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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

2. Mai 2018

Nicht nur auf die Saat, auf den fruchtbaren Boden kommt es an!*

Hilfe zur Selbsthilfe: Seit vielen Jahren arbeitet die Kindernothilfe mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz (SHG), der darauf abzielt, vor allem die ärmsten Frauen in den benachteiligten Projektregionen sozial, wirtschaftlich und politisch zu stärken, damit sie sich aus eigener Kraft aus der Armut befreien können. Das Wissen, das die Gruppen von uns bekommen, hilft ihnen, sich und ihren Kindern eigenständig ein besseres Leben zu ermöglichen. Außerdem treiben sie dadurch auch die Entwicklung ihrer ganzen Region voran.

Sibanga in Ostuganda (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Die persönliche Geschichte von Stella aus Sibanga

Die Geschichte von Stella aus Sibanga, Ostuganda, zeigt das Potenzial, das im SHG-Ansatz steckt, um die schlechten sozioökonomischen Verhältnisse und damit die individuellen Lebensbedingungen der Menschen vor Ort zu verändern.

Stella lebte – wie die meisten ihrer Gemeindegenossinnen – mit ihrer Familie sehr lange unter schwierigsten Bedingungen. Bittere Armut, schlechte hygienische Zustände und die damit verbundene ständige Bedrohung, an Malaria und/oder HIV/Aids zu erkranken, harte landwirtschaftliche Arbeit mit nur geringer Ausbeute und fehlende Unterstützung gehörten zu ihrem Alltag. Die Hausfrau aus dem Bezirk Manafa hatte kaum Mitspracherecht bei hausinternen Entscheidungen, und es war ihr nur sehr schwer möglich, ihre Familie zu versorgen, geschweige denn ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.

Kein seltenes Bild in Ostuganda: Bei der Arbeit anstatt in der Schule (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Mit der Hoffnung auf Veränderung und dem Wunsch nach besseren Lebensumständen für sich und ihre Familie trat sie im Juli 2015 einer SHG in ihrer Region bei. Da ihr Mann der Arbeit der SHGs zunächst sehr skeptisch gegenüberstand, erzählte sie ihm nichts von der Teilnahme an den Gruppentreffen. Nach einiger Zeit konnte jedoch auch er von dem SHG-Ansatz und den sich daraus ergebenen positiven Entwicklungen für seine Familie überzeugt werden.

Stella in ihrem eigenen kleinen Geschäft (Foto: Kindernothilfepartner)

Obwohl Stella zunächst die jüngste und unerfahrenste Frau in ihrer Gruppe war, wurde ihr von den anderen Frauen sehr bald die Rolle der Sekretärin der Gruppe anvertraut.

Nachdem die Gruppe genug Geld angespart hatte, erhielt Stella einen Kleinkredit, um mit dem Verkauf von zunächst Holzkohle ein Geschäft zu starten. Nachdem sie dadurch ein erstes Einkommen generieren konnte, lieh sie sich noch einige weitere Male Geld von ihrer SHG. Mit dem geliehenen Kapital baute sie ihr Geschäft weiter aus und bietet inzwischen diverse Konsumgüter zum Verkauf an. Dadurch erwirtschaftet sie ihr eigenes Einkommen, mit dem sie sich und ihre Familie gut versorgen kann.

„Mir geht es viel besser. Ich habe einen Platz, an dem ich meine Probleme mit anderen teilen kann. Und ich bin endlich in der Lage, für meine Kinder zu sorgen.“

Selbsthilfegruppe im Sibanga-Butto-Projekt (Foto: Kindernothilfe Österreich)

Das Sibanga – Butta Gemeinwesenentwicklungsprojekt

Seit 2013 arbeiten wir mit unserem lokalen Partner, der in den 60er Jahren gegründeten Mbale Diözese, zusammen, um benachteiligte Frauen und Kinder der Region zu einem selbstbestimmten Weg aus der Armut zu befähigen und sie in ihren Rechten nachhaltig zu stärken. Gerade Witwen mit vielen Kindern sowie Waisen, die mit ihren Geschwistern einen eigenen Haushalt führen müssen, sollen von den Selbsthilfegruppen in Sibanga profitieren.

Die 97 bisher gegründeten Gruppen bestehen aus je ca. 15 Mitgliedern und treffen sich einmal wöchentlich, um sich untereinander auszutauschen, Ideen zu sammeln und sich gegenseitig Mut zu machen. So entsteht ein Vertrauensverbund, in dem man gemeinsam Probleme bespricht und löst. Die Teilnehmerinnen erfahren Solidarität und werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt.

Neben dem sozialen Aspekt des wöchentlichen Austausches geht es im SHG-Ansatz darum, den Frauen ein umfassendes Wissen zu den Themen Ernährung, Gesundheitsvorsorge, Bildung, Kinderrechte uvm. zu vermitteln und sie darin entsprechend zu schulen, damit sie langfristig eigenständig für ihre Kinder und Familien sorgen können. Auch an der wirtschaftlichen Entwicklung der Mitglieder wird aktiv gearbeitet. Abgesehen von der Vermittlung wirtschaftlicher Grundlagen und Grundkenntnissen im Bereich der Unternehmensgründung sparen die SHGs gemeinschaftlich Kleinstbeträge an, aus denen langsam aber sicher ein Kapitalstock entsteht. Dieser erlaubt dann die Vergabe von Minikrediten an die Gruppenmitglieder, um ihnen zum Beispiel die Gründung eines eigenen Geschäfts, einer Tierzucht oder den Kauf von Geräten und Werkzeugen für die tägliche Arbeit zu ermöglichen.

Heute gibt es durch unsere Arbeit bereits 30.000 Selbsthilfegruppen in 20 Ländern.

Mehr zu unserem Projekt in Sibanga „Uganda: Hilfe zur Selbsthilfe“
* Thomas Paul, Initiator der Kindernothilfe-Selbsthilfegruppen, Kindernothilfe Deutschland

Hilfe zur Selbsthilfe: Seit vielen Jahren arbeitet die Kindernothilfe mit dem Selbsthilfegruppen-Ansatz (SHG), der darauf abzielt, vor allem die ärmsten Frauen in den benachteiligten Projektregionen sozial, wirtschaftlich und politisch zu stärken, damit sie sich aus eigener Kraft aus der Armu[...]

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11. April 2018

Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln.

Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende Einkommensmöglichkeiten (85% verfügen über kein bzw. kaum Einkommen) gestalten das Leben der ortsansässigen Landbevölkerung zermürbend und aussichtslos. Erschwerend kommt hinzu, dass dringend notwendige Investitionen von staatlicher Seite nicht oder nur unzureichend getätigt werden. Dies gilt insbesondere für die institutionellen Angebote im Bildungssektor, die nicht ausreichend an die Bedürfnisse und Lebensrealität der Landbevölkerung angepasst sind.

„Gemeinsam für Rechte“ (Foto: Kindernothilfepartner)

Um speziell der jungen Generation neue Zukunftsperspektiven zu ermöglichen, wurde das Projekt „Cir’andando pelos direitos – Gemeinsam für Rechte“ unseres Partners MOC (Movimento de Organização Comunitária) ins Leben gerufen, das sich eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände durch ländliche Gemeinwesenentwicklung, Grundbildung sowie Lobby- und Advocacyinitiativen zum Ziel gesetzt hat. Dafür werden nicht nur die benachteiligten, gefährdeten Kinder und Jugendliche zwischen 4 und 18 Jahren und ihre klein bäuerlichen Familien in die Arbeit vor Ort mit einbezogen, sondern auch Schulen und lokalpolitische Entscheidungsträger. In zahlreichen Kursen, Aktivitäten und Workshops setzen sie sich insbesondere mit den Themen Kinderrechte und Gemeindeentwicklung auseinander.

Kinder machen Radio und treten lautstark für ihre Rechte ein

Einweihung der neuen Radiostation in Miranda (Foto: Kindernothilfepartner)

In selbst gestalteten Radiobeiträgen, die über Lautsprecher auf der Straße ausgestrahlt werden, machen die Kinder auf kreative Art und Weise auf Missstände aufmerksam und fordern lautstark Verbesserungen ein. Wöchentlich stellen sie eigenverantwortlich Radioprogramme über ihre Realität vor Ort, ihre Rechte und Pflichten sowie Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen zusammen. Denn diese zu verstehen, einzufordern und wahrzunehmen, hilft ihnen dabei, ihr Leben zu ändern und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die Sendungen sind sehr beliebt und haben eine enorme Resonanz im Projektgebiet: Hunderte von Jungen und Mädchen gehören zu ihrer Hörerschaft. Sie werden informiert und für Aktionen – z.B. zur Gewaltprävention – mobilisiert. Um dieses Engagement der Kinder und Jugendlichen weiter zu fördern wurden 2017 zwei neue Radiostationen eingerichtet. Die Gemeinde Miranda hat dafür sogar extra einen zusätzlichen Raum in einer Schule gebaut.

Auf die Frage, was die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde von diesem Projekt erwarten und welche Vorteile das Radio hat, klingen die Antworten voll Eifer und der Bereitschaft, neue Entdeckungen zu machen. „Es wird sehr gut sein!“ „Ich denke, wir werden es sehr mögen.“ „Es lässt uns mehr Beschäftigung haben.“ „Und du kannst viele verschiedene Dinge lernen.“

Kinder äußern ihre Meinung und werden aktiv

In gemeindeübergreifenden Workshops setzen sich Familien mit der Alltagsrealität in ihren Gemeinden auseinander und identifizieren Prozesse und Aktivitäten, die ihnen notwendig erscheinen, um die Rechte von Kindern zu garantieren. Anschließend werden sie den jungen Heranwachsenden vorgestellt, die nun ihrerseits aufgefordert sind, ihre Meinung dazu zu äußern und sich aktiv zu beteiligen.

Für den Projekterfolg ist es essentiell, dass die Mädchen und Buben zu jedem Zeitpunkt aktiv in die Durchführung, aber auch in die Auswertung der Projektaktivitäten eingebunden sind. Ihre Erfahrungen mit dem Projekt und dessen Einfluss auf ihre Gemeinde haben sie zunächst in Zeichnungen und Bildern festgehalten. Anschließend haben sie ihre Sicht auf das Projekt und die Projektarbeit erläutert und zur Diskussion gestellt. In einem weiteren Schritt haben die Mütter die Geschichten ihrer Kinder mit ihren eigenen Eindrücken und Erkenntnissen verbunden und ebenfalls illustriert und präsentiert. Der Fantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Manche Mütter fertigten Kissen an und bestickten sie mit Motiven aus ihrem Alltag. In einer Gemeinde wurde sogar eine Patchwork-Decke angefertigt. Diese Aktion war mehr als das Verstricken von Fäden oder Anfertigen einer Handarbeit; sie hat insbesondere zur Stärkung familiärer und zwischenmenschlicher Bindungen beigetragen.

Kinder intervenieren und nehmen Einfluss auf die Entwicklung in ihren Gemeinden

Erkenntnisse aus den Kursen und Workshops mit den Kindern und Jugendlichen werden in den neuen Entwicklungsplänen berücksichtigt. In Versammlungen mit Gemeindeorganisationen wird deutlich gemacht, wie wichtig die Intervention der jungen Menschen ist. Vor Vertretern der Gemeindeverwaltung können sie die wichtigsten Herausforderungen, die sie in ihren Gemeinschaften zur Gemeindeentwicklung und Umsetzung von Kinderrechten identifiziert haben, präsentieren und die aus ihrer Sicht erforderlichen Strategien und Aktionen zur Problembehebung zur Diskussion stellen.

Kommunikation ist nicht nur ein Menschenrecht, wie dieses Projekt in Brasilien deutlich zeigt. Es ist den jungen Menschen ein Werkzeug, mit dem sie einen Zugang zu ihrer eigenen Identität finden können, weil sie sich für ihre Radiosendungen mit ihrem Umfeld auseinandersetzen und beginnen, sich damit zu identifizieren. Und letztlich können sie ihre ganz eigenen Zukunftsperspektiven entwickeln und eigenverantwortlich in eine besser Zukunft starten.

 

Mehr Infos zu unserem Projekt „Lernen fürs Leben“ in Bahias Kommunen Retirolândia und Santaluz auf unserer Webseite: www.kindernothilfe.at/lernenfuersleben

Wenn Kindern die Identifikation mit ihrem Umfeld genommen wird, haben sie es schwer, Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Im nordostbrasilianischen Bundesstaat Bahia liegen die beiden Kommunen Retirolândia und Santaluz, die zu den ärmsten der Region zählen. Anhaltende Dürreperioden und fehlende E[...]

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19. März 2018

Afghanistan: Malen und Zeichnen bricht das Eis

„Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf.“

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Ava [Name geändert] ist gehörlos. Als sie vor zwei Jahren in das Inklusionsprojekt SHIP (SERVE’s Hearing Impaired Project) aufgenommen wurde, weigerte sich das Mädchen zunächst, die Zeichensprache zu lernen und sich am Unterricht zu beteiligen. Ihre Mutter gab aber nicht auf und ging eine Zeit lang täglich mit in die Schule. Eines Tages sollten die SchülerInnen aufzeichnen, was ihnen viel bedeutete und Ava malte ein schönes Bild von ihrem kleinen Haus. Seit diesem Tag bleibt sie ohne ihre Mutter in der Schule. Sie spielt jetzt mit ihren KlassenkameradInnen und ihre Zeichensprache wird von Tag zu Tag besser. Ava möchte ihre Schulbildung abschließen und vielleicht sogar selbst Lehrerin für hörgeschädigte Kinder werden.

Avas Eltern sind erleichtert. Sie haben nun ein fröhliches Kind zuhause, das sich am Familienleben beteiligt. Auch sie sind schon recht gut in der Zeichensprache und nehmen regelmäßig an Elterntreffen teil, um sich mit anderen Familien, die ein ähnliches Schicksal haben, auszutauschen.

Behinderung ist (k)eine Schande!

Im kriegsgebeutelten Afghanistan leben überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderungen, verursacht durch Landminen- und Granatenverletzungen, schlechte Gesundheitsversorgung, Mangel- und Fehlernährung sowie Verheiratung innerhalb der Großfamilie. Obwohl das afghanische Bildungsministerium bereits vor einigen Jahren Richtlinien für inklusive Bildung verabschiedete, gilt ein Kind mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung in weiten Teilen des Landes nach wie vor als Schande für die Familie.

Unser lokaler Partner SERVE Afghanistan begann sein umfassendes Engagement für Kindern und jungen Erwachsenen mit Behinderung im Jahre 1972. Das Projekt SHIP richtet sich schwerpunktmäßig an hörbehinderte Mädchen und Buben sowie deren Familien in den Provinzen Nangarhat und Laghman östlich von Kabul. Es werden aber auch körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder betreut und gefördert. Ziel ist es, die Lebensqualität durch Rehabilitation zu verbessern und Inklusion in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Gesellschaft und Wirtschaft zu erreichen.

SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner)

Die ProjektmitarbeiterInnen holen die Kinder und ihre Familien dort ab, wo sie stehen – um ihnen genau die Hilfe zuteil werden zu lassen, die sie benötigen. Sie zeigen auf, welche physischen und psychischen Möglichkeiten das Kind hat, und informieren über geeignete Fördermaßnahmen. Darüber hinaus ist es SERVE wichtig, dass die Kinder möglichst nicht zuhause versteckt werden, sondern ihre Eingliederung in eine Regelschule und die Gesellschaft gelingt. Denn neben Eltern und Schule ist die Beteiligung der Gemeinde einer der Grundpfeiler für Inklusion. SERVE hat Gemeinderehabilitationskomitees gegründet. Dort werden die Mitglieder regelmäßig geschult, um sie zu stärken und in die Lage zu versetzen, sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen einzusetzen. Nachhaltigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt in der Projektarbeit. Unser Ansatz ist, möglichst viele verschiedene Akteure an der Projektplanung und -Implementierung zu beteiligen und sie zunehmend zu befähigen, die Aktivitäten eigenständig durchzuführen. SERVE unterstützt solange beratend, bis die Verantwortung für das Projekt schließlich ganz in die Hände der Gemeinde übergeben werden kann.

Inklusion ist der Weg zu einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichermaßen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, und in der die Erfüllung von Grundrechten geachtet wird. Dies bedeutet, den Weg in eine menschengerechte, nicht diskriminierende Gesellschaft zu ebnen, damit alle Menschen und insbesondere die vielfältigen, marginalisierten Gruppen, die überall auf der Welt ausgeschlossen werden, ihre Grundrechte wahrnehmen können.

 

Weitere Details zum Projekt „Schule fürs Leben“

„Inklusion ist nicht nur eine gute Idee, sondern ein Menschenrecht. Inklusion bedeutet, dass kein Mensch ausgeschlossen, ausgegrenzt oder an den Rand gedrängt werden darf." SHIP Projekt (Foto: Kindernothilfepartner) Ava [Name geändert] ist gehörlos. Als sie vor zwei Jahren in das Inklu[...]

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Philippinen: Frauenpower gegen Armut und Katastrophen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen! 

Versammlung einer Selbsthilfegruppe auf den Philippinen (Foto: Kindernothilfepartner)

Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, dass Frauen ein neues, starkes Selbstbewusstsein bekommen. Denn das befähigt nicht nur die Familie, sondern ganze Dörfer und Kommunen, ihre Lebensumstände zu verbessern. Vor allem nach dem verheerenden Taifun Haiyan 2013 bemüht sich unsere Partnerorganisation SIKAT in der Region Guiuan darum, Selbsthilfegruppen für Frauen zu gründen. Sie sind eine Art Plattform, auf der Ideen entstehen, Träume verwirklicht und Strategien entwickelt werden. Unsere Korrespondentin Jenifer Girke war dort und hat sich umgesehen.

 

Das wirkliche Überleben begann danach

Es war der 8. November 2013. Die meisten Bewohner in der philippinischen Provinz Guiuan waren zu Hause, auf See zum Fischen oder in der Schule. Viele hatten die Warnungen nicht ernst genug genommen, schließlich sind sie heftige Naturkatastrophen gewohnt. Doch “Haiyan”, oder “Yolanda”, wie ihn die Einheimischen nennen, war anders. Er war stärker, grausamer und brutaler. Der Taifun zerstörte mit einer Geschwindigkeit von 379 km/h alles, was seiner Wucht nicht standhalten konnte. Richelles Zuhause hielt auch nicht stand: “Evakuiert?”, fragt die 33-Jährige mit einem ironischen Lächeln, “Nein, wir wurden hier nicht weggebracht, wir wurden auch nicht gerettet. Wir blieben einfach zu Hause.” Richelle, ihr Mann und die vier Kinder überlebten den Taifun, aber das wirkliche Überleben begann danach: “Nach dem Taifun hatten wir nichts mehr – kein Essen, kein Zuhause, keine Kleidung. Ich wusste wochenlang nicht, was ich meinen Kindern zu essen geben sollte. Selbst wenn wir Geld gehabt hätten, gab es nichts zum Kaufen.”

Der Taifun Haiyan hat vielfach die getroffen, die ohnehin schon wenig hatten. Nicht nur der Fischfang lag danach brach. (Foto: Kindernothilfepartner)

Hilfe für entferntere Inseln

Viele lokale Hilfsorganisationen konzentrierten sich in den ersten Tagen nach Haiyan auf die Festland-Gebiete rund um die Stadt Tacloban. Sozialarbeiter berichten sogar davon, dass sich einige Nichtregierungsorganisationen weigerten, entsprechende Hilfe auf entferntere Inseln zu bringen – zu groß sei das Risiko eines nächsten Taifuns. Doch einen Plan zur Umsiedlung gab und gibt es nicht, bis heute, mit der Begründung, es fehle das Geld. Die Folge: Gebiete wie die Inseln Victory Island oder Camparang, auf der auch Richelle lebt, wurden sich selbst überlassen.

Wir sind mit unserer Partnerorganisation SIKAT schon jahrelang in der Provinz Guiuan im Einsatz. Neben Soforthilfe und Sicherstellung einer grundsätzlichen Versorgung ist es ein großes Anliegen, Menschen wie Richelle eine langfristige Perspektive zu geben, damit sie sich selbst eine Zukunft aufbauen können. Auch wenn Geld eine entscheidende Notwendigkeit ist, brauchen diese Menschen zunächst etwas anderes: Glauben an sich selbst und neuen Mut. Ohne Selbstbewusstsein und einen guten Plan, von dem die Betroffenen selbst überzeugt sind, nützen Geldspenden nur bedingt etwas. “Wir wollen in die Zukunft dieser Menschen investieren. Sie sollen nicht abhängig von dem Geld anderer sein, sondern sich befähigen, eigenes Geld zu verdienen”, erklärt der philippinische Kindernothilfe-Mitarbeiter Ken Cacao, der für die Region Samar zuständig ist.

Eine Selbsthilfegruppe führt Buch über die Ersparnisse (Foto: Kindernothilfepartner)

„Pagkakaisa“ bei den Frauen schaffen

Die erste Selbsthilfegruppe (SHG) gründete die Kindernothilfe in der Kommune San Juan südwestlich von Manila. Sie trägt  den Namen “Pagkakaisa”, das bedeutet “Einigkeit”. Genau das ist das Ziel: Einigkeit schaffen, in der Familie, dem Dorf, der Kommune. Die Kindernothilfe-Koordinatorin auf den Philippinen, Daryl Leyesa, ist von dem Konzept überzeugt: “Es ist ein sehr effektiver Ansatz, der auf Stärkung der Menschenrechte basiert und sich stets nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen vor Ort richtet.” Nach zehn Jahren ist sehr deutlich, dass dieses Konzept erfolgreich hilft, den Beteiligten eine neue, hoffnungsvolle Perspektive zu geben: “Die SHGs  richten sich an die Ärmsten unserer Gesellschaft und zeigen ihnen, wie sie sich selbst stärken und damit aus der Armut befreien können”, so Leyesa.

Ausdruck für das neue Bewusstsein für Katastrophenschutz: eine Hochwasser-Gefahrenkarte (Foto: Kindernothilfepartner)

Nach Haiyan richtete SIKAT sein Augenmerk verstärkt auf die Regionen, in denen viele Bürger durch die Katastrophe ihre Existenz verloren hatten. Hier brauchte es dringend ein neues Bewusstsein für Katastrophenschutz, eine bewusste Wahrnehmung der eigenen Verantwortung, aber auch der eigenen Fähigkeiten, mit der Gefahr von Taifunen und ähnlichen Geschehnissen umzugehen. Das ist es, was vor allem Ken Cacao in seiner täglichen Arbeit in diesen Gebieten antreibt. Er kümmert sich seit dem Taifun um die am stärksten betroffenen Gemeinden und besucht regelmäßig die Treffen der SHGs: “In allererster Linie geht es uns hier um die Stärkung der Gemeinschaft. Wenn diese Frauen lernen und verstehen, wie viel sie in ihrer eigenen Hand haben, dann entwickelt sich ein ganz neues Selbstbewusstsein und das stärkt das ganze Dorf. Ein gestärktes Dorf kann nicht nur Probleme wie Armut besser bekämpfen, sondern auch effektiver mit Naturkatastrophen umgehen. Das ist überlebenswichtig.”

Dass man sich bei diesem Appell zunächst an Frauen richtet, ist eine logische Schlussfolgerung der gesellschaftlichen Situation, denn Frauen werden auf den Philippinen nach wie vor als minderwertige Bürger angesehen, deren Fähigkeiten stets auf innerfamiliäre Aufgaben reduziert werden. Deswegen sind es die Frauen, die oft unentdecktes Potenzial haben, aber nicht den Glauben daran, es auch nutzen zu können.

Richelle konnte sich dank ihrer Selbsthilfegruppe ein kleines Geschäft zu Hause aufbauen (Foto: Kindernothilfepartner)

Richelles Schritt in eine positive Zukunft

So auch Richelle. Mit diesem neu geschöpften Antrieb hat sie sich  ein kleines Geschäft zu Hause aufgebaut: “Ich habe vier Kinder zu Hause, also kann ich nicht weit wegfahren, um zu arbeiten. Aber dann dachte ich mir, wenn ich nicht zur Arbeit kann, hole ich mir die Arbeit eben nach Hause.” Einmal im Monat kauft die Familienmutter Benzin auf dem Festland ein, füllt es zu Hause in kleine Plastikflaschen und verkauft es an die Fischer auf ihrer Insel. Das Startkapital dafür konnte sich Richelle aus dem Fond der Selbsthilfegruppe leihen. Man merkt, dass dieses Gefühl von ‘Ich kann auch etwas!’ noch ganz neu ist. Aber eines ist sicher: Es steht den Frauen richtig gut!

Mehr zu unserem Selbsthilfegruppen-Projekt auf den Philippinen

Danke an unsere deutsche Kollegin Gunhild Aiyub für diesen interessanten Blogbeitrag zum Thema Selbsthilfegruppen!  Versammlung einer Selbsthilfegruppe auf den Philippinen (Foto: Kindernothilfepartner) Die Kindernothilfe-Partner auf den Philippinen setzen sich seit zehn Jahren dafür ein, [...]

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23. Dezember 2017

Post aus dem Kindernothilfe-Projekt iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:

 

Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe das Projekt letztes Jahr in der achten Schulstufe kennengelernt, als ich noch nicht wusste, wie sich die Welt um mich herum verändert und welchen Gefahren ich in der Schule begegnen könnte.
Die MitarbeiterInnen von iThemba Lethu haben mir eine andere Sicht auf das Leben gezeigt. Sie zeigten mir, dass man außer Karrierezielen auch andere Ziele im Leben haben kann. Und wie man sein Leben gestaltet – trotz beruflicher oder finanzieller Schwierigkeiten.
Man kann hier mit den MitarbeiterInnen über alles reden. Sie verstehen die Lebenswelt und die Gedanken von Heranwachsenden. iThemba Lethu hat mir viele Dinge bewusst gemacht, und dadurch hat sich mein Leben verändert. Ich verstehe, weshalb ich mich von negativen Einflüssen fernhalten muss und wie meine täglichen Entscheidungen meine Zukunft beeinflussen.
Ich hatte aufgrund des Umfeldes, aus dem ich komme, ein geringes Selbstwertgefühl. Ich sage nicht, dass ich bereits ein gutes Mädchen bin. Aber ich bin langsam auf dem Weg, eines zu werden.
Ich bin dankbar für all das, was mir iThemba Lethu gelernt hat. Unsere LehrerInnen unterrichten uns aus tiefstem Herzen und mit voller Hingabe. iThemba Lethu macht eine wundervolle Arbeit und ich hoffe, dass viele Kinder hier fürs Leben lernen können. Diese Organisation hat mir in den letzten zwei Jahren sehr geholfen. Sie unterstützt mich sehr dabei, erwachsen zu werden und jeden Tag mich persönlich zu verbessern.

Luyanda

 

Zum Projekt:

„I have a destiny – Ich habe eine Bestimmung“, lautet das Motto des Kindernothilfe-Projekts iThemba Lethu im südafrikanischen Township Cato Manor in der Nähe der Großstadt Durban. Das Leben hier ist geprägt von Hoffnungslosigkeit: 6,3 Millionen Menschen in Südafrika leben mit HIV, 60 Prozent davon sind Frauen. 2,3 Millionen Kinder sind als Folge von HIV/Aids bereits zu Waisen geworden.

„Wir müssen schon den Kindern vermitteln, dass sie – entgegen allem, was sie täglich hören und erleben – eine Hoffnung, eine Zukunft haben“, betont daher iThemba-Lethu-Projektdirektorin Karen Brokensha. Das von der Kindernothilfe unterstützte Projekt kümmert sich um Aidswaisen, hilft bei der Suche nach Adoptionseltern und legt einen großen Schwerpunkt auf Bildung und Prävention.

Mehr dazu auf unserer Webseite

Luyanda, 15, hat ihre Eltern an Aids verloren. Seit zwei Jahren nimmt sie am Projekt der Kindernothilfe iThemba Lethu nahe der südafrikanischen Großstadt Durban teil und ist für ihre Chance, hier sein zu dürfen, sehr dankbar:   Ich bin seit zwei Jahren bei iThemba Lethu. Ich habe [...]

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