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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

28. November 2021

Weihnachtsreise um die Welt

Weihnachten steht vor der Tür. An vielen Orten der Welt blicken Klein und Groß diesem besonderen Tag im Jahr entgegen. Wenngleich mit unterschiedlichen Traditionen. Auf unserer kleinen Weihnachtsreise um die Welt entdecken wir landestypische Rezepte, Bastelideen und Bräuche.

Weihnachten in bei unserem südfrikanischen Partner iThemba Lethu. (Foto: Roxie Vanerlinde)
Weihnachten in bei unserem südfrikanischen Partner iThemba Lethu. (Foto: Roxie Vanerlinde)

Weihnachten in Asien: Von kleinen Gärtchen, Simbang Gabi und Laddus

Im Libanon ist Weihnachten ein Fest der Gemeinde, das die Menschen mit großer Vorfreude erwarten. Sie schmücken gemeinsam die Kirche, in der eine große Krippe steht. Sie soll Frieden ins eigene Haus bringen. Deshalb gibt es auch in fast jeder Familie eine kleine Version. Besonders Kinder mögen es sehr, die Krippe im Haus zu schmücken. Dafür legen sie zwei Wochen vor dem Fest ein kleines „Gärtchen“ an und pflanzen darin Bohnen- oder Linsensamen. Mit den grünen Keimlingen verzieren sie dann die Krippe. Zehn Tage vor Weihnachten werden üblicherweise die Bäume festlich geschmückt. Am 25. Dezember gehen viele Libanes*innen in die Messe, die traditionell damit endet, dass sich die Menschen Frieden wünschen. Danach gibt es dann ein großes Festmahl mit Kebbeh Pie (ein Fleischgericht mit warmer Joghurtsauce, die Schnee symbolisiert), Truthahn und Hühnchen mit würzigem Nussreis, Tabouleh (Vorspeisenplatten mit Humus, Rote Bete und Tahini-Salat). Und zum, Schluss noch Buche de Noel (eine libanesische Schoko-Bisquitrolle, die es nur zu Weihnachten gibt). Manchmal wird auch noch Meghli serviert, ein süßer Reispudding mit Anis und Zimt gewürzt, der traditionell zur Begrüßung eines Neugeborenen zubereitet wird. An Weihnachten gibt es Meghli also in Erinnerung an das Christuskind. Nach dem Essen werden die Geschenke unter dem Baum verteilt und Weihnachtslieder wie Jingle Bells oder Petit Papa Noel genauso wie das berühmte arabische Laylit Eid gesungen.

Die Häuser werden festlich geschmückt und leuchten in der Nacht. (Foto: Christoph Dehn)
Die Häuser werden festlich geschmückt und leuchten in der Nacht. (Foto: Christoph Dehn)

Auf den Philippinen bereiten sich die Menschen ganze vier Monate lang auf Weihnachten vor. Vielerorts glitzern und glänzen bei den hochsommerlichen Temperaturen von 25 – 30 Grad Celsius mit Lichterketten geschmückte Palmen und Kunsttannenbäume. Für viele Filipinos ist eine Zeit der Traditionen und der Spiritualität. Kindergruppen ziehen von Haus zu Haus und singen vor den Türen Weihnachtslieder. Simbang Gabi heißt die Tradition der Weihnachtsmessen im Morgengrauen. Sie finden ab dem 16. Dezember täglich statt und starten meist gegen drei Uhr früh. Wer es in einem Jahr an allen neun Terminen in die Kirche schafft, bekommt dem Glauben zufolge einen besonderen Wunsch erfüllt. Außerdem gibt es ein traditionelles Frühstück mit Putò Bumbóng (süßer Klebreis, der in Bambusrohren gegart wird) und Bibingka (ein in Tontöpfen gebackenen Weihnachtskuchen). Das Santo-Niño-Fest, das mit Straßenumzügen die Weihnachtszeit traditionell beendet, findet dann am dritten Sonntag im Januar statt.

Die Kinder in Indien warten sehnsüchtig auf Bada din. (Foto: Kindernothilfepartner)
Die Kinder in Indien warten sehnsüchtig auf Bada din. (Foto: Kindernothilfepartner)

In Indien ist Weihnachten oder „Bada di“’ („der großer Tag“) ein offizieller Feiertag. Viele der rund 28 Mio. Christen schmücken in der Vorweihnachtszeit Mangobäume oder Bananenstauden festlich. Auch Kirchen, Häuser und Straßen dekorieren sie farbenfroh mit buntem Krepppapier und Lichterketten. Die Kinder basteln kleine Öllampen, damit ihre Dörfer in der Nacht im Lichterschein glänzen. Dazu formen sie aus einem kleinen Tonklumpen eine Scheibe. An einer Stelle bekommt sie einen schnabelähnlichen Ausguss, den sie nach oben biegen. Dann bringen sie den Rand zusammen und lassen ein kleines Loch für den Docht. Damit ein Schälchen entsteht, biegen sie auch die übrigen Ränder hinauf. Sobald der Ton trocken ist, geben sie den Docht durch das kleine Loch in die Schale und füllen etwas Oliven- oder Kokosöl hinein. Das Weihnachtsfest selbst beginnt traditionell am 24. Dezember mit einer Mitternachtsmesse. Am Christtag trifft man sich dann mit der ganzen Familie, Freunden und Bekannten zum Essen. Es gibt Curryreis, Gemüse und Fleischgerichte. Am Abend feiern die Inder*innen dann oft bei einem großen Lagerfeuer weiter. Das Familienoberhaupt bekommt traditionell jedes Jahr das gleiche Geschenk. Eine Zitrone: als Zeichen der Verehrung. Dazu gibt es Laddus, die „Bälle fürs Fest“. Für 12 bis 15 Stück 70 g Ghee oder Kokosöl in einem Topf erwärmen, 80 g Kichererbsenmehl dazu mischen und unter ständigem Rühren ca. 5 Minuten anrösten. Den Topf vom Herd nehmen. 1 EL Erdnussbutter, 20 g Kokosraspeln, 30 g gehackte Cashewnüsse, 1 TL Zimt, 1 EL Kokosblütenzucker und 1 Prise Vanillepulver unterrühren. Die Masse vollständig abkühlen lassen bis sie relativ hart ist. Dann kleine Bällchen formen und abwechselnd in Kokosraspeln und gehackten Pistazien rollen.

Weihnachten in Afrika: Von Nyama Choma und Malva Pudding

In Kenia wird Weihnachten offiziell am 25. und 26. Dezember gefeiert. Kinder haben in vielen Familien immer noch die Aufgabe, das Haus zu putzen und zu dekorieren. Oft bereiten sie auch das Essen für den nächsten Tag vor. Am Christtagsmorgen gehen viele Kenianer*innen in die Kirche, die mit Weihnachtsbäumen, aber auch Ballons, Bändern und Blumen geschmückt ist. Dann geht es von Haus zu Haus, um sich gegenseitig „Frohe Weihnachten“ zu wünschen und zu beschenken. Der Weihnachtstag „endet“ ausgelassen mit Tanz und Musik. Dabei wird die traditionell geschlachtete, gegrillte Ziege „Nyama Choma“ verspeist. Dazu gibt es das typisch kenianische Fladenbrot Chapati, regional gebrautes Bier und Weihnachtskuchen.

Ein drahtiger Weihnachtsbaum ist in Südafrika keine Seltenheit. (Foto: Counseling/pixabay)
Ein drahtiger Weihnachtsbaum ist in Südafrika keine Seltenheit. (Foto: Counseling/pixabay)

In Südafrika feiern die Menschen Weihnachten im Hochsommer. Häufig mit einem Picknick in der Natur oder dem Grillfest „Braai“ am Strand. Truthahn, Roastbeef oder Spanferkel und gelber Reis mit Gemüse und Rosinen dürfen dabei nicht fehlen. Und schon gar nicht Malva Pudding mit Vanillesause oder Eis. Viele Südafrikaner*innen schmücken Tannen-, aber auch Affenbrot-Bäume (Baobab-Baum) oder Plasik- bzw. Drahtbäume mit traditionellem Christbaumschmuck. Im Kerzenschein ziehen Chöre und Weihnachtsbands durch die Straßen und singen Weihnachtslieder. Am Weihnachtsabend gehen viele Südafrikaner*innen in die Kirche, singen Weihnachtslieder und bringen dem Jesuskind Geschenke. Das eigentliche Weihnachtsfest findet am Christtag statt. Am Tag danach werden traditionell Nahrungsmittel, Süßigkeiten und kleine Geschenke an die arme Bevölkerung verteilt. Indigene Volksgruppe, wie die Zulus und Xhosa, schlachten am 24. Dezember Ochsen, Schafe, Schweine oder Hühner. Am Weihnachtstag sind sie das Festmahl in der Dorfgemeinschaft, zu dem es selbst gebrautes Bier und Maisbrei gibt. Bei anderen Stämmen schaut man bei den Medizinmännern vorbei, badet gemeinsam im Meer oder macht den Frühjahrsputz.

Malva Pudding (Foto: Gemma’s Bigger Bolder Baking)
Malva Pudding (Foto: Gemma’s Bigger Bolder Baking)

Der traditionelle Malva Poeding ist eine Art Kuchen mit Marillenmarmelade. Er wird mit heißem Sirup begossen, während er noch warm ist. Speziell zu Weihnachten ist er mit Pudding, Vanillesoße oder Eis sehr beliebt.

Für den Teig 2 Eier und 90 g braunen Zucker schaumig rühren. Dann 1 EL Aprikosenmarmelade, 50 g geschmolzene Butter und eine Prise Salz unterrühren. Dann nach und nach 120g Mehl, 1 TL Natron und 250 ml Milch dazugeben. Alles zu einem homogenen Teig glattrühren. Zum Schluss einen 1 TL Zitronensaft untermischen. In eine Glas- Auflaufform geben und für 10 Minuten bei 250 °C Ober – und Unterhitze backen. Nach 10 Minuten auf 190 °C reduzieren und weitere 5 Minuten backen. Für den Sirup 100 g Butter und 80 g braunen Zucker bei mittlerer Hitze erhitzen bis der Zucker geschmolzen ist und der Sirup eine schöne goldbraune Farbe hat. 125 ml kochendes Wasser dazugeben, glattrühren und kurz aufköcheln lassen. Nun den Kuchen mit einer Gabel anstechen und dien Sirup gleichmäßig über den Kuchen gießen. Den Kuchen nochmals in den ausgeschalteten, aber noch warmen Backofen schieben, zumachen und ziehen lassen, bis der Sirup den Kuchen durchtränkt hat.

Weihnachten steht vor der Tür. An vielen Orten der Welt blicken Klein und Groß diesem besonderen Tag im Jahr entgegen. Wenngleich mit unterschiedlichen Traditionen. Auf unserer kleinen Weihnachtsreise um die Welt entdecken wir landestypische Rezepte, Bastelideen und Bräuche. Weihnachten in bei[...]

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27. November 2021

H wie Honduras

Der zweitgrößte Staat Mittelamerikas Honduras hat weitaus mehr zu bieten, als sein Ruf als eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Erde vermuten lässt.

Honduras ist das zweitgrößte und das am wenigsten besuchte Land Mittelamerikas.
Honduras ist das zweitgrößte und das am wenigsten besuchte Land Mittelamerikas.

Honduras wurde früher als Spanisch-Honduras bezeichnet, um es von Britisch-Honduras, dem heutigen Belize, zu unterscheiden.

In Copán lebten zwischen 250 und 900 die Maya. Ihre Blütezeit lag im 8. Jahrhundert. Die Ruinenstadt ist heute eine der bedeutendsten archäologischen Stätten von Honduras. Die Maya-Ruinen von Copan gelten aufgrund der vollständig erhaltenen Hieroglyphen als die wichtigsten Ruinen. Sie sind die Hauptquelle für unser heutiges Wissen über die Maya-Geschichte.

Vor 3000 Jahren lebten im heutigen Honduras die Maya.
Vor 3000 Jahren lebten im heutigen Honduras die Maya.

1502 setzte Christoph Kolumbus bei seiner vierten Reise in die Neue Welt erstmals seinen Fuß auf amerikanisches Festland. Zuvor war er nur auf Inseln gewesen. Nun landete er dort, wo heute die Stadt Trujillo liegt. Er nannte das Land Honduras, was auf Spanisch „Tiefe“ bedeutet. Es war wohl eine Anspielung auf die tiefen Gewässer der Karibikküste.

Mehr als 65 Prozent des Landes sind von Bergen bedeckt. Der tropische Regenwald, der sich früher über das ganze Tiefland erstreckte, wurde zu einem großen Teil abgeholzt, weil man Ackerland bzw. Holz benötigte. Der Westen des Landes ist viel dichter besiedelt als der Osten. Im Nordosten liegt die Miskitoküste, die nach dem indigenen Volk der Miskito benannt ist. Die Spanier bezeichneten sie allerdings als „Costa de los Mosquitos„. Tatsächlich leben auf der Moskito- bzw. Mückenküste unzählige der kleinen Tierchen. In den Gewässern an der Karibikküste findet man das zweitgrößte Korallenriff der Welt. Im Nordosten von Honduras wachsen tropischer Regenwald, Kiefernsavannen und Mangrovenwälder. In dem noch sehr ursprünglichen Gebiet liegen auch die Caratasca-Lagune und das Biosphärenreservat Río Plátano, die Heimat unzähliger Pflanzen und bedrohter Tierarten. Außerdem konnten hier rund 2000 Miskito- und Paya-Indios ihre traditionelle Lebensweise bewahren. 

Die Hauptstadt von Honduras Tegucigalpa, oder kurz „Tegus“, liegt im Südwesten des Landes. Ihr Name stammt aus der Nahuatl-Sprache und bedeutet „Silberberg“. Im 16. Jahrhundert wurden hier tatsächlich Gold und Silber abgebaut. Heute ist Tegucigalpa eine Millionen-Stadt, die von Elendsvierteln am Stadtrand, von bewachten Wohnquartieren der Reichen (den Colonias) und starker Luftverschmutzung gezeichnet ist.

Honduras hat rund 9,6 Mio Einwohner. 90% von ihnen stammen aus Beziehungen von europäischen Einwanderern (vor allem Spaniern) mit Angehörigen der indigenen Völker ab, 7% sind Indigene (die Lenca, die Chortí, die Miskito, die Mayangna und die Paya), 2% Afrikaner und 1% Europäer. Nachfahren von Afrikanern und Kariben sind die Garifuna. Das Durchschnittsalter liegt bei 24 Jahren.

Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 14 Jahre alt. (Foto: Jürgen Schübelin)
Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 14 Jahre alt. (Foto: Jürgen Schübelin)

Amtssprache in Honduras ist Spanisch. Daneben gibt es eine Vielzahl indigener Sprachen, wie zum Besispiel Miskito, das zur Sprachfamilie Misumalpan gehört. Es ist leicht zu lernen: Alle Wörter werden auf der ersten Silbe betont, es gibt keinen Plural (Mehrzahl), Hauptwörter haben kein Geschlecht (kein „der, die, das“), es gibt nur drei Vokale (a, i und u) und der Wortschatz ist klein.

Die Währung von Honduras ist der Lempira, benannt dem Kazike (Häuptling) der Lenca-Indios und Freiheitskämpfer Lempira, der Anfang des 16. Jahrhunderts gegen die spanischen Eroberer kämpfte. 1 Lempira = 100 Centavos.

Von den rund 200 Säugetierarten in Honduras sind etwa die Hälfte Fledermäuse. Als Nationaltier gilt der Weißwedelhirsch, der farbenfrohe Hellrote Ara ist der Nationalvogel des Landes ist. Sonst leben in dem Mittelamerikanischen Staat noch der Amazonas-Skunk, der Wickelbär, das Neunbinden-Gürteltier, der Zwergameisenbär und sein großer Bruder, der Große Ameisenbär, Weißschulterkapuziner-Affen, Nabelschweine (Halsbandpekari und den Weißbartpekari.). Die Honduras-Amazilie, eine Kolibriart, kommt weltweit nur in Honduras vorkommt. Walhaie sind nicht nur die größten Haie, sondern sogar die größten Fische der Welt. Bis zu 18 Meter lang kann der Walhai werden. In Honduras wurden bisher auch 630 Arten von Orchideen gefunden. Häufig wachsen sie auf den Bäumen des Regenwaldes. Zu den Bromeliengewächsen gehört Tillandsia flabellata. Die Flamingoblume kennt man bei uns als Zimmerpflanze.

Honduras ist eines der ärmsten Länder in Zentralamerika. 17% der Bevölkerung lebt unter der internationalen Armutsgrenze von weniger als 1,90 Dollar am Tag und gilt somit als extrem arm. Zusätzlich ist ein Drittel „arm“. Überweisungen von im Ausland lebenden Honduranern an ihre Familien tragen wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt bei (Honduras steht im Human Development Index auf Platz 132 von 189 Ländern).

In der Industrie spielen Maquila-Betriebe „Maquiladora“ (meist in der Hand von US-Amerikanern, Koreanern oder Taiwanesen) eine große Rolle. In diesen Betrieben werden importierte Einzelteile zu fertigen Waren zusammengebaut. Vor allem Kleidungsstücke werden hier – vorwiegend von Frauen – zusammengenäht, außerdem werden Holzprodukte hergestellt. Die fertigen Waren werden wieder exportiert, hauptsächlich in die USA. Die Maquila-Betriebe bieten zwar Arbeit und befreien viele Menschen aus der Arbeitslosigkeit. Allerdings zahlen sie oft sehr wenig Lohn und die Leute müssen stark schuften, oft 12 Stunden am Tag, und sie haben keine Arbeitsrechte.

Die United Fruit Company (1899 gegründet, heute Chiquita) und die Standard Fruit Company (1925 gegründet, heute Dole), beide Firmen aus den USA, bestimmten über Jahrzehnte die Politik in Honduras. Ihre Macht war stärker als die des Staates. Sie schufen riesige Bananenplantagen. Bananen wurden zum wichtigsten Bereich für die Wirtschaft, die sich nur darauf ausrichtete. So entstand der Ausdruck „Bananenrepublik„.

In der Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 1970 mussten Honduras und El Salvador nun mehrere Male gegeneinander antreten. Jedes Mal kam es zu Unruhen. Am 14. Juli 1969 begann der Krieg mit einem Angriff von El Salvador auf Honduras. Eine Niederlage von Honduras zeichnete sich ab. Durch die Vermittlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) wurde jedoch schon wenige Tage später ein Friedensabkommen geschlossen. Der Krieg wird auch Fußballkrieg oder 100-Stunden-Krieg genannt. Obwohl der Krieg kurz war, hatte er große Folgen, weil beide Länder auch in der Folge keinen Handel mehr miteinander trieben und das der Wirtschaft schadete.

Honduras war das erste Land, das das Rauchen in geschlossenen Räumen, also auch in den eigenen vier Wänden, verboten hat, und in dem das erste Kino in Mittelamerika gebaut wurde.

Der internationale Flughafen Toncontín ist der zweitgefährlichste Flughäfen der Welt. Das liegt an seiner bergigen Lage und der extrem kurzen Startbahn.

In Honduras gilt Schulpflicht für Kinder zwischen 7 und 12 und der Schulbesuch ist gratis. Das Schuljahr beginnt im Februar und endet im November, die Hauptferien sind in der Trockenzeit im November/Dezember. Ende März oder Anfang April gibt es noch einmal eine Woche Ferien. Noten werden nach Prozent vergeben. Um eine Arbeit zu bestehen, muss man mindestens 70% erreichen.

Trotz Schulpflicht und gratis Schulbesuch werden nach wie vor rund 5% der Kinder nicht eingeschult. (Foto: Jürgen Schübelin)
Trotz Schulpflicht und gratis Schulbesuch werden nach wie vor rund 5% der Kinder nicht eingeschult. (Foto: Jürgen Schübelin)

15% der Erwachsenen in Honduras können nicht lesen. Unter den jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren beträgt die Zahl an Analphabeten 6% bei den Buben und 4% bei den Mädchen. Trotzdem werden nach wie vor 5% der Kinder nicht eingeschult, weil den Eltern das Geld für Schulbücher oder Schulhefte fehlt, oder der Schulweg oft viel zu weit ist. Außerdem müssen 15% der Kinder zwischen 5 und 14 Jahren arbeiten (Von den mehr als 370.000 Kinder sind 22% der Buben und 8% der Mädchen betroffen). Manche arbeiten nach der Schule, andere brechen die Schule ab und gehen gar nicht (mehr) zur Schule und arbeiten den ganzen Tag. Auf dem Land arbeiten mehr Kinder als in der Stadt. Häufig arbeiten sie in der Landwirtschaft und unbezahlt für die eigene Familie (drei Viertel aller arbeitenden Kinder). Nur 46% der Buben und 53% der Mädchen eines Jahrgangs besuchen eine weiterführende Schule.

Mais, Reis und (rote) Bohnen sind die Grundnahrungsmittel in Honduras. Heimisches Obst wie Ananas, Papayas, Melonen, Mangos, Passionsfrüchte und Bananen werden ebenfalls gern und viel gegessen. Tortillas – flache Fladen aus Maismehl und Wasser – gehören zu fast jeder Mahlzeit. Noch typischer für Honduras sind jedoch die Baleadas, die in vielen Restaurants serviert und auf Märkten angeboten werden. Das sind Fladen aus Weizenmehl, die gefüllt und halb umgeklappt serviert werden.

Baleadas: Typisch honduranische Weizenfladen
Baleadas: Typisch honduranische Weizenfladen

Die Kriminalität ist besonders groß in Honduras, wo weltweit am zweitmeisten Morde begangen werden. Kriminelle Jugendbanden wie die Maras üben auch in Honduras Gewalt aus, handeln mit Drogen und erpressen Schutzgelder. Angeblich gehören ihnen etwa 40.000 Jugendliche an.

Der zweitgrößte Staat Mittelamerikas Honduras hat weitaus mehr zu bieten, als sein Ruf als eines der ärmsten und gefährlichsten Länder der Erde vermuten lässt. Honduras ist das zweitgrößte und das am wenigsten besuchte Land Mittelamerikas. Honduras wurde früher als Spanisch-Honduras [...]

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21. November 2021

Baleadas: Weizenfladen aus Honduras

Baleadas: Typisch honduranische Weizenfladen
Baleadas: Typisch honduranische Weizenfladen

(ergibt 20 Stück)

Dafür brauchen wir:
  • 2 kg Mehl
  • 1 Ei
  • 2 Tassen Milch
  • 1 ½ Esslöffel Salz
  • 250 g Margarine oder Butter
  • ½ Tasse Wasser
Und so wird’s gemacht:
  • Alle Zutaten gut vermischen und so lange kneten, bis der Teig schön weich wird.
  • Etwa 20 Kügelchen formen und eine halbe Stunde liegen lassen.
  • Nun die Kügelchen zu runden Fladen ausbreiten und in einer Pfanne bei schwacher Hitze backen.
  • Ihr könnt die Baleadas mit süßer Marmelade oder Nutella bestreichen oder mit herzhaften Zutaten wie Schinken oder Käse belegen.

Die Honduraner essen die Baleadas besonders gerne mit Bohnenmus.

Baleadas: Typisch honduranische Weizenfladen (ergibt 20 Stück) Dafür brauchen wir: 2 kg Mehl1 Ei2 Tassen Milch1 ½ Esslöffel Salz250 g Margarine oder Butter½ Tasse Wasser Und so wird’s gemacht: Alle Zutaten gut vermischen und so lange kneten, bis der Teig schön weich wird.Etwa [...]

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10. November 2021

Kinderarbeit in Indien: Ursachen und Lösungsansätze

Trotz boomender Wirtschaft leben in Indien Millionen Menschen in extremer Armut. Auch ausbeuterische Kinderarbeit ist weit verbreitet. Durch die Coronapandemie ist die Schere zwischen Arm und Reich noch größer geworden. Samira Rahim und Arulraj Daje von der Kindernothilfe in Indien berichten von der aktuellen Situation arbeitender Kinder vor Ort.

Kinderlachen auf der Müllhalde in Neu Delhi. (Foto: Kindernothilfepartner)
Kinderlachen auf der Müllhalde in Neu Delhi. (Foto: Kindernothilfepartner)

Mehr Kinderarbeit und Kinderhandel durch COVID-19

Die Coronapandemie hat Indien schwer getroffen. Hunderttausende Menschen sind an der Infektion gestorben, Millionen erkrankten schwer. Die Pandemie und der anschließende Lockdown hatten gravierende Folgen für die wirtschaftliche Situation im Land. Viele Familien sind in die Armut abgerutscht. Wie wirkt sich das auf Kinderarbeit aus?

Samira Rahim: Durch COVID-19 haben viele Menschen ihre Arbeit und viele Familien ihre Existenzgrundlage verloren. Ärmere Familien haben jetzt noch weniger Einkommen. Das Erste, was sie dagegen unternehmen, ist, ihre Kinder arbeiten zu schicken. Ärmeren Familien fällt es jetzt noch schwerer, ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Sie sind darauf angewiesen, dass die Kinder zum Haushaltseinkommen beitragen.

Durch die Corona-Pandemie waren viele Familien in Indien auf die Verteilung von Lebensmittel-Paketen angewiesen. (Foto: Kindernothilfepartner)
Durch die Corona-Pandemie waren viele Familien in Indien auf die Verteilung von Lebensmittel-Paketen angewiesen. (Foto: Kindernothilfepartner)

Arulraj Daje: Ausbeuterische Kinderarbeit ist aber auf viele verschiedene Ursachen zurückzuführen. Dazu gehören auch unethische Geschäftspraktiken, die weit verbreitete Korruption und das Handeln der politischen Verantwortungsträger:innen. Auch die Einstellung der Menschen, die in Armut leben, trägt dazu bei.

Samira Rahim: Nach dem Lockdown haben auch Fälle von Kinderhandel zugenommen. Viele Familien befanden sich in einer finanziellen Notlage und die Kinder konnten ein Jahr lang nicht zur Schule gehen. Deshalb waren viele Familien anfälliger für die verlockenden Angebote von Menschenhändler:innen. Um das Problem des Kinderhandels anzugehen, müssen wir auf zwei Ebenen ansetzen: Einerseits Prävention und andererseits Hilfe für die Kinder, die bereits Opfer von Kinderhandel geworden sind.

Arulraj Daje: Ein verstärkter Einsatz für Kinderrechte – vor allem über gute Bildung und Chancengleichheit – ist der beste Weg, um gegen Kinderhandel vorzugehen. Außerdem bedarf es Anti-Kinderhandel-Komitees auf lokaler Ebene. Sie behalten die Anzahl der Kinder aus ärmeren Familien genau im Auge und arbeiten mit den Regierungsbehörden zusammen. Auch der Einsatz von sozialen Medien kann hilfreich sein. Darüber können wir zum Beispiel die Notrufnummer für Fälle von Kinderhandel kommunizieren.

Die Urbanisierung in Indien nimmt weiter zu

Auch die zunehmende Landflucht hat Auswirkungen auf die Kinderarbeit im Land. Viele mittellose Familien zieht es von ländlichen Regionen in die Metropolen, wo sie oft in Slums landen. Viele Kinder arbeiten auf riesigen Müllhalden. Wie kann die Situation dieser Kinder und Familien verbessert werden?

Arulraj Daje: Die fortlaufende Abwanderung von landwirtschaftlich geprägten Familien ist eine sehr große Herausforderung. Wenn die Familien vom Land in die Stadt kommen, müssen sie sich Arbeit suchen. Auch viele Kinder müssen zum Familieneinkommen beitragen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, braucht es bessere Voraussetzungen in den ländlichen Räumen, sodass niemand zum Abwandern gezwungen wird. Neben der Arbeit mit den betroffenen Kindern in der Stadt ist es auch wichtig, die Ursachen von Kinderarbeit anzugehen.

In Delhi arbeiten viele Kinder im Viertel Bengali Basti auf einer riesigen Müllhalde. (Foto: Kindernothilfepartner)
In Delhi arbeiten viele Kinder im Viertel Bengali Basti auf einer riesigen Müllhalde. (Foto: Kindernothilfepartner)

Samira Rahim: In Delhi betreuen wir ein Projekt für Kinder, die den Großteil ihrer Zeit auf einer Müllhalde verbringen, wo sie die Abfälle durchsuchen. Dabei sind sie nicht nur gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, ihnen fehlt es auch an Bildung. Deshalb betreiben wir ein Kinderzentrum, wo diese Kinder Zugang zu guter Bildung erhalten. Gleichzeitig wird ihnen ein Bewusstsein für Kinderrechte vermittelt. Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Ausstellen von Personalausweisen. Die meisten Familien, die aus den ländlichen Gebieten in die Stadt kommen, besitzen keine offiziellen Papiere. Somit sind sie von staatlichen Sozialleistungen ausgeschlossen.

Viele Kinder arbeiten in Schuldknechtschaft

In Indien ist die Schuldknechtschaft schon längst gesetzlich verboten. Trotzdem arbeiten viele Kinder noch immer in Schuldknechtschaftsverhältnissen. Wie kommt es zu dieser Art der Kinderarbeit und was kann dagegen unternommen werden?

Samira Rahim: Viele Familien geraten in Schuldknechtschaft, weil sie sich Geld leihen. Das brauchen sie zum Beispiel wegen eines Krankheitsfalls oder für eine Hochzeit in der Familie, oder einfach nur um die Familie zu ernähren. Doch im ländlichen Raum ist es schwer, an einen Kredit zu kommen. Deshalb müssen sich die Familien an örtliche Geldverleiher:innen wenden. Diese lassen dann die Kinder der Familie für sich arbeiten, um so die Schulden zu begleichen. Die Geldverleiher:innen verlangen oft sehr hohe Zinsen und zahlen dem Kind zugleich nur einen geringen Lohn. Deshalb kommen die Familien nur sehr schwer aus dem Teufelskreis der Schuldknechtschaft und Kinderarbeit heraus.

In lokalen Kinderkomitees können die arbeitenden Mädchen und Jungen zusammenkommen und sich austauschen – ein wichtiger Schritt gegen ausbeuterische Kinderarbeit und Schuldknechtschaft. Foto: Jakob Studnar
In lokalen Kinderkomitees können die arbeitenden Mädchen und Jungen zusammenkommen und sich austauschen – ein wichtiger Schritt gegen ausbeuterische Kinderarbeit und Schuldknechtschaft. Foto: Jakob Studnar

Arulraj Daje: Es gibt verschiedene Maßnahmen, um gegen Schuldknechtschaft vorzugehen. Ich bin überzeugt, dass vor allem lokale gemeinschaftsbasierte Organisationen eine wichtige Rolle spielen, wie Selbsthilfegruppen, Jugendgruppen und Kinderkomitees.

Samira Rahim: Das Verbot von Schuldknechtschaft muss in Indien konsequenter umgesetzt werden, etwa durch lokale Aufsichtskomitees. Menschen in finanzieller Not müssen einfacher Zugang zu Krediten erhalten sowie zu Aus- und Weiterbildungen und Programmen der sozialen Sicherung.

Der Einfluss des indischen Kastenwesens

Das Kastenwesen ist in Indien traditionell noch sehr verankert. An unterster Stelle steht die Dalit-Kaste der „Unberührbaren“. Wie wirkt sich diese Gesellschaftsordnung auf die Kinderarbeit aus?

Arulraj Daje: Kinder aus der untersten Kaste müssen oft arbeiten und Geld verdienen – weil die Familie sonst nicht über die Runden kommt oder weil die Eltern es einfach nicht besser wissen. Oft verstehen sie den Wert von Bildung für ihre Kinder nicht.

Samira Rahim: Die Kinder aus der unteren Kaste arbeiten vor allem in niederen Tätigkeiten. Sie sammeln zum Beispiel Lumpen und Müll oder fertigen Schuhe an. Kinder aus einer höheren Kaste arbeiten eher in Lebensmittelgeschäften, auf Veranstaltungen oder im Haushalt. Sie werden außerdem besser bezahlt als Kinder der unteren Kaste. Hinzu kommt, dass die Kinder aus Dalit-Familien Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren. Sie müssen zum Beispiel abseits sitzen und von separatem Geschirr essen (praktizierte Unberührbarkeit). Eine solche Diskriminierung von Dalit-Kindern findet auch in der Schule statt. Deshalb verlassen viele die Schule vorzeitig und geraten in ausbeuterische Kinderarbeitsverhältnisse.

Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen

In Indien werden Frauen und Mädchen bis heute benachteiligt. Gewalt gegen Frauen, Zwangs- und Frühverheiratungen und ein schlechterer Zugang zu Bildung sind weiterhin verbreitet. Zeigt sich dieser Unterschied auch beim Thema Kinderarbeit?

Mädchen geraten auch durch Frühverheiratung in Kinderarbeitsverhältnisse. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern und können nicht mehr zur Schule gehen. Foto: Jakob Studnar
Mädchen geraten auch durch Frühverheiratung in Kinderarbeitsverhältnisse. Sie müssen sich um den Haushalt kümmern und können nicht mehr zur Schule gehen. (Foto: Jakob Studnar)

Samira Rahim: Allgemein arbeiten Mädchen eher im Haushalt, auf der Müllhalde oder in der Schönheitsindustrie. Von Kinderarbeit betroffene Jungen sind eher in der Landwirtschaft, in Geschäften oder Ziegeleien tätig. Außerdem sind Mädchen größeren Gefahren am Arbeitsplatz ausgesetzt, vor allem in Form von sexuellem Missbrauch. Einige arbeitende Mädchen landen sogar in der Kinderprostitution. Dann befinden sie sich in einer besonders prekären Lage. Die Familien sind oft nicht mehr bereit, ihre Töchter zu versorgen, weil diese mit einem so großen gesellschaftlichen Stigma behaftet sind.

Arulraj Daje: In einer männerdominierten Welt werden Mädchen nach wie vor benachteiligt. In einigen Regionen ist das Risiko der Frühverheiratung besonders hoch. Diese Verheiratung im Kindesalter führt unvermeidlich zu einem Mangel an Bildung und zu Kinderarbeit. Die Regierung hat erst kürzlich einen Anstieg an Frühverheiratungen in fünf Bezirken des Bundesstaates Tamil Nadu festgestellt und setzt sich nun verstärkt dagegen ein.

Trotz boomender Wirtschaft leben in Indien Millionen Menschen in extremer Armut. Auch ausbeuterische Kinderarbeit ist weit verbreitet. Durch die Coronapandemie ist die Schere zwischen Arm und Reich noch größer geworden. Samira Rahim und Arulraj Daje von der Kindernothilfe in Indien berichten von d[...]

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1. November 2021

Fatima: Bleib stark und kämpfe für dein Leben

Wie geht es einer jungen Frau, die aus ihrer Heimat Afghanistan geflüchtet ist? Die als alleinerziehende Mutter auf der griechischen Insel Lesbos lange in dem Horrorcamp Moria gelebt hat? Die dann mit ihren beiden Töchtern in dem selbstorganisierten Camp PIKPA Aufnahme fand? Wie hat sie vor einem Jahr die Räumung des Camps durch die Polizei erlebt? Und danach die drei Monate im Camp Karatepe? Im Gespräch mit Ute Gniewoß spricht Fatima offen über ihre Ängste und Freuden.

Blick auf das niedergebrannte Camp Moria. (Foto: Lesvos Solidarity)
Blick auf das niedergebrannte Camp Moria. (Foto: Lesvos Solidarity)

Seit über vier Jahren lebt die junge Afghanin Fatima jetzt auf der griechischen Insel Lesbos. Unsicher und zurückhaltend sitzt sie mir in unserem Gespräch gegenüber. Sie ist alleinstehende Mutter; ihre beiden Töchter sind sieben und zweieinhalb Jahre alt. Über den Vater der Kinder spricht sie nicht, aber ich ahne, dass sie Schlimmes hinter sich hat. Fatima ist konzentriert und überlegt sich ihre Antworten auf meine Fragen genau. Sie wird von der Organisation Lesvos Solidarity betreut, die sie seit sieben Monaten in einer sicheren Wohnung in der Altstadt der Insel untergebracht hat und begleiten wird, bis sie eine Zukunftsperspektive hat.

Angst als ständiger Begleiter

„Moria war einfach furchtbar“ sagt sie. „Nicht nur gab es kein Wasser, keine Duschen, keine Toiletten, oft keine Elektrizität, schlechtes Essen, sondern vor allem gab es viel Gewalt. Meine ältere Tochter hat Kämpfe erlebt, Messer gesehen. Sie hatte Alpträume und viel Angst. Wirklich sicher haben wir uns eigentlich nur in Pikpa gefühlt. Dort hatten wir verlässliche Ansprechpartner, ganz tolle Leute. Und wir hatten gute Nachbarn. Jetzt wohnen wir auch sicher, aber wenn ich in der Stadt unterwegs bin, weiß ich nie was passiert. Es gab schon Männer, die sich mir gegenüber übergriffig und unangenehm verhalten haben. Das macht mir Angst.“ „Angst“ ist das Wort, das ich in unserem Gespräch sehr häufig höre. Und so antwortet sie auf die Frage, was sie für sich und die Kinder ersehnt: „Ich möchte mich einfach sicher fühlen und ohne Angst und Stress leben können.“ Und was könnte hier besser sein für euch? „Ich möchte entspannt durch die Straßen gehen können und ich möchte meinen Kindern etwas kaufen können. Sie sehen viel und wollen viel und ich kann ihnen eigentlich keinen Wunsch erfüllen, weil ich kein Geld habe.“ Hat sie einen Rat für Menschen in ihrer Situation? Sie überlegt einen Moment und sagt dann: „Bleib stark und geduldig, geh mit deinen Problemen um und kämpfe für dein Leben.“

Kinder aus Pikpa am Weg zur Schule. (Foto: Knut Bry)
Kinder aus Pikpa am Weg zur Schule. (Foto: Knut Bry)

Fatimas Kinder können wieder lachen

Gibt es hier auch glückliche Momente für euch? frage ich sie. Da strahlt sie plötzlich und antwortet: „Meine Töchter gehen jetzt regelmäßig in die Schule und in den Kindergarten. Sie sind fröhlich, haben erste Freundschaften und können gut schlafen. Und wenn ich sehe, wie glücklich und lachend sie spielen können, dann bin ich auch glücklich.“

Wie geht es einer jungen Frau, die aus ihrer Heimat Afghanistan geflüchtet ist? Die als alleinerziehende Mutter auf der griechischen Insel Lesbos lange in dem Horrorcamp Moria gelebt hat? Die dann mit ihren beiden Töchtern in dem selbstorganisierten Camp PIKPA Aufnahme fand? Wie hat sie vor einem [...]

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