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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

29. August 2021

E wie Ecuador

Ecuador ist einzigartig und der Inbegriff von Vielfalt. Nicht nur wegen der berühmten Galápagos-Inseln mit ihren seltenen Tieren, sondern in jeder Hinsicht. Es begeistert durch beeindruckende Landschaften, verschiedenste kulturelle Erben und Bräuche und unzählige Tier- und Pflanzenarten. Und es schockiert durch Armut und eine ausgeprägte soziale Ungleichheit. Das alles und noch viel mehr kennzeichnen das viertkleinste Land Südamerikas.

In Ecuador gibt es viel zu entdecken!
In Ecuador gibt es viel zu entdecken!

1830 wurde das Land im Nordwesten des Kontinents die eigenständige Republik Ecuador. Spanisch für Äquator, der circa 20 km nördlich der Hauptstadt Quito verläuft und für viele Besonderheiten des Landes verantwortlich ist. Unter anderem dafür, dass sich die Tageslänge im Winter und Sommer kaum unterscheidet. Die Sonne geht fast immer um 6 Uhr in der Früh auf und um 6 Uhr am Abend unter. Da die Erde um den Äquator „dicker“ ist als an den Polen gemessen, ist der Gipfel des Chimborazo, des höchsten Berges Ecuadors, der am weitesten vom Mittelpunkt der Erde entfernte Punkt. Er ist daher auch der Punkt auf der Erde, der der Sonne am nächsten liegt.

In Ecuadors gibt es drei Regionen: die Küste, die Anden mit der Hauptstadt Quito und das Amazonas-Tiefland, die sich in Klima, Vegetation, etc unterscheiden. Das knapp 284.000 km2 große Land ist mit rund 18 Millionen Menschen relativ dünn besiedelt. 60% davon ballen sich in den 15 größten Städten, wobei allein die Hälfte in dem traditionellen Wirtschaftszentrum Guayaquil und der Hauptstadt Quito leben.

Die Hauptstadt Quito ist die höchstgelegene der Welt. Aufgrund seiner Höhenlage kocht Wasser in Quito bereits bei 90° C. Sie ist auch UNESCO Weltkulturerbe und berühmt für ihre bekannten Bauwerke La Basilica del Voto Nacional und das barocke Emblem La Compania de Jesus.

Die Galápagos-Inselgruppe liegt rund 1000 km vom Festland entfernt im Pazifik. Sie besteht aus mehr als 100 Inseln, von denen nur 13 größer als 10 km2 und gar nur 5 bewohnt sind. Die Hauptinsel Isabela ist mit Abstand die größte und beheimatet gleich sechs Vulkane, unter anderem den 1707 Meter hohen Wolf. Galápagos heißt soviel wie „Wulstsattel“ und kommt von den Galápagos-Schildkröten, von denen einige Arten im Nacken einen Wulst besitzen. Sie sind das erste UNESCO Weltkulturerbe (1978).

Der immer noch aktive Vulkan Cotopaxi ist mit 5987 Metern der zweithöchste Berg des Landes. Sein Name bedeutet „Hals des Mondes“, da der Mond aus einem bestimmten Blickwinkel direkt hinter ihm aufgeht und er wie ein Kopf mit Hals aussieht. Der schneebedeckte Teil erinnert an einen Poncho.

Ecuador ist eines der 17 Megadiversitäts-Länder der Erde, in denen gemeinsam 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Welt zu finden sind. Die Küstenregion und die Galápagos-Inseln zählen außerdem zu den Regionen der Erde mit besonders vielen endemischen Pflanzen und Tieren: Arten also, die nur hier leben. Die tropischen Mangrovenwälder sind nicht wie geheimhin durch Abholzung sondern durch die Garnelenzucht bedroht. In den Anden treiben sich der seltene Bergtapir mit seinem wolligen Fell und der wegen seines hübschen rotgrauen Pelzes gejagte Andenschakal herum. Zu den südamerikanischen Kamelen, die übrigens anders als ihre asiatischen und afrikanischen Verwandeten keine Höcker haben, zählen das Lama, das Vikunja und das Alpaka. Mantelbrüllaffen, Kapuzineräffchen und Braunkopfklammeraffen findet man in den Bäumen.
1600 Vogelarten hat man in Ecuador. In seinem Wappen trägt Ecuador den Andenkondor. Er besitzt eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern. Er gehört zu den Geiern und frisst Aas. Sein Bestand ist gefährdet. Ebenfalls in den Anden lebt der Streifenkarakara. Besonders auffällig ist der Andenklippenvogel mit seinem orangeroten Gefieder. Bunt sind auch die Papageien und Tukane. Kolibris sind in 120 Arten heimisch! Zu den Küstenvögeln Ecuadors gehören die Blaufußtölpel, die tatsächlich blaue Füße besitzen. Berühmt sind auch die Darwinfinken. Diese Singvögel kommen (bis auf eine Art auf der Kokos-Insel, die zu Costa Rica gehört) nur auf den Galápagos-Inseln vor und wurden nach Charles Darwin benannt.

Ecuador ist als die Orchideenhauptstadt der Welt bekannt. Hier gibt es über 4.000 Arten dieser wunderschönen Pflanzen.Einige Arten blühen ein halbes Jahr lang, andere nur wenige Stunden lang. Einige der Blüten können sogar bis zu 100 Jahre alt werden.

Landeswährung sind US Dollar. Im Jahr 2000 kam nach einer schweren Bankenkrise mit hoher Inflation zur Dollarisierung und Abschaffung der eigenen Währung Sucre.

Spanisch ist die Amtssprache in Ecuador und für 93% Muttersprache. Je nach Region (Küste, Anden, Amazonas-Tiefland) ist ein eigener Dialekt typisch. Der der „Seseo“ (c vor e und i wird wie s gesprochen, nicht wie das englische th) ist aber allen Varianten gleich. Daneben gibt es noch 65 indigene Sprachen. Die alte Sprache der Inka Quechua [Kétschua] mit seinen zahlreichen Dialekten wird noch von rund 1 Million Ecuadoriner:innen, Shuar von circa 50.000 bis 100.000 Menschen gesprochen. Die beiden „Amtssprachen für interkulturelle Beziehungen“ sind Spanisch nicht gleichgestellt, ihre Bedeutung wird aber zumindest anerkannt.

Die Wirtschaft von Ecuador ist von Erdöl abhängig. Obwohl Ecuador in der Liste der Länder, die Erdöl fördern, erst an 29. Stelle steht, erwirtschaftet das Erdöl mehr als die Hälfte der Exporterlöse. Ecudaor ist Mitglied der OPEC. Daneben haben nur noch Bananen und Schnittblumen eine wirtschaftliche Bedeutung. Ecuador ist weltweit der viertgrößte Bananenproduzent. Für Schnittblumen, insbesondere Rosen, ist Ecuador der viertgrößte Exporteur der Welt. Für Kakao ist Ecuador immerhin noch siebtgrößter Produzent.

Kakao wird in Süd- und Mittelamerika seit Jahrhunderten angebaut und ist seit langem ein fester Bestandteil des nationalen und kulturellen Erbes Ecuadors, der häufig wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften und anderer medizinischer Vorteile verwendet wird. Forschungen haben ergeben, dass Schokolade hier seit fast 5.000 Jahren konsumiert wird. Jüngste Studien deuten darauf hin, dass Ecuador sogar die ursprüngliche Quelle des Kakaos sein könnte. Mit der steigenden Nachfrage nach hochwertiger Schokolade ist auch die Produktion im Lande gestiegen. Heute ist Ecuador als Produzent des hochwertigsten Kakaos der Welt anerkannt. Es ist auch einer der größten Exporteure, der bis zu 80 % der Edelkakaobohnen produziert. Trotzdem verzehrt die ecuadorianische Bevölkerung im Durchschnitt nur 300-800 Gramm Kakao pro Jahr, während in Ländern wie Deutschland 9 Kilo pro Person und Jahr verzehrt werden.

17 Millionen Menschen leben in Ecuador:
72% haben weiße und indigene Vorfahren
7,4% haben indigene, schwarze und weiße Vorfahren (Montubios: eigene Kultur mit eigener Musik und Tänzen sowie Kleidung bewahrt. Die Männer tragen traditionell Sombreros, das sind breite Strohhüte. Sie lieben Rodeos. Sie kämpften darum, als eigene Volksgruppe anerkannt zu werden, was 2001 geschah.)
7,2% haben afrikanische Vorfahren (entweder ab dem 16. Jahrhundert hierher gebrachte Sklaven oder entlaufene Sklaven, die sich vor den spanischen Kolonialherren im Hinterland versteckten / die Maroons)
7% gehören indigenen Volksgruppen an (die 2. größte von ihnen sind die Shuar, von den Spaniern als Colorados (Rot Gefärbte) bezeichnet, weil die Männer traditionell ihre Haare rot färbten. Sie sind für ihre ziemlich gruselige Betätigung,die Herstellung von Schrumpfköpfen, bekannt. Bis ins 19. Jahrhundert fertigten sie diese als Trophäen aus den Köpfen von besiegten Feinden.)
6,1% zählen zu der weißen Bevölkerung, die überwiegend spanischer Herkunft sind, aber auch von Franzosen, Italienern oder Deutschen abstammen.
Rund eine Million Ecuadorianer leben außerhalb ihres Landes, die meisten sind in die USA und nach Spanien ausgewandert.

Ecuador war das erste Land, das die Rechte der Natur in seiner Verfassung kodifizierte. Nach dem 2008 veröffentlichtem Gesetz wird die Natur nicht mehr als Eigentum behandelt, sondern es wird anerkannt, dass die Natur „das Recht hat, zu existieren, fortzubestehen, ihren Lebenszyklus zu erhalten und zu regenerieren“.

Für alle Bürger zwischen 18 und 65 Jahren besteht Wahlpflicht.

Mit der neuen Verfassung 2008 ist Schulbildung gratis und es gibt eine Schulpflicht von neun Jahren. Obwohl viele Kinder die Schule schon vorher verlassen, werden immerhin 97% der Kinder eingeschult. Die Einschulung erfolgt mit 5 Jahren. Die Grundschule umfasst eine einjährige Vorbereitung und anschließende drei Jahre. Nach der Grundschule geht es in die weiterführende Schule, das Colegio. Es umfasst zwei Zyklen von je drei Jahren (5. – 7. Klasse und 8. – 10. Klasse). Nach der 10. Klasse kann man seinen Abschluss machen. Wer noch weitere drei Jahre zur Schule geht, kann sein Abitur (Bachillerato) ablegen und dann studieren.
Noten werden in Ecuador von 1 bis 10 vergeben: 10 ist die Bestnote, eine 1 die schlechteste. Um eine Schularbeit zu bestehen, braucht man mindestens eine 7. Unterrichtet wird auf Spanisch. In den Anden wird aber auch Kichwa unterrichtet, die alte Indio-Sprache. Ansonsten ist Englisch meist die erste Fremdsprache. Alle Kinder tragen Schuluniformen.
Aufgeteilt ist das Schuljahr in zwei Halbjahre, die man hier Quimester nennt (jeweils fünf Monate lang, dazu kommen die Ferien von zwei Monaten im Jahr). Am Ende eines jeden Halbjahres gibt es ein Zeugnis.
Die Schule beginnt zwischen 7 und 8 Uhr morgens. In den meisten Schulen geht es los mit dem Morgenappell, bei dem alle auf dem Schulhof singen oder marschieren. Montags wird die Nationalhymne gesungen. Der Unterricht endet in den meisten Schulen um 14 Uhr.
Es gibt übrigens zwei Schulsysteme, das der Küste und das der Berge (Sierra). Sie unterscheiden sich in manchen Dingen. So beginnt das Schuljahr in den Bergen immer Ende September oder Anfang Oktober und dauert bis Mitte Juli des nächsten Jahres. Dann sind Ferien, wie bei uns im Juli/August. An der Küste aber beginnt das Schuljahr im April/Mai. Das erste Quimester geht bis September, dann gibt es zwei Wochen Ferien. Das zweite Quimester beginnt im Oktober und endet im Februar. März und April sind frei. Wie die Schule aussieht und wie sie ausgestattet ist, hängt sehr davon ab, wo sie steht! Denn in den Bergen gibt es oft nur kleine Schulen. Die Schüler haben weite Wege, um dorthin zu kommen. In einem Klassenraum sind dann mehrere Klassen untergebracht. Es gibt nach drei Unterrichtsstunden eine Pause von einer halben Stunde, dann folgen weitere drei Stunden Unterricht. Mittags gibt es in den Grundschulen üblicherweise ein Essen, danach gehen alle nach Hause.

Man sagt, dass die Ecuadorianer*innen fröhliche und unkomplizierte Menschen sind, mit einem chaotisches Wesen. Zumindest in den Straßen der Städte wie Quito geht es laut und manchmal unübersichtlich zu. In den Bussen steht man dicht gedrängt. Pünktlichkeit kommt eher selten vor. Die Busse haben keinen Fahrplan, sondern kommen eben oder auch nicht. Sie halten dort, wo man will – man gibt ein Handzeichen. Autos haben oft keine Anschnallgurte.

Tut mir leid, ich hatte „pico y placa„! Wenn die Einwohner*innen Ecudaors Hauptstadt Quito etwas von „Schnabel und Nummernschild“ erzählen, handelt es sich nicht um eine faule Ausrede für eine Verspätung. Sondern um eine Verkehrsmaßnahme. Je nach Endziffer am Nummernschild darf man mit dem Auto im Stadtgebiet fahren oder eben nicht: in der Zeit zwischen 7-9 und 16-19.30 Uhr sind am Montag 1 und 2, am Dienstag 3 und 4 usw. dran. Wer sich nicht daran hält, dem drohen saftige Strafen. Klingt skurril, wirkt aber: das Verkehrsaufkommen konnte so um immerhin 3,5% reduziert werden.

Pünktlichkeit ist auch privat nicht angesagt. Bei Verabredungen oder sonstigen Absprachen weiß man nicht so genau, ob es auch eingehalten wird. Gelassenheit ist gefragt!

Suppen schmecken vielen Ecuadorianern schon zum Frühstück gut. Sie werden auch an Straßenständen verkauft. Traditionell gibt es mittags das größte Essen mit drei Gängen: nach einer Suppe folgt der Hauptgang, oft mit Reis, manchmal auch mit Kartoffeln als Beilage zu Fleisch oder Fisch. Zum Abschluss gibt es einen Nachtisch, zum Beispiel Dulce de Leche („Süßes aus Milch“, eine Creme aus Milch, Zucker und Vanille) oder Tres Leches („dreimal Milch“), ein Kuchen aus drei Sorten Milch. Abends gibt es dann meist nur Brot. Gegrilltes Meerschweinchen gibt es insbesondere in den Anden zu essen und hat eine jahrhundertealte Tradition in der Region. Gebratene Larven kommen hier ebenso auf den Tisch! Ein beliebtes Getränk ist heißer Kakao. Darin tunkt man ein Stück Käse, bis es etwas geschmolzen ist, und isst es dann dazu. Kartoffeln gehören zu den Grundnahrungsmittel wie auch Kürbis, Mais und Bohnen. Sie wurden schon von den Inka angebaut.

Der 15. Geburtstag von Mädchen in Ecuador wird Quinceanera genannt. Der 16. Geburtstag mag anderswo eine größere Sache sein, aber in Ecuador ist er ein Jahr früher. In der mesoamerikanischen Kultur ist der 15. Geburtstag wie eine Volljährigkeit. In Ecuador begleitet der Vater die Tochter; es gibt einen Walzer, eine Art ersten Tanz, dann wird weiter getanzt, gegessen, noch mehr getanzt, es gibt einen „Überraschungs“-Tanz, Trinksprüche, das Anschneiden der Torte, Reden… Das ist eine große Sache!

In Ecuador zählt Silvester zu den größten Festen des Jahres. Nicht umsonst heißt es, dass hier das verrückteste Silvester der Welt gefeiert wird! Am Silvesterabend wirst Du überall auf Ecuadors Straßen menschengroße Puppen aus Holz und Papier vorfinden. Die sogenannten Munecas (Deu.: Hampelmänner) werden von den Einheimischen zu Silvester gebastelt. Meist tragen sie eine Maske, die berühmte Politiker, Schauspieler oder Sportler verköpert. Manchmal werden auch Zettel mit negativen Ereignissen des letzten Jahres in den Puppen versteckt. Um Mitternacht werden die Munecas dann verbrannt. Dieser Brauch soll böse Geister vertreiben und mit dem vergangenen Jahr abschließen. In Quito findet seit 30 Jahren ein Wettbewerb statt, bei welchem die schönste und größte Figur gekürt wird. Sowohl Privatpersonen als auch das Bürgermeisteramt oder die Feuerwehr kämpfen bei einer Parade um den Titel für die beste Figur des Jahres. Männer mit aufreizender Kleidung und Luftballonbrüsten sorgen für einen lustigen Anblick, während sie Autos anhalten und Spenden einsammeln. Sie symbolisieren die Witwen der Munecas (Puppen), welche später in der Nacht verbrannten werden. Während weiße Kerzen in den Kirchen Ecuadors das ganze Jahr über angezündet werden, wirst Du dort an Silvester vor allem blaue (für Frieden), rote (für Leidenschaft), gelbe (für Reichtum) und orange (für Intelligenz) Kerzen finden.

Made in Ecuador: Der Panama-Hut wird aus dem Stroh einer Palmenart geflochten und hat eine helle Farbe. Früher wurden die Hüte über Panama in die USA gebracht und erhielten darum einen Zoll-Stempel aus Panama. Vielleicht haben sie ihren Namen aber auch erhalten, weil die Arbeiter beim Bau des Panama-Kanals solche Hüte trugen. Und auch US-Präsident Teddy Roosevelt trug bei der Eröffnung des Panama-Kanals einen solchen Hut.

Ecuadorianische Müllwagen spielen Musik wie die Eiswagen der alten Schule. Wenn man also um 6 Uhr morgens von einer Art Spieluhr geweckt wird, braucht man sich nicht zu fragen, wer sich ein Eis holt; es ist einfach der Müllmann. Auch die Gas- und Wassertransporter spielen Musik, nur für den Fall, dass man mehr braucht.

Ecuador ist einzigartig und der Inbegriff von Vielfalt. Nicht nur wegen der berühmten Galápagos-Inseln mit ihren seltenen Tieren, sondern in jeder Hinsicht. Es begeistert durch beeindruckende Landschaften, verschiedenste kulturelle Erben und Bräuche und unzählige Tier- und Pflanzenarten. Und es [...]

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25. August 2021

Wasserknappheit: Coming Soon

Das Problem der Wasserknappheit beschäftigt Experten schon seit Jahrzehnten. Wissenschaftler haben verschiedene Konzepte, Indikatoren und Prognosen zu diesem Thema entwickelt. Sie besagen im Wesentlichen, dass es sich um ein globales Problem mit starken lokalen Besonderheiten handelt. Auch wenn die weltweiten Schätzungen der von Wasserknappheit betroffenen Menschen variieren, werden sie alle immer düsterer.

Immer mehr Regionen in Brasilien haben mit ausbleibenden Regenfällen zuj kämpfen. (Foto: Jürgen Schübelin)
Immer mehr Regionen in Brasilien haben mit ausbleibenden Regenfällen zu kämpfen. (Foto: Jürgen Schübelin)

Im Jahr 1995 erläuterte der hoch angesehene Wasserexperte Bill Pitman Südafrikas Wassersituation in sehr prägnanten Worten. Schon damals kämpfte das Land mit einem zunehmenden Wassermangel. Pitman prognosti kämpfte, in 25 Jahren wahrscheinlich kein Wasser mehr haben würde, wenn es seine Versorgung nicht aufstocken würde. Inzwischen sind fünfundzwanzig Jahre vergangen und das Land ist durstiger denn je. Die jüngste Wasserkrise in Kapstadt ist nur ein Beispiel für die chronische Wasserknappheit des Landes. Und wahrscheinlich wird es noch mehr Wasserprobleme geben.

Eine aktuelle Bewertung der Wasserverfügbarkeit deutet darauf hin, dass das Bevölkerungswachstum allein (d. h. ohne Berücksichtigung des Klimawandels oder der Wasserqualität) zu einem beispiellosen und weit verbreiteten Rückgang der Wasserverfügbarkeit pro Kopf führen wird.

Bis 2050 werden 87 Länder von Wasserknappheit betroffen sein (Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit unter 1.700 Kubikmeter pro Jahr), und die Zahl der Länder mit absoluter Wasserknappheit (Pro-Kopf-Wasserverfügbarkeit unter 500 Kubikmeter pro Jahr) wird sich fast verdoppeln, von heute 25 auf 45.

Äthiopien und seine Menschen leiden seit Jahren unter den immer längeren Dürreperioden. (Foto: Girmay Tilahun)
Äthiopien und seine Menschen leiden seit Jahren unter den immer längeren Dürreperioden. (Foto: Girmay Tilahun)

Da das Bevölkerungswachstum in hohem Maße mit den sozioökonomischen Bedingungen zusammenhängt, könnte der Übergang zur Wasserknappheit im globalen Süden besonders schmerzhaft sein. Für die Länder mit niedrigem Einkommen wird ein durchschnittlicher Rückgang der Wasserverfügbarkeit pro Kopf von etwa 46 % prognostiziert, gefolgt von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (Rückgang um etwa 30 %), Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen (12 %) und Ländern mit hohem Einkommen (knapp 5 %).

Innerhalb von 20-30 Jahren – also innerhalb einer einzigen Generation – werden die afrikanischen Länder südlich der Sahara voraussichtlich zum nächsten Brennpunkt der Wasserknappheit werden, wo sich die Pro-Kopf-Verfügbarkeit bis 2050 halbieren wird. In der ohnehin schon knochentrockenen Region Naher Osten und Nordafrika könnte die Wasserverfügbarkeit pro Kopf um 33 % sinken, gefolgt von Asien (24 %) und Lateinamerika und der Karibik (18 %).

Ironischer- und traurigerweise sind viele Länder des globalen Südens schon jetzt wasserarm, wenn auch auf andere Weise: Sie verfügen über keine oder nur eine geringe Infrastruktur zur Versorgung der Menschen und ihrer Wirtschaft, auch wenn einige von ihnen gut mit Süßwasserressourcen ausgestattet sind.

Vor allem Mädchen sind für die Versorgung der Familie mit Wasser zuständig. Und gehen dafür unzählige Kilometer. (Foto: Frank Rothe)
Vor allem Mädchen sind für die Versorgung der Familie mit Wasser zuständig. Und gehen dafür unzählige Kilometer. (Foto: Frank Rothe)

Sie könnten daher stillschweigend in eine physische Knappheit übergehen – wenn einfach nicht mehr genug Wasser für alle Nutzer und Zwecke vorhanden ist. Die Erfahrung Südafrikas wird sich daher wahrscheinlich in vielen Ländern auf unvorhersehbare Weise wiederholen, und zwar noch zu Lebzeiten vieler von uns. Und auch die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder werden die Wasserknappheit zu spüren bekommen.

Natürlich gibt es Möglichkeiten, die Auswirkungen der zunehmenden Wasserknappheit abzumildern. Sie alle sind kontextspezifisch. Eine weithin befürwortete Option ist die Steuerung der Wassernachfrage – insbesondere durch eine effizientere Wassernutzung in der Landwirtschaft, die für den größten Teil der weltweiten Wasserentnahme verantwortlich ist. Die Effizienz kann jedoch nicht unbegrenzt gesteigert werden.

Einige Länder könnten eine Verlangsamung des Bevölkerungswachstums in Betracht ziehen. Wasser ist nun einmal eine begrenzte Ressource. Mehr Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bedeuten, dass es immer schwieriger wird, mit der Wasserknappheit umzugehen – vielleicht sogar unmöglich zu unseren Lebzeiten – trotz aggressiver Steuerung des Wasserbedarfs.

Die Verringerung des Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern kann durch die Erreichung bestimmter Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) erreicht werden – wie SDG 4 (Bildung) oder SDG 8 (menschenwürdige Arbeit).

Während die Länder die für sie am besten geeignetsten Optionen umsetzen, sticht eine als universell anwendbar hervor: die Erhöhung der Wasserversorgung. Ob es sich um die Entwicklung von mehr Wasserspeicherinfrastrukturen (wo dies möglich ist), kommunales Wasserrecycling und -wiederverwendung oder verbesserte landwirtschaftliche Wassermanagementpraktiken handelt – alle Optionen sollten auf dem Tisch liegen. Und viele haben sich bereits überall auf der Welt als wirksam erwiesen.

Nutzbarmachung einer Quelle in der äthiopischen Bench Sheko Zone. (Foto: Gizaw)
Nutzbarmachung einer Quelle in der äthiopischen Bench Sheko Zone. (Foto: Gizaw)

Darüber hinaus können und sollten die Länder eine Vielzahl „unkonventioneller“ – und daher noch weitgehend ungenutzter – Ressourcen nutzen, die von den Meeren der Erde bis zur oberen Atmosphäre reichen. Optionen und Quellen wie das Ernten von Wasser aus der Luft, das Auffangen von Flutregenwasser in Aquiferen in großen Einzugsgebieten, wo die Geologie dies zulässt, die massive Umsetzung der klimaunabhängigen Meerwasserentsalzung (eine praktisch unbegrenzte Ressource) in Küstengebieten, wo die Mehrheit der Weltbevölkerung lebt – all dies hat bereits sein Potenzial zur Behebung der zunehmenden lokalen Wasserknappheit bewiesen.

Die vermeintlich hohen Kosten einiger dieser Technologien sinken allmählich, so dass sie mit der Zeit immer erschwinglicher werden. Und die Kosten der Untätigkeit werden sicherlich höher sein.

In jedem Fall sollte Wasserknappheit nicht als Mythos oder wissenschaftliches Konstrukt betrachtet werden. Es handelt sich um eine globale Herausforderung, die sich lokal auf vielfältige Weise manifestiert. Die Erfahrungen mit der Wasserknappheit in vielen Ländern zeigen deutlich, dass ein Paradigmenwechsel erforderlich ist. Wenn wir jetzt nicht handeln, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Wasserhahn eines Tages schneller zugedreht wird, als wir erwarten.

Guillaume Baggio ist wissenschaftlicher Mitarbeiter, Manzoor Qadir stellvertretender Direktor und Vladimir Smakhtin Direktor des Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit der UN-Universitätan der McMaster University in Hamilton, Ontario, Kanada.

Das Problem der Wasserknappheit beschäftigt Experten schon seit Jahrzehnten. Wissenschaftler haben verschiedene Konzepte, Indikatoren und Prognosen zu diesem Thema entwickelt. Sie besagen im Wesentlichen, dass es sich um ein globales Problem mit starken lokalen Besonderheiten handelt. Auch wenn die[...]

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16. August 2021

Haiti bebt wieder

Erneutes schweres Erdbeben mit Hunderten von Opfern: Die Kindernothilfe-Partner Ulrike und Reinhard Schaller berichten aus Les Cayes im Südwesten des Landes

Bei der verheerendesten Erdbebenkatastrophe in der Geschichte Lateinamerika starben in und um Port-au-Prince 220.000 Menschen. (Foto: Kindernothilfe)
Bei der verheerendesten Erdbebenkatastrophe in der Geschichte Lateinamerika starben in und um Port-au-Prince 220.000 Menschen. (Foto: Kindernothilfe)

Elfeinhalb Jahre ist es her, seit bei der verheerendsten Erdbebenkatastrophe in der Geschichte Lateinamerikas in und um Port-au-Prince 220.000 Menschen starben. Von den Folgen dieser Tragödie ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre bis heute gezeichnet und seine Menschen traumatisiert. Von Seismologen war es seit geraumer Zeit befürchtet worden: Jetzt am Samstagvormittag, 14. August, gegen 8:30 Uhr, entluden sich die tektonischen Spannungen zwischen der karibischen und der nordamerikanischen Platte erneut mit aller Wucht. Das Beben von der Stärke 7.2 verursachte diesmal im Süden Haitis – der 2010 verschont geblieben war – über 2200 Todesopfer, mehr als 12.000 Menschen wurden verletzt – und von Hunderten fehlt (Stand: 23.08.2021) noch immer jede Spur. Ihre Leichen werden unter eingestürzten Gebäude oder abgerutschten Berghängen vermutet. Betroffen sind diesmal vor allem die Departments Sud, Nippes und Grande‘ Anse – mit den großen Städten Les Cayes und Jérémie, sowie zahlreiche Dörfer und kleinere Orte an der Küste und im Hinterland. Tausende von Häuser, öffentliche Gebäude und ein wesentlicher Teil der Straßen- und Versorgungsinfrastruktur wurden durch das Erbeben zerstört. Die US-Erbebenwarte USGS befürchtete bereits am Samstag, 14. August, wenige Stunden nach dem Beben, eine Dimension dieser neuerlichen Katastrophe, die den betroffenen Teil Haitis auf Jahrzehnte hin zeichnen würde und rief die Alarmstufe „Rot“ aus. Als, ob das Alles noch nicht genug gewesen wäre, peitsche drei Tage nach dem Erdbeben, in der Nacht von Montag auf Dienstag vergangener Woche, der Tropensturm „Grace“ mit extremen Windgeschwindigkeiten und Starkregen über die Südwestküste Haitis und sorgte inmitten der Trümmerlandschaft für Überschwemmungen und weiteres Elend.

Noch heute sind die Menschen Haitis vom Erdbeben 2010 gezeichnet. (Foto: Kindernothilfe)
Noch heute sind die Menschen Haitis vom Erdbeben 2010 gezeichnet. (Foto: Kindernothilfe)

Kindernothilfe-Einsatz in Haiti

Die Kindernothilfe ist in der betroffenen Region seit vielen Jahren mit mehreren Partnern engagiert: Einem Netzwerk von Frauen Selbsthilfe-Gruppen (SHG) – sowie seit 2008 mit dem Berufsschulprojekt „Centre de Développment Côte Sud Haïti“ (CDCSH) in dem kleinen Ort Port-à-Piment. Für die Menschen im äußersten Südwesten Haitis ist dieses Erdbeben vom 14. August bereits die zweite Großkatastrophe innerhalb von weniger als fünf Jahren. Im Oktober 2016 wurde die Küste der Tiburon-Halbinsel vom Hurrikan „Matthew“ verwüstet. Damals starben über 1000 Menschen. Kindernothilfe-Ansprechpartner für das CDCSH-Projekt und zahlreiche Humanitäre Hilfe-Vorhaben in Port-à-Piment ist seit all diesen Jahren vor allem das Entwicklungshelfer-Ehepaar Ulrike und Reinhard Schaller. Ulrike Schaller arbeitet als Physiotherapeutin und Spezialistin für die Rehabilitation von Menschen mit Behinderung. Reinhard Schaller ist Berufsschullehrer mit jahrelanger pädagogischer Erfahrung in der Arbeit mit jungen Menschen. Unter anderem organisierte er mit Kindernothilfe-Unterstützung nach dem Erdbeben von 2010 Kurse mit Jugendlichen, die in Port-à-Piment gestrandet waren und mit ihm zusammen Techniken für den erdbebensicheren Wiederaufbau von Häusern erlernten. Mitte vergangener Woche musste er darüber informieren, dass auch die Berufsschule von Port-à-Piment, die nach der „Matthew“-Katastrophe auch mit Kindernothilfe-Mitteln komplett neu aufgebaut und ausgestattet werden konnte, durch das Erdbeben vom 14. August erhebliche Schäden davongetragen hatte.

Ein Augenzeugenbericht

In dem nachfolgenden Bericht schildert Reinhard Schaller, wie er uns seine Frau die dramatischen Stunden unmittelbar nach dem Erdbeben vom 14. August in Les Cayes, wo sie wohnen, erlebt haben – und wie sie seitdem versuchen, die anlaufenden Hilfsaktionen vor Ort zu unterstützen. Der Text von Reinhard Schaller wurde am Sonntag, 15. August, abgeschlossen. Die beigefügten Fotos von ihm, die er uns zur Verfügung stellte, sind allesamt während den ersten Stunden nach der Katastrophe entstanden.

Das Entwicklungshelfer-Ehepaar Ulrike und Reinhard Schaller sind seit Jahren wichtige Kindernothilfe-Ansprechpartner in Port-à-Piment, Provinz Sud. (Foto: Reinhard Schaller)
Die Entwicklungshelfer Ulrike und Reinhard Schaller sind seit vielen Jahren wichtige Kindernothilfe-Ansprechpartner in Port-à-Piment, Provinz Sud. (Foto: Jürgen Schübelin)

„Wir wurden, wie alle anderen auch, am Samstagfrüh von heftigen Erdstößen überrascht. Wir saßen im Wohnzimmer, als die Erde zu beben begann und überall die Sachen runterfielen. Es gab erstmal überhaupt keine informationen darüber, wo sich das Epizentrum befand. Inzwischen steht jedoch fest, dass wir uns hier in Les Cayes 40 Kilometer südwestlich vom Epizentrum befinden. In unserer Stadt sind eine Reihe von Gebäuden zusammengebrochen, aber unser Eindruck ist, dass die Schäden nicht ganz so großflächig ausfielen wie 2010 bei der Katastrophe in Port-au-Prince. Uns persönlich geht es soweit gut, wir stehen immer noch etwas unter Schock, weil wir so ein starkes Beben ja noch nie erlebt haben. An unserem Haus gibt es zum Glück keine Schäden. Nur das gesamte Inventar hat sich bewegt und manches ging zu Bruch. Ulrike rannte sofort ins Krankenhaus rüber, um dort zu helfen. Das Hospital war zu diesem Zeitpunkt bereits voll von Verletzten. Einige von ihnen kennen wir persönlich. Ständig kommen neue hinzu. Das Krankenhausteam musste die Verletzten im Freien versorgen, weil der Platz im Inneren nicht mehr ausreichte und die Angst groß ist, sich im Gebäude aufzuhalten. Ich selbst habe miterlebt, wie einer jungen Frau auf dem Parkplatz die zahlreichen Wunden im Gesicht genäht werden mussten.“

Kaum Informationen

„Zunächst konnte man noch nicht sagen, wieviel Menschen ums Leben kamen. Am Samstag war zunächst von 100 bis 200 die Rede. Aber inzwischen werden es stündlich mehr. Offiziell sind es heute, Montagfrüh, laut der haitianischen Katastrophenschutzbehörde bereits über 1300 Tote. Im Gespräch mit Freunden und Bekannten hören wir immer wieder, dass es vor allem in den Bergen eine große Zahl von Opfer  gab – und zwar vor allem durch Erdrutsche und heruntergefallene Steine. Wir vermuten, dass es wohl noch mindestens eine Woche dauert, bis man genauere Zahlen nennen kann. Hunderte Menschen sind noch verschüttet oder werden vermisst. Ständig hören wir, dass erneut an vielen Stellen weitere Tote gefunden wurden – oder Schwerverletzte die vergangenen zwei Nächte nicht überlebt haben. Aber die Nachrichtenlage ist nicht gut. Die meisten Menschen fühlen sich extrem schlecht informiert.

Das Ausmaß der Verwüstung ist noch nicht abschätzbar. (Foto: Reinhard Schaller)
Das Ausmaß der Verwüstung ist noch nicht abschätzbar. (Foto: Reinhard Schaller)

Zwei Stunden nach dem Beben habe ich zum ersten Mal versucht, mir auf dem Motorrad einen Überblick über die Situation in Les Cayes zu verschaffen. Mit dem Auto wäre man nicht durchgekommen. Die zwei Kilometer lange Strecke bis in die Innenstadt war komplett verstopft mit Tausenden von Menschen und Fahrzeugen. Überall zwischendrin gibt es eingestürzte Gebäude, an denen Helfer versuchen, Verschüttete und Tote zu bergen. Ich habe trotzdem den Eindruck, dass die eigentliche Bausubstanz des Stadtzentrums von Les Cayes relativ gut standgehalten hat. Aber alle Geschäfte sind geschlossen und die meisten Menschen haben jetzt schon zwei Nächte aus Angst vor Nachbeben auf der Straße verbracht.

Während des ganzen Tages kamen Leute zu uns, um Hilfe zu suchen, vor allem, weil zahlreiche Wasserleitungen beschädigt wurden. In den ersten 24 Stunden nach dem Beben hatten auch wir nur erdbraunes Wasser aus der Leitung. Ich vermute, dass durch die tektonischen Erschütterungen der gesamte Grundwasserspiegel aufgewühlt wurde. Auch aus allen Tiefbrunnen kommt nur braune Brühe. Es gibt kaum Trinkwasser.“

Ein Bild der Verwüstung

Das Beben mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala verwüstete den Südwesten Haitis schwer. (Foto: Reinhard Schaller)
Das Beben mit einer Stärke von 7,2 auf der Richterskala verwüstete den Südwesten Haitis schwer. (Foto: Reinhard Schaller)

„Am späteren Samstagnachmittag versuchte ich, schnell noch ein paar Sachen zu beschaffen und unsere Vorräte aufzustocken. Eigentlich hätte ich wissen müssen, dass das ein sinnloses Unterfangen ist. Fast alle Läden haben geschlossen – und in dem einzigen, der offen hatte, drängten sich so viele Menschen, die alles aufkauften, was sie ergattern konnten. Aber wir haben noch genug zu Hause, so dass wir über die nächsten Tage kommen werden. Am späten Nachmittag brach ich noch einmal mit dem Motorrad auf, um die Lage im Hinterland zu erkunden. Je weiter ich Richtung Jérémie die Berge hinauffuhr, umso verheerender stellte sich die Lage dar. Überall Risse in der Straße, teilweise richtig tiefe Gräben. Ganz viele Häuser sind komplett eingestürzt. Dann sah auf einmal auf einem Parkplatz viele Busse voller Menschen. Da wurde mir klar, dass es kein Durchkommen nach Jérémie gibt. Weiter oben in den Bergen verstand ich, warum: Überall ist die Straße verschüttet! Und an einer Stelle war der halbe Berg heruntergekommen und riß alles mit.“

Erste Hilfeleistungen

Erste Hillfemaßnahmen unmittelbar nach dem Beben. (Foto: Reinhard Schaller)
Erste Hillfemaßnahmen unmittelbar nach dem Beben. (Foto: Reinhard Schaller)

„Ulrike hat jetzt seit dem Beben viele Stunden im Krankenhaus gearbeitet, um Notfallhilfe zu leisten. Stündlich werden neue Verletzte eingeliefert. Alles ist überfüllt und das medizinische Personal kommt kaum noch nach. Immerhin erreichten uns am Sonntagnachmittag hier am Flughafen erste Hilfslieferungen. Ich habe beim Entladen der Maschinen und der Organisation der Verteilung mitgearbeitet. Aber das gestaltet sich sehr schwierig, Die Hilfsgüter reichen auf keinen Fall für alle Notleidenden. Eine große Erleichterung für das Krankenhaus ist, dass mit den entladenen Maschinen vom Flughafen aus auch eine Reihe Schwerverletzte ausgeflogen werden konnten.

Sorgen macht uns, dass jetzt zum Beginn dieser Woche ein tropischer Sturm über Haiti angekündigt wurde. Wir werden sehen, was da noch kommt. Wir werden auf alle Fälle versuchen, über unsere Möglichkeiten die Menschen hier zu unterstützen, so gut es geht.“

Erneutes schweres Erdbeben mit Hunderten von Opfern: Die Kindernothilfe-Partner Ulrike und Reinhard Schaller berichten aus Les Cayes im Südwesten des Landes Bei der verheerendesten Erdbebenkatastrophe in der Geschichte Lateinamerika starben in und um Port-au-Prince 220.000 Menschen. (Foto: Kinde[...]

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15. August 2021

Locro de papa: Kartoffelsuppe aus Ecuador

Suppen werden in Ecuador zu fast jeder Mahlzeit serviert. Die klassische ecuadorianische Kartoffel-Käse-Suppe locro de papa ist vor allem in der Andenregion und der Hauptstadt Quito sehr beliebt. Von manchen wird sie sogar locro quiteño genannt. Wie bei vielen ecuadorianischen Gerichten variieren die Zutaten und die Zubereitung von einer Stadt zur anderen. Bei einigen Varianten der locro de papa wird frischer Mais in die Suppe gegeben, bei anderen wird gehackter Kohl oder Blattgemüse hinzugefügt. Es gibt sogar eine Variante mit Blutwurst namens yaguarlocro.

Die typische Kartoffelsuppe schmeckt nicht nur den Ecuadoriner*innen. (© RitaE auf Pixabay)
Die typische Kartoffelsuppe schmeckt nicht nur den Ecuadoriner*innen. (© RitaE auf Pixabay)

(für 4 Personen)

Dafür brauchen wir:

1 kg Kartoffeln
1 reife Avocado
1 mittlegroße Stange Lauch
2 Knoblauchzehen
2 Zwiebeln
200 ml Milch
500 ml Gemüsebrühe
1 TL Paprikapulver edelsüß
Salz
Pfeffer
2 EL Olivenöl
100 g Sauerrahm
125 g Schafkäse oder Mozzarella
Zum Garnieren: 1/2 TL Kreuzkümmerl

Und so wird’s gemacht:

Kartoffeln schälen und würfeln.

Fett in einem Topf erhitzen und die Kartoffeln darin 10 Minuten dünsten.

Zwiebel klein schneiden und zu den Kartoffeln in den Topf geben. Unter mehrmaligem Umrühren 5 Minuten weiterdünsten, ohne dass die Kartoffeln und Zwiebeln braun werden.

Paprikapulver, Pfeffer und Salz hinzufügen und mit Gemüsebrühe und Milch aufgießen. Alles aufkochen und bei schwacher Hitze 25 Minuten köcheln lassen.

Käse und Avocado-Fruchtfleisch würfeln und in die Suppe geben.
Lauch in kleine Ringe schneiden, anbraten und ebenfalls zur Suppe geben.
Den Sauerrahm dazugießen und noch ein paar Minuten köcheln lassen.

Die Ecuadorianer*innen streuen gerne noch ein bisschen Kreuzkümmel darüber und reichen gerösteste Maiskörner dazu.

Suppen werden in Ecuador zu fast jeder Mahlzeit serviert. Die klassische ecuadorianische Kartoffel-Käse-Suppe locro de papa ist vor allem in der Andenregion und der Hauptstadt Quito sehr beliebt. Von manchen wird sie sogar locro quiteño genannt. Wie bei vielen ecuadorianischen Gerichten variieren [...]

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9. August 2021

Bildung für indigene Bevölkerungsgruppen in Peru

Die Coronapandemie traf die Welt wie eine Bombe: Sie veränderte plötzlich unsere Lebenswirklichkeit, zerstörte vieles und ließ die Staaten ratlos, wie mit der Krise umzugehen sei. Zusätzlich legte sie schon bestehende Probleme offen oder verschlimmerte gar. Was die Bildung betrifft, haben Kinder weltweit unter der Umstellung auf digitalen Unterricht leiden müssen. Wie geht es da Bevölkerungsschichten, die nicht digital aufwachsen – zum Beispiel Menschen aus indigenen Bevölkerungsgruppen?

Ohne Internet Wie geht es indigenen Bevölkerungsgruppen während der Pandemie. (© Kindernothilfepartner)
Ohne Internet Wie geht es indigenen Bevölkerungsgruppen während der Pandemie. (© Kindernothilfepartner)

Nicht nur am Tag der indigenen Bevölkerung machen die Vereinten Nationen wie jeden 9. August auf Gemeinschaften aufmerksam, deren Identität stark von kulturellen Traditionen geprägt wird. Rund 370 Millionen Menschen weltweit zählen schätzungsweise zu indigenen Bevölkerungsgruppen. Sie alle sind sehr unterschiedlich und haben eine weitreichende Geschichte wie auch eine vielfältige Kultur. Was sie aber alle verbindet, ist, dass sie in ihren Heimatländern vielen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung ausgesetzt sind: Ihre Lebensgrundlage – etwa die Regenwälder – wird zerstört, ihre Rechte beschinitten, ihre Sprachen fehlen in den Lehrplänen. Das Fortbestehen ihrer Kultur ist damit bedroht. In ihrem Kampf für ihre Rechte unterstützt die UN sie dabei.

Projekt Rimanasqa für das Quechua-Volk in Apurimac

Auch die Kindernothilfe setzt sich für die Rechte der indigenen Gruppe ein. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Rimanasqa“, das seit Januar in Peru läuft. In der Region Apurimac gehört ein Großteil der Bevölkerung der Quechua-Gruppe an. Das ist eine vielschichtige indigene Bevölkerungsgruppe, die in Südamerika verbreitet ist – besonders in Peru. Wichtigstes Kulturmerkmal ist die gleichnamige Sprache Quechua als Muttersprache. Das ist wiederum die am weitesten verbreitete indigene Sprache des amerikanischen Kontinents und war einst auch die Sprache der Inka. Sie ist nach Spanisch und Portugiesisch die meist gesprochene Sprache in Südamerika. An der Sprache haftet aber auch eine lange Geschichte der Unterdrückung. Nicht alle Quechua-Sprecher*innen sind deswegen stolz auf ihre Sprache, denn sie wird mit Armut und Rückständigkeit verbunden. Viele indigene Gemeinden sind arm und haben kaum Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung.

Keine guten Voraussetzungen für digitalen Unterricht

In den Gemeinden der Hochanden ist das der Fall. Die Stadt Andahuaylas in der Region Apurimac hat eine schlechte und teure Internetversorgung und auch das Fernsehsignal ist nicht kostenlos und für alle erhältlich. Das macht den Unterricht in der Coronapandemie für indigene Kinder schwierig: Die Schulen bieten nur noch Fernunterricht. In manchen Bezirken werden Arbeitsblätter zum Lernen ausgehändigt, andere Bezirke lassen die Kinder den Unterricht übers Radio oder Handy verfolgen. Arme Haushalte können sich die Mittel wie technische Geräte oder Internet nicht leisten.

Nicht alle Menschen können sich technische Geräte wie Handys leisten. (© Kindernothilfepartner)
Nicht alle Menschen können sich technische Geräte wie Handys leisten. (© Kindernothilfepartner)

Ebenso fehlt die Kommunikation mit den Lehrer*innen. Viele Schülerinnen und Schüler sind mit dem Lernmaterial überfordert und brauchen ausführlichere Erklärungen sowie den Austausch mit Gleichaltrigen. Digitale Kommunikationsplattformen könnten bei diesem Problem helfen, aber die meisten Familien haben, wenn überhaupt, nur ein Handy pro Familie – oft in unzureichender Qualität. Außerdem wissen die Eltern nicht genug über die Möglichkeiten von Handys, da sie es nur für Anrufe benutzen. Sie können ihren Kindern nicht zeigen, wie sie die Kommunikationsplattformen nutzen können. Viele Familien sind wegen des schlechten Lernfortschritts verzweifelt und lassen ihre Kinder den Unterricht aufgeben und die Schule abbrechen.

Handys und digitale Kompetenz für indigene Familien

Mit dem Projekt „Rimanasqa“ soll das geändert werden. 568 Kinder und Jugendliche, ihre Eltern, Lehrkräfte und die Gemeindeverantwortlichen in Andahuaylas unterstützt das Projekt, damit sie qualitativ hochwertigen Unterricht erhalten können. Besonders die indigenen Kinder sind oft von Armut betroffen. Ihre Eltern arbeiten meist in der Landwirtschaft und haben selbst keine Bildung genossen. Für ihre Kinder ist ein guter Unterricht besonders wichtig, um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Mitarbeitende des Projekts haben die Gemeinden mit der technischen Ausstattung versorgt, d.h. mit Handys, einer stabilen und kostenlosen Internetverbindung und einem kostenlosem Fernsehsignal. So soll jedem Kind der Unterricht ermöglicht werden.

Das Projekt „Rimanasqa“ ermöglicht Bildung für Kinder in Peru. (© Kindernothilfepartner)
Das Projekt „Rimanasqa“ ermöglicht Bildung für Kinder in Peru. (© Kindernothilfepartner)

Die digitalen Kommunikationsplattformen ermöglichen auch eine Interaktion zwischen Lehrerkräften und ihren Schülerinnen und Schülern. Kinder und auch ihre Eltern bekommen Schulungen für einen bewussten Umgang mit digitalen Medien, auch über die Gefahren im Netz. Die Kinder profitieren somit von einer höheren Qualität des Unterrichts. Eltern können ihre Kinder beim digitalen Unterricht betreuen und verhindern, dass sie die Schule abbrechen. Durch das Wissen haben sie zusätzlich auch den Vorteil, dass sie ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse nun besser vermarkten können. Dadurch ist für die indigenen Gemeinden in Andahuaylas eine nachhaltige und qualitative Bildung gewährleistet.

Die Coronapandemie traf die Welt wie eine Bombe: Sie veränderte plötzlich unsere Lebenswirklichkeit, zerstörte vieles und ließ die Staaten ratlos, wie mit der Krise umzugehen sei. Zusätzlich legte sie schon bestehende Probleme offen oder verschlimmerte gar. Was die Bildung betrifft, haben Kinde[...]

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