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KINDERNOTHILFE-BLOG

Wir informieren Sie über unsere Projekte und teilen Alltagsgeschichten und persönliche Erfahrungen der Kinder und ihrer Familien. Ausserdem berichten wir über Themen wie Kinderarbeit, Kinderrechte und Kindesschutz sowie aktuelle Trends in der Entwicklungszusammenarbeit.

Viel Spaß beim Lesen!

21. Februar 2021

Wer schützt die Kinderrechte in Honduras?

Die Menschenrechtslage im zentralamerikanischen Honduras ist besorgniserregend. Das bescheinigte auch die Überprüfung im jüngsten UPR-Verfahren der Vereinten Nationen. Vor allem die Jüngsten leiden unter den Auswirkungen von Armut, Gewalt und der Verletzung der Kinderrechte. Deshalb hat unser Partner COIPRODEN zusammen mit Kindern und Jugendlichen Empfehlungen erarbeitet, wie die Situation in Honduras verbessert werden kann.

In Honduras ist für die Betroffenen Eines klar: Sie wollen etwas verändern, indem sie sich Gehör verschaffen.
In Honduras ist für die Betroffenen Eines klar: Sie wollen etwas verändern, indem sie sich Gehör verschaffen.

„Als Kind gehe ich nicht allein auf die Straße, weil ich entführt und vergewaltigt werden kann.“ Solche Ängste sind für junge Menschen in Honduras bittere Realität. Denn Morde und Menschenhandel sind an der Tagesordnung. Gerade mit Blick auf die Kinderrechte zeichnet sich ein düsteres Bild: Kinder und Jugendliche sehen oft nur einen Ausweg aus der Armut: den Eintritt in die Maras. Das sind ursprünglich kriminelle Jugendbanden, die vor allem in Mittelamerika operieren, aber auch in den USA aktiv sind.

„Die Kinder, die in die Maras eintreten, haben keine Alternative“, sagt die fünfzehnjährige Maylin. „Für sie gibt es weder Schule noch Arbeit. Sie würden alles tun, um zu überleben.“ Und ein anderes Mädchen fügt hinzu: „Sie werden gezwungen, Drogen zu verkaufen, weil niemand ein Kind verdächtigen würde. Wer nicht mitmacht, setzt das Leben der Eltern und Geschwister aufs Spiel.“

Wo bleiben die Kinderrechte?

Eins ist klar: Die Betroffenen wollen etwas verändern, indem sie sich Gehör verschaffen. Denn Kriminalität und Migration sind keine Zukunftsperspektiven. Wo bleiben da die Kinderrechte? Der Kindernothilfe-Partner COIPRODEN hilft ihnen dabei. Das Netzwerk hat betroffene Kinder und Jugendliche im ganzen Land gefragt, wie sie ihren Alltag und die ständige Bedrohung und Gewalt erleben. Gemeinsam haben sie Empfehlungen und Forderungen erarbeitet, damit die Regierung endlich ihre Rechte anerkennt und schützt.

Wer seine Rechte einfordern will, muss sie erst kennenlernen.
Wer seine Rechte einfordern will, muss sie erst kennenlernen.

Kinder bringen sich ein

Teil der COIPRODEN-Initiative war es, den Kindern den UPR-Prozess zu erklären. So erfahren sie, dass sich die UN-Mitgliedstaaten alle fünf Jahre gegenseitig überprüfen. Ziel des Verfahrens ist es, durch Empfehlungen zur Verbesserung der Menschenrechtssituation Druck auf die Regierung auszuüben. Auch zivilgesellschaftliche Organisationen können sich beteiligen und Empfehlungen aussprechen.

Genau dafür hat COIRPDEN die Umfrage unter den Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Ihre schlechten Erfahrungen mit den Kinderrechten machen sie zu Experten für Verbesserungsvorschläge. Die haben sie in einem interaktiven Dialog gesammelt. Zum Schluss haben sie selbst eine UPR-Sitzung (englisch für Universal Periodic Review) nachgespielt und sind dafür zum Beispiel in die Rolle der honduranischen Regierung oder anderer UN-Mitgliedsstaaten geschlüpft.

UPR-Verfahren in einem UN-Sitzungssaal in Genf
UPR-Verfahren in einem UN-Sitzungssaal in Genf

Gewalt trifft besonders Minderjährige

„In dem Viertel, in dem ich wohne, haben sie einige Nachbarn getötet, nur weil sie der dort herrschenden Mara nicht beigetreten sind“, erinnert sich eines der teilnehmenden Kinder. Die straff organisierten Gangs verüben Morde, handeln mit Menschen, Waffen und Drogen, betreiben Prostitution und Autoschieberei und bedienen sich dabei vor allem Minderjähriger.

Von den 3.733 Mordfällen, die Honduras für das Jahr 2018 verzeichnet, treffen 51,5 Prozent Kinder und Jugendliche. 2019 wurden jeden Monat 14 Personen Opfer von Menschenhandel, die meisten von ihnen waren zwischen 14 und 16 Jahren alt. Die Aufklärungsrate ist erschreckend gering – 2018 etwa erreichte sie nicht einmal ein Viertel. Solche Zahlen schüren Angst und werfen ein Schlaglicht auf die fortwährende Verletzung der Menschen- und Kinderrechte.

Kinder und Jugendliche sind der Gewalt in Honduras in besonderem Maße ausgesetzt.
Kinder und Jugendliche sind der Gewalt in Honduras in besonderem Maße ausgesetzt.

„Wächter des Vaterlands“

Armut, fehlende Bildung, Chancenlosigkeit und die Gewalt der Maras – das alles führt dazu, dass sich ganze Familien, aber auch unbegleitete Minderjährige gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen. Statt den Problemen mit dem Ausbau von Schulen oder Sozialprogrammen zu begegnen, treibt die Regierung eine Initiative zur Werteerziehung voran, das den Namen „Wächter des Vaterlandes“ trägt. Es fördert die Militarisierung von Kindesbeinen an und verstößt gegen zahlreiche Kinderrechte. „Die Menschen gehen weg, weil es in anderen Ländern bessere Möglichkeiten gibt als in Honduras“, erklärt Maylin. Deshalb hält sie es für so wichtig, die Lebensbedingungen zu verbessern, auch und gerade für Kinder und Jugendliche.

Bildung ist der Schlüssel

Eine gute Schulbildung ist zentral für den Ausbau und Schutz der Kinderrechte in Honduras. 2018 besuchten gerade einmal 53,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine Schule. Und selbst die haben es oft mit schlecht ausgebildeten Lehrern zu tun.

„Schafft die Verwendung von Uniformen in Schulen ab und stattet sie mit Büchern und Schreibtischen aus!“, fordern die Teilnehmer der COIPRODEN-Initiative. Und: Bildung für alle muss kostenfrei und allgemein zugänglich sein, und es muss allen Schülern möglich sein, in Ruhe zu arbeiten und zu lernen. Denn je früher Kinder begreifen, dass sie eine Stimme haben, die zählt, desto besser können sie ihre Kinderrechte verteidigen und gegen Rechtsverletzungen vorgehen – so wie Maylin und die anderen, die COIPRODEN so erfolgreich für das heutige UPR-Verfahren aktiviert hat.

Kinder halten Spielzeugpistolen in die Höhe: Übung zur Gewaltprävention in einer Grundschule in Tegucigalpa. Kinderrechte kommen hier meist zu kurz.
Übung zur Gewaltprävention in einer Grundschule in Tegucigalpa. Gemeinsam lernen die Kinder, dass Gewalt und Waffen keine Lösung sind. Am Ende tauschen sie ihre Spielzeugwaffen gegen ein Schul-Kit ein.

Die Menschenrechtslage im zentralamerikanischen Honduras ist besorgniserregend. Das bescheinigte auch die Überprüfung im jüngsten UPR-Verfahren der Vereinten Nationen. Vor allem die Jüngsten leiden unter den Auswirkungen von Armut, Gewalt und der Verletzung der Kinderrechte. Deshalb hat unser Pa[...]

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17. Februar 2021

Kinderrechte – verschwiegen, ignoriert, missachtet

Seit zehn Jahren gibt es das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern. Allerdings hapert es immer noch an der Umsetzung – und Recht wird oft mit Moral oder Betroffenheit verwechselt. Regierung, Parlament und Rechtsprechung müssen sich endlich mit dem BVG Kinderrechte auseinandersetzen, fordern Kinderrechtsorganisationen.

Die Abschiebung von Minderjährigen rückte Kinderrechte in den Mittelpunkt. Im Regierungsprogramm ist die Evaluierung des Verfassungsgesetzes verankert. Passiert ist aber wenig. (Foto: Getty Images)
Die Abschiebung von Minderjährigen rückte Kinderrechte in den Mittelpunkt. Im Regierungsprogramm ist die Evaluierung des Verfassungsgesetzes verankert. Passiert ist aber wenig. (Foto: Getty Images)

Der „Präsident schwächelt. In der Abschiebe-Causa hat sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen exponiert, und zwar für die Kinder. Fazit: Im aktuellen Politbarometer rutscht er um vier Punkte auf 20 Prozent ab“, heißt es in einer Österreich-Umfrage. Was genau hat das Staatsoberhaupt in der Beliebtheit bei der Bevölkerung sinken lassen? Er hatte sich doch „für die Kinder“ starkgemacht. In seiner Videobotschaft sagte er: „Was ist mit den Rechten der Kinder, den Kinderrechten, die gewährleistet sind? Wurden die Kinder ausreichend gehört? […] Und ich appelliere an alle, die hier Verantwortung tragen: Geben wir dem Wohl von Kindern und Jugendlichen Vorrang.“

Van der Bellen hat schlicht und einfach auf das „Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern“ verwiesen, das heute vor zehn Jahren, am 16. Februar 2011, in Kraft getreten ist. Doch nicht wortwörtlich. Er mag das BVG Kinderrechte im Kopf gehabt haben, er, der glühende Verfechter der „Eleganz unserer Verfassung“. Aber er hat das Kind nicht beim Namen genannt. Selbst der Bundespräsident hat „seine klare Haltung“ nicht mit der Verfassung untermauert. Hoch anzurechnen ist ihm aber, dass er als Einziger zumindest den Begriff der Kinderrechte bemüht hat.

Bei allen Kinder betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen muss das Wohl des Kindes eine vorrangige Erwägung sein. Jedes Kind hat das Recht auf angemessene Beteiligung und Berücksichtigung seiner Meinung in allen das Kind betreffenden Angelegenheiten, in einer seinem Alter und seiner Entwicklung entsprechenden Weise.

Aus Artikel 1 und 4, Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern

Unbekanntes Gesetz

Was soll’s? Wen juckt die Verfassung, ist man verführt zu entgegnen. Es hätte einen Unterschied gemacht, doch! Dem Reigen der Entrüstung zu den Abschiebungen von Kindern, aus welchen Gründen auch immer, hätte von Beginn an Wind aus den Segeln genommen werden können. Auf den immer selben Tenor von „Politik und Verwaltung müssen auf Basis der Gesetze agieren!“ hätte reflexartig von allen Menschen besseren Wissens aus Politik und Medien die Klarstellung folgen müssen:

„Ja, richtig, wir leben in einem Rechtsstaat mit Regeln. Nur sind auch die Kinderrechte Teil dieser Regeln, die einzuhalten sind. Noch dazu Verfassungsrecht, also ganz oben im Stufenbau der Rechtsordnung. Und dieser Teil unserer Verfassung wurde hier nicht beachtet, nicht im Asylverfahren und nicht bei der Form der Abschiebung.“ So hat das aber niemand gesagt. Also drehte sich schnell alles nur noch um Begriffe wie Menschlichkeit, Betroffenheit, Moral, Nächstenliebe, Vernunft oder Verhältnismäßigkeit. Dabei ging es um Recht, um das BVG Kinderrechte, das in den vergangenen zehn Jahren seiner Gültigkeit verschwiegen, ignoriert und missachtet wurde. In einem Gespräch mit dem STANDARD hat Verfassungsexperte Heinz Mayer erst kürzlich analysiert, dass vor allem das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern aus dem Jahr 2011 dem Gericht (Anm. dem Bundesverwaltungsgericht) offenbar unbekannt war.

Schell, schnell

Wie kann das sein? Dazu ein Blick in die Historie: Die UN-Kinderrechtskonvention war 1992 im Zuge der Ratifikation vom Nationalrat nicht als Verfassungsgesetz genehmigt worden wie zum Beispiel die Europäische Menschenrechtskonvention. Ihre unmittelbare Anwendbarkeit vor Gericht und Behörden war 19 Jahre lang, von 1992 bis 2011, ausgeschlossen. 2011 schließlich wählten die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP einen selektiven Ansatz für das BVG Kinderrechte: Ein allgemeiner Anspruch auf Schutz und Fürsorge, Kindeswohl und Partizipation, das Verbot von Kinderarbeit und Gewalt und ein Diskriminierungsverbot von Kindern mit Behinderung schafften es in den Verfassungsrang. Dafür wurde ein weitreichender, der UN-Kinderrechtskonvention nicht entsprechender Gesetzesvorbehalt eingefügt.

Es ging alles schnell, schnell damals. Bedenken wurden vom Tisch gewischt. Also keine Aufnahme von sozialen Rechten bezüglich Armutsbekämpfung, Gesundheit, Freizeit und Spiel. Was sich aber schon 2011 als besonders problematisch abzeichnete, war das Fehlen von wirksamen Garantien zur effektiven, an den Bedürfnissen von Kindern orientierten Umsetzung und Geltendmachung der Kinderrechte. Schulungen von Richtern und Richterinnen zum BVG Kinderrechte? Fehlanzeige. Wurden in den vergangenen zehn Jahren Gesetze auf ihre Vereinbarkeit mit dem BVG Kinderrechte explizit geprüft? Keine Antwort. Auch zur „Evaluierung des Grundrechtsschutzes im BVG Kinderrechte“ aus dem Regierungsprogramm 2020–2024 hat niemand bisher öffentlich aufgezeigt. Bleiben ja noch drei Jahre.

Unbeliebtes Thema

Zehn Jahre BVG Kinderrechte, und niemand in der Regierung brannte je für Kinderrechte. So wurde Anfang des Jahres zum Nachfolger einer scheidenden Ministerin für Arbeit, Familie und Jugend ein Ökonom bestellt – und die übrig gebliebenen Agenden wurden dem Frauen- und Integrationsressort zugeschoben. Wie es jungen Menschen geht, was sie belastet, was sie brauchen, wie sie ticken, Stichwort Recht auf Mitbestimmung – wer schert sich darum? Erst Hilferufe zur belasteten psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise müssen die Regierung wachrütteln, dass sie sich den Schulöffnungen widmet.

Nein, es ist nicht der Präsident, der schwächelt. Es schwächeln vielmehr alle in Regierung, Parlament und Rechtsprechung, die sich nicht endlich umfassend mit dem BVG Kinderrechte auseinandersetzen.

Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez, Koordinatorin des Netzwerkes Kinderrechte, einer Plattform von 45 österreichischen Organisationen, die sich für die Umsetzung und Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzt.

Seit zehn Jahren gibt es das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern. Allerdings hapert es immer noch an der Umsetzung – und Recht wird oft mit Moral oder Betroffenheit verwechselt. Regierung, Parlament und Rechtsprechung müssen sich endlich mit dem BVG Kinderrechte auseinandersetzen[...]

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13. Februar 2021

Radio macht Schule

Die achtjährige Leyla sitzt mit 45 anderen Mädchen und Buben unter einem riesigen, schattenspenden Marula-Baum. An den Baumstamm ist eine Schultafel gelehnt, daneben steht ein kleines solarbetriebenes Plastikradio. Ein junger Mann hantiert geschickt mit der Antenne bis er die richtige Frequenz gefunden hat und eine Stimme auf Englisch den Unterrichtsbeginn ankündigt. Die Augen der Kinder beginnen zu leuchten und sie lauschen gebannt.

Eine halbe Stunde lang gibt das Radio dem Lehrer detaillierte Instruktionen: „Schreiben Sie die Zahl ’10‘ an die Tafel“ oder „Holen Sie einen Schüler nach vorne.“ Sie sind sehr hilfreich für Leylas Lehrer, der selbst keine entsprechende Ausbildung hat. Wie übrigens so viele andere Lehrer in den ländlichen Gebieten Sambias, wo studierte Fachkräfte eine Seltenheit sind.

Radio sichert das Kinderrecht auf Bildung

Überall und jederzeit verfügbar, ist Radio laut UNESCO das meistgenutzte Medium der Welt und eine Plattform für Meinungsvielfalt, Information und Unterhaltung. Und seit mittlerweile 110 Jahren ein weltweiter Wegbegleiter im Alltag. In den ärmsten Regionen der Welt stellt es zusätzlich eine notwendige Schulunterrichtsvoraussetzung dar und sichert so benachteiligten Mädchen und Buben ihr Recht auf Bildung. Wie eben in der dünn besiedelten Chikuni Region, südöstlich von Sambias Hauptstadt Lusaka. Für die meisten Kinder aus sehr armen Familien ist es kaum möglich, eine reguläre, öffentliche Schule zu besuchen, denn sie leben oft bis zu 50 Kilometer entfernt. Ein viel zu weiter Fußmarsch, auf dem viele Gefahren lauern. Besonders Mädchen riskieren Entführungen und Vergewaltigungen. Zudem müssen viele von ihnen bereits auf dem Feld arbeiten, um die bittere Armut ihrer Familien zu lindern.

Für diese Kinder betreibt der Kindernothilfe-Partner Chikuni Mission sogenannte Radioschulen und strahlt täglich vorproduzierte Schulfunkprogramme bis in die entlegensten Dörfer der Region aus. Die Kinder versammeln sich in Gemeinderäumen oder im Freien und folgen dem Radiounterricht in ihrer Sprache Tonga unter Anleitung freiwilliger Leher*innnen. Diese helfen ihnen auch beim Erarbeiten des jeweiligen Lernstoffes. Dabei werden die Kinder bis zur siebten Klasse unterrichtet und absolvieren die staatlichen Prüfungen am Ende jedes Schuljahres. Durch die enge Zusammenarbeit der Chikuni Mission mit dem Bildungsministerium von Sambia lassen sich die Erfolge sehen. Viele der Chikuni-Radioschüler erreichen bei den staatlichen Tests gute Ergebnisse, manche sogar landesweit herausragende.

Lernen fürs Leben

Über die Beiträge, die sie täglich gemeinsam über das Radio empfangen, lernen die Mädchen und Buben Inhalte aus den wichtigsten Schulfächern. Mathematik, Lesen, Schreiben, Naturwissenschaften und Technik stehen auf dem Programm. Eine Einheit ist etwa 50 Minuten lang und behandelt ein spezielles Thema. In der Radioschule gibt es aber nicht nur die „klassischen Fächer“. Agrarforstwirtschaft und vor allem effektiver und nachhaltiger Anbau sind ein zentraler Bestandteil des Lehrplans. Das ist besonders wichtig, um gegen die Gefahren des Klimawandels und kommende Dürreperioden besser gewappnet zu sein. Spielerisch erfahren die Schüler*innen zum Beispiel, welche Pflanzen besonders geeignet sind für den Boden vor Ort. Oder wie man sich um die Setzlinge kümmert und wie man richtig erntet. Sie lernen auch, welche Trinkwasserquellen sicher sind und welche Methoden helfen, Wasser zu sparen und sinnvoll einzusetzen.

Bevor sich Leyla gegen 14h wieder auf den Weg nach Hause macht, sagt sie noch stolz: „Jetzt kann ich meinen Eltern zeigen, was ich gelernt habe und sie so unterstützen.“ Die Achtjährige möchte einmal ihren eigenen kleinen Garten haben, wenn sie groß ist.

In meinem Garten wird alles gut wachsen, weil ich hier gelernt habe, wie das geht.

Leyla, 8, Sambia

Ohne Radio geht es nicht

Das Radio wurde schon öfter totgesagt – zuerst durch das Fernsehen, dann durch das Internet. Doch bis heute erreicht es weltweit sechs Milliarden Hörer täglich und bleibt damit das reichweitenstärkste Medium. Ohne Radio wären Millionen von Menschen von Nachrichten ausgeschlossen, denn in vielen Regionen sind lokale Rundfunkstationen die einzige Informationsquelle.

Mit dem Welttag des Radios, der seit 2012 jährlich am 13. Februar stattfindet, möchte die UNESCO auf die Bedeutung dieses Mediums aufmerksam machen.

Die achtjährige Leyla sitzt mit 45 anderen Mädchen und Buben unter einem riesigen, schattenspenden Marula-Baum. An den Baumstamm ist eine Schultafel gelehnt, daneben steht ein kleines solarbetriebenes Plastikradio. Ein junger Mann hantiert geschickt mit der Antenne bis er die richtige Frequenz gef[...]

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11. Februar 2021

Lesbos: Sicherheit und Würde für Geflüchtete

Noch nie in der Geschichte waren so viele Menschen auf der Flucht wie 2020: Über 80 Millionen! Fast die Hälfte dieser Vertriebenen, Verfolgten, vor Kriegen und den Auswirkungen des Klimawandels Geflohenen sind Kinder und kommen zu 70% aus gerade mal sechs Ländern: Syrien, Venezuela, Afghanistan, Südsudan, Myanmar und Äthiopien (UN-Flüchtlingskommissariat). Die ohnehin dramatische Situation von Menschen auf der Flucht, die ohne schützende, solidarische Strukturen wie Familien oder communities aller Art sind, wurde im letzten Jahr durch Covid-19 weiter verschärft – und führte zu einem dramatischen Anstieg um zehn Millionen Menschen – fast 15 Prozent – im Vergleich zu 2019! Welch erbarmungsloser und zynischer Brutalität durch staatliche Institutionen sie dabei oft ausgesetzt sind, zeigt die Geschichte der Menschen aus dem griechischen Camp Pikpa Ende 2020.

Menschen machen sich für Pikpa stark (Foto: Kindernothilfe)
Menschen machen sich für Pikpa stark (Foto: Kindernothilfe)

Auf die „Operation“ am 30. Oktober 2020 war niemand vorbereitet: Schwarz maskierte Spezialkräfte der griechischen Polizei rückten im Morgengrauen dieses Freitags in das auch von Kindernothilfe unterstützte Schutzzentrum Pikpa-Camp in Mythilini auf der Ägäis-Insel Lesbos ein. Wie unser Partner Lesbos Solidarity berichtete, riegelte ein Teil der Polizei-Sondereinheiten das Areal am Rand der Inselhauptstadt ab. Mitarbeitende, Psychologen, Anwälte und medizinisches Personal hatten auf diese Weise keinen Zutritt mehr zum Lager. Währenddessen holten andere Uniformierte die Bewohner aus den kleinen Häusern und Unterkünften des Camps. Rücksichtslos zwangen sie die geschockten und völlig verängstigen Menschen – darunter 32 unbegleitete Kinder – in die bereitgestellten Busse. Eine Person brach während der Polizeiaktion unter Stress zusammen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Eine Karikatur von der Räumung des Pikpa Camps durch einen griechischen Minister (Quelle: Yorgos Konstaninou)
Karikatur des griechischen Künstlers Yorgos Konstantinou zur Räumung des Pikpa Camps

Seit 2012 bot das Pikpa-Camp, das hauptsächlich durch Ehrenamtliche – darunter viele Freiwillige aus der ganzen Welt – betreut wurde, mehr als 30.000 besonders gefährdeten Geflüchteten ein würdiges, humanes Zuhause auf Zeit. Fast alle waren sie zuvor in Moria gewesen, dem berüchtigten, im September 2020 abgebrannten Elendslager, „überwiesen“ von den Behörden und der Lagerverwaltung an Lesvos Solidarity: Mütter mit kleinen Kindern, Schwangere, Menschen mit Behinderung, Schwertraumatisierte und Opfer von Folter. Sie alle fanden in Pikpa Sicherheit und engagierte Betreuung.

Pikpa, das würdige, humane Zuhause auf Zeit – zerschlagen

Auslöser für die Polizeiaktion war ein Räumungsbefehl von Notis Mitarakis, dem griechischen Minister für Migration und Asyl. Seine Begründung: Es sei administrativ einfacher, Geflüchtete in Großlagern zu versorgen – als in mehreren kleineren Camps. Allerdings wird von diversen zivilgesellschaflichen Organisationen vor Ort ein anderer Grund vermutet: dem Eingreifen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) zuvorzukommen, bei dem Anwälte mehrerer der Kinder im Pikpa Camp gegen eine mögliche Räumung geklagt hatten.

Efi Latsoudi, Gründerin von Lesvos Solidarity, umarmt ein Kind (Quelle: Lesvos Solidarity)
Efi Latsoudi, die Gründerin unserer Partnerorganisation Lesvos Solidarity,  umarmt ein Kind, das Angst vor den Polizeikräften hat (Quelle: Lesvos Solidarity)

Das ist völlig inakzeptabel und absurd. Ein Zufluchtsort wie Pikpa wird gewaltsam geräumt, während die griechische Regierung und die anderen europäischen Staaten gleichzeitig ein menschenverachtendes Moria#2-Großlager mit seinen inhumanen und katastrophalen Lebensbedingungen installieren.

Efi Latsoudi, Gründerin von Lesvos Solidarity

Für seine engagierte und kreative Arbeit mit Geflüchteten erhält das Team von Lesvos Solidarity um Efi Latsoudi seit vielen Jahren breite Unterstützung und auch internationale Auszeichnungen, u.a. 2016 des Fridjof Nansen-Flüchtlingspreises durch den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR). In den dramatischen Wochen vor dem 30. Oktober erreichten Minister Notis Mitarakis wegen seiner Räumungsandrohung gegen Pikpa Petitionen und Appelle aus der ganzen Welt. Vergeblich!

Efi Latsoudi, Gründerin von Lesvos Solidarity, mit einem Kind im Pikpa Camp. (Quelle: LOUISA GOULIAMAKI/AFP via Getty Images)
Efi Latsoudi und Lesvos Solidarity erhielten für ihre Arbeit viele Auszeichnungen (Quelle: Louisa Gouliamaki/AFP via Getty Images)

Die Polizeikräfte brachten die Menschen aus dem Schutzzentrum zunächst in das alte Kara-Tepe-Lager – nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Großlager, das die griechischen Behörden nach dem Brand in Moria aus dem Boden stampften. Allerdings droht auch Alt-Kara-Tepe in diesen Wochen die Räumung. Unter den Kindern und den Erwachsenen herrscht jetzt seit über drei Monaten panische Angst, am Ende doch in der neuen Zeltlagerstadt mit ihren katastrophalen Lebensbedingungen zu landen.

30.10.2020 – Ein schwarzer Freitag

„Was für ein Armutszeugnis für die Europäische Union – und was für eine Botschaft!“, so die Pfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin–Brandenburg–schlesische Oberlausitz Ute Gniewoß, die sich seit 2014 als eine der internationalen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen regelmäßig im ehemaligen Schutzzentrum Pikpa engagierte. „Acht Jahre menschenfreundliche Arbeit, für viele bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit – in wenigen Stunden ausradiert, soll nicht mehr gelten, nicht zählen. Gilt aber trotzdem. Zählt trotzdem!“, schrieb sie am 30. Oktober entsetzt.

Ute Gniewoß mit einem Kind, das mit seiner Mutter im Pikpa-Projekt untergekommen war (Quelle: privat)
Pfarrerin Ute Gniewoß engagierte sich während ihrer Jahresurlaube für Geflüchtete auf Lesbos (Quelle: privat)

Wer militärisch organisierte Spezialeinheiten gegen Kinder und Frauen in Marsch setzt, zeigt, wo er steht: ganz sicher nicht auf der Seite von Demokratie und Menschenrechten

Carsten Montag, Programm- und Projektvorstand der Kindernothilfe

Was die griechischen Behörden, finanziert aus EU-Mitteln, den Geflüchteten – die Allermeisten von ihnen aus Syrien und Afghanistan – die es in den vergangenen Jahren von der türkischen Küste aus in Schlauchbooten auf eine der Ägäis-Inseln geschafft hatten, „anbieten“, ist eine Unterbringung in sogenannten Reception and Identification Centres. Das Berüchtigste ist das provisorische Zeltlager Kara Tepe (Schwarzer Hügel) außerhalb von Mytilini auf einem ehemaligen Schießplatz der Armee – direkt am Meer. Auch vier Monate nach seiner Eröffnung sind die Bedingungen für die 7.500 Schutzsuchenden unverändert katastrophal und inhuman. Leben in Eiseskälte in Sommerzelten, im Schlamm und Dreck, viel zu wenig chemische Toiletten, unerträgliche hygienische Bedingungen, nicht ausreichendes Essen.

Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos (Quelle: Picture Alliance)
Schlamm, Dreck und Sommerzelte – die Zustände im Lager Kara Tepe sind menschenunwürdig (Quelle: picture alliance/AP | Panagiotis Balaskas)

Die beiden österreichischen Journalisten Johannes Pucher und Michael Völker beschreiben Kara Tepe in einer an Weihnachten erschienen Reportage für den Standard in Wien mit den Worten: Ein „Schandfleck, ein Mahnmal für das Versagen der Europäischen Union, ein Hort der Unmenschlichkeit. Ein Zustand, den die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten offenbar bewusst in Kauf nehmen, um den Flüchtlingen zu demonstrieren: Das erwartet sie, wenn sie sich auf den Weg nach Europa machen…“

Corona drängt alles in den Hintergrund

Im Aufmerksamkeitsschatten der alles beherrschenden Nachrichten über die Corona-Pandemie ist das Elend der Geflüchteten jedoch kein allzu großes politisches Thema. Die Evakuierung selbst von kranken Kindern und ihren Familien aus Kara Tepe und anderen Lagern kam während des Winters nicht voran.

Was derartige Bedingungen in Kindern auslösen, schildern die wenigen medizinischen Mitarbeitenden von Humanitären Organisationen, die von den griechischen Behörden überhaupt noch in das umzäunte Lager gelassen werden: Dauerstress, ganz viele wiederkehrende Panikattacken, Albträume und schwere Depressionen – ganz abgesehen von ständigen Erkältungen, Bronchitis-Erkrankungen, Magen-Darm-Infektionen und Hautkrankheiten als Folge der katastrophalen hygienischen Bedingungen. Dazu das extrem hohe Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren.

Geldbörsen und Etuis, die Geflüchtete auf Lesbos aus alten Rettungswesten herstellen (Quelle: Lesvos Solidarity)
Geflüchtete auf Lesbos nähen aus ausgedienten Rettungswesten Taschen, Etuis und Geldbörsen (Quelle: Lesvos Solidarity)

Das Lesvos-Solidarity-Team war gezwungen, eine Vielzahl von neuen Strategien zu entwickeln, um den Kontakt zu allen Kindern und Müttern aus dem aufgelösten Pikpa Camp zu halten, sie weiter psychologisch und medizinisch zu begleiten sowie Rechtsbeistand zu bieten. Mit virtuellen Gruppentreffen während der Lockdown-Phase und per Online-Unterricht versucht das Team, den aus Pikpa Deportierten zu helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Zu diesem Ansatz gehört auch die Produktion von aus ehemaligen Schwimmwesten gefertigtem Kunsthandwerk mit einem eigenen Label: Safe Passage!

Noch nie in der Geschichte waren so viele Menschen auf der Flucht wie 2020: Über 80 Millionen! Fast die Hälfte dieser Vertriebenen, Verfolgten, vor Kriegen und den Auswirkungen des Klimawandels Geflohenen sind Kinder und kommen zu 70% aus gerade mal sechs Ländern: Syrien, Venezuela, Afghanistan, [...]

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8. Februar 2021

Impfstoffe fair verteilen – gemeinsam gegen das Virus

Als „Erfolg für die Wissenschaft“, aber als „Niederlage für die Solidarität“ beschreibt UN-Generalsekretär António Guterres das aktuelle Desaster um die weltweite Verteilung von Impfdosen. Nach und nach werden die lang ersehnten Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Doch die Impfdosen sind knapp und deshalb heiß begehrt. Reiche Länder verhandeln einzeln mit den Pharmakonzernen und sichern sich so den Löwenanteil. Viele ärmere Länder gehen dabei leer aus und haben auf absehbare Zeit keine Chance, ihre Bevölkerung flächendeckend zu impfen. Das verschärft die Hunger- und Bildungskrise, die die Pandemie vielerorts ausgelöst hat, und zerstört die Zukunft abertausender Familien. Von einer globalen Impfgerechtigkeit kann keine Rede sein. Dabei wird uns diese ungleiche Verteilung von Impfstoffen irgendwann allen zum Verhängnis!

Im Kindernothilfeprojekt Baan Doi im thailändischen Mai Sae stellen die Waisenkinder selbst Masken her. (Foto: Baan Doi)
Im Kindernothilfeprojekt Baan Doi im thailändischen Mai Sae stellen die Waisenkinder selbst Masken her. (Foto: Baan Doi)

Ungleiche Verteilung der Impfdosen

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bisher 95 Prozent der Corona-Impfungen in nur zehn Ländern verabreicht. Dazu gehört auch Deutschland. Auf globaler Ebene gibt es einen regelrechten Wettlauf um den Zugriff auf die Impfstoffe. Vor allem ärmere Länder bleiben dabei auf der Strecke. Für Kinder und Jugendliche ist das besonders fatal: Sie laufen nicht nur Gefahr zu erkranken, sondern leiden auch unter den vielfältigen sozialen Folgeerscheinungen der Pandemie. Dazu gehören dauerhafte Schulschließungen, Hunger durch Verdienstausfall der Eltern, ein erhöhter Druck, selbst arbeiten zu müssen, und ein Anstieg der Gewalt durch Spannungen innerhalb der Familie.

„Wir sind der Meinung, dass der Impfstoff ein öffentliches Gut sein sollte“, erklärt EU-Ratspräsident Charles Michel.
„Wir sind der Meinung, dass der Impfstoff ein öffentliches Gut sein sollte“, erklärt EU-Ratspräsident Charles Michel.

Umso besorgniserregender ist, dass wenige reiche Länder, die zusammen gerade einmal 14 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, bereits über die Hälfte aller Corona-Impfdosen bis ins nächste Jahr aufgekauft haben. Für den Rest der Menschheit bedeutet das im schlimmsten Fall, dass 9 von 10 Personen frühestens 2022 gegen Corona geimpft werden können. Eine faire Verteilung sieht anders aus!

Die WHO kritisiert die nationalen Alleingänge und fordert weltweite Solidarität beim Impfen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus findet dafür klare Worte: „Ich muss unverblümt sagen: Die Welt steht am Rand eines katastrophalen moralischen Versagens.“

Warten auf den Impfstoff

In Kenia sind laut WHO bislang lediglich 50 Impfdosen angekommen, in Südafrika nur etwa 50.000 – und das, obwohl beide Länder an klinischen Tests für die Entwicklung der Impfstoffe mitgewirkt haben. Hinzu kommt, dass vor allem Südafrika mit besonders hohen Infektionszahlen kämpfen muss. Außerdem verbreitet sich dort seit kurzem eine deutlich ansteckendere Virusvariante. Gerade für den afrikanischen Kontinent gilt: Länder mit geringerer Kaufkraft haben es schwer, an Impfstoff für die eigene Bevölkerung zu gelangen.

Um Abhilfe zu schaffen, setzt die WHO auf ihr Covax-Programm – eine internationale Impfinitiative, die den gerechten und weltweit gleichen Zugang zu Impfstoffen gewährleisten soll. Nach Verhandlungen mit den Pharmafirmen sollen in diesem Jahr zwei Milliarden Impfdosen über das Covax-Programm weltweit zur Verfügung stehen. Besonders im Fokus stehen dabei die 92 am stärksten von Armut betroffenen Länder.

Verzweifelte Lage in Afrika

Für den afrikanischen Kontinent sieht Covax im Laufe des Jahres insgesamt 600 Millionen Impfdosen vor. Doch die ersten Lieferungen aus dem WHO-Programm werden dort frühestens im März eintreffen. Die Afrikanische Union hat sich zusätzlich weitere 270 Millionen Impfdosen gesichert. Doch auch hier sind nur erste Teillieferungen in den einzelnen Ländern angekommen. Niemand weiß, wann großflächige COVID-19-Impfungen dort möglich sein werden.

Zugleich braucht es Investitionen in die oft maroden Gesundheitssysteme und in das Gesundheitspersonal. Einige der bereits zugelassenen Impfstoffe müssen bei sehr niedrigen Temperaturen gekühlt werden. Das stellt die afrikanischen Staaten vor große Herausforderungen. In vielen ländlichen Regionen gibt es keine flächendeckende Stromversorgung und auch in großen Städten sind Stromausfälle keine Seltenheit. Um die Kühlkette nicht zu unterbrechen, sind spezielle Kühlschränke notwendig, was wiederum den Strombedarf erhöht. Neben der Beschaffung der Impfdosen ist also auch deren Lagerung und Verteilung ein Problem.

Auf der ganzen Welt hat das medizinische Fachpersonal alle Hände voll zu tun: Es versorgt die Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind und bereitet gleichzeitig die Impfungen vor.
Auf der ganzen Welt hat das medizinische Fachpersonal alle Hände voll zu tun: Es versorgt die Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind und bereitet gleichzeitig die Impfungen vor.

China und Indien liefern

Länder wie Indonesien, die Türkei oder Brasilien setzten bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie auf Impfstoffe von chinesischen Herstellern. Die Wirksamkeit gilt zwar als umstritten, doch sind die chinesischen Impfdosen besser haltbar und kostengünstiger als die der westlichen Pharmakonzerne. Sie sind somit auch für ärmere Länder leichter verfügbar. China etabliert sich zusehends als strategischer Partner für viele Länder und schließt Verträge über große Impfstoff-Mengen. Vor allem seine unmittelbaren Nachbarländer beliefert es mit mehreren Millionen Impfdosen.

Auch in Indien denkt man an benachbarte Länder, die nicht genug Geld haben, um sich Impfdosen bei den europäischen Herstellern zu sichern. Indien hat erklärt, den im eigenen Land produzierten Impfstoff der Pharmafirma AstraZeneca anderen Staaten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Länder wie Bangladesch, Nepal und Myanmar sollen so mehrere tausend Impfdosen erhalten. Indien will außerdem das Impfpersonal in den Partnerländern schulen und auf die Impfungen vorbereiten. All diesen solidarischen Bemühungen zum Trotz ist es noch ein langer Weg bis zu einer gerechten Impfstoffverteilung.

Und wo steht die EU?

Die europäischen Staats- und Regierungschef:innen kamen am 21. Januar zu einem digitalen EU-Gipfel zusammen und sprachen über die Corona-Pandemie. Der weltweite Ansturm auf die vorhandenen Impfkapazitäten ist groß und die EU-Staaten wollen vor allem ihre nationalen Impfkampagnen in Fahrt bringen. Sie ärgern sich über Lieferengpässe einiger Hersteller und konzentrieren sich auf eine reibungslose Verteilung der Impfstoffe in Europa. Das Thema der globalen Verteilungsgerechtigkeit erhält weniger Aufmerksamkeit. Dabei sieht es perspektivisch so aus, als hätte sich die EU mehr Impfstoff gesichert, als sie benötigt.

So jedenfalls äußerte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: „In einigen Monaten werden wir in Europa mehr Dosen haben, als wir brauchen können“. Sie forderte die europäischen Staaten auf, Impfstoffe an ärmere Länder weiterzugeben und sich für einen gerechten Zugang zu Impfstoffen einzusetzen. Damit soll die Impfinitiative Covax nicht wie bislang nur finanziell, sondern ganz konkret durch das Bereitstellen von Impfdosen unterstützt werden. Immerhin seien die EU-Mitgliedstaaten mitverantwortlich für die knappen Impfvorräte im Covax-Programm. Mit einer starken Beteiligung an der Covax-Initiative können die EU-Staaten viel zu einer gerechten Impfstoffverteilung auf der ganzen Welt beitragen – und damit auch im eigenen Interesse handeln.

Viele PolitikerInnen schauen nur auf ihr eigenes Land: Wir können uns jedoch am besten schützen, wenn Menschen auf der ganzen Welt gleichermaßen gegen COVID-19 geimpft werden.
Viele PolitikerInnen schauen nur auf ihr eigenes Land: Wir können uns jedoch am besten schützen, wenn Menschen auf der ganzen Welt gleichermaßen gegen COVID-19 geimpft werden.

Impfgerechtigkeit – ein Schlüsselelement in der Pandemiebekämpfung

Die global gerechte Verteilung von Impfstoffen kommt nicht nur den ärmeren Ländern zugute. So erklärte Ursula von der Leyen beim EU-Gipfel: „Impfstoffnationalismus riskiert Menschenleben. Nur Impfstoff-Kooperation rettet Leben“. Unausgeglichene Impfungen könnten die gesamte Pandemie verlängern. Wenn sich alle Länder um den vorhandenen Impfstoff streiten und jeder nur an sich denkt, werden sich nur die reichsten Staaten durchsetzen und große Teile ihrer Bevölkerung impfen. Das Virus hat währenddessen in anderen Teilen der Welt freie Bahn. Es kann immer wieder zurückzukommen – vielleicht sogar in mutierter Form. Dann sind vielleicht nicht einmal geimpfte Europäer:innen vor eventuellen Virusmutationen sicher.

Aus diesem Grund betont WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus: „Die oberste Priorität muss sein, einige Menschen in allen Ländern zu impfen, und nicht alle Menschen in einigen Ländern. Dies ist nicht nur ein moralisches Gebot und ein Gebot der öffentlichen Gesundheit. Es ist auch ein wirtschaftliches.“ Was die Welt jetzt braucht, ist ein globales, faires Verteilungskonzept und eine starke WHO, die dieses gemeinsam mit den Ländern durchsetzen kann. Denn allen ist klar: Die internationale Gemeinschaft kann COVID-19 nur gemeinsam besiegen.

Als „Erfolg für die Wissenschaft“, aber als „Niederlage für die Solidarität“ beschreibt UN-Generalsekretär António Guterres das aktuelle Desaster um die weltweite Verteilung von Impfdosen. Nach und nach werden die lang ersehnten Impfstoffe gegen COVID-19 zugelassen. Doch die Impfdosen s[...]

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