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KINDERNOTHILFE-BLOG

Hier geben die RedakteurInnen der Kindernothilfe regelmäßig einen kleinen Einblick in unsere Welt. Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

7. Februar 2019

Venezuela: eine humanitäre Katastrophe

„Slow-motion catastrophe“ – Katastrophe in Zeitlupe – hat der Guardian die verhängnisvolle Entwicklung in Venezuela genannt. Längst ist aus der politischen eine umfassende humanitäre Krise geworden. Die Menschen hungern und verlassen in Scharen das Land, die Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen, Gewaltverbrechen nehmen rasant zu. Unter der Notsituation leiden vor allem Kinder. Um sie wirkungsvoll zu unterstützen, lotet die Kindernothilfe derzeit Möglichkeiten für Hilfsmaßnahmen in Kooperation mit dem Medikamentenhilfswerk action medeor und anderen ökumenischen Partnern aus. Pater José María Gimeno, Beauftragter für Humanitäre Hilfe und Sozialprojekte der Erzdiözese Barquisimeto, berichtet bei einem Besuch in der Geschäftsstelle der Kindernothilfe in Duisburg von der verzweifelten Lage in Venezuela.

Venezula Mai 2017: Massenproteste gegen die Maduro-Regierung (Foto: Voice of Amercia)

Derzeit ist Venezuela fast täglich in den Medien. Meist beschränken sich die Nachrichten auf den politischen Machtkampf zwischen Staatspräsident Nicolás Maduro und dem Präsidenten der Nationalversammlung von Venezuela, Juan Guaidó, der sich selbst zum verfassungsmäßigen Interimsstaatsoberhaupt erklärt hat und Staatschef Maduro aus dem Amt drängen will. Die Notlage der Menschen spielt in der Berichterstattung eine untergeordnete Rolle. Mit diesen Menschen und ihrem Überlebenskampf hat Pater José María Gimeno jeden Tag zu tun.

67 % der Kinder sind unterernährt

Die Unterversorgung ist lebensbedrohlich, es fehlt vor allem an Lebensmitteln und Medikamenten. 67 Prozent der Kinder in Venezuela sind unterernährt. Das bedeutet: Selbst wenn sie ab sofort regelmäßig ausreichend zu essen hätten, trügen sie dennoch zum Teil massive bleibende Schäden davon.

Von ausreichender Ernährung kann jedoch nicht die Rede sein: Während der Schwarzmarkt blüht, können sich die meisten Menschen wegen des massiven Währungsverfalls nicht einmal mehr Reis oder Eier leisten. Obendrein sorgt die Korruption bis in die obersten polistischen und militärischen Ränge dafür, dass die Lebensmittel, die es gibt, nicht die Bedürftigen erreichen.

Zugleich greifen Krankheiten um sich, weil sauberes Trinkwasser Mangelware ist. Medikamente gibt es nicht oder sie sind unerschwinglich teuer. So kostet eine Antibiotikum-Tablette umgerechnet einen US-Dollar, der durchschnittliche Monatslohn liegt jedoch nur bei 80 Cent – eine Folge der galoppierenden Inflation, die schon jetzt sagenhafte 1,3 Millionen Prozent beträgt und noch weiter steigen soll.

Die gegenseitige Hilfsbereitschaft ist groß

ssensausgabe in einem Comedor (Foto: Jürgen Schübelin)

Nirgendwo in Lateinamerika spielen die Kirchen – die katholischen und die protestantischen – eine so zentrale Rolle wie derzeit in Venezuela. Vor den Suppenküchen der Gemeinden bilden sich jeden Tag lange Schlangen. Auch die Pfarreien der Erzdiözese, in der Pater Gimeno tätig ist, kochen täglich für rund 150 Personen. Die Betroffenen bekommen die Mahlzeiten sogar nach Hause gebraucht.

Warum? „Wir wollen sicherstellen, dass das Essen auch wirklich bei denen ankommt, die es am nötigsten haben“, sagt Pater Gimeno. Die entsprechenden Familien hat die Diözese vorher sorgsam ausgesucht. Die Zubereitung der Speisen übernimmt ein Koch, der den täglichen Einsatz gleichzeitig zur Ausbildung seiner Kochschüler nutzt. Ein 60-köpfiges Freiwilligenteam bringt das Essen in die einzelnen Haushalte.

Oft bleiben die Freiwilligen noch eine Weile in den Familien und passen auf, das auch wirklich jeder zu essen bekommt. „Es ist nämlich so, dass die Alten manchmal auf ihren Anteil verzichten – zugunsten der Kinder“, weiß Pater Gimeno. „Die Menge reicht aber für alle aus. Deshalb ist es uns auch so wichtig, die Bedürftigen vorher genau auszuwählen.“

Die Kosten für dieses Ernährungsprojekt belaufen sich auf etwa 1.000 US-Dollar pro Monat. Es gebe immer noch Unternehmen in Venezuela, die dafür spendeten. Den Rest der Gelder erhalte die Diözese von engagierten Bürgerinitiativen in Spanien.

Kinder und Alte leiden am meisten unter der Krise (Foto: Jürgen Schübelin)

Eine Katastrophe für das Land

Über 200.000 Venezolaner sind 2017 allein nach Spanien ausgewandert. Die Hauptlast der Massenmigration tragen jedoch die Nachbarländer und unter diesen besonders Kolumbien, das 2017 rund 600.000 Flüchtlinge aufnahm. Für 2019 rechnet die Weltflüchtlichsorganisation UNHCR mit einer Vervielfachung der Zahlen, wenn sich an der Notsituation in Venezuela nichts ändert.

Die, die gehen, sind meistens die Jungen und Gutausgebildeten. Sie haben genug Energie und Hoffnung für einen Neuanfang. Zurück bleiben die verwundbarsten Mitglieder der Gesellschaft – Kinder und alte Menschen. Für Venezuela ist das eine Katastrophe: Wenn die Krise überwunden ist, fehlen gerade jene, die das Land wieder aufbauen könnten.

Die Menschen fliehen aber nicht nur vor Hunger und Krankheiten, sondern auch vor der zunehmenden Gewalt. Pater Gimeno erzählt von vier Morden in unmittelbarer Umgebung seiner Pfarrei, alle in jüngster Zeit. Die Sicherheitskräfte machten regelrecht Jagd auf Menschen, berichtet er.

Besonders gefürchtet sind die Colectivos: paramilitärische Einheiten auf Motorrädern, die als Gegengewicht zur Armee gegründet wurden, um „die Revolution zu verteidigen“. Darüber hinaus gibt es noch weitere Milizen im Land. Die unübersehbare Menge an Waffen in Privatbesitz ist ein gefährliches Pulverfass, das jederzeit explodieren kann.

Hilfsmaßnahmen sind in Planung

Graffito von Hugo Chávez, Begründer der „Bolivarischen Revolution“ in Venezuela (Foto: Jürgen Schübelin)

Die Kindernothilfe sieht besonders mit Blick auf die Gesundheitssituation und die Gefährdung von Kindern dringenden Handlungsbedarf. Große Bedeutung kommt dabei der Beschaffung und Lieferung von Medikamenten an Kirchengemeinden und andere kirchliche Institutionen zu. Gemeinsam mit ökumenischen Partnern und im Verbund mit action medeor sollen sichere Kanäle für entsprechende Humanitäre Hilfsmaßnahmen ausgebaut werden.

Graffito von Hugo Chávez, Begründer der „Bolivarischen Revolution“ in Venezuela

„Slow-motion catastrophe“ – Katastrophe in Zeitlupe – hat der Guardian die verhängnisvolle Entwicklung in Venezuela genannt. Längst ist aus der politischen eine umfassende humanitäre Krise geworden. Die Menschen hungern und verlassen in Scharen das Land, die Gesundheitsversorgung ist zusa[...]

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Ein Kindheitstraum wurde wahr: Porträt eines ehemaligen Patenkindes

Jogram Tejavath gehört zur Banjara-Volksgruppe, einer diskriminierten Minderheit in Indien. Durch die Kindernothilfe erhielt er eine Schulbildung. Schon als Kind träumte er davon, Rechtsanwalt zu werden. Heute arbeitet er am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Mit einem eigenen Hilfswerk unterstützt er sein Volk.

Jogram Tejavath wuchs in Chinna Banjara Thanda auf, einem abgelegenen Dorf in Andhra Pradesh. Mit Eltern und sieben Geschwistern lebte er in einer Ein-Raum-Hütte, ohne Strom- und Wasseranschluss. Seine Eltern waren Analphabeten, deshalb wurde sein Geburtsdatum nie festgehalten. Als er in die Schule kam, legte sein Lehrer aufgrund von Größe und Gewicht sein Geburtsjahr auf 1961 fest. Der Unterricht fand unter einem Baum statt. Nach sechs Monaten tauchte der Lehrer nicht mehr auf. Die Eltern schickten Jogram zu seiner Großmutter, weil es in ihrem Dorf eine Schule gab. „Ich war das einzige Kind im Dorf, das seine Schulbildung fortsetzte“, sagt er dankbar.

Schuften statt lernen

Nach der 3. Klasse war Schluss mit Schule: Jogram musste arbeiten, um seine Familie zu unterstützen – auf Feldern, in Restaurants oder in einer Ölmühle. Oft bekam er tagelang nichts zu essen. Ein zufälliges Treffen mit seinem Dorfpfarrer führte dazu, dass er in einem von der Kindernothilfe unterstützen Schülerwohnheim in Dornakal aufgenommen und wieder eingeschult wurde. „Als ein Mitarbeiter uns Jungen nach unseren Berufswünschen fragte, sagte ich spontan: Rechtsanwalt!“, erinnert er sich noch heute.

Jogram schloss erfolgreich das Junior College ab, übernahm einen Job bei einer Telefongesellschaft und unterstützte mit seinem Gehalt Eltern und Geschwister. Nebenbei absolvierte er das College in Khamman. 1983 erhielt er seinen Bachelor-Abschluss – er war der erste aus einem Dorf mit einem Universitätsabschluss!

Jogram Tejavath (2.v.r.): ehemaliges Patenkind aus Indien, heute Leiter der Partnerorganisation BSS (Foto: privat)

Das frühere Patenkind hilft heute selbst Menschen aus seiner Volksgruppe

Bei der Bank of India in Warangal fand er eine neue Arbeitsstelle. Nebenher studierte er Jura, bestand 1986 das Master-Examen und wurde Rechtsanwalt am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Trotz seines Aufstiegs vergaß er nie seine Herkunft. 1996 gründete er mit Freunden die Organisation Banjara Seva Samithi (BSS), um seinem Volk zu helfen. BSS bringt Kinder in Schulen unter, erwirkt die Verbesserung von Infrastruktur und medizinischer Versorgung und die Stärkung von Frauen. Die Kindernothilfe unterstützt zwei der Projekte.

„Ich bin der Kindernothilfe sehr dankbar, dass sie mir geholfen hat, aus der Armut herauszukommen. Ohne sie hätte ich diesen sozialen Aufstieg nie geschafft.“ Jogram Tejavath ist verheiratet, seine Töchter sind Zahnärztin bzw. Ingenieurin und sein Sohn Anwalt.

Jogram Tejavath gehört zur Banjara-Volksgruppe, einer diskriminierten Minderheit in Indien. Durch die Kindernothilfe erhielt er eine Schulbildung. Schon als Kind träumte er davon, Rechtsanwalt zu werden. Heute arbeitet er am Oberverwaltungsgericht in Hyderabad. Mit einem eigenen Hilfswerk unterst[...]

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So konnten wir mit Ihren Spenden helfen. DANKE!

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle)

Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicheres Land, das auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen ist. Regelmäßig auftretende Dürren führen zu Verknappung von Weideland und Wasser sowie zu drastisch erhöhten Preisen für Nahrungsmittel. In diesem Umfeld spielt Bildung eine sehr untergordnete Rolle und insbesondere die Schulbildung von Mädchen wird kaum bis überhaupt nicht unterstützt. Das Bildungsniveau ist per se niedrig, da es kaum weiterführende Schulen gibt und ohne Platz in einem Schülerwohnheim der Unterrichtsbesuch für die meisten Schüler nicht möglich ist, da die Wege zwischen ihrem Zuhause und der Schule zu weit sind. Somit ist der Besuch der Schule mit Kosten verbunden, wodurch viele von ihnen die Schule abbrechen und stattdessen versuchen, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen.

Bildung ist eine elementare Voraussetzung für den Weg aus der Armut (Foto: Karl Pfahler).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im Schülerwohnheim Dollo-Negelle konnten wir 128 Kinder (70 Buben, 59 Mädchen) während der Schulzeit ein zeitweises Zuhause ermöglichen, in dem sie jeder ein Bett mit Matratze, Decke und Polster haben. Neben einer ausgewogenen Ernährung (Eier, Fleisch, Gemüse, lokale Nahrungsmittel, etc.), die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich ist, wurden alle mit ausreichenden Hygieneartikeln versorgt und erhielten regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, um Krankheiten vorzubeugen.

Alle 128 Kinder sind in die nächste Klasse aufgestiegen, 90% haben die nationalen Examen erfolgreich absolviert.

Chikuni, Sambia (Bildung durch Radioschulen)

Die meisten Menschen in den 180 Dörfern der Gemeinde Chikuni, südwestlich von Sambias Hauptstadt Lusaka, leben in extremer Armut von der Subsistenzwirtschaft. Aufgrund schlechter Bodenqualität und immer häufiger auftretenden Wetterextremen (Trockenzeit, sintflutartige Regenfälle) kann die Mehrheit der hier lebenden Bäuerinnen und Bauern kaum genug Nahrung für den Eigenbedarf produzieren. Viele Familienmitglieder sind unterernährt, wobei die Kinder am stärksten davon betroffen sind.

Die extreme Armut führt auch dazu, dass die Kinder vieler Familien von vornherein dazu gezwungen sind, auf den Schulbesuch zu verzichten und durch Arbeit zum Einkommen der Eltern beizutragen. Außerdem gibt es in der Region kaum öffentliche Schulen bzw. ist der Weg zu den wenig vorhandenen(?) bis zu 20 km lang. Daher besuchen fast 80% der dort lebenden Mädchen und Buben den Schulunterricht gar nicht oder sehr unregelmäßig.

So hat Ihre Spende geholfen:

Mit Hilfe von 23 Radioschulen nehmen Kinder und Jugendliche an einem Bildungsprogramm teil, die sonst keine Möglichkeit zu einem Schulbesuch hätten. Dafür wurde ein tägliches Sendeprogramm in Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen entwickelt und Bildungsmaterialien erstellt.

2017 wurden 150 Unterrichtseinheiten ausgestrahlt, die 2.221 Kinder der Klassenstufen 2, 4, 6 und 7 sowie 527 Erwachsene erreichten. Die Kinder nahmen am Schuljahresende erfolgreich an den staatlichen Abschlussprüfungen teil.

Verbesserung der Ernährungssituation

Um der schwierigen Ernährungssituation und verbreiteten Armut besser begegnen zu können, wurde der Schulunterricht lebensnaher und praxisorientierter gestaltet. Das bedeutet, dass die Kinder und ihre Eltern über landwirtschaftliche Zusammenhänge unterrichtet werden. Somit leistet der Unterricht einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Dafür werden in jedem Dorf eine Baumschule und ein Gemüsegarten angelegt. Hinzu kommen Brunnen und Bewässerungsanlagen. Zusätzlich wurden Gartenwerkzeug, Saatgut und Lehrmaterial zur Verfügung gestellt. In jedem Dorf vermitteln zwei LehrerInnen und zwei ExpertInnen den Lehrstoff und setzen ihn mit den Kindern praktisch um.

An die ärmsten Familien wurden in Chikuni 2 Ziegen und 11 Hühner verteilt. Zudem wurden 11.700kg Erdnüsse und 160 Bells of Sugar für das Ernährungsprogramm bereitgestellt.

Mirmali, Indien (Gegen Kinderarbeit in Ziegeleien)

In Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens, unterstützen wir fünf fünf Dalit-Dörfer („die Unberührbaren“)Diese liegen am Fluss Koshi und werden in der Monsunzeit immer wieder überschwemmt. Um zu überleben arbeiten die Mitglieder dieser benachteiligten Minderheit unter ausbeuterischen Bedingungen in einer der umliegenden Ziegelbrennereien und beziehen auch ihre Töchter und Söhne in den Arbeitsalltag mit ein. Somit bleibt zahlreichen Dalit-Kindern der Schulbesuch verwehrt.

Vorherrschende Armut und mangelnde Hygiene bringen Krankheiten mit sich: das dreckige Wasser verursacht Durchfall. Infektionen, Malaria und ähnliches treten ebenso oft auf, sodass die Krankheiten den Kindern sehr zusetzen.

Indien: Schulbesuch statt Arbeit in der Ziegelei (Foto: Jakob Studnar)

So hat Ihre Spende geholfen:

In den Projektförderschulen erhielten 413 Kinder einen informellen Unterricht für die Jahrgangsstufen 1-5. Dadurch lernten sie einen routinierten Schulalltag kennen (4 Studen / Tag rechnen, schreiben lesen) und wurden auf den Übertritt in eine staatliche Schule vorbereitet. 35 Kinder schafften es erfolgreich, auf eine staatliche Schule zu wechseln. Unter den 413 Kindern nahmen 181 Mädchen am Unterricht teil – eine sehr erfreuliche Entwicklung, da den meisten Mädchen noch vor ein paar Jahren im sehr traditionellen Bundesstaat Bildung verweigert blieb.

Zusätzlich wurden 98 junge Frauen auf dem Weg in ein eigenständiges Berufsleben unterstützt, 33 von ihnen eröffneten nach den Berufsbildungsstunden erfolgreich ihre eignene Scheiderei und verdienen nun das 15-16fache im Vergleich zum Lohn in der Ziegelbrennerei.

In den Förderzentren befindet sich auch ein Arzt, der die Kinder im Krankheitsfall mit Medikamenten versorgt. Zudem konnten jedes Monat kostenlose, medizinische Untersuchungen angeboten werden, zu denen insgesamt 587 Mädchen und Buben kamen.

Carrefour, Haiti (Schulessen in Ecole St. Francois de Salle nach der Naturkatastrophe)

Haiti ist ein Land mit nur schwachen staatlichen Strukturen, das unter einer großen politischen und wirtschaftlichen Instablilität leidet. Zudem wird das Land immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen (2010 Erdbeben, 2016 Hurrikan “Matthew”) heimgesucht. Hohe Arbeitslosigkeit, eine unsichere Ernährungslage und große Armut kennzeichnen die schwierigen Lebenssituation der meisten Menschen, in der Bildung keinerlei Priorität hat. Es gibt viel zu wenige kostenlose, öffentliche Schulen, und auch die Qualität des Unterrichts ist mehr als dürftig. Außerdem sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Töchter und Söhne zum Familieneinkommen beitragen.

In Carrefour, der zweitgrößten Stadt Haitis, sind die Folgen der Naturkatastrophen nach wie vor spürbar und die Armut besonders hoch, da Infrastruktur, Erwerbsmöglichkeiten und qualitativ hochwertige Bildungsangebote fehlen. Große Teile der Bevölkerung leiden unter chronischer Unterernährung und die medizinische Versorgung ist völlig unzureichend (ein Arzt ist für 7000 Menschen zuständig). Jedes zweite Kind kommt schon mit Merkmalen der Unterernährung auf die Welt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch: 69 je 1000 Kinder sterben vor ihrem fünften Lebensjahr. Allein 42,3% der Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Haiti: In der wieder aufgebauten Ecole Saint Francois de Salle ist Lernen wieder möglich. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

In der Ecole Saint Francois de Salle, die bei dem Erbeben 2010 völlig zerstört, danach mit Unterstützung der Kindernothilfe erdbebensicher wieder errichtet wurde, können Kinder die komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zur Matura absolvieren. Durch die staatliche Anerkennung der Schule qualifiziert der Schulabschluss für eine mögliche universitäre oder berufliche Ausbildung.

Letztes Jahr wurden 1.247 Schüler unterrichtet, die vier Leistungskontrollen wurden von allen zufriedenstellend absolviert und alle Schüler des 9. Jahrganges bestanden die offiziellen Prüfungen und damit den Übergang in die weiterführende Schule. Zudem erhielten alle Kindern3 warme Mahlzeiten und 2 Snacks pro Woche. Auch die entsprechende medizinische Versorgung inkl. regelmäßiger Impfkampagnen für alle Kinder konnte gewährleistet warden.

Chaqui, Bolivien (Inklusion, Förderung von Kindern mit Behinderung)

Chaqui ist eine der ärmsten Kommunen Boliviens. Die Menschen leben in kleinen Unterkünften aus Lehmziegeln und mit Bretterdächern, die mit Lehm und Stroh abgedichtet werden. Es gibt keine Elektrizität und nur wenige Menschen haben Zugang zu Trinkwasser. In den Gemeinden ist die Gesundheitsversorgung sehr unzureichend. Neben der weit verbreiteten Mangelernährung und ihren Auswirkungen stellen fehlende bzw. mangelhafte Schul- und Ausbildungsangebote ein großes Problem dar. Die Schulen verfügen meist weder über Sanitäranlagen noch über angemessene Wohnungen für die Lehrer, die wegen der Abgelegenheit der Dörfer die Arbeitswoche über in der Schule leben. Sie reichen nur bis zur 4. oder 5. Klasse; dennoch schließt ein Großteil der Kinder noch nicht einmal diese ab.

Die Lernbedingungen und –angebote sind somit für alle Schüler schlecht; für Kinder mit Behinderungen sind sie jedoch katastrophal bzw. meist von vornherein überhaupt nicht zugänglich.

Bolivien: Kinder mit Beeinträchtigung haben es nach wie vor sehr schwer. (Foto: Jürgen Schübelin)

So hat Ihre Spende geholfen:

Es konnten 250 Familien unterstützt und 39 Kinder mit Behinderung ein Schulbesuch ermöglicht werden. Zudem wurden im Rahmen einer breiten Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen über Kinderrechte und Behinderung 246 Lehrkräfte und verschiedenen Bildungseinrichtungen befähigt, Kinderrechte zu vermitteln. In der Schule wurden Lehrmaterialien mit bunten Illustrationen und Geschichten erstellt, um Kindesschutz und Kinderrechte verständlich und kindgerecht aufzubereiten. Nicht zuletzt wurden architektonische Barrieren an Schulen beseitigt, um für alle Kinder ungehinderten Zugang zu gewährleisten.

Moro, Peru (Wiederaufbau nach den Überschwemmungen)

Peru wurde im März 2017 wochenlang von Unwettern mit nie dagewesenen Regenmassen heimgesucht. Im ganzen Land wurden Häuser von 72.000 Menschen zerstört, insgesamt leideten etwa 600.000 Peruaner unter den Folgen des Unwetters: Hunger, Durst, zerstörte Infrastruktur und mangelnde Hygiene. Zehntausende Menschen wurden infolge dessen obdachlos und standen vor dem Nichts.

Peru: Wiederaufbau nach den verheerenden Überschwemmungen (Foto: Jürgen Schübelin).

So hat Ihre Spende geholfen:

Im ländlichen Distrikt Moro im Norden Perus konnten durch Soforthilfemaßnhamen 600 Familien mit dem Notwendigsten wie Nahrungsmittel, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente versorgt warden.

In der Folge konnten 43 der zerstörten Häuser, die aufgrund ihrer traditionellen regionstypischen Lehmziegelbauweise den Überschwemmungen und Schlammlawinen nicht Stand halten konnten, wiederaufgebaut werden.

Sulawesi, Indonesien (Child Friendly Spaces nach dem Tsunami)

Die indonesische Insel Sulawesi wurde heuer von einem verheerenden Tsunami und Folgeerdbeben heimgesucht und hinterließ gravierende Spuren: 300.000 Überlebende ohne Obdach, 67.000 unbewohnbare Häuser, 2.700 beschädigte Schulen und 20 wichtige Gesundheitseinrichtungen. Auch die Wasserversorgung war tagelang außer Funktion.

Zurück blieben Tausende von Menschen schwer traumatisiert, darunter rund 50.000 Kinder, die dringend Hilfe und besondere Unterstrützung benötigten.

Indonesien: In Child Friendly Spaces können Kinder nach der Katastrophe einfach nur Kind sein (Foto: Karl Andersson).

So hat Ihre Spende geholfen:

Durch Soforthilfemaßnahmen konnte ein provisorisches Kinderzentrum, ein sogenannter Child Friendly Space, errichtet werden, in dem 40 Kindern unmittelbare Unterstützung durch fachkundiges Personal ermöglicht wurde. So konnte den Mädchen und Buben ein geschützter Raum geboten werden, den sie brauchen, um ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie erhielten psychosoziale Unterstützung, regelmäßige Mahlzeiten und die Möglichkeit eines halbwegs geregelten Tagesablaufes, der dabei hilft, ihre Ängste durch gemeinsames Spielen zu überwinden.

Zudem wurde im krisengebeutelten Palu-Distrikt ein 2-Tages-Traumaworkshop zu Kinderrechten, Einführungen zum Thema Trauma, Selbstversorgung und behutsamen traumalösenden Übungen für 565 Pädagogen abgehalten.

Negelle, Äthiopien (Gesundheit, Bildung, Persönlichkeitsstärkung im Wohnheim Dollo-Negelle) Negelle im südlichen Hochland Äthiopiens ist geprägt von Menschen, die in extrem armen und einfachen Verhältnissen von der Subsistenzwirtschaft leben. Zudem ist Äthiopien ein sehr ernährungsunsicher[...]

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Jungunternehmer in Lima

Was möchte ich verkaufen, wie präsentiere ich es am besten, und wie funktioniert eigentlich eine Kostenkalkulation? Klingt trocken, so ein Workshop für Jungunternehmer. Den Teilnehmern unseres peruanischen Partners Aynimundo hat’s trotzdem Spaß gemacht, wie Kursleiterin Ilse Kreiner berichtet.

Lima: Ilse Kreiner bei der Arbeit mit den Workshop-Teilnehmern (Foto: Ilse Kreiner)

Mein Name ist Ilse Kreiner, ich melde mich aus Lima, aus dem Projekt, das von der Kindernothilfe seit langem unterstützt wird. Der Fokus von Aynimundo liegt auf Familien mit behinderten Kindern.

Die Kurse für all jene, die ein eigenes Unternehmen starten wollen, stehen aber allen Menschen mit geringem Einkommen offen. Ein solcher Kurs startete Anfang November. Glücklicherweise gibt es eine Vereinbarung mit einem Ausbildungsinstitut, sodass wir deren Räumlichkeiten nützen können.

Ab Anfang November pilgerten also Christian, ein Mitarbeiter von Aynimundo, und ich zwei Mal pro Woche in dieses Institut. Dort weihten wir insgesamt 17 Teilnehmer in zwei Kursen in die Geheimnisse des Unternehmertums ein.

Lima: Jhonatan mit seinen Arepas (Foto: Ilse Kreiner)

Da macht selbst die Kostenkalkulation Spaß

Geschäftsideen waren genügend vorhanden. Die reichten vom Eventmanagement über den Verkauf von Torten bis zu Produktion und Verkauf von Damenunterwäsche. Insbesondere die letztgenannte Idee sorgte für Heiterkeit. Jhonatan, unser einziger männlicher Teilnehmer und seines Zeichens Verkaufsgenie hatte uns nämlich gerade erklärt und vor allem demonstriert, auf welche Art er Hemden und Parfum verkaufen würde. Da liegt die Frage in der Luft, ob er denn auch Damenunterwäsche präsentieren würde.

Lima: Projektpläne und Budgets werden erarbeitet (Foto: Ilse Kreiner)

Christian ist mit unglaublichem Enthusiasmus bei der Sache. Seine Energie und seine Begeisterung übertrugen sich auf die Teilnehmer und so machte selbst die ungeliebte Kostenkalkulation Spaß.

Vorbereitung für den Schritt in die Selbstständigkeit

Als Kursabschluss hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Geschäftsstrategie sowie ihre Produkte vorzustellen. Es war sehr erfreulich zu beobachten, wie sehr nicht nur ihr Wissen sondern auch ihre Selbstsicherheit gestiegen ist.

Ich selbst bin voller Bewunderung für den Mut, den die Damen aufbringen. Schließlich haben etliche von ihnen kaum die Pflichtschule absolviert, und auch das ist schon einige Zeit her.

Lime: Yolanda verkauft Torten (Foto: Ilse Kreiner)

Drei der Teilnehmer haben bereits die ersten Schritte in die Selbständigkeit getan indem sie einen zugkräftigen Namen für ihr Unternehmen gewählt und den Auftritt im Internet eingerichtet haben. Eine der Damen bietet hochqualitative Kuchen und Torten auf Bestellung an. Sie interessiert sich für meine österreichischen Rezepte. Aber das ist eine andere Geschichte….

Damit verabschiede ich mich bis zum nächsten Mal.

Liebe Grüße aus Lima

Ilse

Was möchte ich verkaufen, wie präsentiere ich es am besten, und wie funktioniert eigentlich eine Kostenkalkulation? Klingt trocken, so ein Workshop für Jungunternehmer. Den Teilnehmern unseres peruanischen Partners Aynimundo hat’s trotzdem Spaß gemacht, wie Kursleiterin Ilse Kreiner berichtet.[...]

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5. Dezember 2018

Gewalt in Chile: Polizei ermordete jungen Mapuche

Am 14. November erschoss eine Spezialeinheit der chilenischen Militärpolizei den 24-jährigen Camilo Catrillanca. Er gehörte der ethnischen Minderheit der Mapuche an und engagierte sich schon als Jugendlicher gegen die Unterdrückung der Mapuche-Gemeinden und den Verlust ihres Landes an Großgrundbesitzer. Seine Ermordung löste in ganz Chile eine Welle von Protesten aus. Der Chef der Regionalverwaltung der Region Araukanien, in der Camilo Catrillanca lebte, musste nach Falschaussagen bereits zurücktreten. Demonstranten fordern nun auch den Rücktritt von Innenminister Andrés Chadwick. Bewirkt Catrillancas Tod endlich ein Umdenken in Chile?

Claudia Vera von unserer Partnerorganisation ANIDE und Guillermo López, der einen von uns finanzierten Bericht zur Situation der Mapuche in Chile schreibt, erinnern im folgenden Beitrag an Catrillanca und seine Teilnahme an einem ANIDE-Seminar vor sieben Jahren.

Camilo Catrillanca ist das jüngste Opfer der Polizeigewalt gegen Mapuche in Chile. Das Bild zeigt ihn bei einem Seminar unseres Partners ANIDE im Jahr 2011 (Foto: Anide).

Wer die Geschichte von Camilo Catrillanca verstehen will, muss über eine zutiefst beeinträchtigte Kindheit und Jugend sprechen. Es geht um systematische Gewalt gegen Mädchen, Jungen und Heranwachsende, die gemeinsam mit den Gemeinden, in denen sie leben, Gebietsansprüche auf ihren angestammten Lebensraum erheben. Es geht um Biographien, die auf verschiedene Weise von Gewalt geprägt sind – physische Gewalt durch die Polizei bei Razzien, aber auch symbolische Gewalt, wirtschaftliche Gewalt, institutionelle Gewalt.

Die Region Araucanía ist nach jüngsten sozioökonomischen Studien (Casen Survey 2017) die ärmste des Landes. Auch dies ist zweifellos eine Verletzung der Rechte der Bewohner, weil Armut immer weitere Benachteiligungen mit sich bringt. Die Menschen dort erleben aber auch andere Formen der Gewalt, z.B. wenn Kindern die Eltern weggenommen werden, weil sie entweder auf unabsehbare Zeit in „Untersuchungshaft“ geraten oder in unfairen Gerichtsverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt werden. Internationale Menschenrechtsorganisationen haben mehr als einmal angeprangert, dass die chilenische Justiz gegen Grundrechte verstößt.

Schon als Teenager prangerte Camilo staatliche Gewalt an

Camilo Catrillanca (vorne re.) mit Mitstreitern bei einer Podiumsdiskussion 2011 (Foto: Anide).

Camilo war politisch sehr aktiv. Er war Studentenführer und gehörte als 16-Jähriger zu den Aktivisten, die die Gemeinde Ercilla besetzten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. 2011 nahm er an einem von ANIDE organisierten Seminar über staatliche Gewalt gegen Mapuchekinder teil. In der damaligen Pressemitteilung hieß es:

„Camilo Catrillanca, Sprecher der Besetzer der Gemeinde Ercilla, verurteilte den Rassismus und die Diskriminierung von Jugendlichen in Bildungseinrichtungen, die Polizeikontrolle, die sie daran hindert, sich frei in ihren Gemeinden zu bewegen, und die Unterdrückungsmethoden der staatlichen Institutionen. ‚In der Gemeinde von Temucuicui, zu der ich gehöre, gibt es ständig Razzien, wir sind nicht mehr frei, wir können nicht mehr in die Berge gehen und uns um unsere Tiere kümmern, die Repressionen lassen das nicht zu. Der Staat ist der Hauptverantwortliche. Er schickt Carabineros, um uns zu töten, ohne dass wir etwas dagegen tun können – sie erschießen uns aus nächster Nähe.‘ Er prophezeite auch, dass ’sich nach unserem Bericht hier sicherlich nichts ändern wird‘ und dass sie trotz allem weiterhin ihre angestammten Gebiete fordern werden, ‚weil es der einzige Weg für uns ist, uns als Mapuche, als Kultur zu entwickeln‘.“

Am 14. November 2018 dringt eine polizeiliche Sondereinsatzgruppe in das Dorf Temucuicui ein. Camilo Catrillanca, 24 Jahre alt, Vater eines kleinen Mädchens und in Erwartung eines Sohnes, ist mit einem Traktor auf dem Gemeindeland unterwegs, neben ihm sitzt ein 15-jähriger Teenager. Als die Schießerei beginnt, sagt Camilo dem Jungen, er solle sich ducken. Sie werden von hinten beschossen. Camilo stirbt wenige Stunden später an den Folgen eines Kopfschusses. Sein Tod erzeugt Bestürzung, Wut und Ohnmacht und macht die Willkür überdeutlich. Wieder einmal ist der Staat Chile für den Tod eines jungen Mapuche verantwortlich.

Am 14. November erschoss eine Spezialeinheit der chilenischen Militärpolizei den 24-jährigen Camilo Catrillanca. Er gehörte der ethnischen Minderheit der Mapuche an und engagierte sich schon als Jugendlicher gegen die Unterdrückung der Mapuche-Gemeinden und den Verlust ihres Landes an Großgrund[...]

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