Spendenshop Suche
Jetzt spenden Pate werden

KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

24. Oktober 2020

Demokratischer Neubeginn in Chile?

Die Hoffnung lebt: Fast 15 Millionen wahlberechtigte Chileninnen und Chilenen stehen an diesem Sonntag vor der wohl wichtigsten Entscheidung seit dem legendären Plebiszit vom 5. Oktober 1988. Für oder gegen eine neue Verfassung? Sowie darüber, wer diese Verfassung ausarbeiten soll?

Aufstände im Oktober 2019 in Chile. (Foto: Jürgen Schübelin)
Aufstände im Oktober 2019 in Chile. (Foto: Jürgen Schübelin)

Vor mehr als 30 Jahren ging es um die Frage, ob Diktator Pinochet weitere neun Jahre uneingeschränkt herrschen kann – oder stattdessen ein demokratischer Übergangsprozess eingeleitet wird. Zur Überraschung des Regimes gewann das „No“. Die Militärs mussten abtreten. Heute steht die Entscheidung darüber an, die von dem Pinochet-Regime 1980 oktroyierte Verfassung mit ihren starren, autoritären Korsettstangen – kombiniert mit einem ultra-neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell – endlich überwinden zu können.

Zur Option stehen zwei Modelle: Ein gemischtes Gremium, das sich zur Hälfte aus Parlamentsabgeordneten und zusätzlich zu wählenden Delegierten zusammensetzt – oder eine ausschließlich für diese Aufgabe neu zu wählende verfassungsgebende Versammlung mit breiter Beteiligung aus der Zivilgesellschaft. „Dass dieser Prozess jetzt endlich überhaupt in Gang kommt, erfüllt uns mit Enthusiasmus“, sagt José Horacio Wood, der Direktor der Kindernothilfe-Partnerorganisation Fundación ANIDE in Santiago de Chile. „Worauf es jetzt ankommt“, so José Horacio, „ist, die Menschen zu mobilisieren, am Sonntag zur Abstimmung zu gehen – und so einen klaren Unterschied zu den Präsidentschaftswahlen vom November 2017, als sich gerade einmal 46,7 Prozent der Stimmberechtigten beteiligten, zu markieren. Ich hoffe inständig, dass wir das schaffen!“ Seine Kollegin Claudia Vera, Programm- und Projektkoordinatorin im ANIDE-Team, fügt hinzu: „Die Menschen hier in den Vierteln sind voller Zuversicht! Hoffentlich gelingt es uns endlich, ein demokratisches Chile zu schaffen, um das wir seit Jahrzehnten kämpfen, mit mehr Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit und einem funktionierenden Rechtsstaat.“         

Demokratie, Du gefällst mir, aber … Du wirkst irgendwie abwesend…

Es war die chilenische Zivilgesellschaft und all diejenigen, die sich seit einem Jahr an den Massenprotesten im ganzen Land  – genannt „Estallido Social“ – beteiligten, die der rechtskonservativen Regierung des Multimilliardärs Sebastian Piñera dieses Verfassungsreferendum abrangen. Ursprünglich hätte die Volksabstimmung bereit am 26. April stattfinden sollen. Wegen der Corona-Pandemie entschied die Regierung jedoch, das Plebiszit auf den 25. Oktober zu verschieben. Auslöser des „Estallido Social“ waren am 18. Oktober 2019 die Erhöhung der Ticketpreise für die Metro von Santiago gewesen, kombiniert mit empfindlichen Preissteigerungen bei den Stromrechnungen. Sehr schnell richteten sich die Proteste im Oktober 2019 gegen die – an den hohen Lebenshaltungskosten gemessen – viel zu niedrigen Löhne im Land, gegen die hohen Kosten für Bildung und Gesundheit und die seit dem Ende des Militärregimes 1990 kontinuierlich weiter gewachsene Kluft zwischen Arm und Reich. Auf ihrem Höhepunkt beteiligten sich mehr als eine Million Menschen an Protestkundgebungen – und machten damit die „Estallido Social“-Demonstrationen zu größten in der Geschichte des lateinamerikanischen Landes.

Ein Jahr Estallido Social in Chile - die Protagonistinnen und Protagonisten könnten nicht unterschiedlicher sein. (Foto Jürgen Schübelin)
Ein Jahr Estallido Social in Chile – die Protagonistinnen und Protagonisten könnten nicht unterschiedlicher sein. (Foto Jürgen Schübelin)

Neben der Ablehnung des neoliberalen Wirtschaftssystems ging es dabei von Anfang an um die Forderung nach einer demokratischen Verfassung, die das vom Pinochet-Regime in den achtziger Jahrenoktroyierte Grundgesetz ersetzten sollte. 36 Menschen verloren während der zurückliegenden zwölf Monate bei den immer brutaler geführten Auseinandersetzungen zwischen Spezialkräften der Polizei und Demonstrierenden das Leben, 11.600 Personen wurden – zum Teil sehr schwer – verletzt. Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 25.000 Verhaftungen seit dem Beginn der Protestwelle. Die exzessive Brutalität der Polizei, immer wieder gerade auch gegen Kinder und Jugendliche, beschäftigte sogar die Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen. Die Kindernothilfe-Partnerorganisationen in Chile meldeten sich – gemeinsam mit Kinderrechts-Netzwerken – lautstark öffentlich zu Wort – und prangerten Repression und Polizeiwillkür an.  

Die zurückliegenden zwölf Monate in Chile – mit all ihrer Dramatik und politischen Bedeutung weit über das südamerikanische Land hinaus – machten aber auch eindrucksvoll deutlich, welche Vitalität, Kreativität und Ausdauer Nachbarschaftsorganisationen, Frauenrechtsinitiativen, Berufsverbände, Indigenen-Bündnisse – und Initiativen von Schülern und Studierenden entwickelten, um diesen Prozess voranzutreiben. Eine ganz wichtige Rolle dabei spielten Künstlerinnen und Künstlern, die mit Theater und Musik, in literarischen Texten, mit Bildern – aber auch eindrucksvollen Filmen – den „Estallido Social“ reflektierten und dokumentierten. Einer dieser Dokumentarfilme, an dem 24 Chileninnen und Chilenen im Alter zwischen 16 und 73 Jahre mit ihren ganz unterschiedlichen Perspektiven und Visionen mitwirkten, wurde am 18. Oktober in Santiago online uraufgeführt. Bereits der Trailer dieses Films ist sehenswert und die ausgewählten Bilder und Szenen sprechen einfach für sich:  

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.elmostrador.cl zu laden.

Inhalt laden

Die Hoffnung lebt: Fast 15 Millionen wahlberechtigte Chileninnen und Chilenen stehen an diesem Sonntag vor der wohl wichtigsten Entscheidung seit dem legendären Plebiszit vom 5. Oktober 1988. Für oder gegen eine neue Verfassung? Sowie darüber, wer diese Verfassung ausarbeiten soll? Aufstände [...]

weiterlesen
15. Oktober 2020

Mädchen wehren sich gegen Gewalt – laut und bunt

Das Leben in Lateinamerika ist von Gewalt geprägt. Besonders Mädchen sind gefährdet. Doch unser bolivianischer Partner PASOCAP packt mithilfe des Projektes Time 2 Talk dieses Problem an der Wurzel und unterstützt die Betroffenen dabei, sich zu wehren – zum Beispiel mit einem Karnevalsumzug durch die Straßen von Potosí!

Karnvelasumzug in Bolivien. (Foto: Kindernothilfepartner)
Karnvelasumzug in Bolivien. (Foto: Kindernothilfepartner)

Gewalt in Lateinamerika

Wie in anderen Ländern Lateinamerikas bestimmt auch in Bolivien Gewalt das Leben der Menschen. Besonders Kinder leiden darunter. Oft können sie der Gewalt nicht entkommen – ob zu Hause, in der Schule oder sogar auf dem Spielplatz. Für viele Kinder ist Gewalt Teil des täglichen Lebens, auch gegenüber Gleichaltrigen.

Zum Beispiel Evelin. Die 16-Jährige lebt zusammen mit ihren Eltern und kleinen Brüdern. Doch zu Hause gab es oft Spannungen: Sie sprachen nicht miteinander, und oft stritten die Eltern und schlugen sich auch gegenseitig. Evelin fühlte sich hilflos und wusste nicht, wie sie das unterbinden sollte. Das Verhalten der Eltern färbte auf Evelin ab und sie fing an, ihre kleinen Brüder schlecht zu behandeln. Sie wusste selbst, dass es nicht richtig war, Probleme mit Gewalt zu lösen, weil es, wie sie sagt, „absurd und schmerzhaft ist“. Sich selbst beschreibt sie als „zähes Kind“. Die ständige Gewalt brachte sie dazu zu glauben, sie müsste jeden Schlag, den sie erhält, mit beiden Händen zurückgeben.

Besonders für Mädchen und junge Frauen ist die Gewalt in Lateinamerika eine tägliche Bedrohung. (Foto: Kindernothilfe)
Besonders für Mädchen und junge Frauen ist die Gewalt in Lateinamerika eine tägliche Bedrohung. (Foto: Kindernothilfe)

Zeit zu reden!

Der bolivianischer Kindernothilfe-Partner PASOCAP will den Kindern und Jugendlichen aus der Spirale aus Armut und Gewalt heraushelfen. Deshalb hat er – wie viele andere Partnerorganisationen – an der erfolgreichen Kampagne Time 2 Talk – Zeit zu reden (T2T) mitgewirkt. Eines der Ergebnisse war die Gründung eines Kinderkomitees. Dessen Teilnehmer entschieden sich dafür, das Thema häusliche Gewalt genauer unter die Lupe zu nehmen, und organisierten verschiedene Workshops dazu.

Lernen und Wissen weitergeben

Auch Evelin nahm an den Trainingsworkshops teil – und begriff allmählich, dass sie sehr gewalttätig war. Doch es war noch nicht zu spät! Und das Beste: Sie konnte das Problem selbst lösen. Die 16-Jährige begann also, an sich zu arbeiten und mit ihren Eltern über das Gelernte zu sprechen. Sie erklärte ihnen, dass Schläge, aber auch Beleidigungen und fehlende Rücksichtnahme Gewalt wären.

„Wir verbrachten einen ganzen Nachmittag mit Entschuldigungen, und zwischen den Tränen beteuerten wir, dass wir uns ändern wollten“, berichtete Evelin beim nächsten Treffen des Kinderkomitees. Doch dabei blieb es nicht: Alle Eltern sollten erfahren, wie sehr Gewalt die Beteiligten schädigt und verletzt.

Also organisierte das Kinderkomitee eigene Workshops. An einem dieser Workshops nahm auch der Vater der 15-jährigen Magaly teil. Und tatsächlich: Auch er sah ein, dass Gewalt und Erziehung nicht zusammenpassen und dass Schläge keine Probleme lösen. Für Magaly und ihre Geschwister ist das eine Riesenerleichterung: Sie freuen sich, dass der gemeinsame Alltag nun viel leichter ist.

Die beiden Mädchen vom Kinderkomitee bereiten sich auf den Karneval vor, um für mehr Schutz vor Gewalt zu demonstrieren. (Foto: Kindernothilfepartner)
Die beiden Mädchen vom Kinderkomitee bereiten sich auf den Karneval vor, um für mehr Schutz vor Gewalt zu demonstrieren. (Foto: Kindernothilfepartner)

Karnevalsfest gegen Gewalt

Krönender Höhepunkt war die Teilnahme vieler Schüler am traditionellen Karnevalsfest, um so auch die breite Öffentlichkeit gegen Gewalt an Kindern zu mobilisieren. Mit Bannern, Luftballons und bunten Masken ausgestattet zogen rund 1.200 Mädchen und Buben samt Lehrern durch Potosís Straßen und sangen dabei ihre selbst getexteten Lieder gegen Gewalt. Das war nicht nur laut und bunt, es hat ihnen auch einen Riesenspaß gemacht!

Advocacy Action des CAC/Kinderkommittee in Bolivien bei unserer Partnerorganisation Pasocap. Demonstration/Lauf an Karneval für mehr Schutz vor Gewalt. (Foto: Kindernothilfepartner)
Advocacy Action des CAC/Kinderkommittee in Bolivien bei der Kindernothilfe-Partnerorganisation Pasocap. Demonstration/Lauf an Karneval für mehr Schutz vor Gewalt. (Foto: Kindernothilfepartner)

„Nein zu häuslicher Gewalt“!

Die Aktionen der Kinder waren also ein großer Erfolg und zeigen, was Beteiligung und Mitsprache bewirken. „Im Kinderkomitee haben wir viele Aktivitäten durchgeführt, die uns und unseren Familien geholfen haben. Gewalt kann uns ins Gefängnis bringen oder unser Leben ruinieren“, erzählt Magaly. „Jetzt ist mein Weg besser, dank der Workshops und Time to Talk.“

Auch Evelin ist zufrieden und sogar stolz auf die Erfolge der Gruppe. Mit ihrem Programm haben die Mädchen das Gefühl, dass Gewalt keine dominierende Rolle mehr in den Familien spielt. Evelin kann wieder lächeln und genießt den neuen Umgang miteinander in ihrer Familie. Und sie geht noch einen Schritt weiter. „Ich kann jetzt meinen Freunden helfen, kann sie beraten, mit ihnen reden und mit ihnen scherzen. Ich helfe gerne den Menschen, die meine Unterstützung brauchen“, berichtet sie.

Die Mitglieder aus dem Kinderkomitee sind fest entschlossen: Nein zu häuslicher Gewalt und Nein zu sozialer und kultureller Gewalt!

Das Leben in Lateinamerika ist von Gewalt geprägt. Besonders Mädchen sind gefährdet. Doch unser bolivianischer Partner PASOCAP packt mithilfe des Projektes Time 2 Talk dieses Problem an der Wurzel und unterstützt die Betroffenen dabei, sich zu wehren – zum Beispiel mit einem Karnevalsumzug dur[...]

weiterlesen
9. Oktober 2020

„Es reicht nicht, sich nur zu beklagen“

Umweltverschmutzung und Klimawandel sind in Südindien allgegenwärtig. Im Rahmen eines Kindernothilfe-Projekts haben sich daher Jugendliche zu eigenen Umweltschutzgruppen formiert – und kämpfen für sich und ihre Gemeinden für eine klimafreundlichere Zukunft.

Die Kinderbewegung für Klimagerechtigkeit, kurz CMCJ, setzt sich in mehreren südindischen Bundesstaaten für Umweltschutz ein. (Foto: Kindernothilfe)
Die Kinderbewegung für Klimagerechtigkeit, kurz CMCJ, setzt sich in mehreren südindischen Bundesstaaten für Umweltschutz ein. (Foto: Kindernothilfe)

„Praise the environment and nature, for what it brings to us, ehren wir die Natur für das, was sie uns bringt“, singen die elf Mädchen und Buben mit lauten Stimmen. „Denn es ist unsere Verantwortung, sie zu erhalten.“ In einem Sitzkreis beginnen sie ihr monatliches Treffen. „Children Movement for Climate Justice“, kurz CMCJ, nennt sich die Kinderbewegung für Klimagerechtigkeit, der sie angehören – angeleitet werden sie von zwei Projektmitarbeitern. Es geht um Umweltschutz, um Klimawandel, um Maßnahmen, die jeder treffen kann, selbst Kinder. Und es geht um das aktuell sehr brisante Thema Wasser.

Seit Monaten hat es hier in Poondi Block im südöstlichen Indien nicht mehr wirklich geregnet, die Bevölkerung der 15 umliegenden Dörfer leidet schwer unter dem akuten Wassermangel. Die elf Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren haben sich daher seit vielen Wochen ganz diesem Thema gewidmet. Und einen Lösungsansatz entwickelt: Der See der Umgebung wurde in einer Gemeinschaftsaktion gesäubert. Nun werden die Familien der umliegenden Dörfer mit einem Straßentheaterstück dafür sensibilisiert, den kleinen See in Zukunft sauber zu halten, keine Abfälle oder sonstigen Unrat mehr hineinzuwerfen. So soll das Wasser für die Trinkwasserversorgung und den täglichen Hygienebedarf genutzt werden können.

Der See ist endlich wieder sauber. (Foto: Kindernothilfe)
Der See ist endlich wieder sauber. (Foto: Kindernothilfe)

Warum mit einem Theaterstück kommuniziert wird? „Weil uns dann jeder zuhört“, lachen die Kinder der Umweltschutzgruppe. Aufgeregt beschreiben sie einzelne Szenen des Aufklärungsstückes, das ihre Eltern, die anderen Kinder und die übrigen Dorfbewohner von der Dringlichkeit des sauberen Sees überzeugen will. Es wird laut im Sitzkreis, alle reden durcheinander, gestikulieren, lachen. Und freuen sich auf die Umsetzung ihres Planes. Auf Bezirksebene soll zudem ein offizieller Antrag auf Errichtung eines dorfeigenen Wassergrabens als Regenauffangbecken eingebracht werden. So hoffen die Jugendlichen, das immer wiederkehrende Problem der Wasserknappheit dauerhaft zu mildern.

Immerhin 410 Kinder ab zwölf Jahren sind hier, in den 15 Dörfern des Kindernothilfe-Projektgebiets im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, mittlerweile Teil solcher Kindergruppen. Sie treffen sich in Gemeinderäumen, Kirchen oder im Schatten eines Baumes, monatlich und unter Anleitung von Projektmitarbeitern. In den Umweltschutzgruppen erfahren die vorwiegend aus sehr armen Familien stammenden jungen Leute über die Bedeutung von Klimawandel und Umweltschutz für ihre eigene Zukunft. Sie lernen, Probleme und Missstände zu identifizieren, sich eine Meinung zu bilden, dafür einzustehen und letztendlich durch gezielte Aktionen Veränderung zu bewirken.

und dafür sorgen, dass nicht nur im eigenen Dorf, sondern im ganzen Bundesstaat weniger Plastik verwendet wird. (Foto: Kindernothilfe)
und dafür sorgen, dass nicht nur im eigenen Dorf, sondern im ganzen Bundesstaat weniger Plastik verwendet wird. (Foto: Kindernothilfe)

Von bereits erzielten Veränderungen erzählen uns Anbumjaa und Sasikale. Die beiden Jugendlichen sind schon seit Projektbeginn Mitglieder der Umweltgruppe in ihrem Dorf Devandhavakaam – und stolz darauf. Gemeinsam mit ihrer Gruppe und dem Kindernothilfe-Projektpartner CCRD (Centre for Child Rights and Development) haben sie schon einiges in Sachen Umweltschutz erreicht, erzählt der 15-jährige Sasikale begeistert und wortgewandt. Innerhalb eines Jahres sei es gelungen, ihr Dorf Plastiksackerl-frei zu machen und gleichzeitig ein Mülltrennungssystem zu etablieren. Wie? „Wir haben regelmäßig die lokalen Märkte besucht und den Menschen erzählt, was Plastik mit unserer Umwelt macht. Und wir haben Papierbeutel als Alternative verteilt“, erinnert sich Sasikale an die gemeinsame Kampagne vor einem Jahr. Eine „Stop-Plastik“-Petition bei der zuständigen Bezirksstelle sowie ein Antrag auf Bereitstellung von Mülltonnen, um Trocken-, Nass- und Bioabfall voneinander getrennt sammeln zu können, war ebenfalls erfolgreich. Das Ergebnis: Heute sammeln sich die leeren Metalldosen, Plastikflaschen, Stofffetzen und verwesten Obst- und Gemüsereste nicht mehr auf den Straßen von Devandhavakaam, sondern in den in regelmäßigen aufgestellten Mülltonnen. „In unserer Gemeinde gibt es jetzt ein deutliches Bewusstsein für Abfallvermeidung und Mülltrennung“, freut sich Anbumjaa.

Ein Blick in die Zukunft

Was die beiden Jugendlichen auf ihrem Weg zu einem Leben ohne Plastik und bei den vielen Treffen ihrer Umweltschutzgruppe gelernt haben, ist jedenfalls für ihre Zukunft von unschätzbarem Wert. Hier geht es um Kinderrechte, um die gemeinsame Gestaltung der Zukunft, darum, gehört zu werden, eine Stimme zu haben. Auch dann, wenn man aus ärmsten Verhältnissen kommt und noch nicht erwachsen ist. „Ich habe erkannt, dass ich Dinge verändern kann, dass ich etwas bewegen kann. Auch wenn es eine große Herausforderung ist, die Erwachsenen davon zu überzeugen, dass wir unsere Umwelt schützen und für Klimagerechtigkeit kämpfen müssen“, sagt Sasikale. Später will er einmal Premierminister des indischen Bundeslands Tamil Nadu werden – und dafür sorgen, dass nicht nur im eigenen Dorf, sondern im ganzen Bundesstaat weniger Plastik verwendet wird.

Anbumjaa ist schon seit Jahren Mitglieder der Umwelt-gruppe in ihrem Dorf – gemeinsam haben schon viel erreicht. (Foto: Kindernothilfe)
Anbumjaa ist schon seit Jahren Mitglieder der Umwelt-gruppe in ihrem Dorf – gemeinsam haben schon viel erreicht. (Foto: Kindernothilfe)

Auch Anbumjaa hat große Ziele für ihre Zukunft. „Es reicht nicht, sich nur zu beklagen, wir müssen Verantwortung übernehmen und aktiv werden“, fordert die 13-Jährige. Als Verwaltungsbeamtin auf Bezirksebene möchte sie „Dinge verändern und eine umweltbewusstere Einstellung der Menschen“ mitgestalten. Das Rüstzeug dafür, ist sie sich sicher, hat sie hier in der Jugendgruppe für Klimagerechtigkeit erhalten.

Die Kindergruppen in Zeiten von Corona

Es ist schon viel geschafft, es gibt aber auch noch viel zu tun. Obwohl Klimawandel und Umweltschutz nach wie vor die Hauptthemen der Kindergruppen sind, richtet sich natürlich alle Aufmerksamkeit – auch in Indien – momentan auf die Corona-Pandemie. Bei eigens mit den Kindergruppen einberufenen Treffen wurden hauptsächlich wissenschaftliche Informationen über das Corona-Virus ausgetauscht und die Kinder dazu befähigt, der Pandemie-Bedrohung ohne Angst und mit mehr Wissen und Selbstvertrauen zu begegnen. „Soziale Distanz“ und Hygieneregeln wurden ebenso besprochen wie Maßnahmen zur Stärkung der individuellen Immunität gegen Krankheiten. Die Mitarbeiter des Kindernothilfe-Partners waren in den Projektdörfern unterwegs und verteilten Corona-Präventionskits – mit Mund-Nasenschutz und Desinfektionsmitteln.

Umweltverschmutzung und Klimawandel sind in Südindien allgegenwärtig. Im Rahmen eines Kindernothilfe-Projekts haben sich daher Jugendliche zu eigenen Umweltschutzgruppen formiert – und kämpfen für sich und ihre Gemeinden für eine klimafreundlichere Zukunft. Die Kinderbewegung für Klimage[...]

weiterlesen
30. September 2020

Gewalterfahrungen teilen, Rechte einfordern – gemeinsam!

Das Kommunikationsprojekt in Rio Vermelho in Salvador da Bahia, Brasilien, fängt die Jugendlichen des Elendsviertels auf und unterstützt sie bei der Verarbeitung ihre Gewalterfahrungen und der Einforderung ihrer Rechte. Mit Medien-Workshops, Selfies und Videoclips stärkt der Kindernothilfe-Partner CIPÓ Comunicação Interativa das Selbstbewusstsein der jungen Erwachsenen, die von einem Ort ohne Angst, Drogen und Polizeigewalt träumen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Im Projekt selbst produziert, thematisiert das Dokumentarvideo das allgegenwärtige Problem „Gewalt in der community“ und zeigt auf, mit welche Techniken und Strategien die Jugendlichen eben dieser Gewalt entgegentreten.

2017 beschrieb die Kindernothilfe-CEO Katrin Weidemann ihre Eindrücke aus dem Projekt, das Jugendliche in ihrem Kampf für ihre Träume (Anm.: für uns Selbstverständlichkeiten!) begleitet. Heute, fünf Jahre nach Aufnahme der Projektarbeit, spricht das selbst produziertes Video für sich. Und für den Erfolg des Workshop-Konzepts, das zusammen mit jungen Erwachsenen entwicklet wurde und mittlerweile in mehreren städtischen Brennpunktschulen zum Einsatz kommt.

Selfies fürs Selbstbewusstsein

Jeden Nachmittag treffen sich mehr als 20 Jugendliche zum Workshop „Medien und Kommunikation“. Am Tag von Katrin Weidemanns Besuch warten die sie besonders ungeduldig, denn geht es um Selfies!

Selfies als Statement: Medien-Workshop für das Empowerment (Foto: Jürgen Schübelin)
Selfies als Statement: Medien-Workshop für das Empowerment (Foto: Jürgen Schübelin)

Ein Viertel, eng wie ein Schuhkarton

85.000 Menschen leben in dem Viertel rund um die Schule, viele von ihnen haben afrikanische Wurzeln. Während nur ein paar Straßen entfernt strahlend weiße Hochhäuser mit Meerblick in den Himmel ragen, drängen sich hier Häuser, die mit einfachsten Mitteln erbaut wurden, in engster Nachbarschaft. Bei der Fahrt durch die verwinkelten Straßen des Viertels kann man nicht die kleinste Freifläche, keinen einzigen unbebauten Platz entdecken. Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche gibt es schlichtweg nicht. Dabei ist die Hälfte der Bewohner des Viertels jünger als 25 Jahre.
Unter welch bedrückenden Umständen sie leben, tragen die Buben und Mädchen im Workshop, um es später in Selfie-Videoclips zu präsentieren. Intensiv diskutieren sie ihre Gedanken zu Fragen wie „Wozu gehöre ich?“ „Was soll in meinem Stadtteil besser werden?“ und „Was ist mein Beitrag dazu?“

Im Workshop diskutieren die Jugendlichen darüber, was nicht gut ist in ihrem Viertel und was sie verändern wollen. (Foto: Jürgen Schübelin)
Im Workshop diskutieren die Jugendlichen darüber, was nicht gut ist in ihrem Viertel und was sie verändern wollen. (Foto: Jürgen Schübelin)

Mehr Schusswaffen als Waschmaschinen

Die meisten von ihnen haben Rio Vermelho noch nie verlassen, ihr Viertel und seine Probleme kennen sie bestens. Sie wissen, dass hier mehr Menschen eine Schusswaffe besitzen als eine Waschmaschine. Sie erleben, dass kaum eine Woche vergeht, in der es nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Das scheinbar unaufhörliche Sterben von Mitschülern und Freunden ist brutaler Teil ihres Alltags.
„Hier in diesem Stadtteil aufzuwachsen bedeutet, ein Schild vor sich herzutragen, auf dem steht „Ich bin ein Gangster“. Viele aus der Workshop-Runde klatschen, als Paulo, ein schmaler Vierzehnjähriger, das mit ruhiger Stimme sagt. Sie nicken, weil sie wissen, dass alle Bewohner mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Wer sich von hier aus auf eine Stelle bewirbt, wird im Bewerbungsverfahren meist allein aufgrund seiner Anschrift gar nicht erst berücksichtigt.

Ständige Angst, auch vor der Polizei

Zu ihrem Leben im Viertel, auch da sind sich alle einig, gehört die Angst. Laura zählt an ihren Fingern auf, was ihr im Stadtteil am meisten Angst macht. Erstens: Selbst zu sterben. Zweitens, dass ihre Mutter, ihr Vater und ihre Geschwister erschossen werden. Und drittens, dass sie alle Opfer eines Polizeieinsatzes werden.
Elf Polizei-Einsatzstellen gibt es im Stadtviertel. Die Polizisten als Freund und Helfer zu sehen, darauf käme hier allerdings niemand. Die Männer in Uniform sind dafür berüchtigt, überfallartig in die Armenviertel einzufallen. Eine Nachbarschule, erzählt Workshop-Teilnehmerin Rebecca, wurde vor kurzem von Polizisten komplett verwüstet. „Sie kamen ganz plötzlich und haben alles kurz und klein geschlagen.“ Eine Woche lang sei das Viertel danach komplett von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Sieben Tage lang hätte die Polizei Razzien durchgeführt, unzählige Jugendliche verhaftet, sie gefoltert. „Am Ende waren zwölf Jugendliche tot.“

Ein Medien-Workshop als Empowerment

Solche erschreckenden Geschichten von massiver Gewalt sind in den Großstädten Brasiliens immer wieder zu hören. Kinder und Jugendliche erleben sie zu Hause, in der Schule, durch Drogenhändler, die ganze Stadtviertel in rechtsfreie Räume verwandeln, und auch durch staatlichen Institutionen.
Medien-Workshops wie der in Rio Vermelho sind Teil eines Projekts, um das Selbstbewusstsein und die Eigenwahrnehmung der Jugendlichen zu stärken. Allein zu erkennen, dass die traumatisierende Gewalt um sie herum nicht normal ist, sondern eine grobe Verletzung ihres Rechts auf Schutz und Unversehrtheit, ist ein erster großer Lernschritt.

"Hier wird gedreht!" - Im Cipo Projekt machen sich die Jugendlichen gemeinsam stark gegen Gewalt. (Foto: Jürgen Schübelin)
„Hier wird gedreht!“ – Im Cipo Projekt machen sich die Jugendlichen gemeinsam stark gegen Gewalt. (Foto: Jürgen Schübelin)

Ein Viertel ohne Angst

„Wir wollen in einem Viertel leben, in dem die Rechte von allen gewahrt sind, egal ob sie alt oder jung sind“, fasst Paulo die Diskussion in seiner Workshop-Kleingruppe zusammen. „Wo wir uns frei bewegen können, egal welche Hautfarbe wir haben. Wo alle sicher sind.“ Reihum ergänzen sie das Zukunftsbild vom Zusammenleben in ihrem Viertel. In jedem Wunsch, den die Jugendlichen nennen, steckt die Information über eine jetzige Rechtsverletzung. Rebecca ist als letzte an der Reihe: „Ich wünsche mir ein Viertel, in dem Frauen keine Angst vor Männern haben müssen, wo keine Drogenbanden herrschen. Ein Viertel ohne Angst.“

Gewalterfahrungen teilen, Rechte einfordern – gemeinsam!

Im nächsten Schritt erarbeiten Paulo, Rebecca und die anderen gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kindernothilfe-Partners, was sie dafür tun können. Sie lernen die möglichen Anlauf- und Beschwerdestellen kennen und erfahren, welche Mechanismen dort jeweils greifen. Sie entwicklen Strategien, wie sie im Dialog mit politisch Verantwortlichen ihre Rechte einfordern und ausüben können. Und bei all dem wächst ihre psychische Widerstandsfähigkeit, mit den massiven Gewalterfahrungen umzugehen. Sie werden persönlich ermutigt und in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.

Das Kommunikationsprojekt in Rio Vermelho in Salvador da Bahia, Brasilien, fängt die Jugendlichen des Elendsviertels auf und unterstützt sie bei der Verarbeitung ihre Gewalterfahrungen und der Einforderung ihrer Rechte. Mit Medien-Workshops, Selfies und Videoclips stärkt der Kindernothilfe-Partne[...]

weiterlesen
24. September 2020

Globale Lieferketten: wo bleiben die Kinderrechte?

Ob Schokolade, Kleidung oder Smartphones – zu oft entscheidet der Preis, was wir am Ende kaufen. Die Frage nach den globalen Lieferketten der Ware – woher kommt sie, von wem und vor allem unter welchen Bedingungen wird sie gewonnen und schrittweise zum Endprodukt weiterverarbeitet – gerät dabei leicht in den Hintergrund. Und das, obwohl es sehr viele Beispiele für Menschen- und Kinderrechtsverletzungen im weltweiten Warenverkehr gibt. Zum Beispiel Kinderarbeit im Kakaosektor. Zum Beispiel unerlaubter Pestizideinsatz auf großen Plantagen, der zur langfristigen Verschmutzung der Umwelt führen kann. Oder auch ausbeuterische Bedingungen in der Textilindustrie, die Arbeiterïnnen Löhne unterhalb des Existenzminimums zahlt.

Globale Lieferketten: Plastikverwertung (Foto: Lennart Zech)
Globale Lieferketten: Plastikverwertung (Foto: Lennart Zech)

Wer global handelt, muss auch global Verantwortung übernehmen

Globale Lieferketten – damit sind die Wege und Stationen gemeint, die die einzelnen Bestandteile eines Produktes bis zu seiner Fertigstellung zurücklegen: vom Abbau der natürlichen Rohstoffe über die Produktion und Fertigung in städtischen Fabriken bis zum Transport nach Europa und anderswohin.

Insbesondere die letzten Monate unter dem Eindruck der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie weitgehend wirtschaftliche Beziehungen weltweit miteinander verwoben sind – und wie abhängig wir in Europa von deren einwandfreiem Ablauf sind. Durch den Stillstand infolge der Pandemie wurden viele Aufträge storniert oder bereits produzierte Waren nicht mehr angenommen.

Unter Jobverlust und Lohnkürzungen leiden überwiegend die Arbeiterïnnen in den Produktionsländern – und ihre Kinder! Schutzmechanismen und Sozialpakete wie in Europa gibt es dort kaum. Aktuellen Schätzungen zufolge könnten 86 Millionen Kinder zusätzlich bis zum Ende des Jahres in Armut geraten, weil die Unterbrechung der globalen Lieferketten sie zum Arbeiten beziehungsweise zum Abbruch ihrer Schuldbildung drängt. Die dadurch verursachte wirtschaftliche und soziale Krise zeigt einmal mehr: Wer global handelt, muss auch global Verantwortung übernehmen!

Kinder bei der Tabakernte in Sambia
Kinderarbeit – hier bei der Tabakernte in Sambia – ist die bekannteste, aber nicht einzige Verletzung der Kinderrechte, die globale Lieferketten verursachen.

Ohne Gesetz bleiben Menschenrechte in Lieferketten auf der Strecke

Deshalb braucht es dringend eine gesetzliche Verpflichtung mit klar definierten Haftungsregelungen, damit Unternehmen ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen. Per Gesetz sollten Firmen dafür verantwortlich gemacht werden, wenn es bei der Herstellung ihrer Produkte zu Menschenrechts- oder Kinderrechtsverletzungen beziehungsweise Umweltzerstörungen kommt.

Kritiker einer gesetzlichen Regelung der Lieferketten befürchten unverhältnismäßig hohe bürokratische Hürden und unfaire Wettbewerbsbedingungen, vor allem im Hinblick auf eine strafrechtliche Haftung. Befürworter wiederum sehen einen klaren Wettbewerbsvorteile.

Ein Lieferkettengesetz kann dazu beitragen, Kinderarbeit – hier in einer Ziegelei in Peru – im internationalen Handelsverkehr zu ächten. (Foto: Kindernothilfe)
Ein Lieferkettengesetz kann dazu beitragen, Kinderarbeit – hier in einer Ziegelei in Peru – im internationalen Handelsverkehr zu ächten. (Foto: Kindernothilfe)

Mangelnde Verantwortung in Lieferketten schadet vor allem Kindern

Die Kindernothilfe und zahlreiche Organisationen aus der Zivilgesellschaft unterstützen diese Forderungen. Gerade Kinder leiden unter verantwortungslosem unternehmerischem Handeln – oft sogar deutlich stärker und nachhaltiger als Erwachsene. Das gilt nicht nur für Kinderarbeit, sondern auch für Umweltverschmutzungen und Schadstoffbelastungen, die Kinder aufgrund ihrer Größe und körperlichen Entwicklung besonders gefährden.

Indirekte Auswirkungen auf das Kindeswohl müssen ebenfalls ins Blickfeld rücken. Durch zu niedrige Löhne verdienen Arbeiterïnnen oft nicht genug, um Bildungs- und Gesundheitsausgaben für ihre Kinder zu finanzieren, was wiederum Kinder in die Kinderarbeit treibt. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten während der Arbeitszeit der Eltern setzen vor allem kleinere Kinder Gefahren aus: Entweder sie verbringen die Zeit unbeaufsichtigt oder sie begleiten die Eltern zum Arbeitsplatz – eine Notlösung, die ihrerseits in Kinderarbeit münden kann.

Kinderarbeit gesetzlich regeln, fordern Kinder und Jugendliche

Im Rahmen der internationalen Advocacy-Kampagne „It´s Time to Talk! – Children´s Views on Children´s Work“ forderten die Vertreter der betroffenen Kinder und Jugendlichen auf dem Global Child Forum in Schweden:

Kesia und Fausa bei ihrem Auftritt auf dem Global Child Forum in Schweden 2018. (Foto: Global Child Forum)
Kesia und Fausa bei ihrem Auftritt auf dem Global Child Forum in Schweden 2018. (Foto: Global Child Forum)

Die Regierung muss auch ein Gesetz zur Kinderarbeit erlassen, das Regeln für den Unternehmenssektor enthält, um sicherzustellen, dass sie Kinder vor schädlicher Arbeit und Missbrauch schützt und nicht ausbeutet. Unternehmen sollten Kindern nicht erlauben, gefährliche oder schwere Arbeit zu verrichten. Kinder sollten nicht ausgebeutet werden – von Mädchen und Jungen sollte nicht verlangt werden, lange oder zu niedrigen Löhnen zu arbeiten. Wenn wir arbeiten, sollten wir faire Löhne erhalten und die Arbeitsbedingungen sollten verbessert werden.

Kesia und Fausa

Es ist Zeit zu handeln

In einem umfassenden und wirksamen Sorgfaltspflichtengesetz müssen Unternehmen dazu verpflichtet werden, die in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Rechte entlang der globalen Lieferketten zu achten, Risiken und Folgen systematisch zu erheben und zu bewerten und öffentlich über ebendiese Risiken und dagegen ergriffene Maßnahmen zu berichten.

Darüber hinaus braucht es Präventions- und Abhilfemaßnahmen, um Menschen- und Kinderrechtsverletzungen zu verhindern. Insbesondere Beschwerdemechanismen müssen auch für jugendliche Arbeitnehmer zugänglich sein.

Keine Zeit zum Spielen: arbeitende Kinder in einem Steinbruch in Guatemala (Foto: Kindernothilfe)
Keine Zeit zum Spielen: arbeitende Kinder in einem Steinbruch in Guatemala (Foto: Kindernothilfe)

Ob Schokolade, Kleidung oder Smartphones – zu oft entscheidet der Preis, was wir am Ende kaufen. Die Frage nach den globalen Lieferketten der Ware – woher kommt sie, von wem und vor allem unter welchen Bedingungen wird sie gewonnen und schrittweise zum Endprodukt weiterverarbeitet – gerät dab[...]

weiterlesen