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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

Von Fahrrädern, Kühen und Bananen: Ein „Reisebericht“ aus Ruanda

Gilbert ist Fahrradmechaniker, Patrick bäckt 100 Mandazi-Brötchen am Tag, Delphine besitzt nun eine Kuh, Francoise ein neues Haus mit Strom. Und Mediatrice hat die größte und fruchtbarste Bananenplantage der ganzen Region. Sie alle haben eines gemeinsam: Unter Anleitung der Kindernothilfe haben sie aus eigener Kraft ihr Leben nachhaltig verändert. Fünf Erfolgsgeschichten aus Ruanda.

Das Fahrrad sieht nicht so aus, als könnte es noch einen Meter weit fahren. Verrostete Räder und Kette, fehlender Sitz, mit Ersatzteilen ergänzte Lenker. „Ich kann alles reparieren“, lacht Gilbert mit Blick auf den alten Drahtesel, der vor ihm im Sand lehnt. Nur 15 Minuten später steigt der 18-jährige Fahrradmechaniker auf das Rad auf und fährt einige Runden vor der neugierigen Zuschauermenge, stolz und demonstrativ. Er hat bewiesen, dass er sein Handwerk versteht.

Huye, Ruanda: Gilbert ist Teil des Jugend-Fahrradreperatur-Trupps (Foto: Kindernothilfe)

Huye, Ruanda: Gilbert ist Teil des Jugend-Fahrradreperatur-Trupps (Foto: Kindernothilfe)

Noch vor einigen Monaten konnte Gilbert keine Fahrräder reparieren. Er hatte auch sonst nicht viel zu tun, trieb sich auf den Straßen herum, bettelnd und immer auf der Suche nach Gelegenheitsjobs. „Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, in die Schule zu gehen“, bedauert der 18-Jährige. „Ich konnte mir auch kein Gewand kaufen, da ich gar kein Geld hatte.“ Doch im Rahmen eines Kindernothilfe-Projekts nahm der Jugendliche – so wie hunderte andere arbeitslose Schulabbrecher in seiner Gemeinde im ländlichen Süden Ruandas – an so genannten Community Based Trainings teil. An Schulungen für Jugendliche, die sich an den lokalen Bedürfnissen in den jeweiligen Gemeinden orientieren. Soll heißen: Die Dorfbewohner überlegen und definieren gemeinsam mit den Projektverantwortlichen, welche Berufsgruppen in ihrer Region fehlen und besonders nachgefragt sind. Friseure, Schneider, Bäcker oder eben Fahrradmechaniker. Ein solches Training ist oft die einzige Chance für die Schulabbrecher, jemals gut für sich selbst und ihre Familien sorgen zu können.

Huye, Ruanda: Gilbert präsentiert stolz sein Können: "Ich kann alles reparieren!" (Foto: Kindernothilfe)

Huye, Ruanda: Gilbert präsentiert stolz sein Können: „Ich kann alles reparieren!“ (Foto: Kindernothilfe)

Gilbert lernte, Fahrräder zu reparieren – die wichtigsten Transport- und Fortbewegungsmittel in Ruanda. Mittlerweile betreibt er mit vier anderen Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren einen eigenen Stand auf dem Marktplatz. Jeder hat sich sein eigenes Werkzeug angeschafft, hat eigene Ersatzteile und repariert auch – bei Bedarf – andernorts. Doch beim Marktstand, das wissen auch die Bewohner der Gemeinde, ist immer jemand anzutreffen, der einen noch so lädierten Drahtesel wieder fahrtüchtig machen kann. Seine neue, farbenfrohe Hose, die er mit dem selbstverdienten Geld angeschafft hat, präsentiert Gilbert jedenfalls mit großem Stolz.

Schulabbrecher haben wieder Hoffnung

Huye, Ruanda: Patrick bäckt täglich 100 Mandazi-Brötchen und finanziert sich so sein Leben. (Foto: Kindernothilfe)

Huye, Ruanda: Patrick bäckt täglich 100 Mandazi-Brötchen und finanziert sich so sein Leben. (Foto: Kindernothilfe)

Einmal ums Eck, in einem unscheinbaren Innenhof, werden gerade Mandazi-Brötchen gebacken. Dieses Krapfen-ähnliche Gebäck wird in ganz Ruanda gerne gegessen. Auch hier sind jugendliche Schulabbrecher am Werk, deren Ausbildung im Rahmen des Kindernothilfe-Projekts finanziert wurde. In Riesenschüsseln wird der Teig gerührt, geknetet, ausgerollt, dann zu kleinen Täschchen geformt und in reichlich Fett über der offenen Feuerstelle herausfrittiert. 100 Brötchen pro Tag können die Mädchen und Buben pro Tag ab Hof verkaufen – was einem Einkommen von 10.000 Ruanda-Franc (umgerechnet rund 10 Euro) entspricht. Einen Teil davon darf jeder der Bäcker selbst behalten, der Rest wird in Öl, Mehl, Germ, Zucker und Backpulver reinvestiert oder gespart. „Hier habe ich eine neue Familie gefunden“, erzählt Patrick, einer der Mandazi-Bäcker. Alkohol- und Drogenmissbrauch, Bettelei und Kriminalität waren für das Straßenkind bisher traurige Realität. „Mit meinem neuen Können aber bin ich sicher, dass ich eine gute Zukunft mit einem regelmäßigen Einkommen vor mir habe.“ Schon bald wollen sich Patrick und die übrigen Mandazi-Profis des kleinen Hinterhofs eine bessere Ausstattung an Töpfen und Schüsseln leisten. Denn bisher wird noch mit den von den Frauen der Selbsthilfegruppen der Gemeinde zur Verfügung gestellten Kochutensilien gearbeitet.

Verbesserungen für alle

Kigali, Ruanda: Jetzt hat Delphine Milch für ihre Kinder (Foto: Kindernothilfe)

Kigali, Ruanda: Jetzt hat Delphine Milch für ihre Kinder (Foto: Kindernothilfe)

Kigali, Ruanda: Mit Hilfe eines Kredits der SHL konnte Delphine eine Kuh bezahlen. (Foto: Kindernothilfe)

Kigali, Ruanda: Mit Hilfe eines Kredits der SHL konnte Delphine eine Kuh bezahlen. (Foto: Kindernothilfe)

Apropos Selbsthilfegruppen: Mehr als 400 solcher Gruppen wurden im Rahmen des Projekts allein in den vergangenen zwei Jahren in der Region rund um Huye im südlichen Ruanda gegründet. Tausende Frauen treffen sich in Gruppen zu je 15 bis 20 Mitgliedern wöchentlich, um gemeinsam zu sparen und für eine bessere Zukunft zu arbeiten – in den ersten Monaten noch angeleitet von Mitarbeitern des Kindernothilfe-Projektpartners AEE. Die Liste der Erfolge, von denen die Selbsthilfegruppen berichten können, ist beeindruckend: So besitzen die Frauen nun fast alle einen eigenen Küchengarten, wodurch sich die Abhängigkeit von Einkäufen auf dem Markt verringert und die Ernährungssituation der Kinder deutlich verbessert hat. Für alle Mitglieder der Selbsthilfegruppen wurden mit dem gemeinsam gesparten Geld Matratzen angeschafft – „wir schlafen jetzt viel besser. Und hygienischer ist es auch, als am Boden zu liegen“, lacht Delphine.

Bei ihrem kleinen Häuschen führt die dreifache Mutter aber als erstes zu ihrem ganzen Stolz: einer Kuh. Denn: „Wer eine Kuh hat, der ist reich.“ Mit Hilfe eines Kredits der Selbsthilfegruppe hat Delphine die Kuh bezahlt, bereits zwei Mal konnte sie Kälber auf dem Markt verkaufen – das Geld ist längst zurückgezahlt. Sechs Liter können morgens, vier abends gemolken werden, erzählt Delphine, den Großteil davon verkauft sie auf dem Markt. „Und meine Kinder haben nun täglich Milch zu trinken und bekommen Milchbrei zu essen.“

Mit Getreidesaft zum Stromanschluss

Huye, Ruanda: Geschäftsidee "Sorghumhirse-Saft" (Foto: Kindernothilfe)

Huye, Ruanda: Geschäftsidee „Sorghumhirse-Saft“ (Foto: Kindernothilfe)

Nicht mit Milch, sondern mit Getreidesaft verdient Francoise ihr Geld. Die Grundlage ihrer Geschäftsidee lagert prominent inmitten ihres neuen, Lehm-verputzten Hauses. Bis oben gefüllt ist der Getreidesack – mit getrockneter Sorghumhirse. Gepresst ergibt die Hirse einen gerne getrunkenen Saft, den Francoise an Markttagen verkauft. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die zweifache Mutter in einer der Selbsthilfegruppen mit, hätte selbst nicht gedacht, wie sehr sich in so kurzer Zeit ihr Leben verändern kann, erzählt sie. „Früher habe ich mich geniert, Besucher zu empfangen, jetzt freue ich mich, unser Haus herzuzeigen“, verrät Francoise.

Huye, Ruanda: Francoise hat hart dafür gearbeitet: "Endlich Strom!" (Foto: Kindernothilfe)

Huye, Ruanda: Francoise hat hart dafür gearbeitet: „Endlich Strom!“ (Foto: Kindernothilfe)

Vier Räume umfasst das Haus, verfügt über getrennte Schlafräume sowie einen Eingangs- und Wohnbereich mit Sitzecke. Zu fünft wohnen sie hier, ihr Mann, ihre beiden Söhne, sie selbst und ihre Mutter. Ihr ganzer Stolz aber ist der Anschluss ans Stromnetz – mit Licht können ihre beiden Buben nun auch abends Hausaufgaben machen und lernen. Francoises Traum ist es nun, nach und nach das Haus zu möblieren.

Aus fünf Bananenstauden wurden 800

Kigali, Ruanda: Mediatrice ist jetzt stolze Bananenplantagen-Besitzerin. (Foto: Kindernothilfe)

Kigali, Ruanda: Mediatrice ist jetzt stolze Bananenplantagen-Besitzerin. (Foto: Kindernothilfe)

Von neuen Möbeln kann Mediatrice bereits berichten. Stolz sitzt sie auf den Pölstern ihrer neuen Sitzbank im Eingangsbereich des kleinen Hauses mit der grünen Tür. Die Selbsthilfegruppe habe ihr Leben verändert, erzählt die 46-Jährige. Woran zuerst niemand so recht glauben wollte, am wenigsten ihr Ehemann. „Wir sind nicht mehr die jüngsten, haben unser ganzes Leben in Armut gelebt. Da ist es schwer zu glauben, dass sich etwas ändern könnte.“ Aber in Wirklichkeit, und das habe die Arbeit in der Selbsthilfegruppe ihr gezeigt, „braucht dir niemand Geld zu geben. Das Geld liegt in deinem Können. Du muss deine Stärken nur einsetzen“, spricht Mediatrice ein Plädoyer für die Hilfe zur Selbsthilfe.

Kigali, Ruanda: Mediatrice' Bananenplantage ist mittlerweile Vorzeigeprojekt der Region. (Foto: Kindernothilfe)

Kigali, Ruanda: Mediatrice‘ Bananenplantage ist mittlerweile Vorzeigeprojekt der Region. (Foto: Kindernothilfe)

Begonnen hat alles mit fünf Bananenpflanzen vor ihrem Häuschen und einigen Schulungen, wie Bananen am besten zu kultivieren sind. Groß und gesund wuchern mittlerweile 800 Stauden in Mediatrices Garten, liebevoll gepflegt von ihr und ihrem Ehemann, der bald selbst gesehen hat, wie sich auch das eigene Leben durch die Treffen der Frauen in den Gruppen verändern kann. Zuletzt wurde ihr Feld zur führenden Bananenplantage der gesamten Region ausgezeichnet, erzählt die achtfache Mutter. Ihr Mann unterstütze sie sehr, sei auch immer wieder in der gesamten Region unterwegs, um Schulungen zu Bananenanbau abzuhalten. Und ihre Bananensetzlinge- und samen werden von der ganzen Gemeinde gerne gekauft. Für die eigene Ernte müsse man inzwischen sogar externe Feldarbeiter beschäftigen, so umfangreich sei diese inzwischen.
Mit dem erwirtschafteten Geld aus dem Verkauf der reifen Bananen konnte die Familie ihr viel zu kleines Haus erst erweitern, dann ans Stromnetz anschließen. Mittlerweile gehen alle der acht Kinder in die Schule, ihr ältester Sohn habe bereits die Universität abgeschlossen, berichtet Mediatrice stolz. „Wenn alle Kinder einen Uni-Abschluss haben, werden wir unser Haus richtig schön einrichten“, so ihr Traum. Priorität aber, und das habe sie im Laufe ihres Engagements bei der Selbsthilfegruppe gelernt, hat eindeutig die Schulbildung ihrer Kinder.

„Unsere Denkweise hat sich extrem verändert, die Selbsthilfegruppen haben das Leben der gesamten Gemeinde verändert“, bringt das Gruppenmitglied die Erfolge des Projekts auf den Punkt. „Wir wissen jetzt, wie man spart, sich Ziele setzt und diese auch erreicht“, betont Mediatrice. „Und wir versuchen nicht mehr alleine, jeder für sich, den Alltag zu meistern. Sondern wir lernen voneinander, helfen einander. Und verbessern Tag für Tag und immer ein Stückchen mehr unsere Zukunft.“

Gilbert ist Fahrradmechaniker, Patrick bäckt 100 Mandazi-Brötchen am Tag, Delphine besitzt nun eine Kuh, Francoise ein neues Haus mit Strom. Und Mediatrice hat die größte und fruchtbarste Bananenplantage der ganzen Region. Sie alle haben eines gemeinsam: Unter Anleitung der Kindernothilfe haben [...]

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Mit Bildung gegen die Ausbeutung

Die Haut aufgeschürft und wund, der Kopf zu müde zum Lernen: Kinder aus armen Familien schuften schon im Volksschulalter täglich in den Sandgruben Sambias. Aber nicht nur dort: Weltweit arbeiten rund 152 Millionen Kinder. Mit ihren Projekten in 31 Ländern sucht die Kindernothilfe nach Auswegen aus dem Elend.

Obwohl Kinderarbeit in Sambia verboten ist, schuften zig Buben und Mädchen täglich viele Stunden in den Sandsteingruben. (Foto: Christian Herrmanny)

Wenige Steine noch, dann ist der Kübel voll. Stunden um Stunden lockert der 12-jährige Chance bereits mit der Spitzhacke am Rand der Sandgrube das Gestein, barfuß und in gekrümmter Haltung bei sengender Hitze. Für einen vollen Kübel bekommt er ein paar Cent, „wir machen nichts außer zu arbeiten“, seufzt er, mit Blick auf die anderen Kinder in der Grube. Es ist eine von vielen Gruben hier in Choma, unweit der spektakulären Victoriafälle im südlichen Sambia. Eine von vielen Arbeitsstätten, die vorwiegend Kinder beschäftigt, weil sie billiger sind als erwachsene Arbeitskräfte. Und weil sie weniger Forderungen stellen.

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Cajamarca, Peru: Die beiden Mädchen stapeln Ziegel in einem Brennofen. (Foto: Christian Herrmanny)

Szenenwechsel: Die neunjährige Margarita und ihre Freundin arbeiten schon seit Jahren in einer Ziegelei, auch hier in Peru ist Kinderarbeit keine Ausnahme. Sie fahren mit Scheibtruhen, schaufeln Sand, mischen und formen die feuchte Lehmmasse zu Steinen, befüllen und leeren die Brennöfen. Rissig und rau sind die Hände der Kinder, Rücken und Beine schmerzen, zu schwer ist die Arbeit für die kleinen Körper. Jedes zweite Kind ab sechs Jahren arbeitet in dieser Region, oft viele Stunden am Tag – obschon Kinderarbeit in Peru offiziell verboten ist.

Teufelskreis: Armut – Kinderarbeit – keine Ausbildung – Armut – …

Rund 152 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren müssen arbeiten. Darunter 73 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen: sie schuften tagtäglich in Minen oder Steinbrüchen, schleppen schwere Lasten Ziegelsteine oder sind bei der Ernte in der Landwirtschaft ungeschützt giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt.

Es ist die Armut, die Kinder wie Margarita und ihre Freundin in Peru oder Chance in Sambia in schwere, ausbeuterische Arbeit zwingt. Das geringe Einkommen der Kinder wird schlicht für das tägliche Überleben der Familien benötigt. Ein Teufelskreis. Denn für arbeitende Kinder ist der Schulbesuch kaum möglich, ohne Ausbildung aber bleibt wieder nur der Weg in ausbeuterische, schlecht bezahlte Tätigkeiten. Ausbeutung kann nicht allein durch Verbote wirksam bekämpft werden, es braucht vor allem Alternativen für die Betroffenen.

Auswege aus dem Elend

Cajamarca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)

Cajamarca, Peru: Die Mädchen können endlich in die Schule gehen statt in der Ziegelei zu schuften (Foto: Graeme Kennedy / Zotter)

Diese bietet die Kindernothilfe mit ihren Projekten: In eigenen Förderzentren erhalten die Kinderarbeiter medizinische und psychologische Betreuung, lernen Lesen, Schreiben und Rechnen und können versäumten Schulstoff nachholen. Auch die Arbeit mit den Eltern ist wichtig: Mit Schulungen, Alphabetisierungskursen und Kleinkrediten für Unternehmensgründungen werden die Familien unterstützt – damit sie nicht mehr auf das Einkommen der Kinder angewiesen sind. „Es dauert oft lange, bis wir den Eltern klarmachen können, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist. Sie selbst haben ja auch schon als Kinder gearbeitet”, erzählt Projektleiterin Marciela Rabanal Pajares aus Peru. Sie und ihr Team aus Sozialarbeitern bleiben aber hartnäckig, wenn sie den Familien ein ums andere Mal erklären, dass ihre Kinder ein Recht auf den Schulbesuch haben. Dass Bildung das Leben ihrer Kinder verändern kann. So wie das von Margarita aus Peru oder das von Chance aus Sambia. Ihre Geschichten haben eine gute Wende genommen. Die beiden ehemaligen Kinderarbeiter gehen mittlerweile in die Schule, haben Ziegel und Spitzhacken gegen Schulbücher eingetauscht. „Ich bin zuversichtlich, dass ich die Schule sehr gut abschließen werde“, erzählt Chance stolz. Für die Zukunft hat der Jugendliche große Pläne: „Ich möchte so wohlhabend sein, dass ich die Schulgebühren von Kindern übernehmen kann, die sonst nicht in die Schule gehen könnten. Und eines Tages möchte ich vielleicht Präsident werden.“ Und Margarita erklärt fröhlich: „Ich bekomme sehr gute Noten, weil ich jetzt nicht mehr arbeiten muss.“

Der Schutz vor ausbeuterischer Kinderarbeit ist auch eines der wichtigsten Anliegen der UN-Konvention über die Rechte des Kindes, die heuer im November ihren 30. Jahrestag feiert. Die Kindernothilfe Österreich wird weiterhin alles dafür tun, um entschieden gegen ausbeuterische Kinderarbeit aufzutreten und uns gemeinsam mit unseren erfahrenen Partnerorganisationen vor Ort für diese Kinder und Jugendlichen einzusetzen, damit weltweit möglichst vielen betroffenen Kindern geholfen wird. Denn rund 152 Millionen arbeitende Kinder, darunter 73 Millionen unter menschenunwürdigen Bedingungen, sind 152 Millionen zu viel und kein einziger zu wenig, um nach Auswegen aus dem Elend zu suchen. Und es sind Erfolgsgeschichten wie die von Chance und Margarita, die zeigen, dass unsere Arbeit Wirkung hat.

Die Haut aufgeschürft und wund, der Kopf zu müde zum Lernen: Kinder aus armen Familien schuften schon im Volksschulalter täglich in den Sandgruben Sambias. Aber nicht nur dort: Weltweit arbeiten rund 152 Millionen Kinder. Mit ihren Projekten in 31 Ländern sucht die Kindernothilfe nach Auswegen a[...]

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Boliviens vergessene Kinder

Cerro Rico, der „reichen Berg" im Hochland Boliviens (Foto: Kindernothilfe)

Cerro Rico, der „reichen Berg“ im Hochland Boliviens (Foto: Kindernothilfe)

Das Leben am Fuße des Cerro Rico, des „reichen Bergs“, ist hart. Jeden Tag suchen Männer und Jugendliche unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Berg nach Zinn und Blei, außerhalb der Minen schuften die Frauen und Mädchen als Steinesammlerinnen. Ein Kindernothilfe-Förderzentrum am Eingang zu den Minen gibt Hoffnung – auf Bildung und Berufsaussichten jenseits des Teufelsbergs.

Rumpelnd schiebt sich der große Lastwagen entlang der engen Serpentinenstraße von Potosí hinab, Kurve um Kurve, voll beladen mit den eben aus der Mine geholten Steinen. Zinn und Blei werden hauptsächlich abgebaut, hier, im Cerro Rico, dem „reichen Berg“ in Boliviens Hochland. Immer wieder fallen größere und kleinere Steine von der Ladefläche des LKWs herab, zu den Füßen der am Straßenrand hockenden Frauen, Mädchen, Kinder. Genau auf diese Steine warten sie, sammeln sie auf und klopfen sie zu kleineren Stücken – um die Mineralien weiter zu verkaufen und sich so ein kleines Zubrot zu verdienen.

„Parilli“ werden sie genannt, die Steinesammlerinnen. Es sind die Frauen und Mädchen der umliegenden Dörfer, die auf diese Weise versuchen, das Einkommen der Männer und jungen Burschen, die in den Minen arbeiten, zu unterstützen. Denn die Arbeitsbedingungen in den Minen sind so gesundheitsschädlich – Hitze bis zu 40 Grad, schädlicher Kiesstaub und giftige Arsendämpfe, Verschüttungsgefahr durch Bergrutsche und Sprengungen -, dass schon junge Familienväter oft so krank und arbeitsunfähig sind, dass sie auf die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen sind.

Potosi, Bolivien: Hanna beim Steinesammeln (Foto: Kindernothilfe)

Potosi, Bolivien: Hanna beim Steinesammeln (Foto: Kindernothilfe)

„Mein Vater ist in der Mine gestorben“, erzählt die 25-jährige Hanna, die gerade mit ihrer Mutter gemeinsam die Mineralien neben der Mine aufklaubt. Seit sechs Jahren schon arbeiten beide als „Parilli“, Hanna nur noch zeitweise, um ihrer Mutter zu helfen, die beiden kleineren Brüder zu versorgen. Eigentlich studiert Hanna schon seit einiger Zeit, will bald ihren Abschluss machen. Um dann jenseits des Cerro Rico nach einer Arbeit zu suchen.

Zumindest schuften keine kleinen Kinder mehr in den Minen – eine Errungenschaft der Kindernothilfe, die sich hier, in der Hochebene Boliviens, seit vielen Jahren gegen ausbeuterische Kinderarbeit stark macht. Direkt an den Minen wurde gemeinsam mit dem lokalen Projektpartner PASOCAP ein Förderzentrum errichtet, in dem 300 Bergbauernkindern medizinische Versorgung, warme Mahlzeiten und eine Schulbildung ermöglicht werden. Auch Hanna ist hier jahrelang ein und aus gegangen, hat ihre Schulbildung nachgeholt, an Förderunterricht, Workshops und Freizeitaktivitäten teilgenommen. Und vor allem eines gelernt: es gibt eine Zukunft jenseits des Cerro Rico, jenseits des Teufelsbergs, wie er längst von den Einwohnern genannt wird.

„Teuflische“ Arbeit

Potosie, Bolivien: Mineneingang am Cerro Rico (Foto: Kindernothilfe)

Potosie, Bolivien: Mineneingang am Cerro Rico (Foto: Kindernothilfe)

Am Eingang jeder Mine steht eine Teufelsstatue. Um sie zu noch mehr Arbeit anzustacheln, erzählten die Spanier, die im 16. Jahrhundert auch Bolivien beherrschten, den Einheimischen, dass im Cerro Rico der Teufel wohnt, der sich ärgert, falls zu wenig Silber abgebaut wird.

Silber gibt es hier heute keines mehr, auch nicht den Reichtum der Stadt aus vergangenen Tagen – die spanischen Kolonialherren hatten die Schätze nach Europa verschifft. Doch die Teufelsstatuen werden von den Minenarbeitern noch immer täglich mit Kokablättern und Tabak versorgt, um den Cerro sanftmütig zu stimmen.

Vom „Sanftmut“ des Teufelsbergs weiß die 18-jährige Izabela nichts zu berichten. „Mein Papa hatte in der Mine einen schweren Unfall, wurde von einer Last beinahe erdrückt – ich musste mit meinen Verwandten in den Schacht hinein und ihn suchen. Die Luft dort drinnen ist furchtbar“, erinnert sich die Jugendliche mit Schaudern. „Aber ich kannte die Mine ja schon vor seinem Unfall, weil ich Papa öfters Essen in den Stollen gebracht habe.“

Schon mit sechs Jahren musste Izabela zum Familieneinkommen beitragen. „Denn mein Papa wurde durch die Arbeit in den Minen sehr krank und wir hatten kein Geld mehr. So half ich schon als kleines Mädchen meiner Mutter, Chicharron, ein Schweinefleischgericht, zu verkaufen.“ Doch trotz der Arbeit besuchte Izabela schon von klein auf das Kindernothilfeprojekt, arbeitet nun nur noch Teilzeit in einer Konditorei. Und hat für ihre Zukunft große Pläne: „Ich möchte Astronautin werden. Das ist zwar schwierig in Bolivien, aber man kann alles schaffen, was man will.“

Neue Chancen durch Bildung

Potosi, Bolivien: Cindy bei der Handyreparatur (Foto: Kindernothilfe)

Potosi, Bolivien: Cindy bei der Handyreparatur (Foto: Kindernothilfe)

Dieser Meinung ist auch ihre Freundin Cindy. „Das Projekt hat mein Leben sehr stark verändert, es ist wie ein Türöffner, mit dem ich entdecken kann, was es noch gibt, was ich noch sein kann.“ Anfangs hatte die heute 18-Jährige noch Schwierigkeiten, sich im Förderzentrum einzugewöhnen. „Ich war es nicht gewohnt, Freundinnen zu haben oder im Speisesaal zu essen. Meine Mama hat selbst nur drei Schulstufen absolviert und war nicht überzeugt von der Notwendigkeit einer Ausbildung“, bringt Cindy das Hauptproblem der ärmsten Familien auf den Punkt. Die Eltern selbst erkennen meist nicht die Bedeutung von Bildung – auch sie können oft weder Lesen, noch Schreiben. „Nach und nach aber wurde ich motiviert, an Workshops teilzunehmen. Mittlerweile habe ich drei Ausbildungen gemacht“, erzählt das junge Mädchen. Sie verdient sich nun ein Zubrot mit der Wartung von Computern und der Reparatur von Handys – Fertigkeiten, die ihr im Rahmen des Kindernothilfe-Projekts vermittelt wurden. Nicht zuletzt deshalb ist auch der Name des Projektes so passend: „Yachaj Mosoj“ heißt es, was so viel bedeutet wie „neues Wissen“.

Schulungen für Eltern

Potosi, Bolivien: Izabela und Cindy haben im Kindernothilfeprojekt Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommen (Foto: Kindernothilfe)

Potosi, Bolivien: Izabela und Cindy haben im Kindernothilfeprojekt Hoffnung auf eine bessere Zukunft bekommen (Foto: Kindernothilfe)

Geschult werden auch die Eltern, vor allem die Mütter. „Die Väter erreicht man schwer, sie arbeiten Tag und Nacht in den Minen“, seufzt Projektkoordinatorin Margarita. Gewaltprävention, Erziehungstipps, Hygiene, Frauenkrankheiten und gesunde Ernährung sind die Themen, die Hunderten Müttern in Fortbildungen nähergebracht werden. Es sei sehr wichtig, die Eltern in die Projektarbeit mit einzubeziehen, sei es eben durch Kurse, Hausbesuche oder auch durch Mitarbeit im Förderzentrum, erklärt die Projektmitarbeiterin. Denn erst durch die Teilnahme an Maßnahmen erkennen die Mütter, warum das Projekt für ihre Kinder so enorm wichtig ist.

Für die warmen Mahlzeiten im Kindernothilfe-Zentrum sind daher auch die Mütter verantwortlich: Sie gehen mit den Mitarbeitern zum Markt, kaufen dort ausgewogene Lebensmittel und bereiten sie gemeinsam für das Mittagessen im Zentrum zu. Selbst Väter lassen sich hier hin und wieder blicken, um beim Kochen zu helfen. „Generell ist es aber leider sehr schwierig, die Väter mit einzubeziehen. Wir versuchen das auch über Workshops. Denn das Thema häusliche Gewalt ist immer noch ein sehr großes“, weiß die Projektkoordinatorin. Hier müsse man vor allem die Väter zum Umdenken bewegen.

Ein Umdenken, das von so großer Bedeutung für die Zukunft der Bergarbeiterkinder in Potosí sei, wie auch Cindy zum Abschluss noch einmal betonen möchte: „Es gibt noch so viele bedürftige Kinder hier. Projekte wie dieses dürfen nicht enden. Ich bin hier bald raus, aber es gibt noch so viele Kinder, die diese Hilfe brauchen!“

Das Leben am Fuße des Cerro Rico, des „reichen Bergs“, ist hart. Jeden Tag suchen Männer und Jugendliche unter lebensbedrohlichen Bedingungen im Berg nach Zinn und Blei, außerhalb der Minen schuften die Frauen und Mädchen als Steinesammlerinnen. Ein Kindernothilfe-Förderzentrum am Einga[...]

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Unerwünscht und zur Rückkehr gedrängt

Das Leben syrischer Flüchtlinge im Libanon ist hart, ein ständiger Kampf gegen das Elend. Dazu die Angst, zur Rückkehr gezwungen zu werden. Denn in Syrien ist immer noch Krieg.

Mohammed al Mohammed mit einem Flüchtlingskind im Flüchtlingslager in Bar Elias, Libanon (Foto: epd-Bild/Sebastian Drescher)

Mohammed al Mohammed mit einem Flüchtlingskind im Flüchtlingslager in Bar Elias, Libanon (Foto: epd-Bild/Sebastian Drescher)

Beirut (epd). Mohammed al Mohammed steht vor seinem Zelt und blickt auf die Bergkette im Osten. Dahinter liegt Syrien, die Grenze ist nur wenige Kilometer entfernt. Er ist Mitte 50 und lebt seit fünf Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem Flüchtlingslager in Bar Elias, einer Kleinstadt in der Bekaa-Ebene im Libanon. „Wenn ich könnte, würde ich sofort zurück. Selbst wenn ich laufen müsste“, sagt der ehemalige Fabrikarbeiter.

Im Libanon kommen solche Aussagen gut an. Das kleine Land mit seinen sechs Millionen Einwohnern hat mehr als eine Million Syrer aufgenommen. Doch libanesische Politiker beklagen, die Flüchtlinge überlasteten die Infrastruktur und drückten die Löhne. Im April forderte der christliche Präsident des Libanons, Michel Auon, die Syrer dazu auf, schnellstmöglich in ihre Heimat zurückzukehren.

Letzte Hochburg der Rebellen

Rund 50.000 Syrer sind offiziellen Angaben zufolge 2018 zurückgekehrt, teils auf eigene Faust, teils unterstützt von libanesischen Behörden. Mohammed ist noch da: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als hier auszuharren.“ Die Familie stammt aus Idlib. 2014 seien sie zwischen die Kriegsfronten geraten und über Aleppo in den Libanon geflohen, erzählt er. Heute wird in Idlib wieder gekämpft, die Provinz gilt als letzte Hochburg der Rebellen. Hunderttausende haben die Stadt aus Angst vor Kämpfen und Luftangriffen in den vergangenen Wochen verlassen.

Auch viele Syrer aus Regionen, die wieder unter Kontrolle des Regimes von Baschar al-Assad sind, sehen noch keine Grundlage für eine sichere Rückkehr. Das belegt ein Bericht der Hilfsorganisation Sawa mit Sitz in Beirut, die Anfang des Jahres Syrer aus 25 Flüchtlingslagern befragt hat. Viele Männer befürchten demnach, in Syrien entweder zum Militärdienst eingezogen oder inhaftiert zu werden. Auch die Angst vor Kriminalität und wirtschaftlicher Not schreckt viele ab. Rund 65 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Häuser zerstört seien.

Von der Welt im Stich gelassen

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR unterstützt die individuelle Rückkehr, sieht die Voraussetzungen für eine Umsiedlung großer Gruppen aber nicht erfüllt. Auch Bernhard Hillenkamp, Leiter des Libanon-Büros des Forums Ziviler Friedensdienst, hält es für unrealistisch, dass in naher Zukunft viele Menschen zurückkehren werden. Zugleich versuche die libanesische Regierung zu verhindern, dass sich die Syrer im Libanon integrierten: „Es soll nicht so laufen, wie bei den Palästinensern, die vor Jahrzehnten aus Israel in den Libanon geflohen sind und noch immer da sind“, erklärt er.

Für viele Syrer ist es im Libanon schwer, sich über Wasser zu halten. Sie dürfen nur in der Landwirtschaft, als Putzhilfen und im Baugewerbe arbeiten, die Löhne sind gering. Rund zwei Drittel der Flüchtlinge leben unterhalb der Armutsgrenze, die meisten sind verschuldet. Unterstützung erhalten die Familien in Bar Elias von der syrisch-libanesischen Organisation Basmeh & Zeitouneh, die auch vom Forum Ziviler Friedensdienst unterstützt wird. Ansonsten fühlen sie sich von der Welt im Stich gelassen. „Das UNHCR hat uns zwar registriert, aber wir erhalten keine Hilfe mehr“, erklärt Mohammed.

„Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll“

Eine Sprecherin des UNHCR im Libanon bestätigt, dass nur noch jede fünfte registrierte Flüchtlingsfamilie im Libanon die monatliche Bargeldhilfe von umgerechnet 155 Euro erhält. Dem Hilfswerk fehlt es seit Jahren an Geld. Auch für 2019 hätten die internationalen Geber erst 20 Prozent der nötigen 500 Millionen Euro für die Hilfe im Libanon zugesagt.

Viele syrischen Flüchtlinge sehen sich indes von libanesischen Behörden bedrängt. Medienberichten zufolge ließen sie in jüngster Zeit syrische Läden und vereinzelt informelle Camps schließen. Auch Mohammed fürchtet um seine provisorische Behausung. Rund 50 Familien leben in dem Lager in einfachen Zelten. Der private Eigentümer des Grundstücks habe vor kurzem die jährliche Miete pro Parzelle von 650 auf 1.000 US-Dollar (rund 900 Euro) angehoben, erklärt Mohammed. „Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll.“ Wegen eines Arbeitsunfalls könne er nicht arbeiten. Er habe noch nicht einmal Geld, um seine Frau wegen ihrer kaputten Bandscheiben zum Arzt zu schicken.

Das Leben syrischer Flüchtlinge im Libanon ist hart, ein ständiger Kampf gegen das Elend. Dazu die Angst, zur Rückkehr gezwungen zu werden. Denn in Syrien ist immer noch Krieg. Beirut (epd). Mohammed al Mohammed steht vor seinem Zelt und blickt auf die Bergkette im Osten. Dahinter liegt Sy[...]

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Kinder haben Rechte, und zwar ganz besondere: Die UN-Kinderrechte

Kinder sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen. In diesem Sinn bedürfen sie besonderem Schutz, und verdienen besondere Aufmerksamkeit und Förderung. Dieser Bedeutung tragen seit 1989 die Vereinten Nationen (UN) mit einer eigenen Konvention Rechnung, in der in 54 Artikeln die universellen Kinderrechte festgeschriebenen sind. Bis zum heutigen Tag haben alle Staaten mit Ausnahme der USA die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert.

Kinder haben ganz besondere, eigene Rechte: Die UN-Kinderrechte

Kinder haben ganz besondere, eigene Rechte: Die UN-Kinderrechte

Die UN-Kinderrechte sind auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen abgestimmt und sichern jedem Menschen unter 18 Jahren („Kind“) grundlegende politische, soziale, ökonomische, kulturelle und bürgerliche Rechte zu. Sie sollen allen Mädchen und Buben ein kindgerechtes Aufwachsen und die Chance auf ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Ein weiter Weg zur Sicherung des Kindeswohls

Äthiopien: Immer noch müssen Kinder arbeiten, um die Familie finanziell zu entlasten (Quelle: Malte Pfau)

Äthiopien: Immer noch müssen Kinder arbeiten, um die Familie finanziell zu entlasten (Quelle: Malte Pfau)

Obwohl sich fast alle Staaten dieser Welt dazu verpflichtet haben, die UN-Kinderrechte in ihrem Land umzusetzen, ist es noch ein weiter Weg bis zu ihrer konsequenten Verwirklichung und Wahrung – vor allem in den ärmeren Regionen oder in solchen, in denen Krieg herrscht. Denn nach wie vor müssen Millionen von Mädchen und Buben so leben, als ob es dieses Menschenrechtsdokument nicht gäbe: eine Milliarde von ihnen lebt in Armut und hat nicht genug zu essen, geschweige denn Zugang zu ausreichend medizinischer Versorgung oder Bildung. Laut aktueller Zahlen der ILO (International Labour Organization 2016) gibt es zudem weltweit rund 152 Millionen Kinderarbeiter. Davon gehen etwa 73 Millionen gefährlichen und gesundheitsschädlichen Tätigkeiten nach oder sind in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen „gefangen“.  Über 200.000 Mädchen und Buben werden in Kriegen und Konflikten als Kindersoldaten eingesetzt.  Rund eine Million lebt auf der Straße und ist schutzlos Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch ausgeliefert. Diese Zahlen sind nur einige der erschreckendsten Fakten über Kinderrechtsverletzungen, die nicht nur – wie gerne angenommen – in den ärmsten Entwicklungsländern vorkommen, sondern teilweise auch hochentwickelten Industriestaaten. Hier sind es die scheinbar „kleinen Verstöße“, die im Verborgenen stattfinden, wie Mobbing, Abwertung, Vernachlässigung und häusliche Gewalt, die offensichtlich machen, dass Bedürfnisse von Mädchen und Buben nicht in einem erforderlichen Umfang berücksichtigt werden.

Das zeigt, dass die bloße Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention nicht ausreicht, um nötigen Schutz und die Förderung von Kindern unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion zu gewährleisten.

Vier Grundprinzipien – drei Rechtekategorien – 54 ausdrücklich angeführte Artikel zum Schutz von Kindern

Das Haus der Kinderrechte (Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ)

Das Haus der Kinderrechte (Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ)

Durch die UN-Kinderrechtskonvention werden jedem Kind ganz spezielle Rechte zugesprochen. Diese beruhen auf den vier Grundprinzipien Kindesentwicklung, Diskriminierungsverbot, Vorrang des Kindeswohls und Kinderbeteiligung. Demnach hat jedes Kind das nicht verhandelbare Recht auf Leben, Existenzsicherung und bestmögliche Entwicklung und keines darf benachteiligt werden. Zudem muss das Wohl des Kindes bei Entscheidungen, die es betreffen, im Vordergrund stehen. Auch soll es bei solchen Entscheidungen angemessen eingebunden werden und seine Meinung äußern können.

Die 54 Artikel der UN-Kinderrechtskonvention werden in drei übergeordneten Gruppen zusammengefasst: 1.Versorgungsrechte (Recht auf angemessenen Lebensstandard einschließlich der Rechte auf Nahrung und Unterkunft, Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung), 2. Schutzrechte (Verbot von Gewalt gegen Kinder, Schutz vor sexueller und kommerzieller Ausbeutung) sowie 3. Beteiligungsrechte (Recht auf eigene Meinung, Soziale Integration, Partizipation in allen Angelegenheiten, die Kinder betreffen).

 

Die 10 grundlegende Recht von Kindern im groben Überblick

Indien: Im Kindernothilfeprojekt dürfen Kinder Kinder sein und endlich lernen, spielen und kindgerecht aufwachsen. (Quelle: Jakob Studnar)

Indien: Im Kindernothilfeprojekt dürfen Kinder Kinder sein und endlich lernen, spielen und kindgerecht aufwachsen. (Quelle: Jakob Studnar)

Das Recht auf Gleichheit: Alle Kinder sind gleich. Niemand darf auf Grund seiner Hautfarbe, seines Geschlechts oder Religion benachteiligt werden (Art. 2).

Das Recht auf Gesundheit: Jedes Kind hat das Recht, die Hilfe und Versorgung zu erhalten, die es braucht, wenn es krank ist (Art. 24).

Das Recht auf Bildung: Jedes Kind hat das Recht zur Schule zu gehen und zu lernen, was wichtig ist – zum Beispiel die Achtung vor den Menschenrechten und anderen Kulturen. Es ist wichtig, dass Kinder in der Schule ihre Fähigkeiten entwickeln können und dass sie dazu ermutigt werden (Art. 28).

Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung: Jedes Kind hat das Recht zu spielen und in einer gesunden Umgebung aufzuwachsen und zu leben (Art. 31).

Das Recht sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln: Jedes Kind hat das Recht, seine Gedanken frei zu äußern. Die Meinung der Kinder soll bei allen Dingen, die sie direkt betreffen, beachtet werden. Alle Kinder haben das Recht auf Information und Wissen über ihre Rechte. Jedes Kind hat das Recht, Informationen aus der ganzen Welt über Radio und TV, durch Zeitungen und Bücher zu bekommen und Informationen auch an andere weiterzugeben (Art. 14/15/17).

Das Recht auf gewaltfreie Erziehung: Jedes Kind hat das Recht auf eine Erziehung ohne Anwendung von Gewalt (Art. 19).

Das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung: Kein Kind soll schlecht behandelt, ausgebeutet oder vernachlässigt werden. Kein Kind soll zu schädlicher Arbeit gezwungen werden (Art. 34-36).

Das Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht: Ein Kind, das aus seinem Land flüchten musste, hat dieselben Rechte wie alle Kinder in dem neuen Land. Wenn ein Kind ohne seine Eltern oder seiner Familie kommt, hat es das Recht auf besonderen Schutz und Unterstützung. Wenn es möglich ist, soll es mit seiner Familie wieder zusammengebracht werden (Art. 38).

Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause: Jedes Kind hat das Recht, mit seiner Mutter und seinem Vater zu leben, auch wenn diese nicht zusammenwohnen. Eltern haben das Recht, Unterstützung und Entlastung zu bekommen (Art. 5/9-10/18).

Das Recht auf Betreuung bei Behinderung: Jedes Kind hat das Recht auf ein gutes Leben. Ein Kind mit Beeinträchtigung hat das Recht auf zusätzliche Unterstützung und Hilfe (Art. 23).

 

Chile: Die Kindernothilfe setzt sich aktiv für die Einhaltung der Kinderrechte ein. (Quelle: Katrin Weisemann)

Chile: Die Kindernothilfe setzt sich aktiv für die Einhaltung der Kinderrechte ein. (Quelle: Katrin Weidemann)

Abseits der theoretischen Akzeptanz des UNO-Vertragswerks ist es auch 30 Jahre nach seiner Unterzeichnung weiterhin notwendig, der Öffentlichkeit, den Erwachsenen und allen Bezugspersonen die grundlegenden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen immer wieder deutlich zu machen. Was brauchen sie, um sich gut entwickeln zu können – geschweige denn, um zu überleben.

Eine umfassende Sensibilisierung der Menschen überall auf der Welt für die Bedeutung und Wichtigkeit der Kinderrechte und der UN-Kinderrechtskonvention ist dringend geboten. Denn nur wer diese kennt, kann sich für ihre Umsetzung, Einhaltung und Förderung einsetzen. Das gilt sowohl für Erwachsene als auch Kinder selbst.

Kinder sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen. In diesem Sinn bedürfen sie besonderem Schutz, und verdienen besondere Aufmerksamkeit und Förderung. Dieser Bedeutung tragen seit 1989 die Vereinten Nationen (UN) mit einer eigenen Konvention Rechnung, in der in 54 Artikeln die universellen Kinderrech[...]

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