ihn bald ersetzen.

Ein geschützter Raum

Familienersatz, geschützter Raum, liebevolle Betreuung – die Kindertagesstätte macht einen Teil der Identität der ganzen Siedlung aus (Quelle: Katrin Weidemann)

Momentan finden 200 Kinder in der Kindertagesstätte Platz, die Hälfte von ihnen im Vorschulalter. Für die meisten ist das Centro Teil der Familie, die sie daheim nicht haben. Viele Kinder stammen aus zerrütteten Familien, in denen die Eltern wenig Zeit für sie haben. Im Centro finden sie einen geschützten Raum und Fürsorge.

Mehr als die drei Mahlzeiten am Tag, Körperpflege und medizinische Betreuung sind es die achtsame, liebevolle Betreuung und Förderung der Kinder, der respektvolle Umgang mit den kleinen und großen Bewohner der Siedlung, die vielfältigen Beratungs- und Vermittlungsangebote für die ganze Familie – kurz: der ganzheitliche Blick auf die Menschen von La Victoria, die die Einrichtung auszeichnen. Und die diesen Ort zum Leben zu einem Teil der Identität der ganzen Siedlung gemacht haben.

Ein Ort zum Leben – die zweite Landnahme

Auch für die neu Zugezogenen. Ein Viertel der Kinder in La Victoria hat Migrationshintergrund. Ihre Eltern stammen aus Peru oder Venezuela, aus Haiti, Kolumbien oder der Dominikanische Republik. Für den Staat und weite Teile der Gesellschaft sind sie unsichtbar. Für ihre Fragen, die besonderen Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, gibt es kein Gegenüber. Bei Valentina und ihren Kolleginnen in La Victoria finden sie es. Die Siedlung bleibt auch dank des Zentrums 61 Jahre nach der ersten toma ein wichtiger Ankerpunkt für Menschen, die dem Traum von einem besseren Leben folgen.

Die Menschen in La Victoria gehören zu den Ärmsten der Armen in Chiles Hauptstadt Santiago. Doch sie sind stolz darauf, dass sie sich diesen Ort zum Leben selbst erkämpft haben – gemeinsam, friedlich und sehr solidarisch. Die Erinnerung daran macht sie stolz, auch nach mehr als 60 Jahren… [...]

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6. November 2018

Haiti: Erfolge bei den Karate-Kids

Haitis Karate Kids (Foto: Erhard Stückrath)

Nachdem Hurrikan „Matthew“ 2016 so viel Zerstörung auf Haiti angerichtet hatte, startete die Kindernothilfe zusammen mit ihrer Partnerorganisation AMURT sogenannte „Child Friendly Spaces“ (Kindesschutzzentren) an 18 Schulen in sechs Gemeinden. Über 1.200 Kinder profitierten von diesen Zentren, in denen Bildung, Kurse zu Hygiene, Gesundheit und gewaltfreie Kommunikation, Spiel, Sport und eine warme Mahlzeit am Tag angeboten wurden. Und speziell die Karate-Kurse kamen bei den Kindern sehr gut an!

Die Karate-Kurse haben besonders großen Zulauf; sie setzen auf die positiven Auswirkungen, die geregelte Bewegungsabläufe auf die Psyche haben können. Zu Beginn starteten diese Kurse an 18 Schulen der Gemeinde Anse Rouge. Mittlerweile sind es bereits 22, und besonders bei Mädchen, die 2/3 der Teilnehmenden ausmachen, kommen sie hervorragend an. Sie vermitteln nicht nur Disziplin, sondern stärken zudem das Selbstwertgefühl und machen die Kinder bei Wettkämpfen auf ihre Schulen stolz.

Bei einem beeindruckenden Demonstrationstraining an der Schule in Magasin fielen die beiden Schwestern Malia und Betiane (Namen geändert) besonders auf. Sie sind die besten der Gruppe. Im Juni fuhren sie zusammen mit 40 anderen Mädchen und Jungen, den Trainern und ihren Eltern zur nationalen Meisterschaft in Port-au-Prince. Dort konnte die Gruppe ihr Talent beweisen und brachte 17 Medaillen, davon 4 Goldmedaillen, mit nach Hause. Die Schwestern hatten ebenfalls gewonnen. Einige der Gewinner haben mittlerweile sogar eine Einladung der „National Karate Association“ erhalten, Haiti bei den Weltmeisterschaften in Japan zu vertreten!

Nachdem Hurrikan „Matthew“ 2016 so viel Zerstörung auf Haiti angerichtet hatte, startete die Kindernothilfe zusammen mit ihrer Partnerorganisation AMURT sogenannte „Child Friendly Spaces“ (Kindesschutzzentren) an 18 Schulen in sechs Gemeinden. Über 1.200 Kinder profitierten von diesen [...]

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Kinder und Jugendliche ohne Schutz auf dem Weg in die USA: Tausende auf der Flucht aus Mittelamerika

Seit Tagen berichten die Medien über Tausende von Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die Richtung US-Grenze durch Mexiko ziehen. Nach UN-Angaben sollen es mittlerweile 7.000 Menschen sein. Sie fliehen vor Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit aus ihren Heimatländern. 

Honduras schickt Busse, um die Flüchtlinge zurückzuholen (Bastian Strauch)

Am Freitag überquerten sie die Grenze zu Mexiko. Dort wurden sie zunächst gestoppt, nachdem sie erfolglos versucht hatten, die Grenzposten zu überwinden. Über den Grenzfluss Suchiate gelangten dennoch die meisten nach Mexiko. Dieses Vorgehen ist seit Jahren Alltag in Mexiko: Oben am Grenzposten wird abgewiesen, aber unten am Fluss, unter den Augen der Beamten, läuft das Fährgeschäft zur illegalen Einreise.

Die Dramen an der mexikanischen Grenze bewegen nur wenige Migranten zur Umkehr. Der honduranische Präsident Juan Orlando versprach den Flüchtlingen Geschenke, wenn sie zurückkämen, und schickte Busse. Doch viele wollen weiter versuchen, in die USA zu kommen. In Mexiko haben sie bisher 40 Kilometer der Strecke geschafft, doch bis zur US-Grenze sind es je nach Route 2.000 bis 4.000 Kilometer. Zwar solidarisieren sich manche Mexikaner mit den Flüchtenden, versorgen sie mit Wasser und Essen, doch ihre Situation wird immer prekärer.

US-Präsident Trump droht bereits mit der Schließung der Grenze zu Mexiko und kündigt an, Hilfsgelder für Guatemala, El Salvador und Honduras zu kürzen, da sie die Menschen nicht daran hindern, ihre Heimat zu verlassen und illegal in die USA zu kommen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Lokalen Medien zufolge machen sich bereits weitere 1.500 Menschen aus Honduras auf den Weg in die USA.

Dringender Appell der Kindernothilfe Honduras
Die Kindernothilfe ist besonders besorgt über die Situation der Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter den Flüchtlingen. „Ich bitte die internationale Gemeinschaft, den Blick nicht von Mittelamerika abzuwenden“, appelliert Dr. Elmer Villeda, Direktor der Kindernothilfe Honduras: „Die Rechte von Menschen auf der Flucht, besonders von Kindern und Jugendlichen, müssen gewahrt werden. Die Drohungen des amerikanischen Präsidenten haben gefruchtet: Die Regierungen von Honduras und Guatemala haben verkündet, dass sie eine sichere Rückführung der Migranten veranlassen und die Grenzkontrollen verschärfen werden. Die Partner der Kindernothilfe in Honduras und Guatemala sind alarmiert und beobachten die Situation mit großer Sorge.“

„Migration ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht!“
Aus Guatemala melden sich Myrella Saadeh und Jorge Medrano vom Kindernothilfe-Partner PAMI zu Wort: „Die Tausenden Menschen aus Honduras, die in ihrer Verzweiflung Richtung Norden ziehen, sind ein weiterer Indikator für die schweren Bedingungen, für die Gewalt und die Menschenrechtsverletzungen, unter denen vor allem die Kinder und Jugendlichen des Landes leiden. Die Behörden der Länder entlang der Fluchtroute bieten denjenigen, die sich auf diesen Verzweiflungsmarsch gemacht haben, kein Asyl, keine Zuflucht und keine Rückkehr in Würde. Mehr noch, sie beschuldigen die Migranten, für diesen Exodus selbst verantwortlich zu sein, ohne zu ihrer eigener Verantwortung zu stehen und einzuräumen, dass sie Gesetze und Abkommen umgehen, die den Schutz der Bevölkerung  sichern würden.“

Laut PAMI haben die Zivilgesellschaft in den betroffenen Ländern und die katholische Kirche in den vergangenen Tagen eine wichtige Rolle gespielt: Sie haben Flüchtenden Unterkunft, Schutz, Nahrung, Wasser und Transportmöglichkeiten gegeben. Sie identifizieren sich aufrichtig mit den Migranten, denn sie wissen von dem harten Leben, unter dem viele Honduraner leiden. Damit setzen sie das wichtige Zeichen, dass hier ein Mensch unterwegs ist, dessen Rechte respektiert werden sollten. Denn „Migration ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht. Die Durchreise der Flüchtlinge durch Guatemala auf dem Weg nach Mexiko darf nicht eingeschränkt werden. Der Staat Guatemala muss den Menschen auf der Flucht Unterstützung und Sicherheit bieten und vor allem den Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleisten.“

 

Seit den 70er Jahren unterstützt die Kindernothilfe gemeinsam mit lokalen Partner aus beiden Ländern Projekte für junge Menschen in Guatemala und Honduras, die aus Not ihr Heimatland verlassen sowie für diejenigen, die bereits migriert sind und aus Ländern entlang der Fluchtroute in ihre Heimatländer Honduras und Guatemala zurückgeführt werden.

Seit Tagen berichten die Medien über Tausende von Flüchtlingen aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die Richtung US-Grenze durch Mexiko ziehen. Nach UN-Angaben sollen es mittlerweile 7.000 Menschen sein. Sie fliehen vor Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit aus ihren Heimatländern.  A[...]

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