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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

6. August 2020

Mocochinchi: das Lieblingsgetränk der Bolivianer

Der Mocochinchi ist der traditionelle bolivianische Eistee, hergestellt aus geschälten und getrockneten Pfirsichen. Er wird kalt serviert und ist vor allem in der wärmeren Jahreshälfte eine beliebte Erfrischung für Jung und Alt. Mocochinichi wird im südamerikanischen Andenstaat tatsächlich an fast jeder Straßenecke ausgeschenkt.

Mocochinchi: traditioneller, erfrischender Pfirsicheistee aus Bolivien (© Santa Cruz_Redacion Central
Mocochinchi: traditioneller, erfrischender Pfirsicheistee aus Bolivien (© Santa Cruz_Redacion Central

Zutaten: 2–3 l Wasser, 250–300 g getrocknete Marillen oder Pfirsiche, 4–5 Zimtstangen, 1 EL Gewürznelken

Zubereitung: Die getrockneten Marillen oder Pfirsiche in 1 bis 1,5 Liter Wasser (am besten über Nacht) einweichen. 1 bis 1,5 Liter Wasser dazugeben und eine Stunde köcheln lassen. Dann die Zimtstangen und Gewürznelken dazugeben und noch 45 bis 60 Minuten weiter kochen. Abkühlen lassen und kalt servieren, mit ein bis zwei getrockneten Marillen im Glas – fertig ist das Nationalgetränk der südamerikanischen Andenrepublik.

Der Mocochinchi ist der traditionelle bolivianische Eistee, hergestellt aus geschälten und getrockneten Pfirsichen. Er wird kalt serviert und ist vor allem in der wärmeren Jahreshälfte eine beliebte Erfrischung für Jung und Alt. Mocochinichi wird im südamerikanischen Andenstaat tatsächlich an [...]

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Nach der Gesundheitskrise kommt die Bildungskrise

Gleichberechtigte, inklusive und frei zugängliche Bildung für alle bis 2030 lautet das sogenannte Nachhaltigkeitsziel 4, auch Sustainable Development Goal 4 (SDG4). Aber wie steht es um die Zielerreichung? Kann die selbst gewählte Frist eingehalten werden? Und wie wird die Bildungssituation durch die globale COVID-19 Pandemie mittel- und langfristig beeinflusst?

Baan Doi bieten den KInder einen geregelten Schulalltag (© Jakob Studar)
Baan Doi bieten den KInder einen geregelten Schulalltag (© Jakob Studar)

Schon vor dem Ausbruch der globalen COVID-19 Pandemie waren knapp 260 Millionen Kinder von Bildung ausgeschlossen. Die UNESCO warnte im vergangenen  Jahr: Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir unser Ziel – Bildung für alle – nicht realisieren. Projektionen der UNESCO zeigten: Bei gleichbleibenden Fortschritten, oder treffender formuliert, beim Ausbleiben stärkerer Fortschritte, wird 2030 weiterhin eines von sechs Kindern im schulpflichtigen Alter von Bildung ausgeschlossen sein. Und nur sechs von zehn Jugendlichen werden die weiterführende Schule abschließen.

Persönlichkeitsentwicklung gehört zur Bildung

Im Hinblick auf die Lernerfolge offenbart die sogenannte Learning Crisis die oftmals ungenügende Qualität von Bildung. Denn obwohl Kinder zur Schule gehen, lernen sie dort beispielsweise nicht ausreichend Lesen und Schreiben. Allerdings ist uns von der Kindernothilfe auch wichtig, deutlich zu machen, dass Bildung weit mehr ist als das. Die Entwicklung der Persönlichkeit gehört genauso dazu. Bildung soll dabei helfen, Kinder und Jugendliche auf dem Weg in ein mündiges und selbst verantwortetes Leben zu begleiten. Den Raum dafür bieten insbesondere auch Schulen. Sie haben eine ganz wichtige soziale Funktion für die Entwicklung von Kindern.

Schulklasse in Nairobi, Kenia (© Lars Heidrich)
Schulklasse in Nairobi, Kenia (© Lars Heidrich)

Schon vor der Corona-Krise: Bildung wird in der Entwicklungszusammenarbeit vernachlässigt

Um freie, inklusive und qualitativ hochwertige Bildung für alle zu ermöglichen, war bereits 2019 – also vor der Pandemie – klar: Die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit, die in Bildung fließen, müssen erhöht werden. Die UNESCO schätzte, dass die jährliche Finanzierungslücke in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen ungefähr 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr beträgt. Um diese Lücke zu schließen, müssten sich die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit für Bildung versechsfachen. Wichtig ist aber zu betonen, dass die Partnerländer selbst stärkere Anstrengungen unternehmen. Denn auch sie haben die Pflicht, das Recht auf Bildung zu verwirklichen.

Verschärfte Bedingungen durch die Pandemie

Durch die globale Pandemie verschärft sich die schon vorher bestehende Bildungskrise dramatisch. Durch den Ausbruch von COVID-19 erleben wir nicht nur eine Gesundheitskrise und eine global um sich greifende Rezession, sondern eben auch eine Verschärfung der Bildungskrise. Als Reaktion auf die schnelle Ausbreitung des COVID-19 wurden in den meisten Ländern Schulen und andere Bildungseinrichtungen geschlossen. Im April 2020 – dem bisherigen Höhepunkt der Schulschließungen – gingen vorübergehend laut Angaben der UNESCO 1,5 Milliarden Kinder (90 Prozent aller Kinder weltweit) nicht zur Schule. Das hat dramatische Konsequenzen und die sozialen Kosten sind hoch.

Schon vor der Corona-Krise war Bildung ein Stiefkind in der Entwicklungszusammenarbeit (© Kindernothilfe)
Schon vor der Corona-Krise war Bildung ein Stiefkind in der Entwicklungszusammenarbeit (© Kindernothilfe)

Vergangene Schulschließungen im Rahmen anderer Pandemien, wie dem Ebola-Ausbruch in Sierra Leone und Liberia (von 2014 bis 2016), haben das deutlich gezeigt. Insbesondere die Gefahr der häuslichen und sexuellen Gewalt vor allem für Mädchen steigt. Frühschwangerschaften, die zum Schulabbruch führen, nehmen zu. Schulschließungen stellen auch eine erhebliche psychische Belastung für Kinder dar. Sie vermissen es, ihre Freunde zu sehen, und der Alltag ist geprägt durch Unsicherheit und Langeweile. So äußert sich ein Junge in einem unserer Projekte in Kenia: „Ich bin gezwungen, mich zu beschäftigen, indem ich Aufgaben erledige, die zur langweiligen Routine werden, Bücher lese und Nachrichten schaue, in denen sich alles um COVID-19 dreht.“

Die Gefahr des permanenten Schulabbruchs

Erfahrungen vergangener Krisen haben gezeigt, dass viele Kinder nach eigentlich vorübergehenden Schulschließungen gar nicht mehr zur Schule zurückkehren. Mädchen sind davon besonders betroffen. Gründe dafür gibt es viele: ökonomischer Druck auf die Familien, der auch dazu führt, dass Kinder zum Familieneinkommen beitragen müssen oder aber Frühverheiratung und Schwangerschaft. Die UNESCO befürchtet, dass bis zu 20 Millionen Kinder und Jugendliche als Folge der aktuellen Pandemie nicht mehr zur Schule zurückkehren könnten.

Viele Kinder sind vom Lernen ausgeschlossen

Auch wenn sich Bildungseinrichtungen bemühen, Lernen weiterhin aufrecht zu erhalten, sind doch viele Kinder und Jugendlichen von den Möglichkeiten des Fernunterrichts ausgeschlossen. Hier werden die ungleichen Zugänge zu Bildung sowie der damit einhergehende Digital Divide deutlich. Weltweit haben laut Angaben der UNESCO die Hälfte aller Lernenden keinen Zugang zu einem Computer zu Hause. Und 43 Prozent keinen Internetzugang im Haus. In den Ländern Subsahara-Afrikas sind die Zahlen mit fast 90 Prozent bzw. 82 Prozent noch viel dramatischer. Eine Alternative zu digitalen Lernangeboten stellt die Unterrichtsübermittlung per Fernsehen oder Radio dar. Aber auch hierbei werden viele Kinder ausgeschlossen, da nicht alle über einen Stromanschluss verfügen oder diese Geräte nicht besitzen. Auf Kinder mit Beeinträchtigungen sind die Lernmethoden zumeist auch nicht ausgerichtet und schließen diese somit auch aus. Die Inklusivität der Angebote reicht oft nicht aus.

Kinder haben ein Recht auf Bildung - auch nach der Pandemie (© James Rodriguez)
Kinder haben ein Recht auf Bildung – auch nach der Pandemie (© James Rodriguez)

Die Wiedereröffnung von Schulen

Nach Katastrophen läuft der Wiederaufbau unter dem Motto „build back better“, also sinngemäß, es nach der Krise besser wieder aufzubauen. So auch im Falle der Wiedereröffnung von Schulen. Die bestehenden Mängel der Bildungseinrichtungen werden allerdings nun mehr als deutlich. Bei der Wiedereröffnung von Schulen sollten gewisse Standards und Hygienevorgaben eingehalten werden. Die Kapazitäten dafür sind aufgrund der desolaten Lage der Bildungssysteme in vielen Ländern gering. Lediglich an der Hälfte der Schulen weltweit gibt es die Möglichkeit, seine Hände mit Seife zu waschen – fast 900 Millionen Kinder auf der ganzen Welt können das an ihrer Schule nicht. Die Klassen sind mit bis zu 60 Schülern und Schülerinnen oftmals überfüllt: Distanz halten ist hier unmöglich. Aber politische Koordinations- und Entscheidungsstrukturen können durch die Krise nachhaltig verbessert werden, indem sich relevante Akteure besser vernetzen und stärker untereinander abstimmen.

Investitionen in Bildung sind notwendig

Eine der ersten und wichtigsten Herausforderungen besteht zunächst überhaupt darin, dass Bildung in den Reaktionen auf die Pandemie die nötige Aufmerksamkeit bekommt. Das passiert aber oftmals nicht. In unseren Partnerländern stellen Kinder und Jugendliche ca. die Hälfte der Bevölkerung da, und der Zugang zu Bildung sichert eine bessere Zukunft. Bildung muss somit zwingend im Fokus der Corona-Maßnahmen stehen.

In der aktuellen Not unterstützt die Kindernothilfe gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort Kinder und ihre Familien dort, wo es am notwendigsten ist. Häufig ist es die schiere Überlebenssicherung, indem wir zum Beispiel Lebensmittel bereitstellen. Unsere Partnerorganisationen unterstützen Kinder und Jugendliche auch im Lernen. Zum Beispiel durch Radiounterricht, das Drucken von Lernmaterialien oder die Sicherstellung des Zugangs zur Bildung.

Gleichberechtigte, inklusive und frei zugängliche Bildung für alle bis 2030 lautet das sogenannte Nachhaltigkeitsziel 4, auch Sustainable Development Goal 4 (SDG4). Aber wie steht es um die Zielerreichung? Kann die selbst gewählte Frist eingehalten werden? Und wie wird die Bildungssituation durch[...]

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17. Juli 2020

SDGs, COVID-19 und der Globale Süden

Der Bericht über nachhaltige Entwicklung (SDR) evaluiert jedes Jahr die Leistung aller UN-Mitgliedstaaten hinsichtlich der siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die 2015 von führenden Weltpolitikern verabschiedet wurden. In der aktuellen Version werden unter anderem die Fortschritte in Afrika, Lateinamerika, der Karibik und Südasien sowie die wahrscheinlichen kurzfristigen Auswirkungen von COVID-19 in diesen Regionen erörtert. Zudem wurden fünf Schlüsselmaßnahmen für die internationale Zusammenarbeit identifiziert, um die unmittelbaren Folgen der Gesundheits- und Wirtschaftskrisen in gefährdeten Ländern und Bevölkerungsgruppen anzugehen.

Der SDR2020 zieht Bilanz: Covid-19 zieht an den SDGs nicht spurlos vorbei (© Pica Publishing Ltd)
Der SDR2020 zieht Bilanz: Covid-19 zieht an den SDGs nicht spurlos vorbei (© Pica Publishing Ltd)

COVID-19 hat bis jetzt mehr als 550.000 Menschenleben gefordert und die ganze Welt durcheinandergebracht, ohne dabei eine Region zu verschonen. Seit Juli 2020 wächst die Zahl der täglich neu bestätigten Fälle und Todesfälle aufgrund COVID-19 in Lateinamerika und der Karibik rapide, insbesondere in Brasilien und Mexiko, aber auch in vielen afrikanischen Ländern sowie in Indien. Angesichts eingeschränkter Testkapazitäten in vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen muss zudem von weitaus höheren Dunkelziffern ausgegangen werden. Die effektive Reproduktionsrate (ERR = die durchschnittliche Anzahl von Infektionen, die eine infizierte Person überträgt, wobei ein ERR von weniger als 1 eine wirksame Unterdrückung, ein ERR von über 1 hingegen anhaltende epidemische Zustände anzeigt) liegt in diesen Regionen über 1. Hingegen haben Länder im asiatisch-pazifischen Raum wie Taiwan oder Vietnam das Virus weitgehend im Griff, müssen allerdings weiterhin vorsichtig bleiben.

Das Coronavirus und die SDGs

COVID-19 hat in vielerlei Hinsicht negative Folgen auf die einzelnen Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Beispielsweise rechnet man damit, dass im Jahr 2020 rund 71 Millionen Menschen in extreme Armut zurückgedrängt werden. Solche schwerwiegenden Auswirkungen der Pandemie verstärken sich in Ländern mit niedrigem Einkommen und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, insbesondere im globalen Süden. Obwohl die Coronakrise kaum einen Menschen weltweit verschont hat, sind hilfsbedürftige Menschen, einschließlich gering qualifizierter Arbeitskräfte und Flüchtlinge, weitaus häufiger von Infektionsanfälligkeit, Todesfällen, sinkendem Einkommen und Arbeitslosigkeit betroffen.

SDG#1 "Keine Armut" weltweit zu erreichen ist in weitere Ferne gerückt (© Jakob Studnar)
SDG#1 „Keine Armut“ weltweit zu erreichen ist in weitere Ferne gerückt (© Jakob Studnar)

Rückschritte bei der Zielerreichung

Obwohl die SDGs auch vor COVID-19 in keinem Staat erreicht waren, deutete die Veränderung der entsprechenden Indexwerte zwischen 2010 und 2019 auf eine gewisse Annäherung hin. Dabei verzeichneten Regionen und Einkommensgruppen mit niedrigeren SDG-Ausgangswerten größere „Erfolge“. Insbesondere die Gebiete des Globalen Südens, mit dem Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika und der Karibik, machten im Rahmen der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs zwischen 2000–2015) erhebliche Fortschritte und konnten eine ähnliche Tendenz auch bei den SDGs fortsetzen. Die positivesten Veränderungen in Richtung Umsetzung der siebzehn Nachhaltigen Entwicklungsziele zeigten sich jedoch in Ost- und Südasien. Gleichzeitig traten erhebliche Unterschiede zwischen den Zielen und Ländern an Tageslicht. Während sich Côte d’Ivoire, Burkina Faso und Kambodscha im Sinne der SDGs am stärksten verbessert haben, verschlechterten sich Venezuela, Simbabwe und die Republik Kongo am stärksten.

Globalisierung: Chance und Risiko

Einserseits unterstützt die Globalisierung die rasche Verbreitung von Viren auf der ganzen Welt. Andererseits können Lösungen durch internationale, auf einander abgestimmte Maßnahmen aus Politik, Privatsektor, Zivilgesellschaft und Wissenschaft schneller identifizieren.

Die gegenwärtige Krise, und vor allem die mangeldne Kooperation zwischen den Big Players, läßt den Fluch des globalen Konfliktes anstatt des Segens der globalen Zusammenarbeit aufkommen. Damit erinnert sie an Charles Kindlebergers These von 1929, die die Dramatik der Weltwirtschaftskrise auf das Fehlen einer globalen Führung (oder „Hegemons“) und nicht angemessene Zusammenarbeit zwischen den Großmächten zurückführte. Das Ergebnis, so argumentierte er, war ein Zusammenbruch des globalen Währungs- und Handelssystems.

Globale Zusammenarbeit ist unerlässlich

Der SDR2020 nennt fünf wichtige Maßnahmen der globalen Zusammenarbeit, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Krise anzugehen:

Einsatz wirksamer Strategien zur Bekämpfung von COVID-19, wie sie in den Regionen Ostasien und Pazifik verabschiedet wurden. In diesem Zusammenhang ist die Initiative durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur raschen und erleichterten Verbreitung bewährter Verfahren gefragt. Dies ist eines der Ziele der neu geschaffenen Lancet-Kommission für COVID-19 unter dem Vorsitz des SDSN-Präsidenten und führenden Ökonomen Jeffrey Sachs.

Stärkung der Finanzierungsmechanismen für Entwicklungsländer. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde für globale Krisen wie diese geschaffen. Es benötigt umfassende Schlagkraft, einschließlich eines weitaus größeren Spielraums, um Kredite entweder im Rahmen bestehender Verfahren oder durch die Neuausgabe von Sonderziehungsrechten (SZR) zu vergeben. Private Gläubiger müssen fällige Schulden refinanzieren oder aktivieren.

Bekämpfung von sogenannten Hunger-Hotspots. Dabei ist globale Unterstützung für die führenden Organisationen der Vereinten Nationen, wie dem Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und dem Welternährungsprogramms (WFP), nötig. Nur so können drohende Hungerkrisen und Ernährungsunsicherheiten am besten bekämpft werden.

Sicherung sozialen Schutzes. In ihren Reaktionen auf die Corona-Krise sollten Regierungen neue Instrumente und Maßnahmen zur Gewährleistung sozialen Schutzes fördern. Dies schließt den neuen Globalen Fonds für Sozialschutz ein, der bereits vor der aktuellen Pandemie im Rahmen des SDG #1 (Keine Armut) vorgeschlagen wurde und jetzt noch mehr denn je benötigt wird.

Förderung neuer Medikamente und Impfstoffe. Die Finanzierung von Forschung und Entwicklung (F&E) für COVID-19-Medikamente und -Impfstoffe ist ein dringendes globales öffentliches Anliegen. Denn ohne globale Zusammenarbeit wird F&E unzureichend und doppelt vorhanden sein. Auch im Falle von Forschungserfolgen ist wiederum globale Zusammenarbeit erforderlich, um die Massenproduktion und -versorgung sicherzustellen.

Schließlich unterstreicht der SDR2020 den Bedarf an unmittelbarerer und detaillierterer Daten in vielen Teilen der Welt, insbesondere im globalen Süden, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 auf verschiedene Bevölkerungsgruppen analysieren und ihnen entgegenwirken zu können.

Ohne internationale Solidarität geht es nicht

In Zukunft muss es für jede Regierung vorrangig sein, die Verbreitung des Virus weiter einzudämmen und zu verhindern. Solange COVID-19 weiterhin mehr und mehr Menschen in Afrika, Lateinamerika, der Karibik und Südasien infiziert und ein geeigneter Impfstoff bzw. Medikament fehlt, sind die Stärkung der öffentlichen Gesundheitssysteme, die Verfügbarkeit persönlicher Schutzausstattung und groß angelegte Tests essentiell. Darüber hinaus braucht es internationale Solidarität und Partnerschaften, um gesundheitliche, wirtschaftliche und humanitäre Krisen bekämpfen und verhindern zu können und letztlich kurz- als auch langfristige, größere Rückschläge bei den SDGs zu vermeiden.

Internationale Solidarität sind in Zeiten gesundheitlicher, wirtschaftlicher und humanitärer Krisen unerlässlich. (© Kindernothilfepartner)
Internationale Solidarität sind in Zeiten gesundheitlicher, wirtschaftlicher und humanitärer Krisen unerlässlich. (© Kindernothilfepartner)

Das UN-Netzwerk für nachhaltige Entwicklungslösungen (SDSN) hat kürzlich in Zusammenarbeit mit Esri und National Geographic die neue Plattform SDGs Today mit regelmäßig aktualisierten, thematisch aufbereiteten Echtzeitdaten für die SDGs gestartet.

Der Bericht über nachhaltige Entwicklung (SDR) evaluiert jedes Jahr die Leistung aller UN-Mitgliedstaaten hinsichtlich der siebzehn Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs), die 2015 von führenden Weltpolitikern verabschiedet wurden. In der aktuellen Version werden unter anderem die Fortschritte [...]

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In Brasilien ist die arme Bevölkerung besonders gefährdet

Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich in Brasilien bereits mit dem Coronavirus infiziert. Die Krise verschärft sich in dem größten Land Lateinamerikas immer mehr und trifft besonders die arme Bevölkerung am härtesten. Christiane Rezende, Regionalkoordinatorin der Kindernothilfe in Brasilien, beantwortet im Interview Fragen zur aktuellen Situation.

Hilfspakete der Regierung kommen kaum oder nur schleppend bei der ärmeren Bevölkerung an. (Foto: Kindernothilfe)
Hilfspakete der Regierung kommen kaum oder nur schleppend bei der ärmeren Bevölkerung an. (Foto: Kindernothilfe)

Wie geht die brasilianische Bevölkerung mit der Situation um?

Christiane Rezende: Viele Menschen befolgen die Regeln. Sie halten Abstand, waschen sich regelmäßig die Hände und tragen Masken. Andererseits gibt es auch Menschen, die die Anweisungen ignorieren, weil sie denken, es betrifft sie nicht. Viele können sich aber auch schlicht nicht an die Hygiene-Regeln halten, da sie zum Beispiel keinen Wasseranschluss zu Hause haben. Insbesondere arme Menschen sind von Corona-Infektionen betroffen. Das liegt an der mangelnden Infrastruktur in den Gemeinden, den prekären Wohnverhältnissen und der Abhängigkeit von dem schlechten Gesundheitssystem. Viele vermeiden es, sich in ärztliche Behandlung zu begeben, aus Angst, sich anzustecken. Hilfspakete der Regierung kommen kaum oder nur schleppend bei der ärmeren Bevölkerung an. Die einkommensstärkere Bevölkerung ist oftmals insoweit privilegiert, als dass sie zurzeit nicht zwingend aus dem Haus muss, um Geld zu verdienen.

Wie leben die Kinder mit der Pandemie?

Christiane Rezende: Die Folgen der Pandemie machen uns Sorgen – vor allem für Kinder und Jugendliche. Sie leiden unter emotionalem und psychischem Stress, der durch ihren veränderten Alltag, ihre teils verzweifelten Eltern und auch durch häusliche Gewalt entsteht. Die Partner der Kindernothilfe klären Familien über die Betreuung ihrer Kinder und über ein gewaltfreies Leben im Haushalt auf. Teilweise machen unsere Partner Hausbesuche, um nach den Kindern von Familien zu schauen, bei denen bereits häusliche Gewalt aufgetreten ist.

Mit welchen neuen Herausforderungen sind Sie in den Projekten seit der Corona-Pandemie konfrontiert?

Christiane Rezende: Zurzeit arbeiten die Kindernothilfe und ihre Partner in all unseren Projekten viel seltener direkt mit den Kindern. In den Fällen, in denen vor Ort gearbeitet wird, wurden die Teams verkleinert. Der größte Teil der Arbeit konzentriert sich darauf, Menschen über Corona-Präventivmaßnahmen zu informieren. Familien, die fast keine oder nur wenige Grundnahrungsmittel haben, da sie momentan nicht arbeiten können, versorgen wir mit Hygieneprodukten und Nahrungsmitteln.

Familien, die sich nicht selbst versorgen können, bekommen Hygieneprodukte und Nahrungsmittel. (Foto: Kindernothilfe)
Familien, die sich nicht selbst versorgen können, bekommen Hygieneprodukte und Nahrungsmittel. (Foto: Kindernothilfe)

Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die Beratung sowie die emotionale und psychologische Unterstützung von Familien. Diese Soforthilfemaßnahmen brauchen aber Zeit. Die Bürokratie und die prekäre Infrastruktur machen es schwierig, die vielen Familien zu erreichen. Unsere Teams beachten natürlich alle Schutzmaßnahmen, um eine Ansteckung zu vermeiden. Aufgrund der Abstandsregeln werden die Mitarbeitenden der Projekte immer wieder neu kreativ und versuchen zum Beispiel mithilfe virtueller Kommunikation wie WhatsApp und Facebook den Kontakt zu den Familien aufrecht zu erhalten. So können sie Kindern zum Beispiel spielerisch erklären, wie sie sich vor Covid-19 schützen können.

Obwohl die Zahl der Corona-Infektionen in Brasilien dramatisch zunimmt, gibt es keinen einheitlichen Weg in der Politik, um das Virus einzudämmen. Inwieweit beeinflussen politische Meinungsverschiedenheiten die Arbeit der Projekte?

Christiane Rezende: Der Präsident Jair Bolsonaro verharmloste die Pandemie zwischenzeitlich als „kleine Grippe“. Er setzt auch weiterhin seinen vollen Fokus auf die Wirtschaft und hatte keine Maßnahmen zur Eindämmung treffen wollen. Die Gouverneur*innen der Bundesstaaten und Gemeinden hingegen nehmen Covid-19 ernst, verhängen eigene Maßnahmen und sprechen sich teils offen gegen die Politik von Präsident Bolsonaro aus. Die verschiedenen Meinungen der Politiker*innen führen bei Teilen der Bevölkerung zu Angst und Unsicherheit. Die Menschen wissen nicht, was nun wirklich stimmt und welche Politiker*innen mit ihren (restriktiven) Maßnahmen Recht haben. Kommunikation und Austausch zwischen ihnen gibt es nicht. Das sorgt für wenige oder falsche Informationen und für Wut und Hass unter den Menschen, die anders denken und handeln. Eine traurige Realität, die wir erleben. Daher ist es wichtiger denn je, andere Menschen zu respektieren und tolerant zu sein. Dazu tragen auch unsere Partner bei. In ihren Projekten geben sie Familien, Kindern und Jugendlichen konkrete Informationen. Dies sorgt für mehr Sicherheit und stärkt den Dialog untereinander.

Was sind die langfristigen sozialen Folgen der Pandemie für die Menschen in Brasilien, insbesondere für Kinder und Familien?

Christiane Rezende: Die soziale Ungleichheit in Brasilien vergrößert sich immer mehr und die unterschiedlichen politischen Maßnahmen tragen maßgeblich dazu bei. Hinzu kommt, dass diese Maßnahmen nicht langfristig geplant sind. Es gibt kaum Programme wie Kurzarbeit oder Soforthilfe und viele Menschen, die bereits ihren Arbeitsplatz verloren haben, werden sehr wahrscheinlich auch in einigen Monaten keine neue Anstellung finden.

Was brauchen die Menschen am dringendsten und wie kann die internationale Staatengemeinschaft sie unterstützen?

Christiane Rezende: Es ist sehr wichtig, dass die internationale Staatengemeinschaft die Finanzierung von sozialen und humanitären Projekten aufrechterhält. Zu Beginn der Pandemie sollte es von der Regierung einen finanziellen Zuschuss von 200,00 R$ pro Monat (ungefähr 34 Euro) pro Familie geben. Es war ein Kampf im Nationalkongress, diese Hilfe auf 600,00 R$ pro Monat (circa 102 Euro) zu erhöhen. Diese Hilfe wird es aber nicht länger als drei Monate geben. Das wird für die meisten Familien und ihre Kinder nicht reichen. Daher ist die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft für Brasilien umso wichtiger.

Welche Perspektiven für die Projektarbeit wurden bisher aus den Erfahrungen mit der Pandemie gewonnen und wie können diese umgesetzt werden?

Christiane Rezende: Kreativität und Kommunikation waren und bleiben auch in Zukunft sehr wichtig. Wir haben neue Arbeitsformen entwickelt. Zum Beispiel arbeiten wir nun mit Medien und sozialen Netzwerken, um mit den gefährdetsten Familien in Kontakt zu bleiben. Wir arbeiten weiter daran, dass immer mehr Familien Zugang dazu haben und so Betreuung und Schutz für Kinder geschaffen werden können. Außerdem hat sich gezeigt, dass Projekte zur Weiterbildung und politischen Einflussnahme notwendig sind.
Der Mangel an politischer Beteiligung der armen Bevölkerungsschichten in Brasilien trägt dazu bei, dass sich einige zum Beispiel politischen Ideologien rechtsextremer Gruppen anschließen oder Fake News verbreiten. Das führt dazu, dass die mit viel Einsatz durchgesetzten Menschenrechte, wie das Recht auf eine stabile öffentliche Gesundheitsversorgung, ignoriert werden. Viele Brasilianer*innen sterben ohne behandelt zu werden, weil das Gesundheitssystem Jahr für Jahr schlechter wird.

Mehr als eine halbe Million Menschen haben sich in Brasilien bereits mit dem Coronavirus infiziert. Die Krise verschärft sich in dem größten Land Lateinamerikas immer mehr und trifft besonders die arme Bevölkerung am härtesten. Christiane Rezende, Regionalkoordinatorin der Kindernothilfe in Bra[...]

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30. Juni 2020

Die Kinder vom Bauarbeiterlager

In Thailand gibt es offiziell zwar nur knapp über 3.150 bestätige Fälle, doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich um vieles darüber. Besonders den Kindern, die schon vor der Krise unter unzumutbaren Bedingungen lebten, machen die Auswirkungen der Pandemie zu schaffen.

Neung lebt in einem thailändischen Bauarbeiterlager (Foto: Kindernothilfe)
Neung lebt in einem thailändischen Bauarbeiterlager (Foto: Kindernothilfe)

Zwei Stunden Schreibpraxis am Tag

Sai gehört dazu. Er ist elf Jahre alt und lebt in einem Lager in der Nähe der Großbaustellen, auf denen die Migranten aus Myanmar ihren kargen Lebensunterhalt verdienen. Sai wohnt dort gemeinsam mit seiner Mutter in einem kleinen Zimmer. Auch sein Alltag hat sich verändert, denn wie viele Kinder weltweit kann er derzeit nicht zur Schule gehen. Momentan sieht es so aus, als könnten die Schulen in Thailand jetzt im Juli wieder öffnen. Bis dahin übt er das englische und thailändische Alphabet – jeden Tag zwei Stunden in seinem Buch. So kann er wenigstens einen Teil seiner Zeit zum Lernen nutzen.

Sai bei seinen Schulaufgaben (Foto: Kindernothilfe)
Sai bei seinen Schulaufgaben (Foto: Kindernothilfe)

„Wenn wir das Virus loswerden können, können wir sehr bald zur Schule gehen“

Ähnlich geht es auch Neung. Auch er lebt in einem Bauarbeiterlager, gemeinsam mit seinem Vater, seiner Mutter und der einjährigen Schwester. Wenigstens hat der Vater durch die Corona-Krise nicht seinen Job als Bauarbeiter verloren und kann weiterhin in Thailand arbeiten gehen.

Dem Zwölfjährigen fehlt sein normaler Alltag: zur Schule gehen, lernen, Freunde sehen. Besonders die Bewegungsfreiheit vermisst er, denn es gelten strenge Ausgangsbeschränkungen wegen der Ansteckungsgefahr. Also muss er sich die Zeit anders vertreiben. Er passt für seine Mutter auf die einjährige Schwester auf, versucht mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben und geht seiner größten Leidenschaft nach: künstlerisch zu arbeiten. Kunst ist auch sein Lieblingsfach in der Schule. Seine große Hoffnung: „Wenn wir das Virus loswerden, können wir bald wieder zur Schule gehen.“

Baan Dek Foundation-Sozialarbeiterin im Gespräch mit Neung (Foto: Kindernothilfe)
Baan Dek Foundation-Sozialarbeiterin im Gespräch mit Neung (Foto: Kindernothilfe)

Partner vor Ort packt mit an

Schon vor der Pandemie spielte die thailändische Partnerorganisation Baan Dek Foundation (BDF) eine wichtige Rolle in Neungs Leben. Zwar ist der Zwölfjährige in Thailand geboren, da aber seine Eltern aus Myanmar stammen, bekam Neung keinen thailändischen Pass. Damit blieben ihm viele Rechte verwehrt, zum Beispiel der Schulbesuch oder der Zugang zu Medikamenten im Krankheitsfall. BDF-Sozialarbeiter haben ihm geholfen, die thailändische Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Auch Sai hat unser Partner nachhaltig unterstützt. Wegen einer Muskelerkrankung kann er nicht laufen. BDF-Mitarbeiter begleiteten ihn zu ärztlichen Untersuchungen und verhalfen ihm zu einem Rollstuhl. Auf diese Weise kann er mit Freunden spielen, anstatt immer zu Hause bleiben zu müssen – jedenfalls war das vor Corona so.

Unterstützung auch während Corona

Gerade in diesen schwierigen Zeiten unterstützt BDF benachteiligte Familien. BDF-Mitarbeiter besuchen sie regelmäßig und versorgen sie mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten. Und für die Kinder? Für sie gibt es zusätzliche Unterrichtsmaterialien, damit die Corona-Krise ihr Bildungschancen nicht völlig vereitelt.

In Thailand gibt es offiziell zwar nur knapp über 3.150 bestätige Fälle, doch die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich um vieles darüber. Besonders den Kindern, die schon vor der Krise unter unzumutbaren Bedingungen lebten, machen die Auswirkungen der Pandemie zu schaffen. Neung lebt in ein[...]

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