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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

6. April 2020

UNO Bericht beleuchtet sozioökonomischen Auswirkungen des Coronavirus

Mit Zunahme der Coronavirus-Fälle wächst auch die Sorge über aktuelle sowie langfristige Auswirkungen, die diese weltweite Pandemie auf bestimmte Bevölkerungsgruppen haben wird – insbesondere auf Frauen, Jugendliche, Gastarbeiter und viele Arbeitnehmer auf der ganzen Welt. In ihrem aktuellen Bericht “Shared Responsibility, Global Solidarity: Responding to the socio-economic impacts of COVID-19” gehen die Vereinten Nationen auf die Frage ein, wie die aktuelle Pandemie und Quarantäne genau diese Bevölkerungsgruppen unverhältnismäßig trifft.

Die Belastung der Frauen

Frauen tragen in der gegenwärtigen Situation wohl die Hauptlast. „Die Tatsache, dass Frauen 70 Prozent des weltweiten Gesundheitspersonals ausmachen, erhöht das Risiko einer Infektion für sie“, heißt es in dem UNO-Bericht. Dennoch erhalten sie trotz ihrer entscheidenden Rolle im öffentlichen Gesundheitswesen nicht die gebührende Anerkennung. Laut einem Bericht der WHO vom März 2019 sind Frauen weiterhin verschiedenen Arten von Missbrauch oder Diskriminierung in der Gesellschaft ausgesetzt, unter anderem geschlechtsspezifischen Vorurteilen oder Belästigungen.

Die aktuelle Krise droht, die begrenzten Fortschritte in der Geschlechtergleichstellung zunichte und Frauen anfälliger für Armut, Gewalt und berufliche Diskriminerumg zu verschärfen.

UN Bericht “Shared Responsibility, Global Solidarity: Responding to the socio-economic impacts of COVID-19

Anlässlich der Veröffentlichung des Berichts forderte UN Generalsekretär António Guterres nicht nur Maßnahmen, um die Pandemie zu bekämpfen und ihre Ausbreitung einzudämmen, sondern auch Vorkehrungen zur Bewältigung der langfristigen Auswirkungen der Krise. „Es braucht eine Steuer- und Geldpolitik, die die direkte Bereitstellung von Ressourcen zur Unterstützung von Arbeitnehmern und Haushalten, die Bereitstellung von Kranken- und Arbeitslosenversicherungen, die Ausweitung des Sozialschutzes und die Unterstützung von Unternehmen zur Verhinderung von Insolvenzen und massiven Arbeitsplatzverlusten ermöglicht.“

Die Misere der Gastarbeiter

Eine weitere Bevölkerungsgruppe, die infolge der Pandemie stark betroffen ist, sind laut Bericht Gastarbeiter. Migranten machen fast 30 Prozent der Arbeitnehmer in einigen der von der Krise am stärksten betroffenen Sektoren der OECD-Länder aus, heißt es in dem Bericht. „Massive Arbeitsplatzverluste unter Gastarbeitern werden Auswirkungen auf Volkswirtschaften haben, die stark von genau jenen Einkommen abhängig sind, wie El Salvador, Haiti, Honduras, Tonga, Tadschikistan, Kirgisistan oder Nepal. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt zum Beispiel die in Indien arbeitenden Nepalesen auf rund 700.000 bis 800.000. Seit dem Ausbruch von COVID-19 und den Regierungsmaßnahmen zur Risikominimierung hat das Land seine Grenzen geschlossen. „Die wirtschaftliche Produktion ist zum Stillstand gekommen und viele nepalesische Saisonarbeiter mussten aufhören zu arbeiten“, so Lorena Lando von IOM Nepal. Tausende sind vor der Grenzschließung nach Nepal zurückgekehrt, andere sind nach wie vor in Indien, können aber nicht arbeiten. Viele der Gastarbeitnehmer sind Tagelöhner, die nun kein Einkommen mehr haben, um ihre Familien zu ernähren. Und für diejenigen, die nach Hause zurückkehrten, gab es bereits vor der Krise kaum Beschäftigungsmöglichkeiten in ihrer Heimat, ebendeshalb sie nach Indien ausgewichen sind. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 werden in Ländern wie Nepal daramtischer sein als in anderen. Und während einige Maßnahmen kurzfristig gut sind, müssen andere den sozioökonomische Wiederaufbau auf lange Sicht ermöglichen“, so die IMO Nepal Beauftragte.

Abgesehen von der Gastarbeitersitaution schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass in der gegenwärtigen Krise zwischen fünf und 25 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen könnten. „Die aktuelle Krise verschärft die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an der Erwerbsbevölkerung“, heißt es in dem UN-Bericht, der eine überproportionale Arbeitslosigkeit bei Frauen erwartet.

Das Online Dilemma

Darüber hinaus kommt dem Zugang zum Internet eine zentrale Bedeutung bei, insbesondere in Anbetracht dessen, dass arbeiten und studieren immer stärker online erfolgen wird. Dem Bericht zufolge sind derzeit schätzungsweise 3,6 Milliarden der Weltbevölkerung ohne digitalen Zugang, und das in einer Zeit, in der genau dieser für Kommunikation mit anderen essentiell ist. Darüber hinaus wird ihnen durch das Fehlen die Möglichkeit auf Bildung, Gesundheitsinformationen und Telemedizin erheblich erschwert.

Mit Zunahme der Coronavirus-Fälle wächst auch die Sorge über aktuelle sowie langfristige Auswirkungen, die diese weltweite Pandemie auf bestimmte Bevölkerungsgruppen haben wird - insbesondere auf Frauen, Jugendliche, Gastarbeiter und viele Arbeitnehmer auf der ganzen Welt. In ihrem aktuellen Ber[...]

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29. März 2020

Entwicklungsländer brauchen Corona-Hilfe von außen

Kontinuierlich steigen die Fälle in afrikanischen Nationen und auch auf den anderen Kontinenten werden in Ländern mit endemischer Armut immer mehr Infektionen registriert. Damit wächst die Befürchtung, dass einigen Staaten bald große Ausbrüche bevorstehen, mit denen sie nicht fertig werden können. Eine mögliche Lähmung bereits schwacher Gesundheitssysteme hätte nicht nur drastische Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, sondern könnte die Menschen noch weiter in die Armut treiben, so Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Außerdem besteht die Gefahr, dass eine Corona-Epdemie in den Entwicklungsländern ein Wiederaufflammen des Virus in Nordamerika und Europa auslösen könnte, selbst nachdem er bereits unter Kontrolle gebracht worden ist. Um ein solches Szenario zu vermeiden, dürfen reiche Staaten Länder mit schwachen Gesundheitssystemen trotz ihres eigenen Kampfes gegen die Krankheit nicht außer Acht lassen, sagen Experten. „Wohlhabende Nationen sind momentan gänzlich mit der Situation im eigenen Land beschäftigt, es wäre aber auch wichtig, dass sie ärmere Länder im Kampf gegen das Coronavirus mitbedenken“, so Amanda Glassman, Executive Vice President des in Washington ansässigen Global Center for Development.

Wenn die Dinge in weniger entwickelten Ländern nicht unter Kontrolle gebracht werden, könnte dies später den Industrieländern schaden.

Amanda Glassman ( Global Center for Development )

In der vergangenen Woche kam es zu einem beispiellosen Lock-Down in Europa und den Vereinigten Staaten mit weit verbreiteten Schließungen von Schulen, Restaurants, Kinos und Museen. Mehrere Länder in ganz Europa haben ihre Grenzen geschlossen und alle nicht wesentlichen Reisen eingestellt. Und obwohl in den Ländern Afrikas und Südamerikas weitaus weniger Fälle von Krankheiten registriert wurden, glauben viele Gesundheitsexperten, dass diese Zahlen sehr schnell dramatisch ansteigen wird.

Den Gesundheitssystemen in vielen armen Ländern, insbesondere in Afrika, fehlt es bereits jetzt an ausreichend Finanzmitteln und Ressourcen. Versorgungsmöglichkeiten in Krankeneinrichtungen und insbesondere Intensivstationen sind im Allgemeinen viel geringer als in Industrieländern. Studien zufolge hat weniger als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung Zugang zu modernen Gesundheitseinrichtungen.

Einige Länder haben zudem andere endemische Krankheiten, die Folgen jüngster Naturkatastrophen oder große Flüchtlingsströme zu bewältigen. „Südlich der Sahara kämpft man bereits mit dem Ebola-Virus und der Heuschreckeninvasion sowie den damit verbundenen Hungersnöten. Jetzt kommt auch noch der Kampf gegen das Coronavirus hinzu. In vielen Ländern sind die Ressourcen voll ausgeschöpft“, so der internationale Politikexperte Dr. Dan Steinbock. Dr. Ambrose Talisuna vom WHO-Afrikabüro ergänzt, dass jeder größere Covid-19-Ausbruch unweigerlich Einfluss auf das Auftreten und Behandlung anderer Krankheiten hätte.

Wir befürchten, dass die Gesundheitssysteme in einigen afrikanischen Ländern vollständig zum Erliegen kommen könnten.

Dr. Ambrose Talisuna (WHO-Afrikabüro)

Die jüngsten Ebola-Ausbrüche haben gezeigt, dass die Umverteilung der Ressourcen zur Bekämpfung des Virus und seiner Folgen die nationalen Gesundheitssysteme (wie zB in der Demokratischen Republik Kongo) überforderte. „In der Folge starben Menschen an Malaria oder konnten nicht gegen Tuberkulose behandelt werden“, so der WHO Afrika-Beauftragte. Selbst auf Länder mit vergleichsweise besser entwickelten Gesundheitssystemen könnten ähnliche Probleme zu kommen. Südafrika zB hat die weltweit schlimmste HIV/AIDS-Epidemie und die Auswirkungen eines schwerwiegenden Ausbruch des Coronavirus sind derzeit nicht abschätzbar, weder auf den Verlauf einer Covid-19 Infektion bei Menschen mit HIV/AIDS noch auf deren Behandlung. „Wir wissen nicht, was im Zusammenhang mit Covid-19-Infektionen und anderen Erkrankungen wie HIV/AIDS passieren könnte“, bestätigt auch Glassman.

Wenn Menschen nicht mehr reisen und ihren existenzsichernden „kleinen Handel“ betreiben können, stehen sie vor dem Nichts.

Dr. Ambrose Talisuna (WHO-Afrikabüro)

In Lateinamerika, wo mehr als zwei Drittel der Menschen in extremer Armut leben, haben Ärzte bereits vor der Herausforderung gewarnt, die weit verbreitete Coronavirus-Infektionen für Krankenhäuser und Gesundheitspersonal bedeuten könnten. Der brasilianische Arzt und Autor Drauzio Varella schrieb letzte Woche in der Folha de São Paulo: „…. Abhängig von der Geschwindigkeit, mit der sich die Epidemie ausbreitet, kann die Belastung für unser Gesundheitssystem brutal sein.“ Es würde auch zu ernsthaften wirtschaftlichen Konsequenzen kommen. Nicht nur weil die Gesundheitsversorgung mit massiven finanziellen Mittel unterstützt werden müsste, sondern weil Präventionsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen, Geschäftsschließungen und Quarantänen sich unmittelbar auf das Einkommen der Menschen auswirken würde. „Wie wir bei Ebola gesehen haben, kann dies dramatische Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und das Einkommen der Bevölkerung haben.

Dennoch haben nun auch einige der ärmsten Nationen der Welt strenge Maßnahmen eingeführt, um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Unter anderem kam es auch in Ländern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas zu Grenzschließungen und obligatorischen Quarantänen, und das obwohl sich in der Vergangenheit gezeigt hat, dass der Preis für die einzelnen Volkswirtschaften enorm hoch sein kann. „Die drakonischen Maßnahmen, für die sich China entschieden hat, waren sehr kostspielig. Aber alle Alternativen wären viel schlimmer gewesen.“, analysiert Steinbock. Die chinesische Führung hatte sich entscheiden müssen: umfangreiche wirtschaftliche Schäden für ein bis zwei Quartale in Kauf nehmen, um den Virus höchstwahrscheinlich einzudämmen. Oder weitaus größere wirtschaftliche Verwüstungen in Verbindung mit einer drastischen Zunahme von Fällen und Todesfällen.

In ihren Bemühungen, die globale Krise einzudämmen, können es sich entwicklte Volkswirtschaften nicht leisten, die Entwicklungsländer außer Acht zu lassen.

Politikexperte Dr. Dan Steinbock

Aber laut Experten können, und sollen, Entwicklungsländer diese Kosten nicht alleine tragen. Während Kommunalverwaltungen Unternehmen und Einzelpersonen bei Maßnahmen wie Steuererleichterungen, finanzieller Unterstützung durch Kredite und Befreiungen von Zahlungen für Gesundheits- und Sozialversicherungen helfen können, bedarf es darüber hinaus der Unterstützung von außen, argumentieren sie. Anfang dieses Monats stellte die Weltbank 12 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um den Ländern bei der Bewältigung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen des globalen Ausbruchs zu helfen. Der Internationale Währungsfonds kändigte an, 10 Milliarden US-Dollar für Kredite an Länder mit niedrigem Einkommen zur Bekämpfung des Virus zu mobilisieren. Am 13. März haben die WHO und ihre Partner den Covid-19 Solidarity Response Fund ins Leben gerufen, der darauf abzielt, Spenden von Privatpersonen und Unternehmen zu sammeln, um zu globalen Hilfsmaßnahmen beizutragen. In der Zwischenzeit werden Gelder aus bestehenden Mitteln umgeleitet: Beispielsweise kann ein Teil des „Global Fonds for HIV, TB and Malaria“ verwendet werden. Auch der Globale Nothilfefonds der Vereinten Nationen hat 15 US-Dollar zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus haben einzelne Länder ihre Unterstützung im weltweiten Kampf gegen den Coronavirus zugesagt, entweder direkt an andere Staaten und Gesundheitsgruppen, über multilaterale Organisationen oder an die WHO.

Experten sind sich einig, dass Entwicklungsländern jede Hilfe gewährt werden muss, die zur Eindämmung der Krankheit erforderlich ist, unabhängig davon, wie sie finanziert wird. Denn „wenn Infektionen [in armen Ländern] unentdeckt bleiben, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Kombination aus schwachem Gesundheitssystem, vorherrschender Armut und sozialer Instabilität zu einer sekundären Epidemie weltweiten Folgen führen könnte.

Kontinuierlich steigen die Fälle in afrikanischen Nationen und auch auf den anderen Kontinenten werden in Ländern mit endemischer Armut immer mehr Infektionen registriert. Damit wächst die Befürchtung, dass einigen Staaten bald große Ausbrüche bevorstehen, mit denen sie nicht fertig werden kö[...]

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25. März 2020

Pan de Huevo Costina: ein Rezept aus Chile

Die kleine Fabiola aus Santiago de Chile isst für ihr Leben gern die landestypischen süßen Eierbrötchen. Man munkelt, dass eine Klosterschwester das mit Zucker bestäubte Semmerl „erfunden“ hat, um den Schultag der Kinder mit einer kleinen Köstlichkeit aufzulockern.

In der Kindernothilfe-Kindertagesstätte La Victoria ist die Vorfreude auf Pan de Huevo Costina groß. (Foto: Kindernothilfe)
In der Kindernothilfe-Kindertagesstätte La Victoria ist die Vorfreude auf Pan de Huevo Costina groß. (Foto: Kindernothilfe)

Ein Pan de Huevo Costina schmeckt aber nicht nur den Schulkindern in Chile. Und da es in der Zubereitung keine Hexerei ist, steht einer Kostprobe nichts im Weg!

Zutaten:

6 Eigelb
110 g Zucker
4 Eiweiß
1 ½ Tassen Mehl
1 TL Backpulver
110 g Margarine
1 Prise Salz

Pan de Huevo Costina schmeckt nicht nur den Kindern in Chile (Foto: cocinemos.cl)
Pan de Huevo Costina schmeckt nicht nur den Kindern in Chile (Foto: cocinemos.cl)

Und so werden Pan de Huevo Costinas gemacht:

Das Backrohr auf 180 Grad vorheizen.
Die Margarine erhitzen bis sie flüssig ist. Inzwischen Eigelb und Zucker schaumig schlagen. Das Dotter-Zucker-Gemisch und Eiweiß in eine Schüssel geben und nach und nach mit Mehl, Backpulver, Margarine und Salz zu einem Teig verrühren.
Dann den Teig zu einem homogenen Ganzen kneten und kleine runde Semmeln formen. Die Semmeln auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech setzen und mit einem Messer ein Kreuz einritzen. Ca. 30 Minuten lang backen bis sie goldbraun sind.
Auskühlen lassen oder noch lauwarm genießen.

Die kleine Fabiola aus Santiago de Chile isst für ihr Leben gern die landestypischen süßen Eierbrötchen. Man munkelt, dass eine Klosterschwester das mit Zucker bestäubte Semmerl "erfunden" hat, um den Schultag der Kinder mit einer kleinen Köstlichkeit aufzulockern. In der Kindernothilfe-Ki[...]

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20. März 2020

Die Corona-Krise in Lateinamerika

Die Corona-Pandemie verändert auch in Lateinamerika in atemberaubender Geschwindigkeit den Alltag der Menschen. In Peru verhängte die Regierung eine vierzehntägige Ausgangssperre. Schulen, Kindergärten, Universitäten und öffentliche Einrichtungen wurden – wie in Europa – geschlossen. In Ecuador dürfen die Menschen nur noch für bestimmte, lebensnotwendige Besorgungen die Wohnungen verlassen, in Venezuela wurde die zunächst über sieben Bundesstaaten – darunter die Hauptstadt Caracas – angeordnete Quarantäne inzwischen auf das ganze Territorium ausgedehnt. Die meisten Länder des Subkontinents haben ihre Grenzen dichtgemacht. Internationale Flugverbindungen wurden ausgesetzt, während die Zahlen der Infizierten überall schnell ansteigen – einer Entwicklung, der die ohnedies prekären öffentlichen Gesundheitssysteme kaum etwas entgegenzusetzen haben.

Durch Corona ändern sich die Protestformen der Menschen

In Chile, wo sich seit dem Oktober mehrere Millionen Menschen an erbittert ausgetragenen Protesten gegen die Regierung von Präsident Piñera, die autoritäre Verfassung aus der Pinochet-Zeit – sowie die exzessive Polizeigewalt gegen Demonstrierende – beteiligen, rufen soziale Organisationen in Antwort auf die Corona-Pandemie dazu auf, jetzt eben von zu Hause aus, aus dem offenen Fenster, vom Balkon herunter – oder aus dem Vorgarten – zu protestieren: Durch lautstarkes, konzertiertes Töpfeschlagen – eine traditionelle, in Chile seit Jahrzehnten angewandte Widerstandsform. Die zentrale Forderung bleibt unterverändert die nach einer neuen Verfassung und einer sozial gerechteren Gesellschaftsordnung. Auch wenn der Virus die Art zu protestieren in ein neues Format zwingt.

Die Corona-Pandemie verändert auch in Lateinamerika in atemberaubender Geschwindigkeit den Alltag der Menschen. In Peru verhängte die Regierung eine vierzehntägige Ausgangssperre. Schulen, Kindergärten, Universitäten und öffentliche Einrichtungen wurden - wie in Europa - geschlossen. In Ecuado[...]

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7. März 2020

Die Welt bleibt ein „gewalttätiger, hochdiskriminierender Ort“ für Mädchen und Frauen

"Nicht eine (Frau) weniger" des argentinischen Comiczeichners Liniers spiegelt eines der wichtgsten Anliegen des diesjährigen Weltfrauentags am 8. März wider: Das überfällige, dringend notwendige weltweite Engagement gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen! (Lea Huber frei nach Liniers)
„Nicht eine (Frau) weniger“ des argentinischen Comiczeichners Liniers spiegelt eines der wichtgsten Anliegen des diesjährigen Weltfrauentags am 8. März wider: Das überfällige, dringend notwendige weltweite Engagement gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen! (Lea Huber frei nach Liniers)

25 Jahre Fortschritt

25 Jahre nach der historischen Pekinger Frauenkonferenz in China – einem Meilenstein in der Gleichberechtigungbewegung – ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht nur nach wie vor verbreitet, sondern auch weithin akzeptiert, wie der aktuelle UN-Bericht „Eine neue Ära für Mädchen: Bestandsaufnahme über 25 Jahre Fortschritt“ enthüllt.

Obwohl bemerkenswerte Fortschritte für Mädchen hinsichtlich Bildung erzielt wurden, blieb es lediglich bei wenig erfolgreichen Versuchen, ein gleichberechtigteres und weniger gewalttätiges Umfeld für sie zu schaffen.

„Vor 25 Jahren haben sich die Regierungen der Welt den Frauen und Mädchen verpflichtet, aber dieses Versprechen nur teilweise eingelöst.“

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore

Der Bericht streicht heraus, dass 2016 Frauen und Mädchen 70 Prozent der weltweit identifizierten Opfer von Menschenhandel ausmachten. Sie waren auch die Hauptbetroffenen von sexueller Ausbeutung: eines von 20 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren hat in ihrem Leben Vergewaltigungen erleben müssen. „Während die Welt den politischen Willen aufgebracht hat, viele Mädchen zur Schule zu schicken, ist es weithin lediglich ein guter Vorsatz geblieben, sie mit den Fähigkeiten und der Unterstützung auszustatten, die sie brauchen, um nicht nur ihr eigenes Schicksal zu gestalten, sondern auch in Sicherheit und Würde zu leben“, formulierte es die UNICEF-Chefin.

Frauen und Mädchen in Lateinamerika sind besonders gefährdet

Seit der Jahrtausendwende ist gerade in Lateinamerika die Zahl von Feminiziden, Morden und Tötungsdelikten an Frauen und Mädchen massiv gestiegen. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) hat errechnet, dass sich 14 der 25 Länder mit den weltweit höchsten Fallzahlen genderspezifischer Gewalt in Lateinamerika befinden. Die Länder in der Region mit den meisten Frauenmorden sind Brasilien und Mexiko, in Proportion zur Einwohnerzahl führen jedoch El Salvador, Honduras, Guatemala und Bolivien diese traurige Statistik an. Jeden Tag mehr als zwölf Frauen in Lateinamerika getötet, weil sie Frauen sind (UN Women 2017). Die meisten dieser Gewaltverbrechen ereignen sich im familiären Umfeld. Eine der Ursachen für diese extremste Manifestation männlicher Gewalt gegen Frauen sehen lateinamerikanische Sozialwissenschaftlerinnen u.a. in der Deformation männlicher Rollen- und Gesellschaftsbilder durch den Machismo brandbeschleunigt und verstärkt „durch die explizite und implizite Gewalt, die von dem neoliberalen System ausgeht“ (Doris Gonzales, zit. in Deutschlandfunk – 21.06.2017).

Machismo: Männlichkeitswahn bzw. die ideologische Begründung für die angebliche Überlegenheit von Männern über Frauen (Foto: "Frauen gegen Machismo" von Marcela Lara)
Machismo: Männlichkeitswahn bzw. die ideologische Begründung für die angebliche Überlegenheit von Männern über Frauen (Foto: „Frauen gegen Machismo“ von Marcela Lara)

Fehlende Gleichberechtigung

„Eine neue Ära für Mädchen“ wurde im Rahmen der Kampagne zur Generationengleichberechtigung veröffentlicht, um einen weltweiten Dialog über Maßnahmen und Verantwortlichkeiten hinsichtlich Geschlechtergleichstellung zu eröffnen und den 25. Jahrestag der Beijing Declaration und Aktionsplattform zu feiern. „Seit in Peking 1995 zum ersten Mal ein besonderer Schwerpunkt auf „Mädchen“-Probleme gelegt wurde, haben wir zunehmend gehört, dass Mädchen ihre Rechte geltend machen und uns zur Rechenschaft ziehen“, so Phumzile Mlambo-Ngcuka, Exekutivdirektorin der UN-Frauen. „Aber die Welt hat ihre Erwartungen an einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten, ein Leben ohne Gewalt und ihre Hoffnungen auf wirtschaftliche Unabhängigkeit nicht erfüllt.“ Mädchen sind heute einem alarmierenden Risiko von Gewalt in der Schule, zuhause und ihrem Umfeld sowie online ausgesetzt, was zu physischen, psychischen und sozialen Konsequenzen führt. „Eine neue Ära für Mädchen“ befasst sich auch mit kinderrechtsverletzenden Praktiken wie Kinderehe und weiblicher Genitalverstümmelung (FGM), die in das Leben von Millionen von Mädchen auf der ganzen Welt erschüttern und ihre Möglichkeiten nachhaltig vereiteln. So werden jedes Jahr etwa 12 Millionen Mädchen verheiratet, rund 4 Millionen fallen FGM zum Opfer und für viele von ihnen ist das Schlagen von Frauen so legitim wie für ihre männlichen Altersgenossen. „Solange Frauen und Mädchen dreimal mehr Zeit und Energie im Haushalt aufwenden müssen als Männer, bleibt die Chancengleichheit für Mädchen auf einen guten Job in einem sicheren Arbeitsumfeld unerreichbar.“, so die UNO-Frauenchefin. „Zum Wohle aller muss sich das ändern! Und wir müssen sicherstellen, dass die Fähigkeiten, die Mädchen erlernen, für die neuen technischen und digitalen Jobs der Zukunft geeignet sind, und dass die Gewalt gegen sie endet.“

79 Millionen Mädchen mehr in der Schule

Dem Bericht zufolge ist die Zahl der Mädchen ohne Zugang zu Schulbildung in den letzten 20 Jahren um 79 Millionen gesunken. Außerdem haben in den letzten zehn Jahren wahrscheinlich mehr Mädchen als Buben eine weiterführende Schule besucht.

Im Kindernothilfe-Projek in Adama, Äthiopien wird ein erster Schritt in Richtung Chancengleichheit ermöglicht! (Foto: Jakob Studnar)
Im Kindernothilfe-Projek in Adama, Äthiopien wird ein erster Schritt in Richtung Chancengleichheit ermöglicht! (Foto: Jakob Studnar)

Im Gegenzug dazu sind negative Trends für Mädchen im Bereich Ernährung und Gesundheit zu verzeichnen. Die voranschreitende Globalisierung ersetzt die traditionelle Ernährung zunehmend durch prozessierte, ungesunde Lebensmittel sowie zuckerhaltige Getränke, und aggressive Marketingtechniken, die auf Kinder abzielen, heizen den Konsum zusätzlich an. „Der Zugang zu Bildung alleine reicht nicht aus“, sagte die UNICEF-Chefin und fügte hinzu, „wir müssen auch das Verhalten und die Einstellung der Menschen gegenüber Mädchen ändern.“ Indes wird der schlechten psychischen Verfassung, verschärft durch den übermäßigen Einsatz digitaler Technologien, verstärkt Bedeutung beigemessen. „Eine neue Ära für Mädchen“ identifiziert Selbstmord derzeit als zweithäufigste Todesursache bei jugendlichen Mädchen. In Bezug auf das erhöhte Risiko sexuell übertragbarer Infektionen stellt der Bericht fest, dass heute etwa 970.000 jugendliche Mädchen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren mit HIV leben – dies entspricht etwa drei von vier Neuinfektionen bei Jugendlichen weltweit – im Vergleich zu 740.000 Mädchen im Jahr 1995.

„Wahre Gleichberechtigung wird nur dann erreicht werden, wenn alle Mädchen vor Gewalt geschützt sind, ihre Rechte frei ausüben können und Chancengleichheit im Leben genießen können.“

UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore

"Nicht eine (Frau) weniger" des argentinischen Comiczeichners Liniers spiegelt eines der wichtgsten Anliegen des diesjährigen Weltfrauentags am 8. März wider: Das überfällige, dringend notwendige weltweite Engagement gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen! (Lea Huber frei nach Liniers) 25 Ja[...]

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