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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

15. März 2021

Miteinander reden wirkt!

Von „Time to Talk“ zu „Dialogue Works“: Kinder und Jugendliche sollen bei gesellschaftlichen und politischen Themen mitreden: Nach Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention haben sie „ein Recht auf Mitsprachebei allen Angelegenheiten, die sie betreffen“. Gerade für gefährdete Gruppen, zu denen auch arbeitende Mädchenund Buben gehören, ist dieses Recht oft mehr Wunsch als Realität. Um das zu ändern, startete im Oktober 2020 die Kampagne „Dialogue Works“.

Kinder und Jugendliche haben das Recht mitzureden. Die Kampagnen "Time to Talk" und "Dialogue Works" zielen genau darauf ab! (© Lennart Zech)
Kinder und Jugendliche haben das Recht mitzureden. Die Kampagnen „Time to Talk“ und „Dialogue Works“ zielen genau darauf ab! (© Lennart Zech)

2016 startete die Kindernothilfe gemeinsam mit anderen Organisationen die internationale Advocacy-Kampagne „It ́s Time to Talk! – Die Sicht der Kinder auf Kinderarbeit“. Sie unterstützte 26 lokale Kinderkomitees in 19 Ländern bei ihren Aktivitäten und Advocacy-Veranstaltungen. Vier Jahre lang diskutierten arbeitende Kinder und Jugendliche gemeinsam über Kinderarbeit, formulierten ihre Empfehlungen für politische Programme und Strategien und sensibilisier-ten die Öffentlichkeit für ihre Rechte. „Es ist wichtig, die Ansichten anderer zu hören. Es hilft uns, mehr Dinge kennenzulernen und zu erfahren, was man in einer bestimmten Situation tun kann“, sagte eine 17-Jährige aus Kenia.

2018 nahmen zwei Kinderkomitee-Mitglieder aus Indonesien am Global Child Forum in Schweden teil, 2019 zwei Jugendliche aus Peru und den Philippinen an der Feier zum 30-jährigen Jubiläum der Kinderrechtskonvention in Deutschland. Beim C20-Gipfel (Gipfel der Zivilgesellschaften der G20-Staaten) im vergangenen Jahr, aufgrund der COVID-19-Pandemie virtuell abgehalten, sprachen je zwei junge Leute aus Bangladesch und Kenia über Bildung, Kinderarbeit, Gleichberechtigung und die Auswirkungen der Pandemie auf ihr Leben als arbeitende Jugendliche. Sie forderten: „Alle arbeitende Kinder und Jugendlichen müssen Bildungsmöglichkeiten haben. Sie müssen faire Löhne bekommen. Das Recht auf Arbeit muss anerkannt werden. Politische Programme und Gesetze für arbeitende junge Menschen mit Behinderungen müssen sinnvoll umgesetzt werden.“

Partizipation macht selbstbewusst

Nicht nur auf politischer Ebene erreichte „Time to Talk“ wichtige Ziele, auch im Leben der Kinderkomitee-Mitglieder veränderte sich vieles, wie eine globale Evaluation der Kampagne zeigt:

  • Durch die Teilnahme an den Komitee-Treffen haben sie viel über ihre Rechte, beispielsweise ihr Recht auf Schutz und auf Bildung, und über demokratische Prozesse gelernt.
  • Partizipation fördert das Selbstbewusstsein, Themen anzusprechen und Forderungen zu stellen, die ihnen wichtig sind.
  • ie fördert Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten, sich gegenüber anderen, auch Erwachsenen, auszudrücken und für eigene Bedürfnisse einzustehen.
  • Sie fördert Resilienz, sich über die eigene Situation bewusst sowie gefestet für die Zukunft und spätere Herausforderungen zu werden. „Wir haben festgestellt, dass wir unsere Schulbildung ernst nehmen müssen, damit wir in der Zukunft gute Arbeitsplätze finden können, die uns helfen, die Armut zu überwinden“, sagten philippinische Buben, die etwa in der Landwirtschaft oder als Müllsammler arbeiten.
Mit "Time to Talk" verschafften sich arbeitende Mädchen und Buben Gehör.
Mit „Time to Talk“ verschafften sich arbeitende Mädchen und Buben Gehör.

„Dialogue Works – die Beteiligung arbeitender Kinder nachhaltig stärken“

Im Juli 2020 ging die erfolgreiche Kampagne „Time to Talk“ zu Ende. Deshalb startete im Oktober 2020 die internationale Nachfolgekampagne: „Dialogue Works – die Beteiligung arbeitender Kinder nachhaltig in gesellschaftlichen und politischen Prozessen verankern“. Arbeitende Mädchen und Buben gehören weltweit zu den gefährdetsten Bevölke-rungsgruppen. In Folge der COVID-19-Pandemie ist zu erwarten, dass immer mehr junge Menschen in Kinderarbeit und ausbeuterische Verhältnisse gedrängt werden. Mit der neuen Kampagne werden weltweit rund 30 Kinderkomitees gestärkt. Ihre Mitglieder teilen ihre Erfahrungen mit Kinderarbeit in der Gruppe. Sie lernen voneinander, artikulieren gegenüber Politik und Gesellschaft ihre Bedürfnisse und machen Vorschläge, wie sich ihre Situation verbessern könnte. Der globale Austausch zwischen arbeitenden Kindern, zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Entscheidungstragenden ist enorm wichtig. Daraus können politische Maßnahmen entstehen, die das Leben dieser Kinder signifikant und nachhaltig verbessern werden. Die Ergebnisse der Evaluation von „Time to Talk“, die Erfolge und Lernerfahrungen der Kinder und Jugendlichen sind in die neue Kampagne eingeflossen.

Von „Time to Talk“ zu „Dialogue Works“: Kinder und Jugendliche sollen bei gesellschaftlichen und politischen Themen mitreden: Nach Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention haben sie „ein Recht auf Mitsprachebei allen Angelegenheiten, die sie betreffen“. Gerade für gefährdete Gruppen, z[...]

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13. März 2021

Unterwegs mit Asekek

Wenn man Asekek aus Markuma (Distrikt Womberma/Äthiopien) fragt, wie sich ihr Leben durch die Selbsthilfegruppe der Kindernothilfe verändert hat, bricht es aus ihr heraus: „Vorher war das Leben schrecklich.“ Die 28-Jährige musste immer schon sehr kämpfen. Ihre Eltern verstarben früh und haben ihr ein bisschen Land und ein einfaches Haus hinterlassen, in dem die Familie mit ihren Tieren – Schafen, Hühnern und ein Ochse – in einem einzigen Raum lebte. Asekek musste nach dem Tod der Eltern nicht nur für ihre eigene vierköpfige Familie, sondern auch für ihren jüngeren Bruder sorgen. Der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte häufig nicht, um sie und ihre kleine Familie mit zwei Kindern ausreichend zu ernähren. Besonders schlimm war es während der großen Dürre im Jahr 2016, als sie fast ihre ganze Ernte verloren und hungern mussten.

Als die junge Mutter vor acht Jahren von den anderen Frauen aus dem Dorf von der Selbsthilfegruppe erfuhr, schloss sie sich ihnen gleich an. „Ich wollte etwas ändern, denn so konnte es nicht weitergehen.“ In der Gruppe lernen die Frauen, wie sie mit einer guten Idee und etwas Geld, das sie sich gegenseitig leihen, mehr verdienen und sich aus ihrer Armut befreien können. Das Startkapital kommt von ihnen selbst, besteht aus dem wenigen, was sie sich aus ihren kleinen Einkünften ersparen können.

Asekek ist froh, Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe zu sein und ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können (Foto: Christian O Bruch)
Asekek ist froh, Teilnehmerin der Selbsthilfegruppe zu sein und ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können (Foto: Christian O Bruch)

Asekek hat sich damals schnell auf die Herstellung von energiesparende Kochstellen spezialisiert. Die meisten Menschen in ihrer Gegend bereiten ihr Essen immer noch über einer einfachen Feuerstelle mit Steinen als Halterung zu. Dafür wird aber viel Brennmaterial benötigt und Holz ist knapp in der Region. Asekek gießt mithilfe einer speziellen Form nun Öfen aus Beton, die die Hitze besser speichern können und so Ressourcen sparen helfen. Das wird mittlerweile auch von den lokalen Behörden unterstützt, die Werbung für die Kochstellen machen, Bestellungen sammeln und die Abholung der fertigen Betonteile organisieren. Zuvor musste Asekek die schweren Öfen auf ihrem Rücken zwei Stunden bis zum nächsten Markt schleppen. Heute kommt sie mit der Produktion kaum hinterher und beschäftigt zweitweise nicht nur ihren Mann, sondern auch weitere Dorfbewohner, um die Bestellungen termingerecht abzuarbeiten.

Asekek stellt Ofen aus Beton her und verkauft diese erfolgreich in der ganzen Region. (Foto: Christian O Bruch)
Asekek stellt Ofen aus Beton her und verkauft diese erfolgreich in der ganzen Region. (Foto: Christian O Bruch)

Asekek hat es geschafft, sich mit eigener Kraft und dem starken Rückhalt durch die Selbsthilfegruppe aus ihrer hoffnungslos scheinenden Lage zu befreien. Mit Kleinstkrediten unterstützen die Frauen sich gegenseitig bei ihren Geschäftsideen, nutzen die Schulungen durch die örtlichen Partner der Kindernothilfe und bewegen gemeinsam auch größere Projekte zur Verbesserung ihrer Lebensumstände. So gibt es in Markuma es nun endlich auch elektrisches Licht, dank der neuen Biogasanlage, die zu 50 % durch ein staatliches Förderprogramm unterstützt wurde.

Asekek ist glücklich, dass ihre Familie jetzt in einem eigenen Haus lebt. Jeder hat sein eigenes Bett: „Vorher hatten wir nicht mal eine eigene Matratze.“ Und auch die Tiere sind nun in Ställen untergebracht. Durch ihre Arbeit konnte sie ihrem jüngeren Bruder eine Ausbildung finanzieren, der heute Health Officer in einem Krankenhaus in Bahir Dar ist. Auch für ihre beiden Kinder, 11 und 6 Jahre alt, wünscht Asekek sich, dass sie eine gute Ausbildung bekommen und später einen richtigen Beruf erlernen. Sie weiß, wie wichtig das ist. Sie selbst hat die Schule nur bis zur 5 Klasse besucht. Da sie aber lesen und schreiben kann, hat sie die Möglichkeit, sich nebenher auch noch etwas als Sekretärin bei einer CLA dazuzuverdienen.

Asekek mit ihren Kindern in ihrer Werkstatt. (Foto: Christian O Bruch)
Asekek mit ihren Kindern in ihrer Werkstatt. (Foto: Christian O Bruch)

Durch diese Arbeit und die Gewinnen aus dem Ofenverkauf kann Asekek ihre Familie versorgen und das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen – und darüber hinaus auch noch etwas zurücklegen. Denn das ist wichtig, weil die weiterführende Schule 12 Kilometer entfernt liegt. Heute läuft ihr älterer Sohn täglich die vier Kilometer zu seiner Grundschule. Für den anschließenden High-School-Besuch muss die Familie ihm dann künftig aber ein Zimmer in der Stadt finanzieren können. Dafür arbeitet Asekek sehr hart, teilweise sieben Tage die Woche, manchmal auch nachts. Sie hat einen schweren Weg hinter sich, aber schon so viel erreicht. Und sie ist zuversichtlich, dass ihre Kinder durch ihren Einsatz ein besseres Leben haben werden.

Wenn man Asekek aus Markuma (Distrikt Womberma/Äthiopien) fragt, wie sich ihr Leben durch die Selbsthilfegruppe der Kindernothilfe verändert hat, bricht es aus ihr heraus: „Vorher war das Leben schrecklich.“ Die 28-Jährige musste immer schon sehr kämpfen. Ihre Eltern verstarben früh und hab[...]

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9. März 2021

Myanmar kommt nicht zur Ruhe

In dem südostasiatischen Vielvölkerstaat vergeht seit dem Militärputsch vom 1. Februar kaum ein Tag ohne Massendemonstrationen und Militärgewalt. Das Land befindet sich im Ausnahmezustand, das Leben ist zum Stillstand gekommen. Denn die Bevölkerung ist nicht gewillt, die Aberkennung des Parlamentswahlergebnisses vom November letzten Jahres, den Sturz der demokratischen Regierung, die Verhaftung der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und das harte Vorgehen der Polizei hinzunehmen. Auf der anderen Seite greift die Militärführung zu immer drastischeren Maßnahmen und die Opferzahlen steigen. Können sich die Demonstrant*innen mit ihrer Forderung nach einem Ende des Militärregimes durchsetzen?

Myanmar ist im Ausnahmezustand.
Myanmar ist im Ausnahmezustand.

Unbeschränkte Durchsuchungen und unbefristete Inhaftierungen wurden bereits durch die Gesetzesänderung kurz nach dem Putsch ermöglicht. Mittlerweile sind auch systematische Plünderungen von Geschäften und Häusern, Diebstahl von Lebensmitteln auf den Märkten und die Beschlagnahmung von Besitztümern in Privathäusern nichts Ungewöhnliches mehr. Zudem wird der Einsatz der Sicherheitskräfte immer brutaler. Bis jetzt sind laut UN mehr als 50 Todesopfer zu beklagen. Und die Situation verschlimmert sich von Tag zu Tag. Weiteres Blutvergießen gilt als unvermeidbar.

Myanmar braucht Hilfe von außen

Aus genau diesem Grund haben sich Aktivist:innnen nun offiziell an die internationale Staatengemeinschaft gewandt. Nach dem bisher blutigsten Tag seit Beginn der Auseinandersetzungen, bei dem Polizei und Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge der Demonstranten in Rangoon, Dawei, Mandalay, Myeik, Bago und Pokokku geschossen hatten, sagte Dr. Sa Sa, Myanmars Sondergesandter bei der UNO: „Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft handelt, um unser unschuldiges, wehrloses Volk zu schützen, das es wagt, sich gegen diese Schurken zu erheben, die jetzt unser Land kontrollieren.“ Denn „es ist die Armee, die Verbrechen begeht. Sie sind diejenigen, die sich einer wirklichen Anklage und internationaler Gerechtigkeit in Den Haag [am Internationalen Gerichtshof] stellen müssen, sie sind diejenigen, die im Gefängnis sein sollten.“

Nur „ziviler Ungehorsam“ oder doch mehr?

Oberflächlich betrachtet scheint der Volksaufstand führerlos und Ausdruck einer Bestrebung der Jugend zu sein – die meisten Demonstrierenden sind unter 30 Jahre alt. Aber die Bewegung des „zivilen Ungehorsams“ umfasst mehr. Die Proteste drehen sich zum größten Teil um die Freilassung Suu Kyis und die Aufforderung an das Militär, sich an die Wahlergebnisse vom November zu halten, bei denen Suu Kyis NLD überzeugend die Mehrheit der Stimmen gewann.

Gerade für Kinder kann der Arbeitsstop unter den Beamten negative Auswirkungen haben. (© WCM)
Gerade für Kinder kann der Arbeitsstop unter den Beamten negative Auswirkungen haben. (© WCM)

Darüber hinaus streiken vor allem Myanmars Beamt*innen – die Ärzt*innen, Krankenschwestern und Gesundheitsarbeiter*innen, die vor vier Wochen die Kampagne des zivilen Ungehorsams initiiert haben – für den Schutz der Demokratie. Myo Win, Aktivist und geschäftsführender Direktor der Smile Education and Development Foundation, erklärte: „Es ist viel umfassender: Es geht darum, den Übergang zur Demokratie zu vollenden, die Verfassung von 2008 zu zerreißen und sie durch einen demokratischen, föderalen Staat zu ersetzen und die Militärdiktaturen für immer zu beenden.“ Die Verfassung von 2008 erlaubt es dem militärischen Oberbefehlshaber, in extremen Fällen die Macht zu übernehmen.

Alles steht still

Dabei hat die aktuelle Lage katastrophale Auswirkungen auf das Land. Die Banken sind zu, die Regierungsbüros leer und die Treibstoffvorräte des Landes gehen bedrohlich zur Neige. Krankenhäuser, Universitäten und Schulen sind größtenteils geschlossen, ebenso die meisten Fabriken. Myanmar ist praktisch zum Stillstand gekommen.

In der aktuellen Situation sind Treffen der Selbsthilfegruppen kaum möglich. (© WCM)
In der aktuellen Situation sind Treffen der Selbsthilfegruppen kaum möglich. (© WCM)

Auch die Arbeit des Kindernothilfe-Partners World Concern Myanmar im Shan-Staat ist betroffen, die auf die Stärkung der Frauen, die Umsetzung der Kinderrechte und die Minderung der extremen Armut abzielt. Es gibt zwar eine entsprechende Vereinbarung mit dem Gesundheitsministerium, die die Fortsetzung der Projektaktivitäten gewährleistet. Aber die tagtägliche Arbeit vor allem auf Gemeindeebene und mit den Selbsthilfegruppen, ebenso Schulungen und Hausbesuche, werden nur nach sorgfältiger Abwägung der aktuellen politischen Situation fortgesetzt. Was nicht über das Internet abgewickelt werden kann, ist nur sehr eingeschränkt möglich. Das beeinflusst die bisherigen Fortschritte in den betroffenen Gemeinden. Das gesteigerte wirtschaftliche Wohlergehen und die erhöhte Stabilität in den Familien sind gefährdet. Damit erhöht sich wiederum das Risiko für Kinderarbeit und Frühverheiratung, also die Wahrscheinlichkeit von Kinderrechtsverletzungen.

Hat der Militärputsch den demokratischen und gesellschaftlichen Wandel beendet? (© WCM)
Hat der Militärputsch den demokratischen und gesellschaftlichen Wandel beendet? (© WCM)

Hoffnung für Myanmar?

Derzeit ist eine Entspannung der Situation jedoch nicht in Sicht. Denn das Vorgehen des Militärs wird immer aggressiver und die Aktivist*innen werden nicht aufhören, sich dagegen zu stellen. „Wir müssen die Armee weiterhin daran erinnern, dass wir nicht aufgeben. Wir gehen nicht weg und wir werden ihre Bemühungen, das Land zu regieren, weiterhin bei jeder Gelegenheit vereiteln“, so Dr. Sa Sa.

In dem südostasiatischen Vielvölkerstaat vergeht seit dem Militärputsch vom 1. Februar kaum ein Tag ohne Massendemonstrationen und Militärgewalt. Das Land befindet sich im Ausnahmezustand, das Leben ist zum Stillstand gekommen. Denn die Bevölkerung ist nicht gewillt, die Aberkennung des Parlame[...]

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7. März 2021

Frauen, die Geschichte schrieben

Malala Yousafzai, Clara Zetkin, Emmeline Pankhurst, Eglantyne Jebb, Wangari Maathai. Sie alle haben sich in ihrem Leben für die Rechte anderer stark gemacht: die Rechte von Mädchen, die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Kinder- und Menschenrechte und das Recht auf eine nachhaltige Umwelt. Diese bemerkenswerten Frauen haben durch ihr entschlossenes und unermüdliches Engagement – im wahrsten Sinne des Wortes – Geschichte geschrieben und den Alltag von uns allen maßgeblich mitgeprägt.

Malala Yousafzai setzte ihr Leben im Kampf für die Rechte der Mädchen aufs Spiel (© SN040288 / Shutterstock.com)
Malala Yousafzai setzte ihr Leben im Kampf für die Rechte der Mädchen aufs Spiel (© SN040288 / Shutterstock.com)

Malala Yousafzai aus der pakistanischen Stadt Mingora war gerade mal elf Jahre, als sie ihr Engagement für die Rechte von Mädchen in Pakistan begann. In einem Blog-Tagebuch für den Nachrichtensender BBC erzählte die Tochter eines Schuldirektors über das Terrorregime der Taliban in ihrer Heimat und die Folgen für ihre Altersgenossinnen. Als es zur Schließung ihrer Mädchenschule kam, setzte sich Malala aktiv für ihr Recht auf Bildung ein. 2012 wäre sie beinahne einem Schussattenta zum Opfer gefallen. Aber sie überlebte und teilte ihre Geschichte mit der ganzen Welt: „Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten.“

2013 wurde sie mit dem internationalen Kinder-Friedenspreis ausgezeichnet, 2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis und 2017 wurde sie zur UN-Friedensbotschafterin ernannt. Mit nur 19 Jahren ist die jüngste Friedensnobelpreisträgerin und auch die jüngste UN-Friedensbotschafterin der Welt.

Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.

Malala Yousafzai

Malala Yousafzai gilt weltweit als Symbolfigur für Gleichbehandlung, Freiheit und Bildung für Frauen und Mädchen.

Nicht das Lippenbekenntnis, nur das Leben und Handeln adelt und erhebt.

Clara Zetkin

Clara Zetkin wurde 1857 in Wiederau, Sachsen geboren. Sie wuchs in einem kleinbürgerlichen Umfeld auf und kam sehr früh mit der deutschen Frauen- und der Arbeiterbewegung in Berührung. Nach Abschluss ihrer Ausbildung als Fachlehrerin für moderne Sprachen unterrichtete sie als Hauslehrerin. Ab 1890 übersetzte sie für die sozialdemokratische Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“, die sie später als Chefredakteurin leitete und bis 1917 herausgab.

Die bekennende Sozialistin setzte sich intensiv für einen Acht-Stunden-Arbeitstag, das Wahl- und Stimmrecht, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, ausreichenden Mutter- und Kinderschutz und die Gleichstellung der Frau im Arbeitsschutzgesetz ein. Auf ihre Initiative hin fanden ab 1900 parallel zu den Parteitagen Frauenkonferenzen statt. Als die sozialdemokratische Führung diese Versammlungen 1910 verhinderte, rief sie den Internationalen Frauentag* ins Leben.

Die radikale Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst setzte das Wahlrecht für Frauen in England durch (© Alexander-Glover / Shutterstock.com)
Die radikale Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst gilt als Wegbereiterin für das Frauenwahlrecht (© Alexander-Glover / Shutterstock.com)

Emmeline Pankhurst wurde 1858 in Manchester geboren. Bereits in jungen Jahren setzte sie sich entschlossen für die Rechte der Frauen in England ein. Sie hatte durch ihre Tätigkeit als Fürsorgerin “das Elend und Unglück der männergemachten Welt” kennengelernt und wollte dies nicht länger hinnehmen. 1903 gründete sie die „Womens Social and Political Union“, den radikalsten Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung in Großbritannien. Zentrales Anliegen war ihr die Durchsetzung des Frauenwahlrechts. Dafür trat sie in den Hungerstreik, organisierte Massendemonstrationen, setzte Häuser in Brand und wurde verurteilt. 1918 hatte sie es geschafft: Frauen ab dem 30. Lebensjahr durften wählen.

Wenn es für Männer richtig ist, für ihre Freiheit zu kämpfen, ist es auch für Frauen richtig, für ihre Freiheit und die ihrer Kinder zu kämpfen.

Emmeline Pankhurst

Es ist für uns als Menschen ausgeschlossen, dass wir zusehen, wie Kinder sich zu Tode hungern, ohne uns zu bemühen, ihnen zu helfen.

Eglantyne Jebb

Eglantyne Jebb wurde 1876 in einer Kleinstadt in Midlands, Großbritannien geboren und wuchs behütet in einer wohlhabenden Familie auf. Aber bereits mit 8 Jahren entwickelte sie ein Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit: „Die Welt ist falsch“. Gegen den Willen ihres Vaters studierte sie Geschichte und unterrichte ab 1899 in einem Arbeiterviertel Klassen mit bis zu 60 ungewaschenen, desinteressierten Kindern. Nach nur 2 Jahren gab sie ihren Beruf wieder auf und konzentrierte sich auf karitative Tätigkeiten. Sie machte es sich zur Aufgabe, benachteiligten Menschen organisiert zu helfen. Dafür reiste sie immer wieder in Länder, in denen Menschen unter Kriegen litten oder flüchten mussten.

Die überzeugte Kriegsgegnerin kämpfte unerschrocken für die schutzlosesten Opfer, die Kinder. 1919 gründete sie die Organisation Save the Children. Nur wenige Jahre später machte sie sich beim Völkerbund für die Verabschiedung einer internationalen Konvention über die Rechte von Kindern stark. 1922 formulierte sie eine fünf Punkte umfassende Charta für Kinder, die Grundlage für die „Genfer Erklärung“ von 1924 und Vorstufe zur UN-Kinderrechtskonvention.

Eglantyne Jebb starb 1928, 61 Jahre vor der endgültigen Verabschiedung der Kinderrechte, als deren Großmutter sie heute gilt.

Die Frauen- und Umweltaktivistin Wangari Maathai wird in Kenia auch "Mutter der Bäume" genannt (© s_bukley / Shutterstock.com)
Die Frauen- und Umweltaktivistin Wangari Maathai wird in Kenia auch „Mutter der Bäume“ genannt (© s_bukley / Shutterstock.com)

Wangari Maathai wurde 1940 in Nyeri, Kenia geboren. Sie studierte Biologie und schloss mit dem Doktortitel in Veterenärmedizin ab. Damit war sie die erste promovierte Frau in Ostafrika und bald darauf die erste Dekanin.

In den 1970ern begann sie, sich aktiv für Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frau, sowie Umweltschutz einzusetzen. 1977 rief sie das Green Belt Movement ins Leben. Die Aufforstungsinitiative, die anfänglich vor allem von Frauen der ärmsten Bevölkerungsschicht umgesetzt wurde, hat Kenia bisher über 30 Millionen neu gepflanzte Bäume gebracht. Und den kenianischen Frauen ein neues Selbstverständnis. Die Umwelt- und Frauenrechtsaktivistin hatte es geschafft, Mütter unterernährter Kinder zu mobilisieren: Sie zeigte ihnen, wie sie zu Saatgut kamen, wie sie Samen anpfanzen mussten und wie sie ihre Setzlinge schützen konnten. So konnten sie aus eigener Kraft gegen die Armut ihrer Familien und die Entwaldung Kenias ankämpfen.

Es kostete mich viele Tage und Nächte, meine Mitmenschen davon zu überzeugen, dass Frauen ihre Umwelt ohne viel Technologie oder finanzielle Ressourcen verbessern können.

Wangari Maathai

Mama Miti (Suaheli: Mutter der Bäume) erhielt 1984 den Alternativen Nobelpreis und 2004 sogar den Friedensnobelpreis. „Der Baum wurde zum Symbol des demokratischen Kampfes in Kenia“, sagte sie in ihrer Nobelpreisrede.

Wenn wir weltweit operieren, werden wir in der Lage sein, eine Zivilisation zu begründen, die unermesslich fröhlicher und sicherer ist als die aktuelle.

Eglantyne Jebb

* Der erste Internationale Frauentag fand am 19. März 1911 in Deutschland, Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Es beteiligten sich Millionen von Frauen. Seit 1921 wird der Tag am 8. März begangen und soll an den Streik der Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Petersburg während der russischen Revolution 1917 erinnern.

Malala Yousafzai, Clara Zetkin, Emmeline Pankhurst, Eglantyne Jebb, Wangari Maathai. Sie alle haben sich in ihrem Leben für die Rechte anderer stark gemacht: die Rechte von Mädchen, die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Kinder- und Menschenrechte und das Recht auf eine nachhaltige Umwelt[...]

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4. März 2021

Frauenpower in Südamerika … das finde ich toll!

Schwer vorstellbar, aber Frauenpower ist auch dort, wo Machismo fest in den Gesellschaftsstrukturen verankert ist, tatsächlich möglich. Genau das hat die Österreicherin Ilse Kreiner während ihrer mehrmonatigen Aufenthalte im Rahmen des Kindernothilfe Lern- und Freiwilligenprogramms in Peru selbst er- und gelebt.

Ein bisschen etwas vom eigenen Glück zurückgeben

Schon lange gab es den Wunsch nach einer „sinnvollen“ Tätigkeit, um etwas vom Glück zurückzugeben, das ihr selbst widerfahren war. 2010 bot sich Ilse Kreiner dann die Gelegenheit zu ihrem ersten ehrenamtlichen Einsatz in Peru. Seit damals engagiert sie sich regelmäßig in dem südamerikanischen Land und unterstützt die lokalen Kindernothilfe-Partnerorganisationen IINCAP „Jorge Basadre” (Instituto de Investigación y Capacitación Profesional) in Cajamarca – sowie zuletzt die Asociación Aynimundo in Lima.

Eine Frau setzt sich für Frauenpower ein

Die mittlerweile pensionierte Betriebswirtin gibt Kindern Nachhilfe in Mathematik, Lesen oder Englisch. Sie spricht mit ihnen auch über ihre Rechte, Gewalt in der Familie oder ethische Werte. Daneben besucht sie Familien und stärkt in den Eltern das Bewusstsein für Schulbildung. Außerdem organisiert sie Workshops für ambitionierte Jungunternehmer jeden Alters aus mittellosen Verhältnissen. Gemeinsam mit den überwiegend weiblichen Teilnehmern bereitet sie den Gang in die Selbstständigkeit vor und stärkt so Frauenpower in Peru. Hinter all dem steht die tiefe Überzeugung, dass Schulbildung elementar wichtig ist. Und, dass ihr Leben ganz anders verlaufen wäre, hätte sie selbst niemals eine ordentliche genießen können.

Mehr als nur Schulbildung

Ich hatte das Glück, dass meine Mutter, obwohl selbst bildungsfern, verstanden hat, wie wichtig Bildung ist. Sie hat daher immer darauf gedrängt, fast genervt, dass ich zur Schule gehe, etwas lerne und gute Noten habe. Da sie alleinerziehend und ohne Beruf war, war sie auf Organisationen und Menschen angewiesen, die sie finanziell unterstützt haben. Denn Schule kostet nun mal viel Geld. Diese Menschen haben auch dafür gesorgt, dass ich an den Schulaktivitäten teilnehmen konnte. Dadurch haben sie verhindert, dass der Effekt von Kinderarmut für mich eingetreten ist: nämlich, dass ich als armes Mädchen nicht am sozialen Leben der Gleichaltrigen teilnehmen konnte. Denn wenn es hinten und vorne an Geld fehlt, dann werden den Mädchen und Buben die Möglichkeiten genommen, sich in Gruppen abseits ihres familiären Dunstkreises einzufinden. Sie sind immer wieder nur mit Kindern aus anderen ganz armen Familien zusammen und haben keine Chance, in die Gesellschaft insgesamt integriert zu werden. Das zeigt, wie wichtig finanzielle Unterstützung ist.

Ilse Kreiner

Soziale Ungleichheit mindern

Gerade im ruralen Peru, aber auch der Hauptstadt, wird ein großer Unterschied gemacht, je nachdem aus welcher Bevölkerungsschicht man kommt. Eine Art der informellen Klassengesellschaft ist nicht außergewöhnlich. Im Gegenteil, „einmal abgestempelt, ist es schwer, sich aus dieser Schubladisierung wieder zu befreien. Dadurch haben die Kinder kaum Möglichkeit, ihre Zukunft selbstbestimmt ohne Unterstützung von außen zu gestalten.“

Genau diese Aufgabe verfolgt Ilse Kreiner, wenn sie für mehrere Monate im Jahr mit den Eltern redet, ihnen immer wieder vor Augen führt, welche Auswirkungen ihre eigenen Handlungen auf die Zukunft ihrer Kinder haben, und ihnen erklärt, wie wichtig Bildung vor allem für ihre Töchter ist. Gerade in Cajamarca, aber auch in Lima, gibt es eine Menge Familien, denen man wiederholt erklären muss, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist und vor allem, warum.

Kinder brauchen starke Mütter

Peru ist nach wie vor männerdominiert, deshalb stehen Frauen im Fokus der Arbeit vor Ort. Es ist äußerst wichtig, mit den Müttern zu arbeiten, damit sie genügend Selbstbewusstsein entwickeln. Dann trauen sie sich zumindest in „ihren“ Belangen (Familie, Kinder und Haushalt), etwas zu sagen und ihre Meinung so zu vertreten, dass sie auch eine Chance auf Durchsetzung hat. Das ist nicht nur für sie selbst von großer Bedeutung, sondern auch und vor allem für ihre Töchter. Damit nicht einfach passieren kann, was tagtäglich passiert: Die 16-jährige Yolanda ist mit der Schule fertig. Sie ist am besten Weg, eine selbstständige, junge Frau zu werden und möchte den Beruf der Krankenschwester erlernen. Aber ihr Vater hat entschieden, dass sie als Hausmädchen in einer wohlhabenderen Familie Geld verdienen müsse. Außerdem meint er, dass es überflüssig wäre, noch mehr zu lernen. Yolandas Mutter war es offenbar trotz gegenteiliger Meinung nicht gelungen, das zu verhindern. Die Entscheidung ist gefallen und die Stimme des Mädchens und ihrer Mutter war nicht gehört worden.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Eine intensive Arbeit mit den Müttern über längere Zeit hinweg bewirkt hingegen, dass das Selbstbewusstsein in den Frauen geweckt und gestärkt wird. Diese Art der „Frauenpower“ versetzt sie in die Lage, ihren Kindern den Schutz zu ermöglichen, den sie brauchen. Sie verinnerlichen, was wichtig ist und geben diese Einstellung auch weiter. Dadurch schaffen sie die notwendige Voraussetzung, dass ihre Kinder im Moment der Entscheidung, diese auch treffen. Und soweit wie möglich auch durchsetzen.

Ohne Frauenpower geht es nicht

Was im Kleinen beginnt, kann große Kreise ziehen und strukturelle Veränderungen auch in jenen Teilen der Welt begünstigen, in denen Frauen im Moment noch wenig bis gar nichts zu sagen haben. Davon ist zumindest die ehrenamtliche Kindernothilfe-Mitarbeiterin Ilse Kreiner überzeugt die ehrenamtliche Kindernothilfe-Mitarbeiterin Ilse Kreiner überzeugt.

Frauen bringen – ganz allgemein gesprochen – die Gesellschaft voran. Daher braucht die Gesellschaft starke und selbstbewusste Frauen, um einen Wandel in irgendeine positive Richtung zu ermöglichen. Ich bin der Auffassung, dass das ohne Frauenpower nicht geht.

Ilse Kreiner

* Name geändert

Schwer vorstellbar, aber Frauenpower ist auch dort, wo Machismo fest in den Gesellschaftsstrukturen verankert ist, tatsächlich möglich. Genau das hat die Österreicherin Ilse Kreiner während ihrer mehrmonatigen Aufenthalte im Rahmen des Kindernothilfe Lern- und Freiwilligenprogramms in Peru selbs[...]

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